Blütenlose Dörfer


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0099
kirche-im-schnee
sdi0095
Roji im Schnee
Take - Bambus
Yuki ma
Japansegge im Schnee
eis
Tauwasser
Hamamelis
kin

 

Da mein Herz
von Sehnsucht tief gefärbt,
hielt lange Zeit
für Blüten ich den Schnee,
der nicht weichen will.

Kokin Wakashu

Noch drei Tage bis zum metereologischen Frühlingsbeginn: aber es ist den ganzen Tag trübe, dichte Schneeflocken treiben und hüllen das ganze Schneeland in eine tiefe, weiße Decke. Seit langer Zeit schon verbirgt sich die Sonne im Dunst, und es will einfach nicht Frühling werden. Die Vögel schweigen, die sonst mit ihrem Gesang den Frühling herbei rufen.
Selbst der Buddha friert in seinem Mantel aus Schnee.

Ist der Frühling zu früh.
sind die Blüten zu spät?
dies möcht ich erfahren –
doch es pfeift ja
der Buschsänger noch nicht einmal!

Dunst steigt auf,
an den Bäumen schwellen Knospen –
und da es jetzt, im Frühling schneit,
schweben auch in
blütenlosen Dörfern Blüten nieder.

Kokin wakashu


Yamazato – Bergdorf im Schnee


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0099
kirche-im-schnee
sdi0095
Roji im Schnee
Take - Bambus
Yuki ma
Japansegge im Schnee
eis
Tauwasser
Hamamelis
kin

 

hana wo nomi
matsuran hito ni
yamazato no
yukima no kusa no
haru wo miseba ya

Zeigte man doch denen,
die nur die Kirschblüten
sehnsüchtig erwarten
im einsamen Bergdorf
unter dem Schnee
die Gräser des Frühlings

Shin Kôkin Wakashû
Neue Sammlung der Wakashu
新古今和歌集
Japan 1205


Sonnenuntergang

Sonnenuntergang über dem Schwabachtal und St Jakubus

Sonnenuntergang
Wo bist du? trunken dämmert die Seele mir
Von aller deiner Wonne; denn eben ist’s,
Daß ich gelauscht, wie, goldner Töne
Voll, der entzückende Sonnenjüngling
 

Sein Abendlied auf himmlischer Leier spielt‘;
Es tönten rings die Wälder und Hügel nach.
Doch fern ist er zu frommen Völkern,
Die ihn noch ehren, hinweggegangen.
 

Friedrich Hölderlin