Häutungen!

Als Reaktion auf die letzten Beiträge hier im Blog habe ich etliche Zuschriften bekommen, die mich teilweise sehr betroffen machen. Darunter sind auch Nachrichten von weiteren schweren und schwersten Erkrankungen und Veränderungen. Dabei sollte doch eigentlich das Jahr der Schlange sehr positiv werden?

Drachenschlange gemalt von einem Roshi vom heiligen Berg Koya-San Japan

Drachenschlange
gemalt von einem Roshi
vom heiligen Berg Koya-San
Japan


Es ist jetzt das Jahr der Wasser – Schlange. Wasserschlangen gelten in China als sehr schwer zu durchschauen, weil sie, wie die echten Wasserschlangen auch, fast durchsichtig  und damit schwer zu erkennen sind. Auf der anderen Seite werden in der chinesischen Mythologie die Wasserschlangen, wenn sie alt genug sind, und sich oft genug gehäutet haben, zu Drachen. Und die Drachen sind himmlische Wesen.

Schlange-Charaktere häuten sich im übertragenen Sinne mehrfach in ihrem Leben. Die Schlange ist so tiefgründig, weil sie sich ständig mit existenziellen Dingen befasst, und sich durch Selbsterkenntnis immer wieder wandelt. Schlange-Charaktere sind ehrgeizig, klug und geschickt. Mit Zähigkeit und Ausdauer können sie jedes Ziel erreichen, allerdings brauchen sie oft eine Weile, bis sie wissen, auf welchem Gebiet sie arbeiten möchten. Das kann auch daran liegen, dass sie so vielseitig sind. Ihr ausgeprägtes Stilgefühl führt sie oft in die Modebranche oder in die Welt der Architektur und Ausstattung. Als Psychologen, Schriftsteller oder Ärzte nutzen sie ihr Einfühlungsvermögen und in der Wirtschaft stellen sie ihr ausgezeichnetes Organisationstalent unter Beweis. Ihr Selbstwertgefühl baut auf ihrem Erfolg auf, darum werden sie alles tun, um ihre Sache hervorragend zu machen! Damit sind sie eng verwand mit den Drachen, die sich nicht begnügen mit dem Mittelmaß. Der Drache duldet nur das Beste. Die Schlange unterscheidet sich vom Drachen lediglich dadurch. dass sie nicht hinauf zum Himmel fliegen kann. Sie wirkt lieber zunächst im Verborgenen.
Aber wenn sie sich dann endlich zum Drachen gehäutet hat, fliegt sie dort hin, wohin sie gehört: Ganz nach oben in den Himmel.

Offenbar ist jetzt eine Zeit der Häutungen, in der die Schlange nach ihrem wirklichen Wesen sucht. Jedenfalls lässt die Vielzahl der Meldungen, die hier eintreffen vermuten, dass  es eine Zeit des Durchganges und des Wandels ist. Hoffen wir, dass die Wandlungen zur Selbsterkenntnis führen. Aber leider werden wohl einige der Häutungen der Durchgang in  die endgültige Verwandlung sein. Das ist dann für diejenigen, die zurückbleiben sehr schmerzhaft. Aber auch das ist eine Häutung!

Schlangen wachsen ihr ganzes Leben lang. Weil die Haut nicht erneuert wird, ist es ihnen bald viel zu eng in ihrer Haut, und die alte wird abgestreift. Solche Häutungen gehen in aller Regel nicht gerade schmerzlos vor sich. Schlangen werden unruhig, weil die Haut zu eng geworden ist. Nach der Häutung sind sie unsicher, weil die neue Haut noch nicht so richtig schützt.

Kennen wird das nicht alle? Eines Tages ist uns die Haut, in der wir uns bisher wohl gefühlt haben, viel zu eng. Aber es tut weh, sich vom Gewohnten zu trennen, und in eine neue Haut zu schlüpfen. Es kann auch eine große Angst vor der Veränderung entstehen. Aber wenn wir uns weigern, in die neue Haut zu schlüpfen, werden wir eines Tages an der alten ersticken. Sie bietet keinen Raum mehr zum Atmen.
Anfangs ist die Schlange in ihrer Haut noch sehr verletzlich und sie zieht sich in Schlupflöcher zurück. Auch für uns ist es ungewohnt in der neuen Haut. Wir sind unsicher und haben Angst vor Verletzungen. Aber irgend wann werden wir merken, dass wir nun endlich wieder frei atmen können! – Bis zur nächsten Häutung!

Die Häutung, die sich in unserem Leben vollziehen, sind schmerzhaft und bereitet Angst. Aber sie sind ein Zeichen, dass wir wachsen und nicht stagnieren. Wenn wir aufhören zu wachsen, kann nur noch die völlige Erstarrung eintreten. Wer kennt nicht Menschen, die in völliger Erstarrung verharren und eigentlich schon mitten im Leben tot sind?

Der Wandel und die Häutung hat nur ein Ziel: Letztendlich werden wir zu dem Drachen, der schon seit unserer Geburt in uns wohnt. Er war nur noch nicht erwachsen!
Das ist ein schmerzhafter, aber immer wieder auch beglückender Prozess!
Denn Drachen sind auch nur eine Art von Schlangen: Sie wachsen weiter und weiter und häuten sich immer wieder!

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