Von Hunden, Katzen und anderen Menschen

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Mein neues Buch über mein Leben mit Hunden ist im Verlag und wird in den nächsten Tagen gedruckt. Es erzählt lustige und traurige Geschichten von den Hunden, so ganz nebenbei aber auch ein wenig von meinem Leben. Als Kind in der Nachkriegszeit, Als Student, von meiner Arbeit im Forschungsinstitut, von meinen Begegnungen mit berühmten Leuten wie Heisenberg oder Weizsäcker und Otto Hahn. Aber auch ein wenig von meinen Reisen nach Griechenland ins Land der Götter und Mythen und von Erlebnissen als Lehrer der Teezeremonie.

Im Zentrum stehen aber immer meine Hunde und Katzen, die mir viel Freude bereitet haben. Aber es war immer auch sehr traurig, wenn sie mich nach längerem oder kurzem Leben wieder verlassen haben. Ach ja, Hunde halten nicht lange!

Ich hoffe, es ist ein vergnüglich zu lesendes Buch geworden. Eine gute Unterhaltung in Zeiten von Corona oder in den Ferien, die wir vielleicht doch noch machen dürfen.

Hier ist eine kleine Leseprobe. Aus diesem Text ist das Buch entstanden.

Das Buch als Hardcover ist bei Vorbestellung bis zum 14.06.2020 hier zum Sonderpreis von 18.00 Euro (danach 22,50 €) zuzügl. 2,- e€ Versandkosten erhältlich. Auf Wunsch auch mit Widmung und / oder Signatur und Kalligrafiestempel.Bezahlung einfach über Paypal, auch ohne Konto bei Paypal. Termin abgelaufen

Das Buch ist nun hier eingetroffen. Bis zum 21.06.2020 gilt der Einführungspreis von 20,- €. Danach der Ladenpreis von 22,50 €


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Wer mithelfen will, das neue Myoshinan wieder aufzubauen ist mit einer Spende herzlich willkommen.

Wir werden in der nächsten zeit im Garten einen überdachten Vorbau aufstellen mit dem großen Refektoriumstisch als Versammlungs- und Gesprächsort. Im Keller wird eine Werkstatt entstehen, in der wir wieder Shakuachi bauen können. Ein Gästezimmer soll noch renoviert und eingerichtet werden. Jeder, noch so kleine Betrag hilft!


Trink Tee – Geh!

Ich habe einen kleinen Text als Grußwort für ein neues Buch über Tee und Zen geschrieben. Den möchte ich hier vorstellen.


Zum Geleit:
Komm – trink Tee!

Der alte chinesische Zenmeister Zhàozhōu, den die Japaner Jōshū nennen, fragte die Besucher seines Tempels: „Warst du schon einmal hier?“
War die Antwort: ‚Nein‘, dann sprach Jōshū: „Trink Tee – Geh!“.
Bejahte der Besucher die Frage, so erwiderte Jōshū ebenfalls: „Trink Tee – Geh!“ Der Tempelverwalter war verwirrt.
Auf seine Frage bekam er die Antwort: „Trink Tee – Geh!“

Das Teetrinken nimmt bis heute in den Tempeln in China, Korea und Japan eine wichtige Rolle ein. Auf unserer Reise durch Zentempel in Südchina wurden wir stets zum Empfang mit Essen bewirtet. Danach forderte uns der Zenmeister auf: „Komm, trinken wir erst einmal Tee!“ Uns wurden die kostbarsten Tees serviert. Einhundert Jahre alter Pur-erh oder Tee aus eigenem ökologischen Anbau der Tempel. 

In Korea wurden wir vom alten Zenmeister zum Tee empfangen. Er saß an einem niedrigen Tischchen in der Mitte des Raumes, der bis zur Decke mit Büchern vollgestopft war. Zwischen all den Büchern fanden wir und ein paar Mönche gerade Platz zum Hocken auf dem Boden. Zenmeister sind eben oft große Gelehrte! Wir sprachen über den japanischen Zenmeister Dōgen, über die Teezeremonie und über unsere Eindrücke auf der Reise. Der Meister bereitete eigenhändig Tee aus Indien, der Heimat des Buddha, aus China, Korea und aus Japan zu. Er hatte speziell für uns kostbaren japanischen Matcha besorgt. Ich durfte ihn mit einem nagelneuen Teebesen schlagen. Über alle kulturellen Grenzen hinweg feierten wir den Frieden zwischen Japan, China und Korea bei einer Schale Tee. Oder waren es zehn oder zwanzig Schalen?

