Goldener Wind und Drachengesang

Der Zenmeister vom Wolkentorberg, den die Japaner Un-mon nennen, wurde einst von seinem Schüler gefragt:
Was ist, wenn die Bäume welken und die Blätter fallen?
Un-Mon antwortete: Der goldene Wind läßt das wahre Wesen erscheinen!

Ein anderer Mönch fragte seinen Meister:
Was ist der wahre WEG?
Antwort: Koboku Ryugin – in kahlen Bäumen Drachengesang.

Der Drachengesang gehört nicht in die Welt der fünf Töne. Der Gesang der Drachen ist das Blut des Lebens, das überall fließt. Es ist die Lebenskraft, die selbst in kahlen Bäumen sichtbar wird.
Es sind die Wolken, die aufsteigen und Regen und neues Leben bringen. Es ist der Gesang des Lebens und der Freude!
Ein Mönch fragte seinen Meister:
Gibt es denn einen einzigen Menschen, der den Gesang der Drachen hören kann?
Der Meister antwortete: Auf der ganzen Welt gibt es nicht einen einzigen Menschen, der den Gesang NICHT hören kann!

Goldener Herbstwind!
Tonloser Drachengesang
im trockenen Holz.


Wir sind im Myoshinan heftig am arbeiten.

Die Meditationshalle ist neu gestaltet worden.
Davor haben wir eine Pergola gebaut.
Und in der letzten Woche haben wir mit einem kleinen japanischen Garten vor der Halle begonnen.
Das Tsukubai , ein kleiner Bachlauf und ein Miniteich sind entstanden. Es fehlt noch der Kies und einige Arbeiten an der Pflanzung.

Nun muss alles noch einwachsen.
Aber dazu haben die Pflanzen ja den ganzen Winter über Zeit genug.

TERMINE

Konzert: Goldener Wind
Gruppe Drachengesang (Gerhardt Staufenbiel, Rainer Rabus, Winfried Lernet)
Japanisches Teehaus Myoshinan
Samstag 22. Oktober 2016
Beginn 19.00 Uhr
Karten im Vorverkauf:  Drachengesang Vorverkauf

Seminar am Feuerberg
Am Feuerberg gibt es in diesem Jahr zum zweiten mal eine Woche mit Teezeremonie, Shakuhachi und philosophischen Gesprächen. 
Sonntag, 16. Oktober 2016 bis Donnerstag 20.10.2016

Spirit am Berg

Teeweg am Benediktushof
Seminar mit Übungen des Teeweges am Benediktushof. Anmeldung am Benediktushof.

Teeweg in Sachsen – Anhalt
17. Dezember
Anfragen an Myoshinan

Japanreise 2017
In den Osterferien 2017 werden wir wieder eine Reise nach Japan durchführen. Anmeldung spätestens im Dezember.

Lied unter dem Septembermond

Meigetsu No Uta – Lied unter dem Septembermond.

Der Septembermond heißt in Japan Mei-getsu, »Namen-Mond«. Er hat deshalb einen besonderen Namen, weil der Mond im September ein ganz besonderer Mond ist. Eigentlich ist er der Chūshū no meigetsu 中秋の名月, der Mond in der Mitte des Herbstes, in der Mitte der Erntezeit. Um den 15. Tag des Monats steht der volle Mond am Himmel. Es ist der Mond des Jūgoya 十五夜, der 15. Nacht. In Japan feiert man an diesem Tag das
Tsukimi, das Mondbetrachtungsfest. Die Tokonoma wird mit den blühenden Wedeln
vom Suzuki Gras geschmückt und man isst süße Reiskugeln, die an den Vollmond
erinnern sollen.

Aber nicht nur der Septembermond, sondern auch der Oktobermond ist sehr schön.
Man sagt in Japan, das es Unglück bringt, wenn man nur einen der beiden Monde
betrachtet. Darum schaut man nicht nur den September-, sondern auch den Oktobermond
in der 15. Nacht des jeweiligen
Monats. Im Oktober isst man zur Mondschau
keine Reiskugeln, sondern braune Kastanien. Damit wird sowohl die helle als auch die
dunkle Seite des Mondes gefeiert.

Wir werden hier im Myoshinan im September und auch im Oktober um die 15. Nacht herum jeweils ein Konzert spielen. Dabei werden zwei Stücke auf der Shakuhachi
erklingen, Oborotsuki und A-Ji-Kan, die ich hier näher erläutern möchte.

Oborotsuki

Das Stück ist ein charakteristisches Lied aus dem Ichōken Tempel in Hakata. Es beginnt mit dunklen und leisen Tönen, die ganz langsam ansteigen. Sie schildern den Mond, der hinter Wolken verborgen ist und hin und wieder etwas aufscheint, um dann wieder zu verschwinden. Allmählich werden die Töne heller und klarer: Der Mond kommt langsam hinter den Wolken hervor und sein Licht leuchtet klar und rein. Nun glitzert das Licht auf den Wellen eines kleinen Baches und die Blätter der Bäume funkeln. Allmählich werden die Töne wieder dunkel – der Mond verschwindet schließlich vollkommen hinter den Wolken.

