Hölderlin und Quittengeist

Bei meinem Besuch im Hölderlinturm in Tübingen habe ich einen Quittenbrand aus dem Hölderlingarten mitgebracht.

Nun fürchte ich, dass mich der Geist ergriffen hat. War es der Geist oder habe ich in der letzten Zeit bei der Arbeit an meinem Buch einfach zu viel Hölderlin gelesen? Aber manchmal ist es nötig zu werden wie die Kinder. Dann fällt vor Lachen die Last von den Schultern.
Heute jedenfalls habe ich einen neuen, bisher unbekannten Text gefunden. Der Sprachmelodie und dem Inhalt nach kann es nur von Hölderlin stammen.
Oder ist da zu viel vom Geist aus dem Hölderlingarten drin?

Gesang des Geras
Gesungen unter dem Quittenbaum

Einst hat mich die Muse gefragt
Wie schreib ich, wenn der Geist mich packt 
Den Gesang
Und ich nimmer versteh zu setzen die Worte.

Weh mir! wo nehm ich
wenn man mich fragt
die Ideen her
zu schreiben den Gesang
Wie der Meister.
Sprachlos und kalt steh ich
die Zähne klappern vor Angst.

Aber wenn der Abend trunken
bacchantischer heraufziehet,
und das Schattenbild der Erde
Der Mond kommet geheim nun auch,
so wendet es sich mit diesen
und das Klappern wird zu befreitem Gesang
hoch auf fliegend zum Vater Äther,
vogelgleich, und füllet mit Lust
Himmel und Erde,
tanzend über den Kronen des Meers,
und frisch erfüllt mit Wonne
klingt‘s und springet von Mund zu Mund, 
freudig geteilet und nicht allein wirds ein Jubel:
Gelobet sei der Meister, der besser noch als vormals
Anstimmet den Gesang
Am Abend der Zeiten.
Trunken aber von Glück
Säuft er den Wein, sitzend am Puter allein, 
und haut in die Tasten
Zeile um Zeile.
Doch besser will es nicht werden, 
solange er auch schreibt 

Aber wenn…
     die Dunkelheit
        Im Finstern

Anmerkung des Hrsg:
Am linken Rand des Textes, dort wo der Gesang unvollendet bleibt, steht mit Bleistift geschrieben quer zum Text:

Gesang in der Finsternis
Singen wollt ich hellen Gesang
doch leider ging nun das Licht aus!

Mit Hölderlin zu sprechen: Das verehrte Publikum möge mir verzeihen, aber ich kann nicht anders!
Aber manchmal befreit Blödsinn den Geist.

Oder: Es wird langsam Zeit, dass das Buch fertig wird!!!!

Haiku und Zen in Zeiten von Corona

Haiku und Zen im Benediktushof

Der japanische Dichter Basho formte im 17. Jhd. aus der
alten Form der Renga-Dichtung die Kurzform des Haiku,
ein Ausdruck des Zengeistes.

Traditionell sind Haiku Naturgedichte:
„Der Sprung eines Frosches, die bunte Sommerwiese,
das fallende Blatt.“

Ein Haiku ist immer konkret. Es gibt einen Augenblick wie-
der, der mit den Sinnen wahrgenommen wurde und teilt
diesen mit dem/der Leser/-in, ohne ihn zu kommentieren.
Erst der/die Leser/-in vollendet das Gedicht, indem er/sie
seine/ihre Gefühle und Assoziationen dazu entfaltet.

Ein Haiku zu verfassen heißt, eine Knospe hervorzubringen;
ein Haiku zu lesen bedeutet, die Knospe zur Blüte zu entfal-
ten. Um ein Haiku zu finden, ist eine Haltung der Achtsamkeit
erforderlich, mit der die Natur und der Augenblick wahrge-
nommen werden. Gemeinsam gehen wir erste Schritte im
Schreiben von Haiku und erfahren die philosophischen Hin-
tergründe der japanischen Haiku Dichtung.

Zur Schulung unserer Wahrnehmung üben wir Zen-Meditation,
arbeiten mit Klängen, Obertongesängen und Rezitationen und
bewegen uns in der Natur.
Eventuell Photoapparat mitbringen, dann können wir auch Bilder zu Haiku machen.

Corona bedingt werden wir uns soweit wie möglich in der freien Natur aufhalten und dort versuchen, Haiku zu schreiben.

