Haiku am Sommermorgen

Die Folgen eines Haiku Seminars sind manchmal schauerlich lustig.
Heute Früh gab es ein kleines Haiku – Duell über e-mail:

Auf Baumstamm ruhend
Sommermorgen genießend.
Autsch! Der Hintern schmerzt!

Antwort:

Morgenfrühe!
warmes Sommerlicht fällt durch –
das Loch im Socken!

Und wieder:

Morgenheiterkeit.
Lachen schallt durch das stille Dorf.
Guter Wochenstart!

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Shakuhachi ohne Ende

Gerade eben habe ich eine Shakuhachi fertig gebaut. Sie muss nur noch mit einem Siegels gestempelt werden, dann geht sie ab auf die Post. Und genau jetzt habe ich eine mail über das vergangene Haiku – Seminar im Benediktushof bekommen. Christine schickt mir ein paar Bilder vom Seminar.
shaku-benediktus
Harald hatte dazu ein paar Haiku geschrieben:

Flötenklang, klagend
weht er durch den Zen-Garten.
Seh ich dich wieder?

Die Töne hören
völlig in sich aufnehmen
verklingen lassen.

Susanne hat sich ihre Flöte schon hier abgeholt. Elisabeth bekommt ihre dann mit der Post.

PS.: Habe ich da etwas falsch gemacht?
Ein Haiku Seminar und nun wollen alle Shakuhachi lernen?

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Kalter Augustregen

Es ist fast Mitte August.
Aber ein eiskalter Regen fällt und der Himmel ist dunkel und düster.

Dennoch habe ich von Carola eine Mail bekommen:

Regentropfen feiern den August
tanzend mit dem Sommerwind.

Zypressen schütteln sich vor Freude.
Die dicke Fichte tänzelt lächelnd.
Das Gesicht des Scheunendachs
erstrahlt in lieblich rotem Glanz.
Frisch glitzert der Garten im Sonnenlicht.
Wasserperlen wippen fröhlich von Blatt zu Blatt.
Der Kater träumt vom Sonnenschein.
Die warme Suppe wärmt den Bauch
und der Blick ins helle Grau das Herz.

Toll!
Aber mit freiem Zengeist sieht man die Dinge nicht nur positiv.
Wenn es mitten im August fast wie Winter ist, dann ist es eben kalt!

Kalter Sommerregen!
Der alte Teemeister
schüttelt sich vor Kälte!
Der Hund weigert sich und schläft am Ofen.

Glitschig kaltes und nasses Gras
läßt die Füße erschauern.
Sogar die Schnecken bleiben zu Hause!

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Viereinhalb Matten

Über den Teeraum und das neue Schwimmbad am Feuerberg habe ich eine kleine Meditation geschrieben. Hier der Text:

Viereinhalb Matten.
Aki chikaki
kokoro no yoru ya
yo jo han

Der Herbst kommt heran.
Das Herz erfüllt von Sehnsucht:
Viereinhalb Matten

Der japanische Dichter Bashō, der sein Leben dem Zen und der Haiku- Dichtung geweiht hatte, schrieb dieses kleine Meisterwerk. In den knappen 5 / 7 / 5 Silben eines Haiku beschwört er die Sehnsucht nach Geborgenheit und Frieden.
Sein Leben war eine stete Wanderschaft. Er lebte dieses Wanderleben, um zu zeigen, dass unser aller Leben nichts ist als eine Wanderung zwischen Geburt und Tod. Aber die Sehnsucht nach Geborgenheit und Ruhe wohnt tief in unserem Herzen.

Die viereinhalb Matten sind der Teeraum in seiner idealen »Größe«.
Draußen beginnen die Herbststürme zu toben. Aber drinnen glüht das sanfte Holzkohlenfeuer und das Singen des Teekessels wärmt das Herz. Der Tee duftet und alle Sinne werden erfrischt und klar. Der enge Raum weitet sich und die ganze Welt ist versammelt in einer Schale Tee.
Yo-Jo Han ist ursprünglich nicht der Teeraum, sondern ein Flächenmaß von kaum 10 Quadratmetern. Aber dieser winzige Raum ist so weit wie der offene Himmel.
»Das Singen des Teekessels beneidet den Wind in den Kiefern«, so hatte im 15. Jahrhundert einmal ein Berater des Shogun Yoshimasa gesagt. Der Wind in den Kiefern streift frei durch die offene Weite des Himmels und das Singen des Teekessels bringt diese Weite in den kleinen Raum. Selbst der mächtigste Mann Japans sehnte sich nach der Stille und dem Frieden im Teeraum.

Zur Zeit Buddhas lebte ein Mann mit dem Namen Vimalakirti. Er war in die Berge gegangen und hatte dort zurückgezogen in einer Hütte von genau Yo-Jo Han – 10 Fuß im Quadrat – meditiert und war zum Buddha geworden. Seine Buddhaschaft aber lebte er tätig mitten im Leben eines reichen und wohltätigen Kaufmannes. Als er krank wurde, wollte Buddha einen seiner Jünger zu Vimalakirti schicken. Aber einer nach dem anderen lehnte ab. Sie waren nicht würdig, denn sie konnten ihre Buddhaschaft nur in der Einsamkeit oder der Geborgenheit eines Klosters verwirklichen, aber nicht wie Vimalakirti mitten im tätigen Leben.