Früher einmal habe ich das Stück in Griechenland in einem weinumrankten Innenhof in einer Vollmondnacht gespielt. Der Mond selbst war nicht zu sehen, aber sein silbernes Licht schimmerte sanft durch das wirr ins Dunkle gewundene Weinlaub. Die ganze Natur schien still und stiller zu werden, nur ein paar Vogelrufe waren zu hören.
Als das Stück verklungen war, lauschte ich noch lange dem Nachklang der Stille. Unwillkürlich fiel mir eine Zeile aus den Zhuangzi ein:

„ Hast du nicht die Blätter gesehen, wie sie in tönendem Nachhall erzittern?“

Das Schriftzeichen `Oboro 朧` im Titel wird mit einem Schriftzeichen geschrieben, das vorne den Mond zeigt und im hinteren Teil einen Drachen. Die Drachen leben im Wasser. Wenn sie aufsteigen, nehmen sie Dunst und Wolken mit auf ihrem Weg und bringen Regen. Man sagt: „Wo Drachen sind, sind auch Wolken.“ Geheimnisvoll und mystisch verbirgt der Drache den Mond, der selbst wie ein Drache ist.

Als Teemensch empfinde ich den verschleierten Mond als sehr verwand. Der Teemeister Murata Jukō, der große Vorläufer Sen Rikyū’s hatte einmal geschrieben:

Tsuki mo kumoma no naki wa iya nite sōrō.
Den Mond ohne vorüberziehende Wolken mag ich nicht.

Damit beschrieb Murata Jukō (ca. 1423 – 1502) ein ästhetisches Ideal Japans. Nicht das Elegante, Glatte und Leuchtende, sondern das aus dem Verborgenen Aufscheinende ist die wahre Schönheit. So sind auch unsere Shakuhachi nicht glatt und elegant, sondern eher rau und ursprünglich. Ihre Schönheit bleibt denen, die nur das Elegante erwarten, verborgen. Sie zeigt sich erst dem geübten Blick, der sich auf das Ursprüngliche einstellt. Auch ihr Ton ist eher rau und geheimnisvoll dunkel als elegant und glatt. Aber seine raue Schönheit spricht unmittelbar das Herz an.

Vor einiger Zeit habe ich einen Text gefunden, den Myōe Shonin 明惠上人 (1173-1232) über den Mond hinter Wolken geschrieben hatte.

„Vogelnest – Myōe“ meditiert in einer Baumkrone
Hängerolle aus dem Kōsanji

Myōe war als Priester des esoterischen Shingon – Buddhismus nach Kyōto gekommen, wo er in den rauen und kalten nordwestlichen Bergen den verfallenden Tempel Kōzanji wieder restaurierte, der heute ein Weltkulturerbe ist. Mitten in Wäldern von riesigen alten Zedernbäumen liegt der Kōzanji im tiefen Schatten. Es ist kühl und feucht und man spürt heute noch die einsame Lage des Tempels weit ab von der Hauptstadt.
Myōe kam in Kontakt mit Eisai, der den Zen und den Tee aus China mitgebracht hatte, und er erlernte von Eisai die Zenmeditation. Myōe war in seiner Meditationsübung so streng, dass er gern in den Gipfeln von Bäumen saß, um zu meditieren. Dies brachte ihm den Beinamen Chōka Shōnin – Vogelnest Shōnin – ein.

Er verachtete seinen Zeitgenossen Hōnen, der meinte, ein einfaches Rezitieren des Namens Buddha’s würde zur Erleuchtung führen. Nur intensives und strenges Üben führt uns nach Myōe`s Meinung zum Licht.

Eisai schenkte seinem Freund Myōe einige Teepflanzen, die er in einem Teegarten neben dem Tempel anbaute. Später kaufte Myōe – so will es wenigstens die Legende – ein Grundstück in Uji, um dort im milderen Klima Tee für seinen Tempel anzubauen. Dies ist der Ursprung des berühmten Teeanbaus von Uji.

Myōe beschrieb die „zehn Tugenden des Tee“:

Tee hat den Segen aller Götter,
er fördert die kindliche Pietät,
verjagt die Teufel,
vertreibt die Schläfrigkeit,

hält die fünf Organe in Harmonie,
stärkt die Freundschaft,
schult Körper und Geist,
zerstört die Leidenschaften
und schenkt einen friedvollen Tod.

Besondere Beziehung hatte Myōe zum Mond. Schon sein Name 明惠 enthält vielleicht eine solche Beziehung. 明 Myō – das Leuchten, das klare Licht und 惠 e – Gnade, Gunst, Segnung. Die Wolken, die den Mond verschleiern, waren für Myōe die Illusionen und Träume, die unser ganzes Leben prägen. Der klare Mond ohne Wolken steht für den Zustand des Erwachens aus den Träumen und Illusionen.

Das alltägliche Leben vor dem Erwachen als Traum und Rausch ist ein altes buddhistisches Thema, das schon im Iroha, dem japanischen Silbenalphabet gestaltet ist, das in Gedichtform aufgeschrieben wurde:

iro.ha nioedo chirinuru.o wa.ga yo tare zo tsune naran
ui.ga yo tare zo tsune naran
ui.no oku yama kyô koete
asaki yume miji ehi.mo sezu

Die Farben sind noch frisch,
doch sind die Blätter, ach, schon abgefallen!
Wer denn in unserer Welt wird unvergänglich sein?

