Goldener Wind und Drachengesang

Der Zenmeister vom Wolkentorberg, den die Japaner Un-mon nennen, wurde einst von seinem Schüler gefragt:
Was ist, wenn die Bäume welken und die Blätter fallen?
Un-Mon antwortete: Der goldene Wind läßt das wahre Wesen erscheinen!

Ein anderer Mönch fragte seinen Meister:
Was ist der wahre WEG?
Antwort: Koboku Ryugin – in kahlen Bäumen Drachengesang.

Der Drachengesang gehört nicht in die Welt der fünf Töne. Der Gesang der Drachen ist das Blut des Lebens, das überall fließt. Es ist die Lebenskraft, die selbst in kahlen Bäumen sichtbar wird.
Es sind die Wolken, die aufsteigen und Regen und neues Leben bringen. Es ist der Gesang des Lebens und der Freude!
Ein Mönch fragte seinen Meister:
Gibt es denn einen einzigen Menschen, der den Gesang der Drachen hören kann?
Der Meister antwortete: Auf der ganzen Welt gibt es nicht einen einzigen Menschen, der den Gesang NICHT hören kann!

Goldener Herbstwind!
Tonloser Drachengesang
im trockenen Holz.


Wir sind im Myoshinan heftig am arbeiten.

Die Meditationshalle ist neu gestaltet worden.
Davor haben wir eine Pergola gebaut.
Und in der letzten Woche haben wir mit einem kleinen japanischen Garten vor der Halle begonnen.
Das Tsukubai , ein kleiner Bachlauf und ein Miniteich sind entstanden. Es fehlt noch der Kies und einige Arbeiten an der Pflanzung.

Nun muss alles noch einwachsen.
Aber dazu haben die Pflanzen ja den ganzen Winter über Zeit genug.

TERMINE

Konzert: Goldener Wind
Gruppe Drachengesang (Gerhardt Staufenbiel, Rainer Rabus, Winfried Lernet)
Japanisches Teehaus Myoshinan
Samstag 22. Oktober 2016
Beginn 19.00 Uhr
Karten im Vorverkauf:  Drachengesang Vorverkauf

Seminar am Feuerberg
Am Feuerberg gibt es in diesem Jahr zum zweiten mal eine Woche mit Teezeremonie, Shakuhachi und philosophischen Gesprächen. 
Sonntag, 16. Oktober 2016 bis Donnerstag 20.10.2016

Spirit am Berg

Teeweg am Benediktushof
Seminar mit Übungen des Teeweges am Benediktushof. Anmeldung am Benediktushof.

Teeweg in Sachsen – Anhalt
17. Dezember
Anfragen an Myoshinan

Japanreise 2017
In den Osterferien 2017 werden wir wieder eine Reise nach Japan durchführen. Anmeldung spätestens im Dezember.

Häutungen!

Als Reaktion auf die letzten Beiträge hier im Blog habe ich etliche Zuschriften bekommen, die mich teilweise sehr betroffen machen. Darunter sind auch Nachrichten von weiteren schweren und schwersten Erkrankungen und Veränderungen. Dabei sollte doch eigentlich das Jahr der Schlange sehr positiv werden?

Drachenschlange gemalt von einem Roshi vom heiligen Berg Koya-San Japan

Drachenschlange
gemalt von einem Roshi
vom heiligen Berg Koya-San
Japan


Es ist jetzt das Jahr der Wasser – Schlange. Wasserschlangen gelten in China als sehr schwer zu durchschauen, weil sie, wie die echten Wasserschlangen auch, fast durchsichtig  und damit schwer zu erkennen sind. Auf der anderen Seite werden in der chinesischen Mythologie die Wasserschlangen, wenn sie alt genug sind, und sich oft genug gehäutet haben, zu Drachen. Und die Drachen sind himmlische Wesen.

Schlange-Charaktere häuten sich im übertragenen Sinne mehrfach in ihrem Leben. Die Schlange ist so tiefgründig, weil sie sich ständig mit existenziellen Dingen befasst, und sich durch Selbsterkenntnis immer wieder wandelt. Schlange-Charaktere sind ehrgeizig, klug und geschickt. Mit Zähigkeit und Ausdauer können sie jedes Ziel erreichen, allerdings brauchen sie oft eine Weile, bis sie wissen, auf welchem Gebiet sie arbeiten möchten. Das kann auch daran liegen, dass sie so vielseitig sind. Ihr ausgeprägtes Stilgefühl führt sie oft in die Modebranche oder in die Welt der Architektur und Ausstattung. Als Psychologen, Schriftsteller oder Ärzte nutzen sie ihr Einfühlungsvermögen und in der Wirtschaft stellen sie ihr ausgezeichnetes Organisationstalent unter Beweis. Ihr Selbstwertgefühl baut auf ihrem Erfolg auf, darum werden sie alles tun, um ihre Sache hervorragend zu machen! Damit sind sie eng verwand mit den Drachen, die sich nicht begnügen mit dem Mittelmaß. Der Drache duldet nur das Beste. Die Schlange unterscheidet sich vom Drachen lediglich dadurch. dass sie nicht hinauf zum Himmel fliegen kann. Sie wirkt lieber zunächst im Verborgenen.
Aber wenn sie sich dann endlich zum Drachen gehäutet hat, fliegt sie dort hin, wohin sie gehört: Ganz nach oben in den Himmel.

Offenbar ist jetzt eine Zeit der Häutungen, in der die Schlange nach ihrem wirklichen Wesen sucht. Jedenfalls lässt die Vielzahl der Meldungen, die hier eintreffen vermuten, dass  es eine Zeit des Durchganges und des Wandels ist. Hoffen wir, dass die Wandlungen zur Selbsterkenntnis führen. Aber leider werden wohl einige der Häutungen der Durchgang in  die endgültige Verwandlung sein. Das ist dann für diejenigen, die zurückbleiben sehr schmerzhaft. Aber auch das ist eine Häutung!

Schlangen wachsen ihr ganzes Leben lang. Weil die Haut nicht erneuert wird, ist es ihnen bald viel zu eng in ihrer Haut, und die alte wird abgestreift. Solche Häutungen gehen in aller Regel nicht gerade schmerzlos vor sich. Schlangen werden unruhig, weil die Haut zu eng geworden ist. Nach der Häutung sind sie unsicher, weil die neue Haut noch nicht so richtig schützt.

Kennen wird das nicht alle? Eines Tages ist uns die Haut, in der wir uns bisher wohl gefühlt haben, viel zu eng. Aber es tut weh, sich vom Gewohnten zu trennen, und in eine neue Haut zu schlüpfen. Es kann auch eine große Angst vor der Veränderung entstehen. Aber wenn wir uns weigern, in die neue Haut zu schlüpfen, werden wir eines Tages an der alten ersticken. Sie bietet keinen Raum mehr zum Atmen.
Anfangs ist die Schlange in ihrer Haut noch sehr verletzlich und sie zieht sich in Schlupflöcher zurück. Auch für uns ist es ungewohnt in der neuen Haut. Wir sind unsicher und haben Angst vor Verletzungen. Aber irgend wann werden wir merken, dass wir nun endlich wieder frei atmen können! – Bis zur nächsten Häutung!

Die Häutung, die sich in unserem Leben vollziehen, sind schmerzhaft und bereitet Angst. Aber sie sind ein Zeichen, dass wir wachsen und nicht stagnieren. Wenn wir aufhören zu wachsen, kann nur noch die völlige Erstarrung eintreten. Wer kennt nicht Menschen, die in völliger Erstarrung verharren und eigentlich schon mitten im Leben tot sind?

Der Wandel und die Häutung hat nur ein Ziel: Letztendlich werden wir zu dem Drachen, der schon seit unserer Geburt in uns wohnt. Er war nur noch nicht erwachsen!
Das ist ein schmerzhafter, aber immer wieder auch beglückender Prozess!
Denn Drachen sind auch nur eine Art von Schlangen: Sie wachsen weiter und weiter und häuten sich immer wieder!

Gesang der Drachen

Drachen singen?

Ja, sehr schön sogar, aber nur wenigen Menschen ist es vergönnt, den Drachengesang zu hören. So schreibt jedenfalls Michael Ende in seiner Unendlichen Geschichte:

Glücksdrachen  sind Geschöpfe der Luft und Wärme, Geschöpfe unbändiger Freude, und trotz ihrer gewaltigen Körpergröße so leicht wie eine Sommerwolke. Darum brauchen sie keine Flügel zum Fliegen. Sie schwimmen in den Lüften des Himmels wie Fische im Wasser. Von der Erde aus gesehen gleichen sie langsamen Blitzen.

Das Wunderbarste an ihnen ist ihr Gesang. Ihre Stimme klingt wie das goldene Dröhnen einer großen Glocke, und wenn sie leise sprechen, so ist es, als ob man diesen Glockenklang von fern hört. Wer je solchen Gesang vernehmen durfte, vergisst es sein Lebtag nicht mehr und erzählt noch seinen Enkelkindern davon.

Man kann Drachen sehr selten singen hören, aber am Sonntag, den 7. Oktober 2012 kann man sie in der Nürnberger Norishalle hören. Dann wird am Nachmittag um 15.00 Uhr ein kleines Konzert mit Drachengesängen sein.Ich weiß nicht, ob die Drachen dieses Mal so schön singen werden, denn ich spiele selbst die japanische Shakuhachi, also wird es wohl doch eher ein wenig irdischer klingen als die echten Drachen.

Aber Huanhuan Wang wird ein altes chinesisches Instrument spielen und das wird dann doch wohl etwas himmlischer. Huanhuan ist professionelle Musikerin. Sie spielt die alte chinesische Gu Zheng, die ‚Alte Zither‘ und die europäische Konzertharfe.

Beim Konzert wird nur die Gu Zheng mit klassischen chinesischen Stücken zu hören sein.
Die Gu Zheng ist eine große, liegende Zitter oder Harfe. Ihr Name bedeutet Gu – alt, Zheng – Zitter. Sie ist das Vorbild für die japanische Koto, aber die Gu Zheng ist noch viel reicher im Klang als die Koto. Und Huanhuan beherrscht ihr Instrument wirklich meisterhaft.

Zwischen den Stücken werden kleine Geschichten aus dem Drachenbuch gelesen.

Veranstaltungsort:

Museum der Naturhistorischen Gesellschaft, Norishalle in Nürnberg.

Das Konzert beginnt um 15.00 Uhr.

Platzreservierung bei der NHG kann nicht schaden, denn das KOnzert findet in der aktuellen Drachenausstellung statt. Deshalb gibt es nur eine beschränkte Anzahl von Plätzen.

Anmeldung unter Tel.: (0911) 22 79 70
oder per mail: kontakta@nhg-nuernberg.de

Drachen – Broschüre

Broschüre: Drachen in China, Japan und Nürnberg

Broschüre Probeseite:  Drachen in China, Japan und Nürnberg

Das Naturhistorische Museum Nürnberg, Abteilung Völkerkunde hat zur Drachenausstellung eine kleine Broschüre herausgegeben.
Die Texte und Fotos von  Drachen in China und Japan aus der Ausstellung stammen von Gerhardt Staufenbiel. Werner Feist, der Kurator der völkerkundlichen Sammlungen hat Drachen in Nürnberg fotografiert und Texte dazu geschrieben.
Die Broschüre hat 31 Seiten und kostet 3,- Euro. