Vom Kamel und dem Nadelöhr

Im Augenblick überarbeite ich das Buch „Mukshi mukashi“ für eine Neuauflage.
Es wird um ein Kapitel über die frühen Christen in Japan erweitert. Der spanische Jesuit Franz Xaver hatte mit Erfolg in Japan missioniert. Bei einem Gespräch mit Sen no Rikyū erwähnte er das Gleichnis vom Kamel das eher durch ein Nadelöhr geht als ein Reicher ins Himmelreich.
Kein Wunder wenn man bedenkt, welche Summen die Teeleute damals für ihre Teegeräte bezahlt haben.

Der Jesuitenpater Luis d‘Almeida beschrieb begeistert in einem Brief von Oktober 1561 eine Teezeremonie die er miterlebt hatte:.

Hochstehende und reiche Japaner lieben es, ihren Gästen ihre Schätze als Zeichen der Wertschätzung zu zeigen. Diese Schätze bestehen aus Utensilien, die sie zum Trinken eines bestimmten pulverisierten Krautes benutzen, das sie cha(*FN* Der pulverisierte japanische Grüntee, der in der Teezeremonie verwendet wird ist Ma-cha, Pulvertee.*FN*) nennen. Dieses Kraut ist bei denen, die es trinken sehr beliebt. Sie mahlen eine halbe Handvoll der Blätter, geben sie in eine Porzellanschale und füllen mit heißem Wasser auf. Dazu benutzen sie einen sehr alten Eisenkessel und einen Behälter für das Wasser, mit dem sie die Porzellanschale reinigen. Außerdem einen kleinen Dreifuß(Dieser Deckelständer, der wie ein Dreifuß geformt war, ist ein Beispiel für solche Gegenstände. Er kann auch aus einem einfachen Stück Bambus bestehen. Der Dreifuß hat es unserem Pater sehr angetan, weil er von unermesslichem Wert war.), auf den sie den Deckel des Wasserkessels ablegen, damit er nicht auf den Bodenmatten liegt. Der Behälter für die Teeblätter, der Löffel und die Schöpfkelle mit der sie das Wasser aus dem Kessel schöpfen – alle diese Utensilien sind die Kostbarkeiten Japans so wie Ringe, Halsketten, kostbare Rubine und Diamanten bei uns.
(Im Teeraum) war auf einer Seite ein Regal, wie es hier üblich ist und davor eine Feuerstelle aus schwarzer Keramik(Die beschriebene Feuerstelle ist aus Keramik, die mit hochglanzpolierten Japanlack (Urushi) überzogen ist. Sie kann auch aus Bronze oder Gusseisen bestehen.) die glänzte wie ein polierter Spiegel. Darauf ein wunderbar gestalteter Teekessel auf einem merkwürdig geformten Dreifuß. Die Asche, auf der die Holzkohle glühte, sah aus wie sehr fein gemahlene und gesiebte Eierschalen. Alles war von größter Reinheit und so geordnet, dass man es kaum beschreiben kann. Mein Begleiter sagte mir, dass der Gastgeber den Teekessel für über 600 Dukaten(heute über 72.000 € in Worten: zweiundsiebzigtausend Euro!) erstanden hatte, dass er aber sehr viel mehr Wert sei.
Nachdem wir Platz genommen hatten, wurde eine Mahlzeit serviert. … Ich kann versichern, dass man nirgendwo auf der ganzen Welt ein Mahl finden kann, dass besser bereitet und serviert wird als in Japan. Nach der Mahlzeit setzten wir uns alle anmutig auf unseren Knien nieder, wie es unter den japanischen Christen Sitte ist. Der Gastgeber servierte eigenhändig den Cha, den ich vorher beschrieben habe. Anschließend zeigte er mir einen kleinen eisernen Dreifuß, auf dem er zuvor den Deckel des Wasserkessels abgelegt hatte. Er war so alt, dass er aus mehreren zerbrochenen Stücken wieder zusammengelötet war. Der Gastgeber erklärte mit, dass er dafür 1030 Dukaten (nach heutigem Wert fast 124.000 € in Worten: einhundertvierundzwanzigtausen Euro! für ein kleines Teil aus Eisen!) bezahlt hatte, dass er aber der Meinung sei, dass er sehr viel mehr wert sei. Er zeigte mir noch mehrere Utensilien, die alle in feine Beutel aus Damast und Seide gehüllt und in kleinen Holzkästen aufbewahrt waren. Er sagte mir, dass er noch mehr solcher Schätze besäße, die aber an einem sicheren Ort aufbewahrt würden.

PS.: Ich besitze auch einen solchen Deckelträger aus Gusseisen. Ich biete ihn hiermit zum Kauf an. Aber bitte keine Angebote unter 100.000 Euro! Ein kleiner Nachlass von 1 – 2 Prozent wird sich sicher machen lassen! Und der sofortige Eingang ins Himmelreich ist garantiert! Wo ist das Kamel, das hier bietet?
Ich könnte auch noch einen Teekessel verkaufen. Sonderpreis: 250.000 €! Wäre doch ein Angebot?!

Schneeflocken am Yaoshan Tempel

Wir sind nun schon wieder einige Zeit zurück von unserer aufregenden Reise nach China. Es war meine erste Reise nach China, aber manchmal war es fast eine Wiederkehr. Seit vielen Jahren beschäftige ich mich immer wieder mit dem Bi Yan Lu, der Niederschrift vor der smaragdenen Felswand. Auf dieser Reise standen wir schließlich direkt vor der smaragdenen Felswand in der Nähe des Jiashan Tempels in der Provinz Hunan. Es ist schon ein eigenartiges Erlebnis, an solch einem historischen Ort zu stehen, denn hier ist wohl die erste Zen-Schrift entstanden. Der Chan – Meister Yuan Wu (1063 – 1135) hatte 100 alte Zen-Geschichten gesammelt und aufgeschrieben. Von seinem Tempel aus konnte er eine smaragdfarbene Felswand sehen. Daher der Titel seiner Schrift. An der Felswand hängt ein Bild von Meister Yuan Wu. Davor klingt leise aus dem Lautsprechen „Om mani padme Hum“. Eine einfache Bäurin verneigte sich vor dem Bild, rezitierte den Text mit und legte einen Blumenstrauss nieder.

Bi Yan - die smaragdgrüne Felswand des Bi Yan Lu

Bi Yan – die smaragdgrüne Felswand des Bi Yan Lu


Der Jiashan Tempel hatte zu der Tagung über `Tee und Zen – Ein Geschmack` eingeladen. In der benachbarten Stadt fand im Kongresszentrum die Tagung mit vielen Vorträgen statt. Im Tempel waren dann einen ganzen Tag lang Vorführungen rund um den Tee. Viele Menschen hatten einen kleinen Stand aufgebaut und führten ihre Art der Teezeremonie vor. Es waren viele rührende und auch ganz beachtliche Versuche, die Teezeremonie in China wieder zum Leben zu erwecken. Sogar eine Urasenke Gruppe aus der Nähe von Peking führte eine Zeremonie vor. Sie bestanden darauf, dass ich ihr Gast war.

Wir fuhren dann weiter zum Yaoshan Tempel, der für chinesische Verhältnisse ganz in der Nähe liegt – etwa eine Stunde Autofahrt. Der Yaoshan shi, der Medizinkraut Berg Tempel – ist ein sehr alter und bedeutender Tempel. Der berühmteste Meister dieses Tempel nannte sich nach dem Berg, an dem dieser Tempel liegt Yaoshan. Er ist immer wieder bei dem japanischen Zenmeister Dogen erwähnt. In meinem Buch über Dogen und Hölderlin (Im Garten der Stille) wird das Gedicht eines `alten Buddha` zitiert:

Ein alter Buddha sagt:

Zu einer Zeit (Ū-JI) auf dem hohen, hohen Berggipfel stehen, zu einer Zeit auf dem tiefen, tiefen Meeresgrund gehen. Zu einer Zeit der dreiköpfige, achtarmige Wächtergott, zu einer Zeit der bald sechzehn Fuß und bald acht Fuß große Buddha. Zu einer Zeit Stab und Wedel, zu einer Zeit Pfeiler und Gartenlaterne, zu einer Zeit Hinz und Kunz, zu einer Zeit große Erde und leerer Himmel.