Gespannt schauten die Mönche in China zu, wenn wir eine japanische Teezeremonie mit pulverisiertem Matcha vorführten. Diese ritualisierte Teezubereitung stammt aus China. Aber nur in Japan hat sie die stürmischen Zeiten überlebt und sich zu einer eigenen Kunstform entwickelt. Jetzt kehrte sie heim an ihren Ursprung.

 
In China haben wir erlebt, wie buddistische Mönche, Universitätsstudenten und einfache Bauern ihren Tee bereiteten. Dabei suchten sie nach neuen – oder vielleicht doch uralten – meditativen Choreografien, denn die Tradition ist dort längst – spätestens seit der Kulturrevolution – verloren gegangen. Beeindruckend war die tiefe Konzentration, mit der sie den Tee bereiteten.

Das ist es: Mitten in der Hektik des Alltags innehalten, mit höchster Achtsamkeit Tee zubereiten und gemeinsam trinken. Vielleicht meinte das der alte Jōshū: „Lass uns zusammensetzen, die Hektik des Alltags fallen lassen und Tee trinken! Einfach nur Tee trinken.“ 


Tee klärt den Geist, macht wach und gelassen, und fördert die Meditation, vor allem in der Form des grünen Pulvertees. Der japanische Meister Myoe, der die erste Teeplantage in Japan angelegt hatte, fasste zehn positive Wirkungen des Tee zusammen. Tee schenkt einen wachen Geist und einen gesunden Körper. Er vertreibt Dämonen und böse Geister, vielleicht den bösen Dämon der rastlosen Hektik.  Kaffe dagegen putscht auf und macht nervös.

Wenn wir beobachten, wie Menschen mitten im hektischen Alltag hastig ihren Kaffee zu sich nehmen, möglichst noch als ‚Coffee to go‘ aus Plastikbechern auf der Hetze zum nächsten Termin, ohne überhaupt zu bemerken, dass sie Kaffe trinken, versteht man, welche Stille und Ruhe vom Teetrinken ausgeht. In China gibt es das Sprichwort: Wenn du es eilig hast, mach einen Umweg! Zenmeister Jōshū würde vielleicht sagen: Komm, trink erst einmal Tee!

In China hatten wir an einer Tagung teilgenommen mit dem Thema „Tee und Zen – Ein Geschmack“. Es war allen Teilnehmern völlig klar, dass Tee und Zen untrennbar zusammen gehören. Die Frage war lediglich, welcher der frühen Zenmeister diesen Spruch geprägt hatte. Vielleicht aber sind Tee und Zen in China von Beginn an eng verwoben. So waren es Zenmönche, die den Tee von ihren Studien aus China mit nach Japan brachten. Die ersten japanischen Teemeister waren Mönche oder übten sich intensiv im Zen. Viele waren Laienpriester des Zen.

Im heutigen Japan dagegen, wo die Teebereitung als eigene Kunst im Teeweg gepflegt wird, hört man immer wieder: „Tee ist Tee und Zen ist Zen!“ Zen ist für die Japaner weitgehend zu einer exotische Weise geworden, mit gekreuzten Beinen auf dem Boden zu hocken, während ein Aufseher mit dem Schlagstock durch die Meditationshalle schreitet.
Tee dagegen gilt als ein Kunstweg mit strikten Regeln, die genaustens befolgt werden müssen. Er ist im Laufe der Geschichte zum Zeitvertreib älterer Damen geworden, die prächtige Kimono tragen, kostbare Teegeräte zur Schau stellen und schwatzend den Tee zubereiten. Die Teezeremonie hat in Japan heute nahezu den gleichen Stellenwert wie das Schuhplatteln in bayrischen Traditionsvereinen. 

Aber im Ursprung ist die Kunst der Teebereitung reiner Zen. Zen muss nicht in der Form des Za-Zen, des Sitz-Zen geübt werden. Das achtsame Handeln im Alltag kann Zen sein. Als junger Mönch fragte Jōshū seinen Meister Nanzen nach dem wahren Weg. Nanzen antwortete: „Es ist der alltägliche Geist!“ 

Als alter Meister wurde Jōshū nach dem Wesen des Buddha gefragt. Er antwortete mit einer Gegenfrage: „Hast du deine Reisschale schon gewaschen?“ 

Zen ist nichts Spekulatives oder Kompliziertes. Es ist der gewöhnliche Alltag in voller Achtsamkeit und Bewusstheit gelebt. Der Teemeister Rikyu wurde einmal gefragt, was denn das Geheimnis des Teeweges sei. Er antwortete mit alltäglichen Dingen: „Wasser holen, Brennholz sammeln, Wasser erhitzen, Tee schlagen und trinken. Das ist alles“ „Das kann ich schon alles!“ „Dann möchte ich dein Schüler werden!“ 

Was so einfach klingt, ist schwer zu verwirklichen. Unser Alltag ist hektisch und kompliziert geworden. Wir haben unser eigenes Selbst in dieser Hektik verloren. Im Teeweg dagegen ist alles einfach und natürlich. Die Bewegungen und die Atmung werden eine Einheit. Wir hören auf, etwas zu tun, alles geschieht wie von selbst und wir beginnen, den Tee zu tanzen. 

