Winter in der Rhön

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Nach fast drei Monaten schwerer Arbeit am Teehaus mit über siebenhundert oder achthundert Arbeitsstunden nähern wir uns dem Ende der Arbeiten. Die Erste Wand ist schon verputzt, die Decken vertäfelt. Nur noch eine Schiebetür muss eingepasst werden, dann gehts mit Riesenschritten dem Ende zu. Das Weihnachtsfest werden wir wohl mit einer ersten feierlichen Teezeremonie in den neuen Räumen feiern.

Inzwischen ist draussen der Winter angekommen und es schneit heftig.Da sind die Pausen mit Glühwein und Kastanien eine willkommene Erholung. Langsam wird es auch Zeit, denn nach über einem Jahr schwerer Arbeit muss jetzt Weihnachten die Ruhe einkehren.

Der Bau geht weiter

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Unermüdlich haben wir am neuen Teeraum im zweihundert Jahre alten Forsthaus gearbeitet. Manchmal sind die Arbeiten sehr schwierig, denn alles hier im Haus ist krumm und schief. Da fällt es nicht so sehr auf, wenn man selber schief arbeitet. Manchmal sieht es dann eben gerade aus. Schief und schief hebt sich auf. Der Raum wird sehr niedrig, aber da man im Teeraum eh nur am Boden sitzt, passt die Höhe ganz gut. Wir mussten einen riesigen Stabilisierungsbalken überdecken. Dadurch ergibt sich auch die Möglichkeit, eine versenkte Feuerstelle einzubauen.
Inzwischen tut das Kreuz weh von der schweren Arbeit und die Pausen werden immer länger. Aber spätestens Weihnachten möchten wir den ersten Tee im neuen Raum zelebrieren.

Eigentlich werden es ja sogar zwei Teeräume: einer mit den traditionellen viereinhalb Matten und ein Dreimatten-Raum. Dazu kommt noch die Mizuya, die „Kalt-Wasser-Hütte“, der Vorbereitungsraum mit den Lagermöglichkeiten für die Teegeräte.

Der viereinhalb Matten Raum ist fast fertig. Nun muss noch alles mit Lehmputz verputzt und die Deckenvertäfelung angebracht werden.

Im Augenblick arbeiten wir am Nakabashira, dem krummen Mittelpfosten für den Drei-Matten Raum. Dann werden die Dachschrägen vertäfelt mit Furnier und Bambus.

Aber in der letzten Woche haben wir sehr viel gemacht: sehr viel …. Pausen. Man wird auch bei Teehausbau nicht jünger!





Loslassen! – Aber wie?

Gestern waren wir zu Besuch auf einer Palliativ Station im Krankenhaus bei einer Krebspatientin. In wenigen Tagen wird sie entlassen – entweder in ein Hospiz oder nach Hause. Die Ärzte meinen, dass sie nichts mehr für sie tun können. Zu Hause ist niemand, der sie fachgerecht pflegen kann und ein Hospiz ist für sie eine Sterbestation. Aber sie will nicht sterben.
Martin Buber, der jüdische Philosoph, der die wunderbare Bibelübersetzung vorgelegt hat, meinte einmal: „Ich habe keine Angst vor dem Tod, aber Angst vor dem Sterben!“ Snoopy meint dazu: „Eines Tages müssen wir alle sterben!“ – „Ja, aber an allen anderen Tagen nicht!“ Weisheit auf Snoopy Art!
Der legendäre chinesische Zenmeister Fukke, auf den die Fukke – Shu, die Zenschule der Komuso Mönche, die mit ihrer Shakuhachi meditieren zurückgeht – ging jeden Tag auf den Markt und schlug seine Glocke: „Lebt heute und diesen Augenblick – vielleicht seid ihr morgen schon tod!“ Der japanische Zenmeister Ikkyu ging da schon etwas drastischer vor. Er lief durch die Straßen von Kyoto. Oben auf seinem Wanderstab hatte er einen Totenschädel befestigt. Wenn er einen gehetzten Menschen auf der Straße traf, stieß er seinen Stab so heftig auf den Boden, dass der Totenschädel klapperte. Dann rief Ikkyu den Menschen zu: „Denk daran, dass du sterblich bist. Lebe JETZT!“
Der Tod kann uns immer und jeden Augenblick ereilen, nicht nur, wenn wir schwer krank sind. Darum ist es so wichtig, die Angst loszulassen und den Augenblick zu leben. Einfach nur tief atmen und ganz den Augenblick spüren! Aber wie soll man tief atmen, wenn die Angst die Kehle zuschnürt?
Unsere Patientin erzählte von ihrer nahezu ausweglosen Situation und die Angst würgte sie. Da nahm ich einfach die Shakuhachi und spielte die meditative Musik der Komuso. Sofort wurde ihr Atem tiefer und die Falten im Gesicht glätteten sich. Schließlich lag sie friedlich und strahlend in ihrem Bett und lauschte den heilsamen Klängen der Shakuhachi.
Ich erzählte ihr mit der Shakuhachi vom „verschleierten Mond“, der hinter den Wolken hervorkommt. Unser Herz ist wie der klare, volle Mond. Aber Sorgen und Ängste verschleiern ihn, sodaß sein kühles, menschenfreundliches Licht nicht mehr leuchten kann. Aber der Mond ist immer hell und klar. Oder von den Rufen in den Frühling im alten Yamato, dem Stammland des alten Japan. Da liefen ihr die Tränen weil sie sich im nächsten Frühjahr auf ihrem Balkon mitten in den Blumen sah.
Sie wurde immer ruhiger und der Atem ging tief. So funktioniert unser Gehirn mit seinen Spiegelneuronen. Wenn da jemand ist, der tief und ruhig atmet und die Stille hörbar macht, reagieren wir ebenfalls mit einer tiefen Entspannung.
Carola ist noch viele Stunden auf der Station gewesen bei guten Gesprächen. Wie gut, dass es heute solche Einrichtungen in den Krankenhäusern gibt!