Der japanische Dichter Kamo hatte sich im 13. Jahrhundert nach dem Vorbild Vimalakirtis in eine solch kleine Hütte in den Bergen zurückgezogen. Der Teeraum in seiner schlichten Gestaltung und Größe folgt dem Vorbild Kamo’s. Seine Hütte »war kaum größer als der Kokon einer Seidenraupe«. Aber die Seidenraupe verwandelt sich im Kokon zu einem wunderschönen Schmetterling. So schenkt auch die Enge des Teeraumes eine solche stille Verwandlung.

In der chinesischen Mythologie gibt es irgendwo weit im Ostmeer eine Insel der Götter. Sie ist genau 10-tausend Fuß im Quadrat. Der Teeraum mit seinen 10 Fuß im Quadrat ist wie ein Spiegel dieser Götterinsel. Dort empfangen alle Götter ihre ‚Urkunde des Lebensursprungs‘. Der Name dieser Insel lautet auf Japanisch Ho-Jo. Der Lebensursprung spiegelt sich im Teeraum und im Herzen der Menschen. Das offene Herz ist genauso weit wie die riesige Götterinsel. Wahre Größe hat ihren Ursprung im Herzen, nicht in der Größe und Pracht gewaltiger Räume.

Der indische Prinz Boddhidharma hatte den Zen nach China gebracht. Auf seinem Weg begegnete er dem Kaiser Wu Di. Der fragte ihn nach der höchsten Wahrheit des Buddhismus. Boddhidharma antwortete nur: »Offene Weite. Nichts Heiliges.«
Später saß er neun Jahre mit dem Gesicht zur Wand in einer Höhle und meditierte. Als er müde wurde und ihm die Augen zufielen, riss er sich die Lieder ab und warf sie zu Boden. Daraus entstand der Teestrauch. Seine Blätter helfen nun, bei der Meditation wach zu bleiben. Nach neun Jahren verließ Boddhidharma seine Höhle. Nun war er verwandelt wie der Embryo im Mutterleib.

Die offene Weite verwirklicht sich nicht nur in weiten und großen Räumen oder an ‚heiligen‘ Orten. Vielleicht gerade in der Konzentration eines schlichten Teeraumes gibt es die offene Weite. Die offene Weite kann man aber auch im neuen Schwimmbad erleben.
Man erlebt die Weite des Himmels und sieht die Wolken ziehen, zehntausend Fuß über der Menschheit‘. Die offene Weite ist nicht außen, sondern im Herzen. Alle Sorgen verschwinden und ziehen weiter wie die Wolken. Das Herz wird frei und leicht wie ein Vogel. Das ist Zen mitten im Leben.

Veröffentlicht unter Allgemein, Basho und Haiku, Stille, Teeweg, Zen und Tee | Hinterlasse einen Kommentar

Eigene Weisheit?

Kürzlich bin ich gefragt worden, ob ich einen Beitrag leisten kann über meine eigene Weisheit.
Zitat:

Weisheit kann vor Irrtümern in der Lebensführung bewahren. Sie kann vielleicht sogar den „richtigen“ Weg ins Leben weisen und dadurch zu Zufriedenheit und Glück führen.

Aber anders als in früheren Kulturen, die eine Weisheitskultur hatten, ist Weisheit heute nicht mehr definiert und kein Teil mehr der politischen Kultur. Die Werte haben sich verändert. Im Grunde muss jeder Mensch, der Interesse an Erkenntnis hat, Weisheit für sich neu erfinden.

Meine Antwort dazu:

Lieber Johannes,

es ehrt mich, dass du vermutest, ich sei im Besitze einer persönlichen Weisheit.
Aber ist das so?
Im Museum in Ulm habe ich einmal einen Kachelofen aus dem Barock gesehen, auf dem die Lebensalter mit Kommentaren abgebildet waren. Da stand:
Mit fünfzig – würdiger Greis!
Ich werde jetzt 76, aber ich empfinde mich weder als würdig noch als Greis.
Was über die Siebzig- oder Achtzigjährigen stand, habe ich vergessen, aber immerhin ging aber die Skala bis hundert.
Die Fünfzig habe ich mir gemerkt, denn damals war ich ein unwürdiger Fünfziger, weit entfernt von würdig oder vom Greis.
So haben sich die Zeiten geändert.
Und genau das hast du ja auch geschrieben.
Es gibt heute keine allgemeinverbindlichen Weisheiten. Und vielleicht hat es sie nie gegeben. Aber es gab und gibt immer noch selbsternannte Weisheitslehrer oder solche, die es Kraft ihres Amtes sind oder meinen, es sein zu müssen.
Dazu gehöre ich nicht.
Weder bin ich ein Weisheitslehrer, noch bin ich dazu berufen oder beamtet.
Ich bin einfach nur ein alter Mann, der noch ein wenig Teezeremonie und Zen unterrichtet.
Das sind vielleicht alte Weisheiten, aber sind die heute noch allgemeingültig?
Und meine eigene Weisheit?
Es stimmt, ich habe weiße Haare, aber besitze ich eine eigene Weisheit?
Ich lebe halt und ich freue mich meines Lebens. Das ist alles.

Viele Grüße

Veröffentlicht unter Allgemein | 4 Kommentare