Schöpfen wir das Wasser mit der Bambuskelle, so werden Hand und Schöpfkelle Eins. Es ist, als würden wir das Wasser mit der bloßen Hand aus der Quelle schöpfen. Ich hatte einmal eine Teeschülerin, die an einem Gehirntumor erkrankte. Völlig versunken und selbstvergessen saß sie im Teeraum, schöpfte immer wieder Wasser und goss es langsam und achtsam in die Teeschale. Verzückt lauschte sie dem Geräusch, das wie ein klarer Wasserfall im Gebirge klang: „Das ist so schön!“ Alles andere hatte sie vergessen. Aber der Klang des Wassers in der Teeschale berührte sie im tiefsten Inneren. 

Das kalte Wasser klingt in der Teeschale wie das frische Wasser eines Bergbaches, das auf Felsen trifft. Warmes Wasser klingt weich und mild. Tauchen wir die Schöpfkelle in das heiße Wasser des Teekessels, bemerken wir, wie die Hitze die Schöpfkelle zurückdrängt. Wir spüren am Gewicht des Wassers in der Kelle, ob wir warmes oder kaltes Wasser geschöpft haben. Durch das achtsame Schöpfen überspringen die Sinne ihre Begrenzung: Wir hören die Temperatur des Wassers und spüren sie am Gewicht. Darin liegt nichts Übernatürliches oder Magisches. Beim ganz gewöhnlichen Schöpfen von Wasser werden wir eins mit der Natur und wir vergessen uns selbst vollkommen. Zenmeister Dōgen schrieb einst: „Den Buddhaweg erlernen heißt, sich selbst erlernen. Sich selbst erlernen heißt, sich selbst vergessen.“ 

Meinte der alte Fuchs Jōshū mit seiner Frage: „Warst du schon einmal hier?“ Überhaupt nicht, ob wir früher einmal an diesem oder jenem Ort waren? Vielleicht fragt er, ob wir jemals HIER, im JETZT, bei uns selbst waren, indem wir uns ganz und gar selbst vergessen haben? Wenn wir noch nie bei uns im HIER angekommen sind, wird es höchste Zeit, Tee zu trinken. 

Was gibt es Schöneres, als an einem kalten Winterabend dem Teekessel im Teeraum zu lauschen, der wie der Wind in den Kiefern singt. Die Dufthölzer im Feuer verbreiten den Duft des reinen Landes, und der Tee erfrischt den Geist. Wir werden immer stiller und spüren, wie wir Eins mit der Natur werden. Wenn wir dann wieder zurückkehren in den Alltag, scheint es, als wäre die Hast und Hektik verschwunden. Die gelassene Stille des Teeraumes wirkt im Alltag nach. Vielleicht meinte der alte Jōshū diese Rückkehr in den Alltag: „Trink Tee – dann geh!“ Geh zurück in den Alltag und bring deine Stille hinaus in die Welt auf dass sie sich wandele. Wenn wir so zu uns selbst gefunden haben, verwirklichen wir unsere Buddhanatur.

Zenmeister Dōgen meint, dass alle Wesen vom Ursprung her die Buddhanatur haben. Wenn das so ist, warum soll man dann noch üben? Wir verwirklichen durch Üben unsere Buddhanatur. Jeder Mensch hat die Fähigkeit, zur Quelle zu gehen und Wasser zu schöpfen. Aber wir müssen es TUN! Andernfalls gibt es kein Wasser aus der Quelle! Wir müssen immer und immer wieder zur Quelle gehen und Wasser schöpfen. So geht es im Teeweg nicht darum, eine Fertigkeit zu erlernen, um sie fortan für immer zu besitzen. Wir müssen immer wieder und wieder Tee üben und zur Stille zurückfinden. Tee ist Zen – Meditation.

Darum ist die Praxis im Zen wie im Tee so wichtig. Aber wir müssen auch verstehen, was wir tun. In Japan neigt man dazu, das alleinige Gewicht auf die Praxis zu legen. Frag nicht – Mach! Man sagt, dass der Fisch das Wasser, in dem er schwimmt, nicht verstehen muss. Aber was, wenn das Wasser auszutrocknen droht?