Mitten im Bau

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Derzeit sind wir mitten im Ausbau des neuen Myoshinan.
Im über zweihundertjährigen Forsthaus werden die Räume unter dem Dach mit Hanf und atmungsaktiven natürlichen Stoffen gedämmt. Dann kommt ein erhöhter Fußboden in den künftigen Teeraum damit auch eine versenkte Feuerstelle eingebaut werden kann. In den nächsten ein oder zwei Tagen werden die Tatami im Raum verlegt und dann beginnt der Ausbau mit Shoji und Fusuma.
Die alten Lehmwände sollen so weit wie möglich erhalten bleiben, nur die Löcher werden mit Hanf zugestopft und wieder mit Lehm verputzt. Die alten Wände haben noch einen Charme wie echtes wabi, der unbedingt erhalten bleiben soll. So wirken die Wände wie in den alten Teehäusern, die noch von Rikyu oder seinen Nachfolgern gebaut worden sind. Es sind keine feinen Handwerkerarbeiten, sondern beuten die von Teemeistern selbst errichtet wurden. Wir schließen uns hier der alten Tradition an. Auch das ist Bestandteil des Zen- Teeweges!

Möglich geworden ist das alles durch die großzügigen Spenden, die hier eingegangen sind. Es waren Beträge von 10 € bis hin zu 300 €. Eine größere Spende erwarten wir vom Hotelresort Feuerberg in Kärnten, wo ich regelmäßig Teezeremonie und Meditation unterrichte.
Dennoch entstehen immer weitere Kosten und wir sind dankbar für jeden weiteren Euro.

Ich danke allen, die mit ihrer Spende geholfen haben, dass die Baumaterialien gekauft werden konnten. Die Arbeit machen wir mit verschiedenen freiwilligen Helfern und Schülern, ohne professionelle Hilfe.

Auch das ist Meditation: In Achtsamkeit und mit Freude werken und einen neuen Dojo aufbauen!





Geschafft? Geschafft!

GESCHAFFT?   GESCHAFFT!

Der Umzug des Myōshinan zum neuen Standort ist – vorerst in der ersten Phase – geschafft.
Aber nicht nur der Umzug ist geschafft. Wir sind – im doppelten Sinne des Wortes – auch geschafft. 

Durch den Generationswechsel des Hausbesitzers war es nicht mehr möglich, den Dōjō, an dem wir die letzten 15 Jahre gewirkt hatten, zu erhalten.
Ein Umzug an einen neuen Ort war nötig geworden. Zum Glück hat sich eine neue Möglichkeit in Waldfenster, einem kleinen Ort in der Rhön ergeben.
Carola Catoni, mit der ich schon seit etlichen Jahren zusammenarbeite, lebt dort in einem zweihundert Jahre alten Forsthaus mit riesigem Garten, der fast schon ganz japanisch wirkt. Hier kann ein neuer Ort der Begegnung und der Stille aufgebaut werden. Carola arbeitet schon seit einiger Zeit mit meditativer Entspannung und hat einen eigenen Meditationsraum.
Die wunderbaren Wälder im Biosphärenreservat Rhön und die reine Luft laden förmlich zum Waldbaden, dem Shinrin Yoku ein.
Aber auch einfache Spaziergänge im Wald sind sehr erhohlsam. Und ringherum gibt es berühmte alte Badeorte wie Bad Kissingen, Bad Brückenau, oder Bad Bocklet. 