Dieser `alte Buddha` ist niemand anders als Yakusan Igen wie er auf japanisch heißt oder mit seinem chinesischen Namen Meister Yaoshan, der seinen Namen vom Yaoshan Tempel hat.

Eines Tages saß Yaoshan auf einem Stein. Ein Mönch kam vorüber und fragte: „Was tust du da?“ Yaoshan antwortete: „Ich tue nichts!“
„Aber du sitzt doch dort auf dem Stein!“„Auf dem Stein sitzen ist: etwas tun!“ Was meinst du denn dann mit ‚Nichts tun‘? „Wenn du alle Weisen der Vergangenheit fragen würdest, sie könnten es nicht erklären!“
„Jemand der einfach nichts tut, läßt alles ganz natürlich und ohne Absicht aus sich selbst geschehen. Die Weisen der Vergangenheit könnten es nicht erklären, gewöhnliche Menschen werden es niemals verstehen!“

Dogen erwähnt den Meister Yaoshan immer wieder mit einer Geschichte, die sein Verständnis der Zen-Meditation erhellt.

Eines Tages saß Meister Yaoshan / Yakusan auf seinem Meditationssitz. Ein Mönch fragte ihn: „Was denkst du wenn du so wie ein ehrwürdiger Berg da sitzt?“ „Ich denke das Nicht-denken!“ „Wie denkst du das Nicht-Denken?“ „(Indem ich) Nicht-denke!“

Der Yaoshan Tempel bestand einst aus einer ganzen Reihe von prächtigen Gebäuden, die sich über zwei Berge hinzogen. In der Kulturrevolution unter Mao wurden der Tempel vollkommen zerstört. Heute existiert nur noch eine einzige Steinstele mit einer alten Inschrift. In den achtziger Jahren hat die Gemeinde recht hilflos versucht, den Tempel wieder aufzubauen. Davon zeugt nur noch ein brüchiger Betonbau, der mühselig versucht, wie ein Tempel auszusehen. Nichteinmal ein Dach war auf der Bauruine. Hinter einem notdürftig aus alten Holzbalken und Bambus zusammengenagelten Tor liegen ein paar primitive Betonbauten. In unserem Schlafsaal waren immerhin Heizdecken auf den Matratzen. Wenn wir im Teeraum beim Tee saßen und mit Meister Mingying diskutierten, sagte er oft: „Lass uns nach draussen gehen, es ist zu kalt!“ Draussen schien immerhin die Wintersonne.

Der Yaoshan heute - lange nach der Kulturrevolution

Der Yaoshan heute – lange nach der Kulturrevolution

An einem Tag führte uns Meister Mingying vor den Tempel auf die Reisfelder. Dort bauen er und die Mönche den eigenen Reis und das eigene Gemüse an. Alles ohne Chemie und ganz natürlich. Das Essen im Tempel war einfach aber immer köstlich. Weit hinter dem Reisfeld lagen die ersten Häuser der kleinen Stadt. Mingying erklärte uns: „Dort wo die Ortschaft beginnt, war früher das Tempeltor. Dort freute sich der ehrwürdige Laienbruder Pang an den fallenden Schneeflocken! In naher Zukunft werden wir dort wieder das neue Tempeltor bauen.“

Die Begegnung von Meister Yaoshan mit dem Laienbruder Pang wird im 42. Beispiel des Bi Yan Lu erzählt. Pang war einige Tage im Tempel zu Besuch gewesen. Meister Yaoshan schickte zehn Mönche zu seiner ehrenvollen Begleitung. Als sie am Tempeltor ankamen, fielen wunderschöne Schneeflocken vom Himmel. Pang zeigte auf die Schneeflocken, die durch die Luft wirbelten und rief: „(Diese) schönen Schneeflocken! (Sie) Fallen nicht an einen anderen Ort!“

Der Laienbruder Pang war hoch angesehen. Er verkehrte mit den berühmtesten Chan – Meistern seiner Zeit, so auch mit Shi Tou, der auch ein Lehrer von Yaoshan gewesen war. Nach einem Gesoräch mit Shi Tou schrieb Pang sein berühmtes Gedicht, das auch im Teeweg oft zitiert wird. Shi Tou hatte Pang nach seinen Tätigkeiten gefragt, die er vor ihrer Begegnung ausübte. Pang schämte sich ein wenig und meinte, dass er nur ganz alltägliches getan hatte. Plötzlich erwachte er und schrieb sein berühmtes Gedicht, in dem er die `alltäglichen Verrichtungen` geradezu als `göttlich` bezeichnete (神通 jap. jinzu).

Mein alltägliches Tun: nichts Ungewönliches.
Aber ich bin in Harmonie damit.
Nichts begehrend nichts ablehnend.
Überall weder Hindernis noch Streit
Wozu purpur und rot.
Blaue Berge ohne den geringsten Schmutz und Staub.
Übernatürliche Kräfte und wunderbares Tun:
Wasser holen und Brennholz sammeln.

Der Laienbruder Pang lehnte jedes öffentliche Amt ab obwohl er sehr gebildet war. Purpur und rot sind die Farben der kaiserlichen Beamten. Sie waren zwar wohlhabend und einflussreich, aber immer auch Striet und Neid ausgesetzt. Pang zog ein einfaches Leben in der Natur vor. Ihm genügten die ganz alltäglichen Verrichtungen: Wasser holen und Brennholz sammeln. Mit dieser Auffassung wurde er zum Vorbild für die japanischen Teemeister, die den Teeweg aus dem Geist des Zen üben wollten.

Auch Yaoshan hatte ein Gespräch mit dem Meister Shi Tou. Im nördlichen Zen studierte man die Sutren und hoffte dadurch, zum Erwachen zu kommen. Yaoshan war damit nicht zufrieden, denn er hatte vom plötzlichen Erwachen in der südlichen Schule gehört. Shi Tou empfahl ihm, den Meister Ma Tsu zu sprechen. Wir waren ein paar Tage vorher im Tempel des Ma-Tsu gewesen und hatten sein Grabmahl zusammen mit zwei Zen-Meistern, die uns begleiteten dreimal ehrfürchtig umschritten. Dogen berichtet von Ma-Tsu, der sich in die Berge zurückgezogen hatte um dort den ganzen Tag mit der Zenmeditation im Sitzen zu verbringen. Sein Meister besuchte ihn und fragte, wozu er denn so angestrengt im Sitzen meditiere. „Ich will durch Sitzen ein Buddha werden!“ Der Meister nahm einen Ziegelstein und begann, ihn am Felsen zu reiben. Verwundert fragte Ma-Tsu: „Was tust du da?“ „Ich poliere den Stein um daraus einen Spiegel zu machen!“ „Man kann doch nicht durch polieren aus einem simplen Stein einen Spiegel machen!“ „Und du kannst nicht durch Sitzen zu einem Buddha werden!“

Ma-Tsu's Grab - Nach der Kulturrevolution aus den Bruchstücken wieder zusammen gefügt.

Ma-Tsu’s Grab – Nach der Kulturrevolution aus den Bruchstücken wieder zusammen gefügt.


Ma-Tsu hat offenbar einen würdigen Nachfolger bekommen. Der Zenmeister des Tempels zeigt uns hinter der Tempelmauer, direkt gegenüber vom Grabmahl des Ma-Tsu eine kleine Hütte. „Dort lebt ein Mönch, der den ganzen Tag meditiert. Wir haben ihn seit einem halben Jahr nicht mehr gesehen. Wir stellen ihm Essen hin und holen das leere Geschirr wieder ab. Also muss er wohl noch dort sein!“

Ma-Tsu pflegte seine Schüler mit unerwarteten Aktionen zu überraschen um damit ein plötzliches Erwachen zu erreichen. Einmal packte er den Schüler an der Nase und drehte sie herum. Oft stieß er laute Schreie aus. Sein Aussehen muss sehr merkwürdig gewesen sein. In einer alten Chronik wird er beschrieben:
„Er schritt einher wie ein Ochse und schaute herum wie ein Tiger. Wenn er die Zunge ausstreckte, reichte sie ihm bis über die Nase hinaus. Den Fußsohlen waren zwei Kreise eingeprägt.“ Yaoshan fragte Ma-Tsu nach dem plötzlichen Erwachen. Der antwortete: „Manchmal bitte ich Jemanden, die Augenbrauen hochzuziehen, manchmal mit den Augenliedern zu zwinken und manchmal tue ich das nicht. Manchmal ist das richtig und manchmal nicht.“ Yaoshan verstand und verließ Ma-Tsu.

Mit Meister Minying am Stausee

Mit Meister Mingying am Stausee


Im Yaoshan Tempel baut Meister Mingying derzeit oben in den Bergen mitten in dichten Bambuswäldern ein neues Meditations- und Studienzentrum. Die Gebäude liegen oberhalb eines Sees mit klarem Wasser. Ein größerer Saal ist schon fertig. Dort haben wir stundenlang Tee getrunken und über Zen diskutiert. Von dort aus sind wir immer wieder zu kleinen Spaziergängen durch den Bambuswald aufgebrochen um uns nach den langen Gesprächen wieder ein wenig zu erholen. Mingying meinte, dass es für die Zenstudien absolut wichtig ist, nicht nur zu üben, sondern auch die Schriften zu studieren und zu verstehen. Er erzählte, dass er sehr gerne auf dem Feld arbeitet und Reis und Gemüse anbaut. Aber als Zenmeister hat er dazu nicht allzuviel Zeit. Er muss Vorträge halten und auch die Menschen im Ort, die keine Mönche sind mit seinen Lehrreden erreichen.
Ich hatte dann die Ehre, oben im neuen Zentrum einen Vortrag über meine Zen-Erfahrungen aus dem Geist des Teeweges zu halten und mit Michael Teezeremonie vorzuführen. Die Bürger aus dem Ort aber auch Gäste, die bis von Peking angereist kamen waren dort um den „Physiker und Meister des japanischen Teeweges aus dem Heimatland von Karl Marx“ über Zen sprechen zu hören. Anschließend gab es heiße Diskussionen über das Verhältnis von Wissenschaft und Chan / Zen. Man spürt den Hunger der Chinesen nach geistigen Wegen, die aus der Sackgasse des Konsums, des ungebremsten wirtschaftlichen Wachstums herausführen. „Wir bewegen uns in einem rasend schnellen Aufzug in die neue Zeit!“ Auch die Bürgermeisterin war dort. Nach dem Vortrag war sie ganz begeistert und erklärte, dass sie den Chan und den Tempel für absolut wichtig für ihre Stadt hält. Sie wird die Entwicklung des Tempels in Zukunft nach Kräften fördern. Ein junger Mönch war so fasziniert von der Shakuhachi, dass er unbedingt das Spiel auf dieser Zen-Flöte lernen will. Ich werde ihm eine Shakuhachi bauen und nach China schicken.

Der Chan / Zen in China ist mitten in einem neuen Aufbruch. Wir haben so viele liebe und freundliche Menschen getroffen, fröhliche Zenmeiter und liebenswerte Mönchen und Laien. Wir sind nicht zum letzten mal in China gewesen!
Und zwei von den Chinesinnen, die wir getroffen haben und die uns durch China geleitet haben, werden uns auf unserer nächsten Japanreise begleiten. Aber dieses mal bin ich der Führer. In Japan kenn ich mich halt besser aus als sie.

Gebet für alle.


MAKA HANNYA HARAMITA SHINGYO

KAN JI ZAI BO SATSU GYŌ JIN HAN NYA HA RA MI TA
JI SHŌ KEN GO UN KAI KŪ DO IS SAI KU YAKU
SHA RI SHI
SHIKI FU I KŪ KŪ FU I SHIKI
SHIKI SOKU ZE KŪ KŪ SOKU ZE SHIKI
JU SO GYŌ SHIKI YAKU FU NYO ZE
SHA RI SHI
ZE SHO HŌ KŪ SŌ FU SHŌ FU METSU FU KU
FU JŌ FU ZŌ FU GEN
ZE KO KŪ CHŪ MU SHIKI MU JU SŌ GYŌ SHIKI
MU GEN NI BI ZE SHIN I MU SHIKI SHŌ KŌ MI SOKU HŌ
MU GEN KAI NAI SHI MU I SHIKI KAI
MU MU MYŌ YAKU MU MU MYŌ JIN
NAI SHI MU RŌ SHI YAKU MU RŌ SHI JIN
MU KU SHŪ METSU DŌ MU CHI YAKU MU TOKU
I MU SHO TO(KU) KO
BO DAI SA TA E HAN NYA HA RA MI TA KO
SHIN MU KEI GE MU KEI GE KO
MU U KŪ FU ON RI IS SAI TEN TŌ MU SO
KŪ GYŌ NE HAN SAN ZE SHO BUTSU E HAN NYA HA RA MI TA
KO TOKU A NOKU TA RA SAN MYAKU SAN BO DAI
KO CHI HAN NYA HA RA MI TA
ZE DAI JIN SHU ZE DAI MYŌ SHU
ZE MU JŌ SHU ZE MU TŌ DŌ SHU NŌ JO IS SAI KU
SHIN JITSU FU KO KO SETSU
HAN NYA HA RA MI TA SHU SOKU SE(TSU) SHU WATSU
GYA TEI GYA TEI HA RA GYA TEI HARA SŌ GYA TEI
BO JI SO WA KA

HAN NYA SHIN GYO

Tushita – Eine Reise in den Himmel

Tushita pakistan

Der Tushita - Himmel mit Maytreya Buddha - Steinrelief aus Pakistan

In der Schrift des chinesischen Denkers Lie Tsi gibt es die Geschichte vom König Mu von Zhou, der einen merkwürdigen Mann aus dem äußersten Westen (sollte er aus Indien gekommen sein oder gar aus dem westlichen Paradies?) an seinem Hofe zu Gast hatte. Der König baute dem Mann einen wunderbaren Palast, der bis in die Himmelsmitte ragte und von dem niemand mehr sehen konnte, worauf der Palast gegründet war. Eines Tages nahm der Mann aus dem Westen den König mit in seinen Palast. Der König weilte hoch oben über seinem Land, und alles war vom Himmelpalast aus gesehen ganz winzig klein. Der König blieb über dreißig Jahre in dem Palast und genoss das Leben dort. Aber dann bat er den Magier, ihn wieder zurück zu bringen in sein Reich.
„Da berückte ihn der Magier, und sogleich war es dem König, als ob er ins Leere fiele. Als er wieder zu sich kam, saß er an demselben Platz wie zuvor, die Diener, die ihm aufwarteten, waren dieselben, und als er vor sich blickte, war der Becher noch nicht leer und die Speise noch nicht kalt. Der König fragte, was geschehen sei; da sagten die Leute in seiner Umgebung: ,Majestät saßen eine Weile schweigend da.‘ “
Der König war in einer Meditation bis in den himmlischen Palast gereist, wo die Zeit stehen bleibt.
Später übernahmen die Buddhisten die Vorstellung von diesem Himmlischen Bereich, in den man durch Meditation gelangen kann und sie nannten ihn den Tushita – Himmel. Alle Buddhas sind, bevor sie endgültig in die Verwirklichung eingehen, im Tushita – Himmel, so war auch Shakyamuni dort. Derzeit „herrscht“ dort Maitreya – Buddha, der Buddha der Zukunft.

Gestern bin ich zurück gekommen aus dem Tushita – Himmel, und der Schnee lag noch wie vorher vor der Tür und es war immer noch kalt.

Aber aus dem Tushita habe ich immerhin ein paar schöne Tees mitgenommen. Denn das Tushita ist ja ein Teehaus in München und dort „herrscht“ nicht Maitreya, sondern Sandeh. Dort habe ich ein kleines Seminar als Einführung in die Meditation und den Teeweg gehalten und Om hat wunderbar dazu auf der Kyotaku – Shakuhachi gespielt. Die Kyotaku ist die Glocke – Taku- , die das Herz leer macht -kyo. Sie ist ein Eingangstor zur Stille.
Der Tushita – Himmel ist bevölkert von wunderschönen himmlischen Jungfrauen, das Tushita – Teehaus von lieben und netten Menschen.
Es war ein wunderschöner Sonntag. Ich gebe zu, dass ich schon ein wenig müde war, aber ich freue mich schon auf den nächsten Aufenthalt im Tushita.
Und auf all die netten Menschen dort. Und den Tee und die Kyotaku Shakuhachi.