Wir Abendländer sind nicht im Wasser des Zen und des Tee zu Hause. Darum müssen wir versuchen, es zu verstehen um uns angemessen darin bewegen zu können. Unsere Not ist es, dass der Zen und der Tee fremd für uns sind. Aber diese Not ist zugleich eine große Chance. Wir sehen und Staunen. Das Staunen aber ist der Anfang des Verstehens. Japaner fragen nicht mehr nach der Philosophie des Teeweges oder des Zen. Teeweg ist das, was die alte Tante oder die Oma schon immer praktiziert haben, das aber völlig aus der Mode gekommen ist. Hoūnsai, der Großmeister der Urasenke fragte einmal: „Können Ausländer den Teeweg verstehen?“ Ich frage dagegen: „Können Japaner dern Teeweg verstehen?“ Nur wenn sie wieder das Staunen lernen!

Im Gegensatz zu Japan liegt bei uns im Abendland das Schwergewicht auf dem Denken und dem Intellekt. Einmal kam ein Japanologe regelmäßig zu mir ins Teehaus und schaute bei den Übungen zu. „Es wird Zeit, dass du auch mit den Übungen beginnst!“ „Das geht nicht! Ich bin Wissenschaftler. Wenn ich selbst übe, verliere ich meine Objektivität!“ 

Dazu kann ich nur sagen, es genügt nicht, zu wissen, wie das Essen schmeckt. Man muss selber essen. Immer wieder neu. Sonst wird man nicht satt.

Hoffentlich kann dieses Buch eine Brücke schlagen zwischen Ost und West. Hier wird gefragt und gedacht. Aber das Fragen entstammt einer langjährigen Praxis. Vielleicht kehrt der Teeweg eines Tages verwandelt wieder nach Japan zurück als ‚Tee und Zen‘. 

Inzwischen gibt es deutsche Professoren an japanischen Universitäten, die über den Teeweg lehren. Einer meiner Schüler, der in Deutschland in Philosophie promoviert hat, unterrichtet an einer Universität in Shanghai. Sein Forschungsgebiet ist der frühe Teeweg und seine Wiederkehr in der Gegenwart. 

Man könnte meinen, dass unsere heutige Epoche viel zu hektisch und gehetzt ist, um sich die Zeit zu nehmen, die Stille des Teeweges zu suchen. Wir haben keine Zeit für solche unnützen Rituale. Wir haben Wichtigeres zu erledigen. 

In Japan erlebte der Teeweg seinen Höhepunkt mitten in kriegerischen Zeiten. Der große Teemeister Zen no Rikyu war Zen – Laienpriester und der Teemeister von Hideyoshi. Zuvor hatte er in den langen Kriegen dem Fürsten Oda Nobunaga als Teemeister gedient. Rikyu war kein weltabgeschiedener Eremit. Wenn Hideyoshi abwesend war, übertrug er ihm das Kommando über die Festung Osaka, einem der wichtigsten strategischen Punkte im Land. Wie gut wäre es, wenn wir Menschen in wichtigen Positionen hätten, die immer wieder die Stille und den Frieden suchen, den der Teeweg schenken kann. 

Der Zen kam aus dem Osten in den Westen. Aber die Erde ist rund. Wenn man immer weiter nach Westen geht, kehrt man eines Tages wieder an den Ursprung zurück.

Trinken wir gemeinsam eine Schale Tee! Dann lass uns zurückkehren in den Alltag!

Der Frosch im Brunnen – Autorenlesung

Im Münchner Literaturbüro werde ich am Freitag 22.03.2019 aus meinen Büchern lesen. Vorgesehen sind Lesungen aus dem Band „Wind in den Kiefern – Haiku und Haibun als Zenkunst der Achtsamkeit“ und Geschichten aus dem Buch „Vor langer Zeit – Mukashi mukashi“.
Bei den Haiku Lesungen steht Basho’s Frosch und die griechischen Varianten im Mittelpunkt. Hier begegnen sich die Welt der japanischen Haiku und die Welt des antiken griechischen Mythos in der heutigen Landschaft Griechenlands.
Bei der poetischen Nacherzählung des Noh- Theaterstückes über die unheimliche Yama Uba werden sich das antike Noh Theater und Hölderlin begegnen.
So soll der Leseabend eine Wanderung zwischen den Welten des fernen Ostens und unserer alten europäischen Welt werden.

Bei der Gelegenheit werde ich meine Bücher zum Erwerb dabei haben.

