2 August 2010 - 12:26Tong-Do Sa und die Mönche

Unser amerikanische Freund aus Korea kommt heute mit dem Flugzeug über Moskau nach München. Im Gepäck hat er eine Einladung eines koreanischen Mönches aus dem Tong-Do Sa Tempel.
Nein, der Mönch hat nicht uns eingeladen und wir haben auch nicht den Mönch eingeladen: Der Mönch hat SICH zu einem Besuch bei uns eingeladen.
Er ist der Abt eines Sub-Tempels des Tong-Do Sa, eines der ältesten und wichtigsten buddhistischen Tempel in Korea, der noch in der klassischen Silla-Periode zur Zeit der Hochblüte des Buddhismus in Korea gegründet wurde. Natürlich wird er nicht allein anreisen. Er will ja hier den koreanischen Zen bekannt machen. Dazu braucht er die Hilfe von drei weiteren Mönchen, die natürlich mitkommen werden.

Wir haben ihn bei unserer Korea-Reise kennen gelernt. Er ist schon in jungen Jahren ins Kloster eingetreten, aber sein Meister verlangte, dass er zunächst seinen Abschluss an der Universität in Seoul macht, bevor er endgültig im Kloster bleibt. Er hat eine Doktorarbeit geschrieben, die er uns bei unserem Besuch überreichte – natürlich auf Koreanisch!
Er lebt in den Bergen oberhalb des Tong-Do Sa in einer “Bergklause”, die inzwischen schon ziemlich groß geworden ist. Dort hat er einen Tempel errichtet, dessen Wände mit einer Kopie der gesamten Tripitaka geschmückt sind, die nur noch in Korea aufbewahrt wird. Er und seine Mitmönche haben 15 Jahre gebraucht, bis sie die gesamte Tripitaka auf Tonplatten kopiert und gebrannt hatten. Dazu haben sie eigens einen großen Anagama, einen Brennofen errichtet. Die “Goryeo Tripitaka” (Goryeo war der Name Koreas in der Zeit zwischen 100 und 1300) ist auf 81.340 Hölzerne Druckstöcke geschnitten, die beidseitig Text enthalten. Die Mönche haben also 162 680 Tonplatten in der Originalgröße der Druckstöcke gefertigt. Das dauert dann schon!

Eigentlich wollten die Mönche kommen, wenn unser Freund hier ist, aber sie müssen in Korea noch ein grosses Sesshin organisieren. Und danach werden wir wieder in Japan sein.
Das Problem liegt darin, dass weder der Abt noch seine Mönche eine westliche Sprache sprechen außer gebrochenem Englisch. Sie brauchen also einen Dolmetscher oder sie müssen Englisch lernen.
Also werden sie wohl im Winter mit unserem Freund einen Konversationskurs machen. Dazu werden sie das Mumonkan und das Hekiganroku benutzen, dass es in Korea sowohl in einer koreanischen als auch in einer englischen Übersetzung gibt. Koreanische Mönche lernen Englisch mit einem Amerikaner, indem sie die ehrwürdigen Texte des Zen studieren!
Das Ganze wird noch interessanter, wenn man bedenkt, dass beide Schriften im modernen Korea unbekannt waren und erst während der japanischen Okkupation ins Land kamen. Die koreanischen Ausgaben basieren dann auch auf der Japanischen Ausgabe mit Kommentaren. Und dieses Japanisch – Amerikanisch – Koreanische Unternehmen dann nur, damit die koreanischen Mönche sich in Deutschland verständigen können.

Die Welt ist schon international geworden!
Und die Grenzen werden immer durchlässiger. Offene Weite – nichts Heiliges!

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2 August 2010 - 9:20茶道: Cha-Dō oder Sa-Dō oder doch 다도 Da-Do? 

In Japan und nicht nur dort, sondern in der ganzen Teewelt gibt es einen Streit darüner, ob 茶道 – Tee WEG – als Cha-Doo (Tscha-Doo) oder Sa-Doo gelesen werden muss.
Das Zeichen für Tee ist 茶 und das wird entweder Tscha oder Sa gelesen. Ein Ki-Sa-Ten ist ein Punkt oder Ort (Ten), an dem man Sa trinkt (ki) oder trinken kann, also ein Kaffe, nein -kein Kaffe, ein Tee!
Aber ein Chawan ist ein Wan – eine Schale – aus der man Cha trinkt, also ein Cha-Wan. Ein Chasen ist ein kleiner Bambusbesen, mit dem man den Cha schlägt und ein Cha-Kin ein Tüchlein, mit dem man die Teeschale auswischt.
Also muss es auch Cha-Doo für den Tee-WEG heißen. Müßte eigentlich, heißt es aber nicht. Der Teeweg heißt in Japan SA-DO. Nur Teemenschen, die Cha-Jin sagen Chado. Wer in Japan Chado und nicht Sado sagt, zeigt, dass er dazu gehört. Dazu zu den Teemenschen, die den Weg üben. Damit ist man ein wenig “geadelt” und hebt sich vom gemeinen Volk ab, das nur seinen Sa im Ki-Sa-Ten trinkt.
Aber was ist mit Da-Do? Die Schriftzeichen 다도 zeigen schon an, dass es sich eben nicht um den japanischen Teeweg sondern um die koreanische Sitte Tee zu trinken handelt.
Eigentlich dürfte der Chado wohl als Da-Do aus Korea nach Japan gekommen sein. “Da Do” als Weg der Teebereitung war sicher eine Übung in den buddhistischen Klöstern. Aber bereits um 1500 wurden die Buddhisten in Korea verfolgt, weil man den Konfuzianischen Staat errichten wollte. Die Buddhisten waren zu individualistisch und unangepasst, um Staat mit ihnen machen zu können. So sind wohl viele Teeleute aus Korea nach Japan gegangen und haben dort ihre Kunst verbreitet.
In Korea sind also die alten Künste durch die sehr bewegte Geschichte verloren gegangen, während in dem Inselreich Japan diese Künste erhaltenblieben, aber auch verändert wurden. Sie wurden im Laufe der Zeit “Japanisch”. Japaner neigen dazu, Dinge zu formalisieren und durch diese Formalisierung zu perfektionieren. Koreaner sind sehr viel spontaner. Deshalb haben die frühen japanischen Teemeister ihre Teeschalen lieber in Korea gekauft als in Japan: die koreanischen Keramiker waren spontaner und ihre Werke strahlten frische Lebendigkeit aus.
Mit der Formalisierung wurden die Künste in Japan immer strikter und regulierter. Man fragt heute nicht mehr, warum man etwas tut, sondern nur noch WIE. Der Großmeister Gengensai der Urasenke, der in der frühen Meiji-Epoche lebte und wirkte, sah den Tee-WEG als ein striktes Regelsystem. Es geht darum, die Regeln genau zu befolgen und absolut unterwürfig das zu tun, was der Lehrer anweist. Das erzeugt Staatsbürger, die sich ganz und gar der Autorität des Staates beugen und so “gute” Bürger sind. Niemand wagt mehr zu fragen: WARUM?

Da-Do
다도 Da Do mit japanischem Pulvertee in koreanischer Tracht

Während der japanischen Okkupation Koreas in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts versuchten die Japaner mit harter Hand, den Koreanern wieder “ihre ursprüngliche Kultur” – nämlich die Japanische, die ja aus Korea kam (aber inzwischen ganz und gar japanisch geworden war) – wieder zurückzugeben bzw. aufzuzwingen. So kam auch der “Japanische” Zen und der “Japanische” Chado wieder nach Korea. Aber die Koreaner wollen keine Japaner sein. Sie suchen nach ihren eigenen Ursprüngen. Im Da Do versucht man deshalb, weitestgehend japanische Einflüsse zu vermeiden. Aber der alte koreanische Da Do ist vergessen! Was man heute in Korea als Da Do erlebt, sind meistens Varianten der chinesischen “Tee-Zeremonie”, bei der man eben Aufgusstee verwendet. Wir haben aber auch an einer privaten Universität zaghafte Versuche erlebt, Da Do mit Pulvertee zu machen. Und woher kommt der Pulvertee? Natürlich aus Japan – weil man in China und Korea vergessen hat, wie man Pulvertee herstellt!
Ach, könnten doch die Völker ihre Feindschaften vergessen und in Frieden ihre Kulturen austauschen und voneinander lernen!