Teilweise waren wir am Rande der körperlichen Leistungsfähigkeit angelangt und ich brauchte ärztliche Betreuung, zumal der Abbau nicht immer freundschaftlich und verständnisvoll begleitet wurde. Der kleine Hund, der immer so lustig im alten Myoshinan herumgesprungen ist, hat es nicht geschafft.
Er ist am gebrochenen Herzen gestorben, gerade ein paar Tage nachdem die letzten Umzugskisten hier ankamen.
Aber wenigstens hat er hier seinen Frieden gefunden.

Eine kleine Auswahl von Bildern aus den letzten Jahren soll die Erinnerung an das alte Myoshinan wachhalten.

Im April hatten wir noch eine schöne Zeit bei einem Shakuhachi Seminar in Griechenland.

Aber die letzten vier Monate waren durch heftige Arbeit, Packen von Kisten, Abbruch des alten Teeraumes und den Umzug geprägt.
Alle japanischen Räume, der Teeraum, der Meditations- und Konzertsaal und die Wartebank im Garten mussten mit wehem Herzen abgebaut werden.
Die Materialien mussten weitgehend der „thermischen Verwertung“ zugeführt werden. Sprich: Sie werden verheizt.

Ein kleiner Eindruck vom Abbruch ist hier in meinem Blog zu sehen

Am neuen Ort wurden die Räume renoviert und für den Umzug vorbereitet.
Das ist nun weitgehend geschehen. Jetzt geht es an die Renovierung der Räume des alten Hauses unter dem Dach.
Dort soll wieder ein Tee- und Meditationsraum entstehen. Im Erdgeschoß hat Carola schon einen Meditationsraum eingerichtet, in dem in individuellen Einzelsitzungen Entspannung und Meditation angeboten wird.
Noch vor Einbruch des Winters müssen das alte Dach isoliert und die brüchigen Fenster erneuert werden.
Außerdem wird dort auch ein Gästezimmer eingerichtet, sodass auch längere Aufenthalte hier möglich sein werden.
Aber auch in der direkten Nachbarschaft gibt es eine sehr schöne und preisgünstige Pension.
Unsere Gäste erhalten einen Sonderpreis!

Myoshinan in Waldfenster

Finanziell war der Umzug ein Drahtseilakt.
Jetzt warten weitere Ausgaben auf uns, damit die neuen Meditationsräume entsprechend gestaltet werden können.
Nur wenige Materialien konnte beim Umzug mitgenommen werden. Die alten Shoji und Fusuma können teilweise übernommen werden.
Aber sonst muss alles Material neu beschafft werden. 

Wir möchten so bald als möglich wieder mit Kursen und Unterricht beginnen. Es gibt hier schon einige Leute, die sehnsuchtsvoll auf die Neueröffnung warten.
Nur der Unterricht in Shakuhachi ging nahtlos weiter, aber der findet meistens ja über das Internet statt.
Auch ein kleines Konzert haben wir schon bei Freunden gespielt. 

Jetzt geht es erst einmal zu einem Seminar in Kärnten ins Hotelresort Feuerberg.
Dort wartet ein wunderschöner Teeraum auf mich, den ich geplant habe. Gebaut wurde er von Viktor Fux, der immer beste Handwerksarbeit abliefert.
So exquisit wird der Teeraum in Waldfenster nicht werden. Aber vielleicht behält er noch ein wenig vom Charme der alten Zeit.
Uralte Balken und die alten Lehmwände sollen soweit wie möglich erhalten bleiben.
In der Scheune gibt es mehrere Ebenen, die von handgeschlagenen Eichenbalken getragen werden.
Es wird sicher eine wunderbare Atmosphäre für Meditation und kleine meditative Konzerte geben.

Und so sehen wir freudig und gelassen in die Zukunft. Jede finanzielle Hilfe ist willkommen und sei es auch nur ein Euro.
Es ist gut zu wissen, dass auch andere Menschen an einen denken!
Bei Spenden ab 100 Euro erhält der Spender eine handsignierte und mit Widmung versehene Hardcover Ausgabe meines Buches „Heilige Drachen“ im Wert von über 30 Euro. 





Auch wer ein klein wenig handwerklich begabt ist oder sonst bei der Arbeit helfen möchte, ist herzlich willkommen.

Jede Veränderung birgt in sich die Chance für einen Neubeginn.

Also gehen wir ans Werk!
Möge uns nie die Kraft und der Mut verlassen!

Mit den besten Grüßen

Gerhardt Staufenbiel / Myoshinan
und 
Carola Catoni / Atmen und Sein.

PS.:
Wer seine Spende nicht über Paypal machen möchte, kann gerne auch mein Konto benutzen:

Gerhardt Staufenbiel
Volksbank Raiffeisenbank Bad Kissingen
DE80 7906 5028 0007 3588 22
Vermerk: Spende für Teeräume