Freitag 22.03.2019

Münchner Literaturbüro
Milchstraße 4, 81667 München.
Freier Eintritt ab 19 Uhr.

http://neu.muenchner-literaturbuero.de/terminkalender

Lasst uns Tee trinken! Meditation zu Zen-Kalligraphien von Michael von Brück und Hans Zender

Der Herder Verlag startet gemeinsam mit dem Verlag Karl Alber ein ganz besonderes Projekt, das man als Unterstützer fördern kann. Es wird ein Buch von Prof. Michael von Brück, einem sehr wichtigen Zenlehrer, der als Professor in München gewirkt hat, aber auch über eine langjährige Erfahrung als Zen – Lehrer verfügt, das er gemeinsam mit dem Komponisten Hans Zender geschrieben hat. 

Es sind Meditationen zu Zen – Kalligraphien, die sicher eine gute Einführung in den Zen bieten werden. Geplant ist eine Luxusausgabe mit farbigen Kalligraphien als Beilage.  Wer das Projekt fördert, wird in dem Buch auf einer Dankseite eigens erwähnt. Als Förderungsmaßnahme kann man ein Buch vorab bestellen. Falls das Projekt nicht starten sollte, bekommt man sein Geld zurück. Sicher eine einmalige Gelegenheit, ein gutes und sehr aufwändiges Projekt zu fördern und auch noch als Förderer genannt zu werden.

Hier das Anschreiben, das ich vom Verlag erhalten habe:

„In Kürze starten wir gemeinsam mit Michael von Brück, Hans Zender und dem Verlag Karl Alber in Freiburg eine Kampagne, um eine ganz besondere Einführung in den Zen-Buddhismus zu realisieren. Das Buch soll als Schmuckausgabe erscheinen und dementsprechend schön und bibliophil gestaltet sein. Damit das Buch veröffentlicht und u.a. auch die farbigen Kalligraphien dem Buch beigelegt werden können, haben wir eine Kampagne ins Leben gerufen, über die interessierte Leser und Zen-Förderer Exemplare vorab erwerben können und dadurch die Publikation möglich machen. Als Dank werden alle Unterstützerinnen und Unterstützer dankend im Buch erwähnt, erhalten exklusive Postkarten und signierte Exemplare. Wir würden uns sehr freuen auch Sie als Unterstützer gewinnen zu können. Unterstützen können Sie das Projekt direkt über den Link:https://herder.bookbakers.de/buch-unterstuetzen/philosophie/sehen-verstehen-sehen-meditationen-zu-zen-kalligraphien/


Wind in den Kiefern – Leseproben

Inhaltsverzeichnis

Vorbemerkung

Haiku und Zen
Nein, ein Haiku ist keine Kreuzung von Fisch und Rindvieh und auch keine japanische Kuh, die statt ‚MU – Nicht‘ immer nur ‚HAI – Ja‘ ruft. Es ist eine japanische Versform, die versucht, den gegenwärtigen Augenblick in knappen 5 – 7 – 5 Silben1 festzuhalten und poetisch zu gestalten.
Günter Wohlfart, der als ganz gewöhnlicher Philosophieprofessor gelehrt, sich dann aber mehr und mehr der ostasiatischen Weisheit zugewendet hat, nennt sein Büchlein über Haiku:2

»Zen und Haiku: Mu in der Kunst Haikühe zu hüten nebst anderen Texten für Nichts und wieder Nichts.«

Also ist das Verfassen von Haiku3 eine Zenkunst wie der Teeweg oder die Zen-Shakuhachi, zwei Künste, die ich seit vielen Jahren übe und praktiziere?

Beim Shakuhachi Spiel, dem Spiel mit der Bambusflöte, gehen die Meinungen in Japan ein klein wenig auseinander. Es gibt die Meinung, das Shakuhachi Spiel sei ursprünglich von Zen Mönchen praktiziert worden und darum ganz klar eine Praxis des Zen. Aber es gibt in Japan nur noch einen einzigen Zenpriester, der in einer über dreihundertjährigen Überlieferungslinie das Spiel der Zen-Shakuhachi in seinem Tempel unterrichtet. Ich selbst spiele in dieser Tradition. Wir nennen unser Instrument auch nicht Shakuhachi sondern Hō-chiku – Buddha Gesetz Bambus oder Dharma Bambus. In unserer Tradition heißt es: ‚Ichi On – Busshin‘ ‚Ein Ton – Buddhaherz.‘ Wir spielen keine Melodie, sondern immer nur: JETZT DIESEN TON. Das Spiel soll fließen wie Wasser und Wolken, die unbekümmert ihre Wege ziehen. Immer im Jetzt.