Die Berge fernab von den Wechselfällen (des Lebens) heute überschreitend,
Werde ich keinen seichten Traum mehr träumen,

bin auch nicht berauscht.

Myōe schrieb über fast vierzig Jahre seine Träume und Visionen auf, vielleicht weil er in der Rückschau auf seine Visionen seinen persönlichen Weg ins Licht und die Klarheit zurückverfolgen wollte. Dieses Werk – Kōben Yume-no-Ki – findet heute wieder große Beachtung. Auch Psychologen interessieren sich für die Träume eines buddhistischen Mönches aus der frühen Kamakura Zeit, um Rückschlüsse auf die menschliche Natur zu ziehen.
Über den Mond und die vorüberziehenden Wolken schrieb Myōe einen Text, der mir immer wieder zu Herzen geht. Manchmal erscheint mir dieser Text fast wie die Vorlage für unser Stück Oborotsuki.

Myōe schildert, wie er in der einsamen Bergwelt seines Tempels in der Winternacht meditierte. Das Datum, das er angibt, ist sicherlich ein symbolisches Datum. Die 12. Nacht des 12. Monats des Jahres 1224, wobei der zweite Teil der Jahreszahl wieder 2 x 12 ist.
Als er aus der Meditationshalle kam, erschien der Mond hinter den Wolken, die Illusionen waren verschwunden und er hatte zur Klarheit des Erwachens gefunden. Nicht einmal das Heulen der Wölfe bereitete ihm noch Furcht. Aber der Mond verschwand wieder hinter den Wolken, als er ins alltägliche Leben im „unteren Quartier“ zurückkehrte, so wie wir in den Wirren des Alltags wieder in die Wolkenwelt eintauchen. Erst, als Myōe erneut aus den unteren Räumen ‚überwärts’ nach oben in die Meditationshalle ging, kam der Mond wieder hinter den Wolken hervor. Es ist, als würde Myōe aus den Tiefen der Träume und Illusionen hinaufsteigen in die Klarheit des Erwachens. Als er dann oben angekommen war in der Meditationshalle, verschwand der Mond endgültig hinter den Bergen um einzugehen in die endgültige Klarheit des endlosen Dunkels, ins Nicht.

Ich habe versucht, Myōe’s Text ins Deutsche zu übertragen. Ich hoffe, dass die Übersetzung nicht allzu schlecht geraten ist.

Oborotsuki – der verschleierte Mond

In der Nacht des zwölften Tages des zwölften Monats des Jahres 1224

War der Mond hinter Wolken verborgen.
Ich saß in Zen Meditation in der Kakyu Halle.

Als die Stunde der Nachtwache um Mitternacht kam
beendete ich die Meditation, verließ die obere Halle und ging in die unteren Quartiere.

Als ich so ging,
kam der Mond hinter den Wolken hervor.

Der Schnee leuchtete auf
und der Mond war mein Wegbegleiter
und nicht einmal das Heulen des Wolfes im Tal
ließ Furcht aufkommen.

Später, als ich noch einmal aus dem unteren Quartier kam,
war der Mond wieder hinter den Wolken verborgen.

Ich ging hinauf zum Hügel
und der Mond sah mich auf meinem Weg.

Ich trat ein in die Meditationshalle,
und der Mond, die Wolken vertreibend,
versank hinter den Gipfeln.

Und es schien mir, er bewahre das Geheimnis unserer Gemeinschaft.

Dies schrieb Myōe Shōnin, Abt des Kōzanji Tempels in Kyōto

A ji Kan – Meditation auf den Laut A

Auch dieses Stück ist charakteristisch für den Ichōken Tempel in Hakata. Es verlangt
allerhöchste Konzentration, denn es beginnt mit sehr schwierig zu spielenden hohen
und ganz langen Tönen. Ist man auch nur im geringsten abgelenkt oder nicht voll beim
Spiel, so klingen diese Töne unschön, hart und falsch. Deshalb gibt es den Spruch:
»Ichi On – Busshin« »Ein Ton – Buddhaherz!« Wir sind beim Spiel vollkommen im
Augenblick ohne jeden störenden anderen Gedanken und ohne jede Ablenkung. Das ist
die Verwirklichung des Buddhaherzens.

Man kann den Zusammenhang mit dem Mond bei diesem Stück nicht unmittelbar
erkennen, dazu ist weiteres Wissen nötig. A-Ji-kan ist eine alte Meditationsmethode aus dem Shingon Buddhismus.

`A` ist der erste Buchstabe `Ji` aus dem Sanskrit Alphabet. Er steht für die Schöpfung
und den gesamten Kosmos. Im Shingon meditiert man auf diesen Laut, indem man ein
Bild des Sanskritbuchstaben betrachtet, das über einem Lotos schwebt und dabei den
Laut rezitiert. Dieser Lotos wieder ist mitten in einem Kreis, der den vollen Mond darstellt.