BeginnSo., 30.08.2020, 18:00 Uhr
EndeDi., 01.09.2020, 13:00 Uhr

Anmeldung am Benediktushof
https://www.benediktushof-holzkirchen.de/kategorie/kw/bereich/kursdetails/kurs/20SB04/kursname/Haiku+und+Zen+-+ein+Weg+zur+Achtsamkeit/kategorie-id/0/#inhalt

Veranstaltungen 2020

Teeweg / Zen / Shakuhachi

Teeweg

Das Myoshinan ist eine unabhängige Schule für Tee und Zen. Wir unterrichten und leben den Teeweg aus dem Geist des Zen.
Dabei ist die Harmonie von Körper und Geist, Atmung und Bewegung ganz wesentlich.
Wir unterrichten in Anlehnung an den Stil der Urasenke (Lehrdiplom der Urasenke), versuchen aber aus dem Geist des Zen eigene Wege zu gehen. Entscheidend ist nicht die Beherrschung fester Formen sondern ein tiefes inneres Erleben der Stille und der Harmonie in den Bewegungen.
Der Unterricht im Teeweg ist immer Einzelunterricht bzw. in kleinen Gruppen.
Es können sowohl stundenweise Termine vereinbart werden als auch intensivere Unterrichtsblocks, z.B. Wochenende oder Ferien.
Termine nach individueller Absprache jederzeit möglich.

Zen Shakuhachi

Wir pflegen den alten und ursprünglichen Zen-Stil des Ichoken Tempels in Hakata. Dies ist der einzige Zentempel in Japan, in dem noch der „Bambus-Zen“ gepflegt wird. Wir bauen unsere Zen Shakuhachi aus chinesischen Qualitäts-Bambus selbst und können gern auch ein Leihinstrument vergeben. Diese Instrumente unterscheiden sich von den modernen Shakuhachi. Auf Wunsch bauen wir die für Sie passende Shakuhachi.
Der Unterricht ist immer Einzelunterricht bzw. in kleinen Gruppen.

Es können sowohl stundenweise Termine vereinbart werden als auch intensivere Unterrichtsblocks, z.B. Wochenende oder Ferien.
Termine nach individueller Absprache jederzeit möglich.
Unterricht ist auch online über Skype, Google Hangouts oder Apple Facetime möglich.


Veranstaltungen in Zeiten von Corona
Der neue Teeraum ist fertiggestellt. Auch im Garten gibt es jetzt eine Veranda zum Versammeln und diskutieren. Aber in Zeiten von Corona können nur einzelne Personen oder kleinste Gruppen kommen. Anfragen jederzeit.
Der Unterricht sowohl im Teeweg als auch in Shakuhachi läuft regelmäßig über Internet weiter.
Unterricht ist sowohl als Einzelunterricht als auch in kleinen Gruppen möglich Voraussetzung ist lediglich ein Internetanschluss mit Webcam.

Feste TERMINE:

Haiku und Zen im Benediktushof

Der japanische Dichter Basho formte im 17. Jhd. aus der
alten Form der Renga-Dichtung die Kurzform des Haiku,
ein Ausdruck des Zengeistes.

Traditionell sind Haiku Naturgedichte:
„Der Sprung eines Frosches, die bunte Sommerwiese,
das fallende Blatt.“

Ein Haiku ist immer konkret. Es gibt einen Augenblick wie-
der, der mit den Sinnen wahrgenommen wurde und teilt
diesen mit dem/der Leser/-in, ohne ihn zu kommentieren.
Erst der/die Leser/-in vollendet das Gedicht, indem er/sie
seine/ihre Gefühle und Assoziationen dazu entfaltet.

Ein Haiku zu verfassen heißt, eine Knospe hervorzubringen;
ein Haiku zu lesen bedeutet, die Knospe zur Blüte zu entfal-
ten. Um ein Haiku zu finden, ist eine Haltung der Achtsamkeit
erforderlich, mit der die Natur und der Augenblick wahrge-
nommen werden. Gemeinsam gehen wir erste Schritte im
Schreiben von Haiku und erfahren die philosophischen Hin-
tergründe der japanischen Haiku Dichtung.

Zur Schulung unserer Wahrnehmung üben wir Zen-Meditation,
arbeiten mit Klängen, Obertongesängen und Rezitationen und
bewegen uns in der Natur.
Eventuell Photoapparat mitbringen, dann können wir auch Bilder zu Haimu machen.