Die andere Meinung, vertreten von Spielern der Kinko Linie, in deren Tradition die meisten Shakuhachi Spieler heute stehen: »Wer meint, das Shakuhachi Spiel habe in irgendeiner Weise mit Zen zu tun, der ist naiv oder dumm!« Tatsächlich ist für die meisten Japaner das Spiel dieses Instrumentes keine Zen – Übung, sondern einfach nur Musik. Aber vielleicht kommt es nicht auf die tatsächliche Anzahl der Spieler in der jeweiligen Richtung an, sondern auf den Geist, in dem man das Instrument spielt. Es KANN eine Zen-Übung sein oder auch einfach nur Musik.

Genauso verhält es sich mit dem Teeweg. Ursprünglich galt das Wort: »Cha Zen – ichi mi« »Tee und Zen: Ein Geschmack.« Wir waren auf Einladung chinesischer Zen-Mönche in Südchina und haben an einer Konferenz teilgenommen, bei der es genau um diesen Spruch ging. In der wissenschaftlichen Diskussion auf der Tagung ging es lediglich darum, welcher der frühen Zenmeister Chinas diesen Spruch geprägt hatte. Niemand bezweifelte, dass Tee und Zen eins sind. Aber in Japan hört man in den etablierten Schulen des Teeweges: »Tee ist Tee und Zen ist Zen!« Mit anderen Worten: Wer meint, dass der Teeweg irgendetwas mit Zen zu tun hat, ist entweder dumm oder naiv. Der Teeweg ist für die meisten Japaner zu einer Unterhaltung oder einer Art von Gesellschaftsspiel geworden. Man trifft sich, trägt traditionelle Kimono, plaudert ein wenig und trinkt Tee. Aber das hat nur noch wenig gemein mit dem Zengeist, in dem die früheren Meister, allen voran Sen no Rikyū4 den Teeweg geübt haben. Vielleicht müssen wir wieder zurückkehren in die Ursprünge der Teekunst und wieder lernen, dass Tee und Zen eins sind.

Ähnlich verhält es sich mit der Kunst, Haiku zu schreiben. Die Mehrheit der vielen tausende Mitglieder der zahlreichen Haiku – Vereinigungen in Japan würde wohl sagen: „Haiku schreiben ist eine Form von Literatur oder Poesie. Es hat überhaupt nichts mit Zen zu tun!“ Sicher wäre der wohl berühmteste Haiku – Dichter Japans Matsuō Bashō5 da ganz anderer Meinung. Er hatte sich intensiv im Zen geübt. Danach änderte sich die Form seiner Haiku und er gab dieser Kunst einen tiefen Inhalt, der bis heute nachwirkt. Haiku ist die Kunst der Wahrnehmung des konkreten Augenblickes und der Bewahrung in gestalteter Form. Es ist Zen der Achtsamkeit.

Denn nicht nur das stille und unbewegliche Sitzen auf dem Sitzkissen ist Zen. Zenmeister Dōgen Zenji spricht zwar davon, dass nur das Sitzen allein die Übung des Zen sei, aber im rechten Geist geübt, ist jede alltägliche Handlung „Sitzen“.

Der alte chinesische Zenmeister Jōshū 6 wurde einmal gefragt, was das Selbst sei. Er antwortete mit einer Gegenfrage: „Hast du deinen Reisbrei schon gegessen? Dann wasch deine Schale!“ Das Waschen der Schale soll Zen sein? Ja, aber nicht jedes Waschen von Ess-Schalen ist Zen. Es kommt auf die Einstellung dazu an. Als Meister Jōshū noch Schüler bei Nansen war, fragte er ihn einmal danach, was der WEG sei. Nansen antwortete: „Der alltägliche Geist – das ist der WEG!“7

Der alltägliche Geist – Hei Jo Shin – kann der Geist sein, der stets gleichbleibend gelassen und ruhig ist. Aber auch das ganz Gewöhnliche, Alltägliche kann damit bezeichnet werden. Das Waschen der Reisschale ist das ganz Alltägliche, Gewöhnliche. Aber mit ruhigem Geist und stillem Herzen ausgeübt, ist es Zen.

So kann auch das Gestalten von Haiku eine Übung sein, das Alltägliche, genau in diesem Augenblick Anwesende wahrzunehmen und bewusst zu gestalten.