Heute kommt unser amerikanischer Freund aus Korea für drei Monate zu Besuch und wir werden mit ihm den Spuren des Teeweges im alten Korea nachgehen. Es wir eine spannende und interessante Zeit werden.

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28 Juni 2010 - 11:57Sitting Seiza, der Kürbis und Boddhidharma

Seit einiger Zeit verfolge ich in einem amerikanischen Forum über Teezeremonie eine lange Diskussion über “sitting seiza”.
Das ist die Sitzposition, bei der man mit eingeschlagenen Beinen auf den Fersen sitzt.

Zugegeben, das ist für Anfänger meistens ziemlich schmerzhaft. Aber es gibt einen ganz einfachen Trick, wie man das Sitzen in dieser Position lernen kann. Eigentlich ist das ein Geheimnis, aber ich denke, in unserer heutigen Zeit sollte man auch die letzen Geheimnisse des Teeweges erläutern. Das Geheimnis:
ÜBEN!
Regelmäßig üben!
REGELMÄSSIG!
Oder noch genauer:
REGELMÄSSIG ÜBEN!

In dem Forum wurde diskutiert, welcher Teelehrer welche Meinung vertritt und ob man die Gäste auf Kissen oder auf Stühlen oder gar nicht sitzen läßt. Aber niemand fragte nach dem Sinn des Seiza. Zunächsat einmal war das früher, als es in Japan keine Stühle gab die übliche Form, auf dem Tatami-Boden zu sitzen. Niemand klagte über Schmerzen, auch die alten Leute nicht. Man hat eben das Sitzen auf den Fersen regelmäßig praktiziert.
Hier meine Antwort auf die Diskussionen in dem fraglichen Forum (natürlich übersetzt):

Ich verfolge die Diskussion über das Sitzen in Seiza mit großem Interesse.
Aber ich wundere mich, das niemad fragt, WARUM wir beim Tee in Seiza sitzen.
Ich lese nur: “mein Lehrer sagt …, in meiner Jugend haben wir, .. wir machen das so, dass …!”
In dieser Diskussion wird lediglich das Seiza als Tradition diskutiert.

Historisch gesehen haben die Samurai bei den Tee-Einladungen als Gäste niemals im Seiza gesessen, weil das damals einfach noch keine allgemeine Sitte war.
Man saß im “koreanischen Stil”, ohne Kissen auf dem Boden, ein Knie aufgestellt und angewinkelt. Die Arme konnte man um das aufrecht stehende Knie legen.
Wurde die Position unbequem, so wechselte man einfach das aufrecht stehende Knie. Das Sitzen in Seiza ist “erst” seit etwa 200 Jahren die übliche Sitzhaltung, das heißt dass sie es zu Rikyū’s Zeiten auch nicht war.

Es gibt natürlich Unterschiede der Sitzposition für den Gastgeber und für die Gäste.
Für die Gäste ist es durchaus möglich, mit gekreuzten Beinen, auf hohen Sitzkissen, auf Schemeln oder Stühlen oder sonstwie zu sitzen. Dabei ist es nicht gerade förderllich, wenn der Gastgeber auf dem Boden und die Gäste auf hohen Stühlen sitzen, weil dadurch eine zu großer Unterschied entsteht. Aber wenn der Gastgeber auf einem Podest sitzt und die Gäste auf Stühlen in Augenhöhe mit dem Gastgeber, so stimmen die Relationen wieder.
Man muss einmal versuchen, als Gastgeber mit gekreuzten Beinen auf dem Boden sitzend Tee zu bereiten. Das wird nahezu unmöglich!