BeginnSo., 30.08.2020, 18:00 Uhr
EndeDi., 01.09.2020, 13:00 Uhr

Anmeldung am Benediktushof
https://www.benediktushof-holzkirchen.de/kategorie/kw/bereich/kursdetails/kurs/20SB04/kursname/Haiku+und+Zen+-+ein+Weg+zur+Achtsamkeit/kategorie-id/0/#inhalt


Tee und Zen am Feuerberg

In der Woche vom 13. bis 20. September 2020 sind wir wieder im Hotelresort Feuerberg in Kärnten. Das Hotel ist bestens gerüstet für die Corona-Zeiten. Wir werden wieder eine Fülle von Veranstaltungen von Teeezeremonie im Teeraum oder im Freien, Shakuhachi – Konzerte und Meditationen anbieten. Als kleines Highlight machen wir parallele Teezeremonien. Es sieht dann aus, als würden wir völlig verschiedene Zeremonien durchführen, aber alle Bewegungen sind genau synchron. Ein seltenes Erlebnis!

Wer am Unterricht interessiert ist, kann sich gerne anmelden. Es sind zwei Teelehrer da.

https://www.feuerberg.at/de/erleben/veranstaltungen/

Teehaus Einweihung

Am Freitag 25. September weihen wir in Röthenbach bei Nürnberg einen neuen Teeraum ein. In feierlicher Zeremonie wird der Name des Teehauses vergeben und der Teeraum mit einer feierlichen Zeremonie eröffnet.
Am Sa. und So. gibt es dann einen Wokrshop für Anfänger und Fortgeschrittene.
Fortgeschrittene können auf Wunsch bestimmte Zeremonien bis hin zu den geheimsten Zeremonien üben oder erlernen. Voraussetzung für Unterricht in der geheimen Traditon ist gute Beherrschung von Koicha und möglichst allen Konnarai Zeremonien.

Teeweg ⎪ Zen Shakuhachi ⎪ Zen-Meditation ⎪ Philosophie / Literatur ⎪ Benediktushof ⎪ Konzerte ⎪ Reisen ⎪Ausstellungen ⎪ Gäste ⎪ nach oben

Ferragosto

Heute ist Samstag der 15. August.
Der Himmel ist blank geputzt und strahlt im reinen Blau. 
Am Tag zuvor war endlich nach vielen Tagen drückender Hitze Regen gefallen.
Es ist wieder frisch und kühl und die Pflanzen atmen fühlbar auf.
Seit vielen Jahren schon beobachte ich, wie sich um den 15. August das Wetter ändert. Wie oft regnet es gerade um diese Zeit und wird kühl. 
Immer wieder spüre ich: Jetzt kommt der Herbst. 
Die Luft riecht schon ein ganz klein wenig nach Herbst.
Oder ist das nur Einbildung, weil sich die Bäume unter der Last der reifenden Äpfel und Birnen beugen und die Zwetschen schon ihren nebelblauen Schimmer entwickeln?

Draußen ist es still. Kein Verkehrslärm stört den ländlichen Frieden.
Nur aus dem Gemeindesaal klingt Blasmusik und ertönen fromme Marienlieder. 
Die Bauern hier in der katholischen Rhön feiern Mariä Himmelfahrt und weihen der Maria ihre heilsamen Kräuter. Nur unsere Nachbarin, die sonst immer ihre Heilkräutersträße gewunden hat, fehlt heute. Sie ist im Krankenhaus gelandet.
Sieben oder neun Kräuter müssen es sein oder auch mehr, auf jeden Fall muss es eine magische Zahl von Kräutern sein, die zu einem Buschen gebunden und geweiht werden. Nach der Weihe wird der Buschen im Herrgottswinkel aufgehängt, damit er seinen heilsamen Segen ins Haus bringt.
In leichter Abwandlung von Hölderlins Dichtung kann ich nur sagen:

Möge ein besseres noch das menschenfreundliche August-Licht
Drüber sprechen, von selbst bildsamen Gästen erklärt,
Oder, wie sonst, wenns anderen gefällt, denn alt ist die Sitte,
Und es schauen oft lächelnd die Götter auf uns,
Möge der Priester seinen Spruch tun.