Der Zen wurde einst von Buddha wortlos übertragen, als er auf dem Geierberg vor einer riesigen Versammlung predigte. Zenmeister Dōgen Zenji erzählt die Geschichte von der Weitergabe in seinem Werk Shōbōgenzō, der ‚Schatzkammer des wahren Dharma Auges‘ im Kapitel Udonge:

»Vor einer Versammlung von tausenden Anwesenden auf dem Geiergipfel hielt der Tathagata (der weltgeehrte Buddha) eine Udumbara-Blüte empor, drehte sie wortlos in seinen Fingern und machte mit seinen Augen ein Zeichen. In diesem Augenblick erschien ein Lächeln auf Mahakasyapas Gesicht und der Weltgeehrte sprach:
»Ich habe die ‚Schatzkammer des wahren Dharma-Auges‘ (Shōbōgenzō) und den wunderbaren Geist des Nirvana. Ich übertrage sie an Mahakasyapa.«

Udonge ist die japanische Bezeichnung für die Udumbara Blüte. Sie blüht nach der indischen Legende nur alle dreitausend Jahre einmal. Sie erblüht genau in dem Augenblick, als der ‚Weltgeehrte‘ sie emporhält. Aber warum sieht nur Mahakasyapa als Einziger die Blüte, alle anderen bleiben blind?

Die Blüte, die der Weltgeehrte emporhält und dreht, ist eine ganz besondere Blüte. Es ist die Blüte einer kleinen indischen Feige, die sehr häufig vorkommt, die aber scheinbar niemals blüht. Lediglich die kleinen Feigen wachsen dicht an dicht direkt an den Zweigen. Eine Verwandte dieser Feige steht sogar als Staubfänger in vielen deutschen Wohnzimmern – der Ficus benjaminii, die Birkenfeige.
Tatsächlich haben die Feigen eine botanische Besonderheit. Ihre weiblichen Blüten, die später die Frucht bilden, erscheinen nicht außen, für alle sichtbar, sondern im Inneren einer unscheinbaren Hülle, die schon wie die spätere Feige aussieht. Im Inneren dieser Hülle blüht nicht nur eine Blüte, sondern ganz viele, dicht an dicht. Eine besondere Wespenart schlüpft durch ein winziges Loch in der scheinbaren Frucht und bestäubt die Blüten. Dann schließt sich die kleine Öffnung und die Wespe ist gefangen und wird von der werdenden Frucht verdaut. Die Blüte der Udonge – Udumbara blüht unsichtbar für die ‚normalen‘ Augen im Inneren der scheinbaren Frucht. Dogen sagt, dass wir unsere normalen Augen verlieren müssen, damit sich das Dharma Auge öffnen kann. Dann sehen wir nicht die Außenhülle, sondern das verborgenen Innere. Die Udumbara blüht nur deshalb so selten, weil niemand einen Blick für das Verborgene, Innere hat. Sie ist überhaupt nichts Besonderes, sondern derart gewöhnlich, dass niemand sie sieht.

Weitere Seiten fehlen in der Vorschau ….

1 Die Einteilung in 5 – 7 – 5 Silben entspricht nicht der japanischen Sprache. Die japanische Sprache ist stark geprägt von der Zeitdauer der langen und kurzen Silben, den moren (lateinisch von mora – Zeitdauer). Ähnlich wie im Altgriechischen bildet sich das ‚Versmaß‘ aus der Zeitdauer der Silben. Alle griechisch antiken Versmaße beruhen auf der Verteilung von langen und kurzen Silben. Ein Hexameter besteht aus sechs ‚Füßen‘ mit je zwei langen Zeiteinheiten. Eine lange Zeiteinheit kann durch zwei kurze oder eine lange Silbe gebildet werden, also beispielsweise entweder ‚kurz – kurz – lang‘ (Daktylos) oder ‚lang – kurz- kurz‘ (Anapest) oder lang – lang. Im Hochdeutschen gibt es zwar auch lange und kurze Silben, die aber nicht wirklich fest sind. Das deutsche Wort Vater wird normalerweise als Vaater gesprochen, im Alltag oder in Dialekten kann es auch Vatter oder Fadder heißen. Es hat sich deshalb in den deutschen Haikukreisen eingebürgert, einfach die Anzahl der Silben zu zählen. In der japanischen Sprache ist die Verteilung von langen und kurzen Silben wesentlich für das Verständnis des Wortes. Eine falsche Zeiteinheit der Silbe macht das Wort für den Japaner unverständlich. In der Regel wird eine Silbe / Zeiteinheit durch ein Zeichen des japanischen Silbenalphabetes gebildet. Die Städtenamen Ōsaka und Sendai sind beide viermorig: おおさか O-o-sa-ka、せんだい Se-n-da-i. Also auch das eingeschobene ‚n‘ ohne dazugehörigen Vokal bildet eine Zeiteinheit.

2 Günter Wohlfart: Zen und Haiku – Mu in der Kunst Haikühe zu hüten. Reclam, ISBN 978-3-15-009647-5

3 Die japanische Sprache kennt keine gramattische Unterscheidung zwischen Singular und Plural, maskulin, neutrum oder feminin. Darum steht Haiku immer ohne Artikel. Es gibt nicht den, das oder die Haiku und der Plural ist ebenfalls einfach Haiku. Wohlfahrt benutzt den Plural lediglich als ein Sprachspiel.