In der späteren Meiji-Zeit wurden Teezeremonien entwickelt, die man an niedrigen Tischen auf Schemeln sitzend ausführt. Aber diese Form verändert völlig die Athmosphäre und die Empfindungen bei der Teezeremonie. Die Tische schaffen eine Art Barriere zwischen Gast und Gastgeber. Als ich das erste Mal eine solche Zeremonie übte, hatte ich plötzlich das Gefühl, dass mein Schwerpunkt wie ein Kloß in der Kehle saß, kein sehr angenehmes Gefühl. Es brauchte eine lange Übung, den Schwerpunkt wieder in den Hara zurück zu bekommen. Das war für mich, auch als relativer Anfänger, beim Sitzen in Seiza viel einfacher. Aber mein Lehrer bestand darauf, dass ich auch die Form an Tischen übte.

Die Sitzposition ist nicht nur eine Sache der Tradition, sie hat auch einen gewaltigen Einfluß auf unsere Atmung und auf die Balace unseres Körpers.

Ich unterrichte nicht nur Teezeremonie, sondern auch Zen – Shakuhachi in der Tradition der Komuso-Mönche. Auch hierbei sitzen wir Seiza. Dies ist bei der Shakuhachi eine sehr “einfache” Sitzhaltung (wenn man die möglichen Schmerzen meistert). In dieser Sitzposition bekommt man einen “guten Ton” auf der Shakuhachi. Sitzt man auf modernen Stühlen, so stellt sich der “gute Ton” nur sehr schwierig ein. Man kann auch mit gekreuzten Beinen auf Sitzkissen sitzen. Aber dazu ist es nötig, die richtige Sitzposition erst zu suchen.
Beim Spiel der Shakuhachi ist die richtige Sitzposition sehr wichtig, weil man sonst keinen Ton bekommt. Die Shakuhachi ist in diesem Fall unser Lehrer. Sitzt man in Seiza, so stellt sich die richtige Sitzposition fast “automatisch” ein.

Die Wirbelsäule hat eine natürliche Krümmung in S-Form. Am Becken bildet sich ein leichtes Hohlkreuz, der Rücken ist zwischen den Schultern leicht nach vorn gebeugt.
Auf modernen Stühlen ist es nahezu unmöglich, in einer “entspannten” Sitzhaltung diese natürliche Form der Wirbelsäule zu finden. Man rutscht tief in die Sitzfläche und der Rücken wird insgesamt rund und die Schultern fallen nach vorn. Das Zwerchfell wird eingeklemmt und kann sich nicht frei bewegen. Die Atmung wird flach und unfrei. Nach einiger Zeit verspannt sich die Schulterpartie und der Nacken und man bekommt Kopf- und Rückenschmerzen.
Sitz man auf einem einfachen Schemel mit flacher Sitzfläche, nur auf der Vorderkante des Schemels und richtet den Rücken auf, so findet die Wirbelsäule ihre natürliche S-Form und die Atmung wird frei. Kippt man das Becken leicht nach vorn, so daß ein Hohlkreuz entsteht, sitzt man automatisch zentriert im Becken, das Zwerchfell wird frei und die Atmung fließt bis tief in den Bauch.
Atmet man auf diese Weise, so zentrieren wir den Körper in der Region etwa eine Handbreit unterhalb des “Omphalos”.
Im antiken Griechenland war der Omphalos der Nabel der Erde, das Zentrum der Erde. Wenn wir in dieser Weise sitzen, zentrieren wir uns im Omphalos und unser Nabel wird zum “Zentrum der Erde”.
Sitzt man im Seiza mit der Wibelsäule in der natürlichen S-Form, so fühlt man sich nach einiger Zeit (wenn man die Schmerzen gemeistert hat) wie ein dicker Kürbis, der fest und schwer auf der Erde aufruht. Nichts kann ihn umwerfen!
Daruma
Wir fühlen uns wie Daruma (man muss ja nicht gleich so grimmig schauen!) Daruma, wie er in Japan heißt, oder Boddhidharma in Indien, hatte, so will es die Legende, Arme und Beine verloren, nachdem er zehn Jahre mit dem Gesicht zur Wand meditiert hatte. In Japan fertigt man Daruma – Puppen, die als Stehaufmännchen niemals umzuwerfen sind, eben weil sie keine Arme und Beine haben. Die sind es, die uns aus unserer Mitte werfen.
Die Darumas sind ein Vorbild für alle Kinder: Könnten wir doch so stabil und sicher in unserer Mitte sitzen wir Daruma.

Während wir so im Seiza sitzen, bewegen wir die gesamte Wirbelsäule vom Becken an aufwärts nach vorn und hinten. Wenn wir etwa die Teeschale nehmen, geht der Körper leicht nach vorn ohne die Form der Wirbelsäule zu verändern, so wie ein Taschenmesser einklappt. Die Arme werden nicht ausgestreckt, sondern der gesamte Körper bringt die Hand zur Teeschale und nimmt sie vom Boden auf. So machen wir Tee, “ohne auch nur ein einziges Mal die Hände zu benutzen”.
Dabei ist es ganz natürlich, dass wir ausatmen, wenn wir den Körper nach vorn bewegen und einatmen, wenn wir uns wieder aufrichten.
Weil durch die leichte Vorwärtshaltung die Bauchdecke etwas eingedrückt wird, können wir nicht mehr, wie man das in vielen Meditationsanleitungen liest “mit dem Bauch” atmen. Wir beginnen, automatisch mit dem Becken und dem Rücken in der Nierengegend zu atmen. Durch die Bewegung und die Atmung entsteht eine Art von “Massage” des Iliosakralgelenkes und des Becken- und Nierenbereiches, nach Sicht der traditionellen chinesischen Medizin der Ort, an dem die Lebensenergie Ki oder Chi produziert wird. Dieses Ki beginnt zu fließen und sich im gesamten Körper zu verteilen. Man spürt das Ki im Becken, im Rücken, in den Händen und – im Herzen. Das Herz wird leicht, frei und offen. So “reinigen” wir unser Herz von Depression, Sorgen und Nöten. All das ist eine der Voraussetzungen für das Erleben von Samadhi im Tee.
Wenn auch die Gäste in der entsprechenden Weise sitzen und atmen, spüren sowohl Gast als auch Gastgeber die selbe Energie fließen. Es ist nicht MEINE Lebensenergie, sondern diejenige, die in ALLEN Dingen fließt. Das ist die Harmonie, von der im Daodejing die Rede ist. Die Harmonie läßt die Ernergie des Lebens in allen Dingen fließen und wir können sie in unserem Körper spüren. In diesem Sinne werden Gast und Gastgeber “EINS”.

Uchiyama Rōshi aus dem Tempel Eiheiji Dōgen’s hat einmal in einem Buch etwa folgendes geschrieben:

Wenn wir im Sazen (Meditation im Sitzen) sitzen, beginnen wir plötzlich, uns wie ein dicker Kürbis zu fühlen. Das Sitzkissen unter uns rundet sich und wird zur gesamten Erdkugel. Plötzlich spürt man, wie oben am Kopf etwas zu wachsen beginnt, wie eine Ranke, an der der Kürbis hängt. Man spürt, wie die Ranke weiter wächst und dort andere Kürbisse daran hängen, und wie sich die Energie zwischen den Kürbissen über die Ranke austauscht.

Wenn wir so Tee üben, dann ist das Tee und Zen, dann werden Gast und Gastgeber EINS.

Warum übe ich den Teeweg?
Es ist faszinierend, all die Schönheit und Ästhetik im Teraum zu erleben, Es ist eine wundervolle Erfahrung eines gemeinsamen Tuns, eines ganz alltäglichen Tuns wie “Wasser holen, Feuer anzünden, Tee schlagen und mit Anderen teilen” und des EINS werdens mit allen Dingen.

Samadhi im Tee bei ganz alltäglichen Verrichtungen!

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12 Mai 2010 - 10:51Kyoto Ningyo und Kintaro

empress

Die Kaiserin aus dem Puppen – Hofstaat der Kyō-Yusoku-Ningyō

Die alte Kaiserstadt Kyoto ist berühmt für seine Kultur und seine Kunst. Ein volkstümlicher Teil dieser Kunst sind die Puppen aus Kyoto, die Kyo – Ningyo. Diese Puppen sind viel zu kostbar, um Kinder damit spielen zu lassen.
In der Kultur des Kaiserhauses spielten die Zeremonien schon seit der Heian-Zeit eine überaus große Rolle. Jedes Detail der Kleidung und der verwendeten Farben wurde genau  festgelegt. Ja, es gab sogar ein eignes Amt, das all diese Details nach dem I-Ging, dem chinesischen “Orakelbuch”  regelte.   Alle diese Details wurde in genauen Aufzeichnungen festgehalten , den sogenannten Yusoku. Die Kunsthandwerker, die seit vielen Generationen mit der Anfertigung von benötigten Utensilien beschäftigt waren, waren im Besitz dieser Yusoku.
Beim Mädchenfest am 3.3. wird der gesamte Hofstaat des Tenno in Form von Puppen aufgestellt. Das soll den kleinen Mädchen Glück und Segen bringen. Die kostbarsten Puppen für diesen Hofstaat sind die Kyo-Yosoku-Ningyo, die Puppen aus Kyoto, die nach den Regeln des Yusoku angefertigt wurden. Ein kompletter Hofstaat kostet bis zu 13.000 Euro!

Tenno

Der Tennō – Kyō Ningyō

Eines der berühmtesten Geschäfte für die Kyōto Puppen, das Shimazu liegt in der vierten Strasse, der Einkaufsmeile Kyōto’s. Auf der Strassenseite eine Fensterfront mit den Puppen, hinten im Geschäft schaut man in den kleinen Garten im Innenhof, ein völlig unerwarteter Anblick mitten in der Stadt. Man findet dort nicht nur die traditionellen Puppen für das Mädchen- oder das Knabenfest. Selbstverständlich gibt es dort auch die traditionellen Puppen mit Szenen aus dem Noh-Theater.  Aber man ist ja modern und geht mit der Zeit. Es gibt auch die “Ichimatsu Ningyo” Puppen, die gern als Geschenk und als Kunstobjekt gesehen werden.

Kyoto Ningyo

Stellt ein frisch verheiratetes Paar eine solche Puppe auf, so wird es bald ein gesundes Kind nach dem Vorbild der Puppe bekommen.

Wir haben dort die unterschiedlichsten  Puppen vom Kintaro, dem Gold-Knaben gesehen, offenbar einem äußerst beliebten Modell. Eine solche Puppe kostet je nach Ausführung zwischen 100 und 500 Euro. Kintaro war schon als kleiner Knabe stark und tapfer, später wurde er ein berühmter Samurai, der treu seinem Herrn diente. Welches Paar wünscht sich nicht einen Knaben wie den Kintaro?

Kintaro ist in Japan bis hin zur modernen Zeit eine äußerst beliebte Gestalt, vom Kabuki-Theater bis hin zum Manga und Anime. Die Geschichte vom Kintaro findet man in unserem kleinen Buch vom Donnergott: “Wie der Donnergott einmal in den Brunnen fiel” bei Amazon

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11 Mai 2010 - 11:29Das Lachen der Götter

Japan ist schon ein merkwürdiges Land. Bei den religiösen Feiern am Shintoschrein wird getanzt, getrunken und gelacht.

Wir hatten das Glück, in Nikko bei einem zweitägigen Shinto – Matsuri teilzunehmen. Kinder und Jugendliche saßen in festlich geschmückten Wagen, die durch die Staßen gezogen wurden und schlugen die Trommeln. Als Begleitung war auch ein Wagen unterwegs, in dem das Fass mit dem Sake transportiert wurde. In einem mit Holzkohle geheizten Ofen wurde der Sake gewärmt und an die Teilnehmer des Festzugen aber auch an Zaungäste ausgeschenkt. Das war auch bitter nötig, weil es an dem Tag recht kalt war, ja, am nächsten Tag lagen 15 cm Neuschnee, und das Mitte April. Am “heiligen Ort”, der Brücke, die wie die Himmelbrücke geformt ist, auf der Izanagi und Izanami standen, als sie die Inseln Japans schufen, fand eine Shinto-Zeremonie statt. Und dann wurde weiter gesungen, getanzt und die Trommel geschlagen, bis spät in den Abend. Vor Touristen hörten wir das weise Wort:”Das ist ja eine vollkommen andere Welt!”

Wohl wahr. Nicht das Leiden bringt das Licht in die Welt, sondern das Lachen!

Einmal, es war schon kurz nach der Entstehung aller Dinge, zog sich die Sonne, Amaterasu zurück in eine Höhle. Ihr Bruder Susano, der “immer heult wie der Wind” hatte den Tod in ihren Himmlischen Palast gebracht, indem er die abgezogene Haut  eines Pferdes in den himmlischen Weberpalast der Amaterasu warf. Die Höhle ist vermutlich ein Felsengrab, wie man es im frühen Japan findet.

Oh weh, nun war das Licht aus der Welt verschwunden. Alle Kami versammelten sich und beratschlagten, was man denn tun könne. Aber es fiel ihnen nur ein, eine hübsche junge Frau mit einem pausbäckigem Gesicht zu rufen, die vor der Höhle tanzen sollte. Alles wurde vorbereitet, Büsche und Bäume mit Papierstreifen geschmückt und ein riesiges Fass umgedreht vor der Höhle aufgebaut, das als Tanzbühne dienen sollte. Die junge Ama no Uzume stellte sich auf das Fass, hob ihre Rochschöße so weit hoch, dass man ihre Scham und ihre Brüste sehen konnte und wollte zu tanzen beginnen. Da brachen die Miriaden von anwesenden Kami in ein schallendes Gelächter aus.

Amaterasu hörte das drin in ihrer Höhle und dachte bei sich: “Wie können die Kami so laut lachen, wo doch kein Sonnenlicht mehr auf der Welt existiert?” Vorsichtig öffnete sie die Höhle einen Spalt weit und da sah sie die Uzuma einen öbszönen Tanz tanzen. “Wir haben eine viel schönere Sonne gefunden, als du es bist!” rief Uzuma der Amaterasu zu und hielt ihr einen Spiegel vor. Amaterasu hatte noch nie einen Spiegel gesehen, darum frage sie sich, wer wohl die strahlende Schönheit sei, die ihr da entgegenschaute und sie kam immer weiter aus ihrer Höhle heraus.

Da zogen die Kami ein aus Reisstroh geflochtenes Seil zwischen sie und die Höhle. Nun konnte die Sonne nicht mehr tief in der Höhle verschwinden, sie mußte immer wieder hervorkommen. Und so kommt es, dass heute noch Tag und Nacht miteinander abwechseln.

Aber was das Licht zurück gebracht hatte in die Welt, war das Lachen der Götter!

Sie hatten gelacht über den obszönen Tanz der Uzuma, weil der ihnen gezeigt hatte, wie der Tod überwunden werden kann: durch die Freuden des Lebens selbst. Nicht das Leiden und der Tod bringt das Leben, sondern die Freuden und das Lachen.

Wer sagt denn noch, dass der Shinto eine “primitive” Religion ist?

Mehr von diesen Geschichten finden sich in dem kleinen Buch “Wie der Donnergott einmal in den Brunnen fiel”. Zu beziehen bei Amazon, im Buchhandel oder im Dōjo in Oberrüsselbach.

Im Dōjo gibt es auch eine CD, auf der einige der Geschichten aus dem Buch auf Fränkisch erzählt werden, damit das Lachen das Licht in die Welt bringt.

“Wie der Donnergott einmal in den Brunnen fiel” bei Amazon

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