Sukhavatri Sutra – Das Sutra vom Reinen Land

Japan ist doch immer wieder für eine Überraschung gut.
Jetzt ist nach den Japantagen in Rüsselbach wieder Stille eingekehrt und die Arbeit am Monatsbrief ruft.
Das Thema ist dieses mal der Begriff SUKI, der früher geradezu stellvertretend war für den Teeweg.
Grob gesehen kann man es als „mögen, lieben, Geschmack“ übersetzen.
Aber der Begriff ist eng mit dem Buddhismus des Reinen Landes verbunden. Und die geschichtlichen Zusammenhänge sind verwirrend und komplex. Also heißt es wieder einmal forschen, lesen und recherschieren.
Die Lehre vom „reinen Land“ -Jōdo, wie es in Japan heißt, wurde ganz wesentlich von Honen ( 1133 – 1212) geprägt. Das Hauptsutra dieser buddhistischen Schule ist das Sukhavati Sutra, das vom Land Sukhavati berichtet, in dem der Amida Buddha genau JETZT anwesend ist. Dort gibt es kein Leiden und die endgültige Erlösung ist allen empfindsamen Wesen, die in diesem Land geboren werden sicher.
Honen studierte unter seinem Lehrer Eiku, einem Meister des berühmten Tendai Klosters auf dem Hiei Berg bei Kyōto. Aber er war nicht mit den alten Traditionen einverstanden. Ganz anders als es heute üblich ist, war er offenbar völlig unangepasst. Es wird berichtet, dass er einmal mit seinem Lehrer derart in Streit geriet, dass der einen Holzscheit nach ihm warf.
Der Streit ging um die Praxis des rezitierens des NAMU AMIDA BUTSU – Vertrauen auf Amida Buddha. Der Lehrer Honens bestnad darauf, dass man sich bei der Rezitation unbedingt den Amida und das reine Land Sukhavati bildlich vergegenwärtigen muss. Aber Honen war das viel zu kompliziert. Wie sollten einfache Menschen diese Bildvorstellung leisten können? Eine bloße Rezitation musste genügen. Schließlich meinte Eiku, auch ihr Vorgänger, der Mönch Ryōnin habe darauf bestanden, dass Amida bei der Rezitation visualisiert werden MUSS.
Die Antwort Honens: „Der hat ja auch nicht zu unserer Zeit gelebt!“
(Also ist das, was er lehrt ein alter Zopf und wir müssen uns nicht daran halten!)
Darauf warf Eiku den Holzscheit nach Honen.

Halt:
Wer bitte war Ryōnin? Habe ich ehrlich gesagt noch nie gehört!

Im Internet habe ich dann die Seite des Dainenbutsu-Ji Tempels gefunden, der die Richtung des Yuzu Nembutsu Shu vertritt, die von Ryōnin gegründet wurde.
Ryōnin war der Auffassung, dass es auch auf die Nicht-Übenden Auswirkungen hat, wenn jemand das Nembustu rezitiert, weil kein Wesen isoliert von den anderen existiert.
Übt also jemand das Nembutsu, so hat das auch Auswirkungen auf das ganze Land und alle dort lebenden empfindenden Wesen. Nembutsu Rezitation ist für Ryōnin keine Privatsache.
Auf der – leider nur japanischen Seite – gibt es fasznierende Bilder und ein Video vonm Fest des Manbu oneri, der Vergewisserung des Landes Shukhavati.

Manbu oneri: Vergegenwärtigung des Landes Sukhavati

In Masken des Amida mit alter Hofmusik aus der Heianperiode stellen Tänzer das Land Sukhavati und den Amida Buddha und seine Gefährten dar. Und das jedes Jahr und heute.
Auf dieser Seite des Dainenbutsuji kann man ein Video anklicken, in dem man den Auftritt Amidas verfolgen kann.

Das ist reines schamanistisches Theater, das helfen soll, das Reine Land Shukavati zu visualisieren.
Hatte sich Honen gegen solche Praktiken gewendet, weil er meinte, eine einfache Rezitation muss genügen?

Auf jeden Fall wieder einmal ein faszinierendes Stück Japan!