Das Leben – eine Reise!

Tsukihi wa hakutai
no kakaku ni shite
yukikau toshi mo
mata tabibito nari.Fune no ue ni
shogai wo ukabe
uma no kuchi wo
toraete oi wo
mukauru mono wa,
hibi tabi ni shite
tabi wo sumika to su.

Sonne-Mond: sind unterwegs seit hunderten Generationen
– auch die ziehenden Jahre sind Reisende.
So auch diejenigen, die ihr Leben in Booten verbringen,
oder die Zügel des Pferdes in der Hand dem Alter entgegen ziehen:
das Reisen ihr einziger Aufenthalt – Tag für Tag.

Mit diesen ergreifend schönen, im Japanischen wunderbar rhythmisierten Worten beginnt die Dichtung „Oku no hosomichi“ – Die Reise auf schmalen Pfaden durch das Hinterland des Haiku – Dichters Bashō. Bashō war nicht nur dieses eine Mal auf Reisen gegangen nachdem er seine „brüchige Hütte am Fluss verlassen hatte. Das ganze Leben ist für ihn eine einzige Reise.

Tsuki hi – Mond und Sonne – sind sowohl der Mond und die Sonne selbst, die in ihren Wandelgang am Himmel ziehen als auch die Monate und Tage. Sie ziehen ihre Bahnen seit ‚Haku-dai‚, hunderten von Generationen. Aber dies ist ein Synonym dafür, dass sie schon immer und auch in Zukunft weiter ihre Beständigkeit nur im steten Reisen haben.
Haku-dai – hundert Generationen ist nicht nur die Zeit, in der Mond und Sonne auf Reisen sind. Auch die Menschen denken, selbst wenn sie sterblich sind, dass sie ihren Besitz von Generation zu Generation weitergeben können. Aber hier sind nur die Zeitabschnitte länger, sie umfassen das Leben mehrerer Generationen. Aber wer hat schon Familien gesehen, die seit 1000 Jahren immer noch ihren Besitz an die nächste Generation weitergeben: Und mit tausendjährigen Reichen haben wir nicht gerade gute Erfahrungen gemacht.

Auch die Menschen sind stets und beständig auf der Reise. Die einen schaukeln auf Booten, die anderen führen das Pferd am Zügel. Beide meinen, sie hätten ihr Leben fest am Zügel, so wie man das Pferd führt. Aber das ist nur eine Illusion. Wir reisen nicht durch das Leben, wir werden „gereist“.

Die Reise führt unaufhaltsam dem Alter und dem Ende zu. Für Bashō ist die Reise eine Lebensform, aber sicher ist es nicht nur die tatsächliche Reise, zu der er aufbricht und die seine letzte Reise werden sollte. Das ganze Leben ist nichts als eine Reise, in der wir langsam dem Alter entgegen ziehen. Ständig verlassen wir unsere brüchigen Hütten, selbst wenn wir meinen, dass wir Paläste bewohnen und ziehen als Reisende durch das Leben. So ist auch der Abbau des alten Teehauses Myoshinan, der brüchigen Hütte mitten in den Kirschbergen Frankens nur eine Etappe auf der Lebensreise.

Nun beginnt ein neuer Abschnitt in der bergigen Landschaft der Rhön.
Immerhin ist auch hier Franken!
Heimat ist überall.
Dort wo das Herz in offener Weite singt wie der Wind in den Kiefern.

Der Frosch im Brunnen – Autorenlesung

Im Münchner Literaturbüro werde ich am Freitag 22.03.2019 aus meinen Büchern lesen. Vorgesehen sind Lesungen aus dem Band „Wind in den Kiefern – Haiku und Haibun als Zenkunst der Achtsamkeit“ und Geschichten aus dem Buch „Vor langer Zeit – Mukashi mukashi“.
Bei den Haiku Lesungen steht Basho’s Frosch und die griechischen Varianten im Mittelpunkt. Hier begegnen sich die Welt der japanischen Haiku und die Welt des antiken griechischen Mythos in der heutigen Landschaft Griechenlands.
Bei der poetischen Nacherzählung des Noh- Theaterstückes über die unheimliche Yama Uba werden sich das antike Noh Theater und Hölderlin begegnen.
So soll der Leseabend eine Wanderung zwischen den Welten des fernen Ostens und unserer alten europäischen Welt werden.

Bei der Gelegenheit werde ich meine Bücher zum Erwerb dabei haben.

Freitag 22.03.2019

Münchner Literaturbüro
Milchstraße 4, 81667 München.
Freier Eintritt ab 19 Uhr.

http://neu.muenchner-literaturbuero.de/terminkalender

Wind in den Kiefern – Leserstimme

EIN BUCH VOLLER LEBENSFREUDE

Am anfang weisheiten des zens. Um zu lernen und sie zu verstehen habe ich wirklich von augenblick zu augenblick gelebt. Und die verständliche sprache hat gut dabei geholfen.