Es gibt eine sehr alte Meditation auf den vollen Mond. Es wird empfohlen, sich in die
Einsamkeit der Berge zurückzuziehen. Wenn man ganz zur Ruhe gekommen ist,
betrachtet man den Vollmond und schließt dann langsam die Augen. Das helle, klare
und milde Licht des Mondes beginnt dann, mitten in unserem Herzen zu strahlen, und
wir werden so klar und rein, wie der Mond. Nicht nur verliebte Pärchen werden vom
milden Mondlicht verzaubert.

Bei der Meditation auf den Laut ‚A‘ sitzt man zunächst still, zum Beispiel in der Meditationshaltung des Zen. Im Shingon betrachtet man ein Bild des A auf dem Lotos
und schließt die Augen. Nun beginnt man, das ‚A‘ zu rezitieren. Laut oder leise, hoch
oder tief, ganz so wie es sich gut anfühlt. Wir versuchen, den Laut so lange wie möglich
zu rezitieren. Dadurch wird der Atem ganz tief und wir atmen bis tief in den Unterbauch.
Man spürt die Resonanz dieses Lautes im Brustkorb in der Höhe des Herzens. Durch
das Bild des Lotos im Mond, das wir in diese Meditation mit hineingenommen haben,
spüren wir, wie das helle und sanfte Mondlicht unser Herz erfrischt und klar werden
lässt. Alle Sorgen und alle Beschränkungen verschwinden. Nach einiger Zeit der
Rezitation hören wir nur noch die Stille in uns. Es wird eine wunderbare und tiefe
Meditation.

Im Shingon gibt es einen kleinen Text, mit dem man diese Meditation beschreibt:

A-ji no ko ga a-ji no furusato tachi ide,
Mata tachikaeru a-ji no furusato.
A-ji no ko ga hasu no utena ni nori no fune,
Tsuki no miyako ni ima kaeru nari.

Das Kind von Aji-kan: ursprüngliche Heimat der Sehnsucht
Und die Rückkehr in die verlorene Heimat.

Die Frucht von Aji-Kan:
Wie die Blüte des Lotus in einem Boot aus Seetang
Jetzt: Rückkehr in die klare Helle des Mondes.

Das »Kind« des A-Ji-Kan entsteht in unserem Herzen, in das wir den Samen der Sehnsucht gesät haben. Furosato ist die alte Heimat, die wir verlassen haben. Aber die
Sehnsucht nach dieser ursprünglichen Heimat bleibt immer im Herzen. Diese ursprüngliche
Heimat ist nicht nur ein realer Ort, es ist vielmehr unsere ursprüngliche Ganzheit,
die wir schon mit der Geburt verloren haben. Es ist die unstillbare Sehnsucht nach
Ganzheit und Heilung zu unserem ursprünglichen Wesen.

So wie sich der Lotos rein und unbefleckt aus dem Seetang oder aus dem Schlamm
erhebt, so kann plötzlich unser ursprüngliches Wesen aufscheinen.

Die Wendung Tsuki no miyako heißt wörtlich: `Hauptstadt des Mondes`. Wir kehren
zurück in die Hauptstadt des Mondes?

Diese Wendung bezieht sich auf eine der ältesten Legenden Japan, die von einem unbekannten
Autor in unbekannt früher Zeit aufgeschrieben wurde. Jedes Kind in Japan kennt die
Geschichte vom Taketori, vom Bambussammler, der in einem Bambus ein winziges,
wunderschönes und leuchtendes Mädchen findet. Er nimmt sie mit nach Hause, wo sie
zu einer wunderschönen Frau heranwächst. Alle Männer verlieben sich in sie, schließlich
hält sogar der Tenno um ihre Hand an. Aber da kommen auf den Strahlen des
Mondlichtes himmlische Wesen und holen das Mädchen aus dem Bambus zurück in
ihre Heimat in die Hauptstadt des Mondes. Sie war wegen einer schlechten Tat nur für eine kurze Zeit auf die Erde verbannt worden, nun wird sie von ihrem Volk wieder in die Heimat auf dem Mond zurückgeholt.

Termine

Konzert: Lied unter dem Septembermond
Gerhardt Staufenbiel / Micheal Mihaljevic: Shakuhachi
Carola Catoni: Texte und Lyrik
Sonntag, 18. September 2016
Beginn: 18.00 Uhr

Ort: Myōshinan Teehaus, Igensdorf, Oberrüsselbach
Am Rosenberg 5

Konzert: Blüten und Einsichten
Gerhardt Staufenbiel / Micheal Mihaljevic: Shakuhachi und Teezeremonie
Carola Catoni: Texte und Lyrik
Samstag, 24. September 2016
Beginn: 18.00 Uhr

Ort: Bad Brückenau

Herbstkonzert des Ensembles Drachengesang
Gerhardt Staufenbiel, Rainer Rabus, Winfried Lernet
Samstag, 22. Oktober 2016
Beginn: 19:00 Uhr Ende gegen 21.00 Uhr

Ort: Myōshinan Teehaus, Igensdorf / Oberrüsselbach
Am Rosenberg 5
Eintrittskarten online

Seminar am Feuerberg, Kärnten
zusammen mit Carola Catoni und Sigrun Wunderlich:
Wege zum Glück
Einweihung des Teeraumes am Feuerberg
Mein Schüler Richard Bürger, der regelmäßig über Skype bei mir Unterricht erhält, führt dort regelmäßig Teezeremonie vor.

Herbsttag: Drachengesang

Ryūgin – Gesang der Drachen
Draußen vor dem Fenster liegt dichter Nebel.
Das Dorf und die Kirche sind verschwunden, nur die Glocken klingen gedämpft und fern.
Direkt vor meinem Fenster der knorrige Stamm des toten Apfelbaumes, dahinter verhangen im Nebel die Felsenbirne mit ihrem feurig roten Herbstlaub.
Rundherum: reine Stille!
Es ist, als wäre die ganze Welt verschwunden. Ich werde still und staune!

Im Zen sagt man, dass nun die Zeit des Goldenen Windes kommt. Der Goldene Wind weht das farbige Herbstlaub zu Boden. Die reine Leere erscheint und bald stehen kahle Bäume in winterlichen Weiß. Sie gleichen toten Holzpfählen, die leblos im Nebel stehen. Hölderlin dichtet in einem kleinen Gedicht, das er als Letztes noch selbst veröffentlicht hat:

Der Winkel von Hahrdt
Hinunter sinket der Wald,
Und Knospen ähnlich, hängen
Einwärts die Blätter, denen
Blüht unten auf ein Grund,
Nicht gar unmündig.

Der Winkel von Hardt ist eine Felsformation im Wald beim Dorf Hardt, am Hang gegenüber von Hölderlins Heimatstadt Nürtingen. Wer einmal dort gewesen ist, spürt eine geradezu magische Anziehungskraft dieses versteckten, ‚gesparten‘ Ortes. Der Wald sinkt hinunter. Es ist genau die Zeit des Goldenen Windes. Langsam ziehen die Bäume ihren Lebenssaft zurück und sammeln ihre Kraft in den Wurzeln. Die Blätter werden welk und hängen ‚einwärts‘, ganz in sich zurückgezogen. Aber es ist nicht die Trauer des Abschieds oder des Todes. Sie blühen auf – ‚Blüten gleich‘ – in der vollen und atemberaubenden Schönheit des Herbstes. Bald lösen sie sich, und beim leisesten Windstoß fallen sie ganz von allein. Aber sie fallen nicht in einen bodenlosen Abgrund. Ihnen ‚blüht unten auf ein Grund‘ in prachtvollen Herbstfarben. Die blütengleichen Blätter und der aufblühende Grund neigen sich einander zu in tiefer Zu-Neigung und schenken sich gegenseitig die prachtvoll leuchtenden Farben des Herbstes. Aber es ist die Farbe des Weg-Ganges. Was bleibt, sind die kahlen Bäume des Winters und das farblose Weiß.

Einmal fragte ein Mönch seinen Zenmeister (Tōsu Daidō 819 – 914): »Gibt es den Gesang der Drachen in den kahlen Bäumen oder nicht?« Drachen singen in kahlen Bäumen? Der Meister antwortete: »Ich sage: Es ist das Brüllen des Löwen in Totenschädeln!« Die trockenen und kahlen Bäume sind wie die Totenschädel, der Gesang des Drachen ist wie das Gebrüll des Löwen? Das ist umso verwunderlicher, als die Wendung shishi-ku, Löwengebrüll für die Predigt des Buddha gebraucht wird, mit der er die Möglichkeit der Befreiung vom Leiden kündet. Der Gesang des Drachen im kahlen Holz ist nicht anderes als die frohe Botschaft, dass es die Befreiung vom Leiden gibt?!

Zenmeister Dōgen sagt (Dōgen: Shōbōgenzō, Kapitel 65, Ryūgin.):

»Es gibt Bäume in den Bergen und Tälern, auf den Reisfeldern und in den Dörfern!
Die Bäume in den Bergen und Tälern sind Kiefern und Eichen, die Bäume auf den Reisfeldern und den Dörfern sind himmlische Wesen und Menschen.«

Auch die Menschen sind Bäume. Sie wurzeln im Boden der Tradition und der Überlieferung. Sie tragen Früchte, und die Lebenskraft fließt von den Wurzeln bis in den Himmel und lässt Blüten und Früchte wachsen. Manchmal scheint die Lebenskraft zu schwinden und der Baum wird wie trockenes Holz. Alles Leben, alle Freude scheint gewichen zu sein.
Jemand, der bewegungslos in tiefer Meditation sitzt, sieht aus wie ein lebloser trockener und toter Baum oder ein Totenschädel, der sich nicht mehr bewegt. Er ist scheinbar abgestorben und wie totes Holz oder kalte Asche. Aber wer das so sieht, hat niemals die Stille und die Kraft in der Meditation erfahren. »Solche Menschen denken, kahle Bäume seien völlig ausgetrocknet und würden den Frühling niemals mehr erleben«, sagt Dōgen. Das bewegungslose Sitzen aber ist wie die Rückkehr in die Wurzeln, der Kontakt mit dem Ursprung des Lebens. Wer so austrocknet, dass er im Frühling keine Blüten mehr treibt, der hat niemals den Gesang der Drachen vernommen.

Einst versorgte eine alte Frau einen jungen Mönch, damit er in seinen Übungen Fortschritte machen könnte. Nach 20 Jahren Übung saß er wie totes Holz oder kalte Asche. Aber die alte Frau war misstrauisch und schickte ihm eine junge schöne Frau. Die schmiegte sich wie eine blühende Ranke an ihn, während er in Meditation saß. Aber er rührte sich nicht und sprach nur die Worte:

Ein alter Baum wächst auf einem Fels im Winter.
Nirgends eine Spur von Wärme!