4 Sen no Rikyū 1522 – 1591, er gilt als einer der wichtigsten Teemeister Japans.

5 Matsuō Bashō, 1644–1694, eigentlich Matsuō Munefusa. Er nannte sich nach der Bananenstaude – Bashō – die neben seiner Hütte wuchs. Er liebte sie so sehr, weil der Regen auf den Blättern der Bananenstaude ein so schönes Geräusch verursachte.

6 Zhàozhōu Cōngshěn (Chinesich 趙州從諗; Wade-Giles: Chao-chou Ts’ung-shen; Japanisch: Jōshū Jūshin) (778–897)

7 平常心是道 japanische Lesung: Hei Jō Shin kore Dō. Hei: einfach, flach, eben, – gleichmäßig. In Kombination mit Harmonie: 平和 Hei-wa, Ruhe, Frieden. 常 Jo gewöhnlich, regelmäßig, immer.

Kisetsu – Zeiten des Jahres

Frühling

Heute ist der erste März.

Meteorologisch gesehen ist der 1. März der erste Frühlingstag.
Heute am Sonntag ist es ganz still. Kein geschäftiges Treiben der Bauern. Das ganze Land liegt verborgen unter einer dichten Decke von nebligem Dunst.
Wird es jetzt Frühling!?
Geheimnisvoll liegt das Land im Frühlingsnebel.
Im Frühlingsdunst bereiten sich die Blüten vor, die lange schon gewartet haben, um endlich aufzubrechen.
Aber nein, es wird immer kälter und langsam wandelt sich der Nebel in kalten Regen.
Und dann kommt der Schneesturm. Das ganze Land verschwindet im Schnee.
Sogar der kleine Hund schläft den ganzen Tag und geht nur ganz kurz in den Garten.

Heute Nacht hat es weiter geschneit und immer noch fallen dicht die Flocken. Der Bambus neigt sich unter der schweren Last des frischen Schnees. Unbeugsam reckt die alte Kiefer ihre schneebedeckten Äste in den Himmel. Schneeflocken sitzen auf den Zweigen wie kleine weiße Pflaumenblüten.

Nicht nur die Krokusse, auch das ganze Land ist unter einer dichten Schneedecke verschwunden.

Erster Frühlingstag!
Verwirrte Meisen im Schnee
Suchen nach Futter!

Erster Frühlingstag!
Unten auf der Straße
Blinkt das Räumfahrzeug!

Verborgen im Schnee
Schlafen gelbe Krokusse.
Verwirrte Meisen.

Die alte Kiefer!
Sind es Blüten, die sie treibt?
Ach – es ist nur Schnee!

Aber schon ein paar Wochen später ist der Schnee verschwunden.
Über dem Land wirbeln wieder weiße Flocken wie Schnee, wenn an Feiertagen des Frühlings aufgegangen das Tal. All die grünenden Bäume, zahllos blühend weiß, wallend in wiegender Luft.

Wie ein weißer Sturm
Decken blühende Bäume
Hügel und Hänge.

Weiße Kirschblüten
bedecken mein Haupt mit Schnee
Im wirbelnden Wind.

Fallende Blüten
beim Tee unter dem Kirschbaum
Färben mein Gewand.


Die folgende Seiten fehlen in der Vorschau

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Herbst

Unter dem Herbstmond
Sah ich Blumen auf dem Feld!
Ach – es war nur Stroh.

Raureif am Waldrand –
Zaubert das Bunte ins Laub
aus dem reinsten Weiß

Im Herbst des Lebens
Kommt noch einmal die Farbe
Ins schneeweiße Haar?

Novemberabend:
Golden leuchtet der Ginko –
Vergehende Pracht!

Raureif auf Tannen!
Alles wandelt sich in Weiß.
Novembernebel.

Ist es Schnee im Haar
Oder das Weiß des Alters?
Der Winter ist nah!

Kiefern am Berghang
Weiß gezuckert im Raureif
Haben keine Farbe.


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Winter

Knorrige Kiefer
Windet sich am steilen Hang.
Schwer lastet der Schnee.

Eisiger Winter.
Riesig steht der kalte Mond
Über weißem Feld.

Die Nacht ist noch jung.
Auf der frostigen Straße
der Schatten des Rehs.

Kalter Wintermond
drei Mäuse erfroren im Schnee
so dunkel die Nacht.

Kalter Wintermond!
Silbern die Landschaft vorm Haus.
Wo bleibt das Taxi?

Schwer neigt sich der Zweig
Kein Geräusch ist zu hören
In der Winternacht.

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