Medidation am sommerabend. Um mir das zu erhalten würde ich weiss gott was tun. Bosheiten und gemeinheiten der menschen ertragen und meinen stolz zum teufel schicken. 

Dann die liebenswerten frösche. Hineinhopsen, platschen, welcher ton etc. bringen mich schritt für schritt ganz durcheinander. So klein und echte schlingel.

Dann werde ich nach griechenland entführt. So gespannt auf die schilderung auf der nächsten seite. Jede einzelne lässt sich so richtig miterleben, mitbewundern und dankbar sein für so viel naturschönheit. Wie wärs mit reiseschriftsteller im nebenberuf?

Dann benediktushof. War mir doch etwas fremd. Jetzt hab ich eine vorstellung davon und kann nachvollziehen, was du versuchst, anderen zu lehren und lernen in zen, medidation und natur. Und so müde wie du immer heimkommst, tust du das mit all deiner kraft und dann sicherlich auch mit erfolg.

Zeiten des jahres. Da schickst du mich und deine leser mit haikus durch ein ganzes jahr. Die worte so einfach und klar, die bilder daraus so voller intensität und leben. Nur einem menschen wie du, der alles so sehen und empfinden kann, so verwurzelt ist in natur und auch glauben, gelingen diese haikus. Mir geben sie kraft und frieden, wie das ganze buch lebensfreude.

Und ich bin bestimmt nicht der einzige leser/in, der dir für dieses buch DANKE sagt.

Und die anmerkungen sind in vielen fällen sehr hilfreich, sehr sogar.

Jetzt hab ich schon wieder ein problem. Wie weit darf die bewunderung für einen menschen gehen ?

H.L.

Wind in den Kiefern – Haiku und Haibun

Das neue Buch über Haiku und Haibun ist erschienen und kann bei mir bestellt werden.  Auf Wunsch auch Handsigniert und mit Kalligraphiestempel.

Haiku – ungereimte Kurzgedichte im japanischen Stil – entspringen der Erfahrung des Augenblickes, in dem das menschliche Herz unmittelbar angerührt wird. Sie sind Zeugnis einer intensiv erfahrenen Gegenwart, die in Blütenblätter der Worte gefasst wird. Haibun sind kleine Texte, die sich um das Haiku ranken und die Erfahrung des Augenblicks mit Prosatexten vertiefen. In diesem Buch bilden Haiku und Haibun längere Passagen, die kleine Geschichten formen. Eine ganz neue und zugleich uralte Form der poetischen Literatur!

Die Haiku und Haibun in diesem Buch sind aus einer jahrzehntelangen Übung der Zenkünste Teezeremonie, Zen Shakuhachi – der Flöte der Zenmönche – und der Haikudichtung entstanden. Eine Einleitung gibt einen kleinen Überblick über Haiku und Zen. Anmerkungen geben den philosophischen und historischen Hintergrund.

In einem ersten Teil sind Haiku aus Griechenland enthalten, die bei Seminaren in einem kleinen Dorf auf Rhodos entstanden sind. Im zweiten Teil finden sich Haiku aus und um den Benediktushof, an dem seit mehreren Jahren regelmäßig Haiku – Seminare stattfinden.

Leseproben

Buch bestellen


Haiku am Feuerberg

Die fernen Berge
Leuchten im herbstlichen Licht
Hoch über Wolken

Kalte Morgenluft 
Duftet schon nach erstem Schnee 
Hoch über dem Tal 

Dichtende Wolken 
Decken drunten das Tal
Rot strahlt die Sonne 

Dort unten im Tal
Die Inseln im Wolkenmeer
Wie gemalt mit Tusche

Rot in den Wolken
Über verhangenen Bergen 
Die Morgensonne

Edelweiß aus Holz 
Schmücken die Alpenchalets
Über den Wolken

Die bunten Zirbeln
Warten auf den ersten Schnee
Ende des Sommers

Die alten Zäune
Aus urtümlichen Zeiten
Am Kräutergarten

Die Welt in der Kugel
Im herbstlichen Wolkenlicht –
Eins und Alles

Im Märchenwald:

Prinzessin im Wald
Wartet mit entsetztem Blick
Auf den grünen Frosch

Die wilden Reiter
Zu Gast aus der Mongolei
Im Bademantelgang

In der Gaststube serviert der Grieche Aris, stets gutgelaunt und fröhlich. Seine Heimatinsel ist Kos, die Insel des Hippokrates, des Arztes. Eigentlich ist er kein Kellner, sondern ein Xenos, der Fremde, der zugleich Gastfreund ist. 

Kriegsgott im Gasthaus
serviert den goldenen Wein.
Heilsamer Gastfreund!