Ich jedenfalls schaue wieder voller Verwunderung auf den Umschlag des Wetters in der Mitte des Jahres. Und wie Hölderlin an seinen Dichterfreund schrieb kann ich nur sagen, dass mich die heimatliche Natur tief bewegt:
Die heimatliche Natur ergreift mich auch um so mächtiger, je mehr ich sie studiere.
Das Gewitter, nicht bloß in seiner höchsten Erscheinung, sondern in eben dieser Ansicht, als Macht und als Gestalt, in den übrigen Formen des Himmels, das Licht in seinem Wirken, nationell und als Prinzip und Schicksalsweise bildend, daß uns etwas heilig ist, sein Drang im Kommen und Gehen, das Charakteristische der Wälder und das Zusammentreffen in einer Gegend von verschiedenen Charakteren der Natur, daß alle heiligen Orte der Erde zusammen sind um einen Ort, und das philosophische Licht um mein Fenster ist jetzt meine Freude; daß ich behalten möge, wie ich gekommen bin, bis hieher!

Die heimatliche Natur ergreift mich auch um so mächtiger, je mehr ich sie studiere.
Das Gewitter, nicht bloß in seiner höchsten Erscheinung, sondern in eben dieser Ansicht, als Macht und als Gestalt, in den übrigen Formen des Himmels, das Licht in seinem Wirken, nationell und als Prinzip und Schicksalsweise bildend, daß uns etwas heilig ist, sein Drang im Kommen und Gehen, das Charakteristische der Wälder und das Zusammentreffen in einer Gegend von verschiedenen Charakteren der Natur, daß alle heiligen Orte der Erde zusammen sind um einen Ort, und das philosophische Licht um mein Fenster ist jetzt meine Freude; daß ich behalten möge, wie ich gekommen bin, bis hieher!

Hoffentlich gibt das philosophische Licht um mein Fenster die Kraft und die stille Sammlung, um endlich mein Buch über Hölderlin fertig schreiben zu können. Vielleicht wird es den Titel haben:
Hälfte des Lebens.
Die Natur und das Heilige.
Meditationen zu Hölderlins Dichtung.

Nachtrag:

Kaum habe ich diesen Text ins Internet gestellt, als ich einen freundlichen Gruß von Hölderlin bekomme.
Die Sonne verschwindet,
Wolken ziehen auf
und Blitze zucken und der Donner kracht.
Ich hoffe, es ist ein freundlicher Gruß!
Danke Hölderlin!

Wissenschaft und Poesie

Jeden Morgen in der Früh stehe ich auf und setze mich an meinen Mac. Immer mehr versinke ich in den Texten von Hölderlin. Heute habe ich ein Fragment in seiner Handschrift gefunden, das mich tief berührt hat:

Doch wie der alternde Winter gesanglos schläft
Zur beschiedenen Zeit aus blaichem Feld
doch grüne Halme sprossen
und ein einsamer Vogel klagt (singt)

Doch leider muss man manchmal „wissenschaftliche Texte“ lesen, denn hin und wieder könnte da ja eine Idee für meine Interpretation stehen. Aber das ist wie der tiefe Winter, in dem auf ‚blaichem Feld‘ nur Stroh zu sehen ist. Hier ein Beispiel, warum ich möglichst keine wissenschaftlichen Texte lese sondern lieber Hölderlin selbst:

Hölderlins Texte irritieren ihre ideologiekritischen Interpreten, weil sie immer schon wissen, was jene erst decouvrieren wollen. Gegenüber den szientifischen Diskursen, die Hölderlins Poesie zum Prädizierten ihrer regelgeleiteten (etwa psychoanalytischen, sozioöogieschen, strukturalistischen) Theoreme depotenzieren und so die Aitiologie seines Traumas: benannt zu werden, unerschrocken methodisch wieder herstellen, betreiben seine Texte die Subversion des „Ordo inversus“; statt dass die zum signifie der Signifikationskette würde, möchte Hölderlins Dichtung die sie vermeintlich objekti-vierende Diskurse gewaltlos umgreifen und deren Verfahrensweise zum Sachgehalt ihrer Deutung machen.

Kannte etwa der japanische Haikudichter Basho den Text? Hat er solche Texte gemeint, wenn er schreibt:

Unter dem Herbstmond
sah ich Blumen auf dem Felde.
Ach, es war nur Stroh!

Ach, armer Hölderlin! Was hätte er wohl dazu gesagt?  Vielleicht:

„Weh mir, wo nehm ich, wenn ich solche Texte lese, die Luft zum Atmen?
Sprachlos und kalt steh ich, im Winde klirren die Druckfahnen!“