Als die alte Frau das hörte, wurde sie sehr zornig, ging zur Hütte des Mönches und brannte sie nieder. Wenigstens auf diese Weise kam Wärme in seine Empfindungen!
Zenmeister Ikkyū (Ikkyū Sōjun 1394 – 1481) dichtete als Antwort auf diese alte chinesische Geschichte:

Wollte sich mir / heute Nacht / eine schöne Frau versprechen, / die verdorrte Weide / würde Knospen treiben / wie im Frühling.

Die Zenmeister des alten China haben offenbar sehr oft über den Gesang der Drachen in den dürren Bäumen gesprochen. Jedenfalls überliefert der japanische Zenmeister Dōgen viele ihrer Gespräche über den Drachengesang.

Ein Mönch fragte den Meister:
»Was ist der wahre WEG?«
»In einem kahlen Baum singt ein Drache!«

Aber der Gesang der Drachen ist nicht mit den Ohren zu hören. Dōgen sagt, der Gesang der Drachen stammt nicht aus der Welt der fünf Töne. Die Fünf Töne sind die Tonleiter der pentatonischen Tonleiter. Sie bilden den gesamten Kosmos ab. Es sind keine Stimmen oder Töne, die den Gesang bilden. Eigentlich ist die Wendung Gesang nicht ganz richtig. Das Wort Gin 吟 bezeichnet vielerlei Geräusche vom Singen, Rezitieren, Ächzen, Stöhnen bis hin zum Brüllen und Heulen. Der Gesang in Noh-Theater, der für unsere westlichen Ohren nicht gerade schön und melodisch klingt, wird damit bezeichnet.

Der Drachengesang ist nicht immer schön und lieblich. Gerade die kahlen Bäume des Winters sind der Gesang der Drachen. Die Kahlheit zeigt den Rückgang zu den Wurzeln. Von außen gesehen ist es die Kargheit oder gar der Tod. Aber wer Augen hat zu sehen, weiß, dass es die Rückkehr zum Ursprung ist. Nicht nur der Rückgang in den Ursprung ist der Drachengesang. Dōgen sagt: »Das Keimen des Samens ist auch der Gesang der Drachen!« Das gesamte Leben ist Drachengesang. Auch der kleine Hund zu meinen Füßen, der im Schlaf bellt, weil er im Traum mit anderen Hunden spielt, ist Drachengesang.

Der chinesische Meister Zhuangzi beschreibt, wie der Meister Nanguo Ziqi – Meister ‚Buntgescheckt vom Südweiler‘ – in Meditation auf seine Armlehne gestützt zum Himmel aufschaut, langsam ausatmet und sich leer macht. Plötzlich war er in tiefer Meditation versunken und hatte scheinbar jedes Bewusstsein seines Ich-Begleiters, seines Ego verloren.
Meister Yan Cheng Zi-You – nach einer Übersetzung heißt er ‚Herr Wanderer von völliger Gemütsruhe – der vor ihm stand und ihm aufwartete, war erstaunt, als er den Meister sah, wie dessen Herz oder Geist »wie tote Asche oder trockenes Holz« wurde. Alle Leidenschaften und persönlichen Gefühle, Ängste und Sorgen waren von ihm abgefallen und er sprach:

Gerade habe ich mich selbst verloren. Du magst die Flöten der Menschen gehört haben, aber nicht die Flöten der Erde. Du magst die Flöten der Erde gehört haben, aber nicht die Flöten des Himmels.

Herr Wanderer verstand nicht, was die Flöten des Himmels sein sollen. Er kannte nur die Flöten der Menschen, die wie »aufgereihte Bambusrohre« sind. Je lauter diese Flöten klingen und ihren Lärm verbreiten, desto weniger vermag man die Flöten des Himmels zu vernehmen. Bevor ihm Meister Nanguo die Flöten des Himmels erklärte, schilderte er ausführlich eine andere Art von Musik, die Flöten der Erde:

Der Große Klumpen – die Erde – stößt einen Lebensatem (Ki) aus, den man Wind nennt. Solange er nicht bläst, geschieht nichts. Hebt er jedoch zu blasen an, dann beginnen Myriaden Löcher zu heulen. Hast du nie sein Seufzen gehört?
Die Spalten und Klüfte der aufsteilenden Berge, die Löcher und Hohlräume der riesigen Bäume von hundert Spannen Umfang: Sie sind wie Nasenlöcher, wie Münder, wie Ohren, wie Sockel, wie Becher, wie Mörser, wie die Kuhlen, in denen sich Pfützen und Teiche bilden. Der Wind bläst über sie hinweg und macht das Geräusch von sprudelndem Wasser, von sirrenden Pfeilen, schreiend, keuchend, rufend, weinend, lachend, grollend. Die erste Böe singt Ayii, der folgende Windstoß singt Houuu. Eine leichte Brise ruft eine kleine Antwort hervor, ein heftiger Sturm lässt einen mächtigen Chor erschallen. Verebbt das Stürmen, so sind alle Höhlungen still. Hast du nicht die Blätter gesehen, wie sie in tönendem Nachhall erzittern?

Meister Nanguo beschreibt ganz offenbar den Gesang der Drachen. Der ist nicht wie der Gesang der Menschen. Aber wer die Drachen gehört hat, singt fortan anders. Dōgen sagt: »Die Menschen, die das Singen der Drachen hören, und auch selbst singen können, unterscheiden sich sowohl von einem singenden Drachen als auch von einem singenden Menschen! Die Melodie ihres Gesanges ist der Drachengesang selbst. In einem kahlen Baum und in einem Totenschädel gibt es kein Innen und kein Außen – kein Selbst und keine Anderen! Hier ist das Jetzt der Ewigkeit!« Wer den Drachengesang gehört hat, wird Eins mit Allem! Er singt fortan aus dieser Einheit, in der es keine Angst vor dem Anders-Sein, kein Misstrauen und keine Missgunst mehr gibt.

So hatte auch Meister Nanguo seinen Ich-Begleiter, sein Selbst verloren. Er war Eins geworden mit dem Hören der Töne des Himmels. Aber die sind noch anders als das Tönen der Erde, die er vorher beschrieben hatte. Die Flöten des Himmels klingen unhörbar und tonlos! Der Herr Wanderer, der dem Meister Nanguo Ziqi aufwartete, fragte denn auch noch einmal nach:

Die Töne der Erde – di lai – sind keine anderen als all jene Höhlungen, die ihr beschrieben habt. Die Töne der Menschen – ren lai – sind die der aufgereihten Bambusröhren. Darf ich fragen, was die Töne des Himmels – tien lai – sind?

Das Leer-Werden ist die Voraussetzung dafür, dass die Töne in dieser Leere klingen können. Sind die Höhlungen und Öffnungen der Erde angefüllt, so klingen sie nicht. Die Töne der Erde sind die Geräusche, die der Lebensatem, der Wind erzeugt, wenn er über die Höhlungen fährt. Die Frage ist, welche Höhlungen tönen, wenn es um die Musik des Himmels geht. Die Wendung tien lai wird auch für wunderschöne Poesie verwendet. Die Poesie ist wie der Gesang des Lebensatems, des Windes am Himmel. Der Meister Nanguo Ziqi beantwortet die Frage nach dem Ursprung der Himmels-Töne mit einer entscheidenden Wendung:

Die Töne des Himmels – tien lai – blasen auf 10 000 verschiedene Weise und sie bewirken sich selbst – zi ji. All dies ergibt sich selbst – zi qu, wer sollte dies betreiben?

Die Töne des Himmels sind von selbst so! Da ist niemand und nichts, was sie erzeugen oder betreiben würde, sie sind einfach. Die Töne der Erde sind die Antwort auf den Lebensatem, die Töne des Himmels sind einfach da. Eigentlich sind die Töne des Himmels auch überhaupt nicht hörbar. Wir hören immer nur die Töne des Menschen, die oft so laut sind, dass sie alles andere übertönen. Verstummen die Töne des Menschen, so fliehen wir oft in das laute Getön des alltäglichen Getriebes, weil wir die Stille, die sich dann auftut, nicht mehr ertragen können. Die Stille spricht nicht mehr zu uns, weil wir durch das tägliche Getöse taub geworden sind.

Im Gesang »Der Archipelagos« schildert Hölderlin, wie die Menschen in rastlosem Treiben gefangen sind und sich selbst in gewaltigem Lärm des rastlosen Machen-Müssens betäuben:

Aber weh! es wandelt in Nacht, es wohnt, wie im Orkus,
Ohne Göttliches unser Geschlecht. Ans eigene Treiben
Sind sie geschmiedet allein und sich in der tosenden Werkstatt
Höret jeglicher nur und viel arbeiten die Wilden
Mit gewaltigem Arm, rastlos, doch immer und immer
Unfruchtbar, wie die Furien, bleibt die Mühe der Armen.

Die Menschen sind ‚allein‘ also ausschließlich ans eigene Treiben geschmiedet und dadurch ‚allein‘ und einsam. Sie sind unfrei und ausschließlich an ihr rastloses Treiben gekettet. Dadurch sind sie allein, ohne echte Bindung an die Anderen oder das Göttliche. Der tosende Lärm der rastlos tobenden Werkstatt übertönt nicht nur die Töne der Erde, sondern auch die unhörbaren Töne des Himmels. Wie sollten die Menschen da in der Lage sein, das Singen des Drachen zu vernehmen?
So fragte auch einst ein Mönch ganz besorgt den Meister Sōzan:

»Ich frage mich, ob es einen Menschen gibt, der das Singen des Drachen hören kann!«
Sōzan antwortete:
»Auf der ganzen Erde gibt es niemanden, der es nicht hört!«

Erstaunlich! Wenn die Menschen mit ihrem eigenen Getöse die tonlosen Töne des Himmels und des Drachengesanges übertönen, gibt es dennoch nicht einen einzigen Menschen, der den Drachengesang nicht hört? So erstaunlich das klingen mag, aber der Gesang des Drachen ist das Strömen des Atems und das Fließen des Blutes. Bei einer Gelegenheit antwortete ein Meister auf die Frage:

»Was ist das Singen des Drachen in einem kahlen Baum?«
»Das Blut des Lebens versiegt niemals!«

Wieder ein anderer Mönch fragte:
»Was singt der Drache in einem kahlen Baum?«
»Immer mehr Freude!«

Das Singen der Drachen ist das natürliche Wirken von Wasser und Wolken, das Fließen des Lebens und die Luft, die durch die Nasenlöcher strömt. Die zehntausend Melodien, die der Drache singt, sind nicht ein Reden über Prinzipien und die Wahrheit, es ist »das Quaken der Frösche, dass Freude bleibt und das Singen der Würmer, dass es ein Wissen gibt. Das Singen der Drachen ist immer und überall, aber wir können es nur wirklich mit unserem ganzen Wesen hören, wenn wir zuvor den Schritt zurück aus dem rasenden Machen in die Stille wagen.

Am Sonntag den 25. Oktober spielt das Trio Drachengesang bei einer Sonntagsmatinee unter anderen das Stück „Ryugin Koku – Gesang der Drachen im leeren Himmel“. Eintrittskarten Myoshinan – Eintrittskarten

Der Gesang des Phönix – Programm

Programm für das Konzert im Kunstmuseum Bayreuth am Samstag, 28. Februar 2015

1. Intro: Improvisation mit Klangschalen; Winfried Lernet (wl)
2. Einzug: Hontechoshi; Shakuhachi: Gerhardt Staufenbiel (gs) und Michael Michaljewich
3. Teezeremonie gs
4. Hifumi: Eins – Zwei – drei und Hachigaeshi: Rückgabe des Dankes
Es gibt drei Tore zum Erwachen, die wir gemeinsam durchschreiten wollen.
Dreimal hören wir Hi-Fu-Mi, dann läuten die Glocken des Tempels.
Voller Dankbarkeit öffnen wir unsere Herzen und geben den Dank zurück an alle, die uns auf unseren Wegen begleiten.
Shakuhachi gs + mm
5. Hoo kyoo koku – Gesang des Phönix im leeren Himmel
Der Vogel Hoo singt sein Lied, bevor er sich auf die Erde niederlässt.
Dann verwandelt sich die ganze Welt in ein Paradies und alle Menschen sind erlöst vom Leid.
Shakuhachi (gs) und Klangschalen (wl)
6. Shinya – tiefe Nacht und Oborotsuki – der verschleierte Mond
Es ist tiefe Nacht, nur noch der Wind ist wach.
Dann steigt der Mond hinter den Wolken empor.
Sein Licht spiegelt sich glitzernd auf den Wellen des kleinen Sees.
Hakuin auf seinem Boot zeigt mit dem Finger zum Mond.
Dann wird er selbst ganz eins mit dem Mond.
Das Erwachen ist wie der Mond im Tautropfen:
Er ist voll und ganz im Tropfen, aber er wird nicht nass!

Langsam ziehen Wolken auf und der Mond verschwindet.

Stille!

Shinya: Klangschalen (wl) und Shakuhachi (gs)
Oborotsuki Shakuhachi (gs)

7. Chikusen sashi
Kanon – der Buddha des Mitleids erscheint.
In seiner Gegenwart verschwindet jedes Leid und alle Wesen sind erlöst
Shakuhachi (gs) Klangschalen (wl)
8. Tamuke – Hände erheben zum Gebet
Wir rufen die Toten und erheben die Hände zum Gebet.
Sie weinen und klagen, dass sie so früh gehen mussten.
Wir danken für ihre Werke die sie uns hinterlassen haben
und sprechen ihnenTrost zu.
Sie gehen zurück in ihr Reich,
von dort schicken sie ihren Segen
Shakuhachi (gs)

9.Hakuin Zazen Wasan

HAKUIN ZENJI ZAZEN WASAN
Zenmeister Hakuin: Lobpreisung der Meditation
(Übersetzung im Auszug)
Die Menschen sind in ihrem tiefsten Wesen Buddha;
es ist wie Wasser und Eis:
kein Eis ohne Wasser,
kein Mensch ohne Buddhanatur.

Wehe den Menschen, die in weiter Ferne suchen
und nicht wissen, wie nahe die Wahrheit ist.
Sie gleichen denen, die mitten im Wasser stehen
und doch nach Wasser schreien.
Sie sind Kinder aus reichem Haus,
die in Armut und Elend ihren Weg verloren haben.
Irrend durchwandern sie alle Welten,
verstrickt im Finstern ihrer Unwissenheit.
Wie könnten sie je frei werden von Geburt und Tod,
wenn sie endlos im Dunkel des Irrtums suchen?

Weit öffnet sich das Tor der Einheit von Ursache und Wirkung
und der einzige Weg tut sich auf:
Geradeaus hin, kein Zweiter und dritter.

Der Himmel des Erwachens ist grenzenlos und frei,
es leuchtet der volle Mond der vierfachen Weisheit.

In diesem Augenblick: Was fehlte da noch,
wo sich Erwachen verwirklicht?
Hier und jetzt das reine Lotusland,
und dieser Leib hier ist nichts anderes als Buddha.

Rezitation des japanischen Textes: Alle mit Publikum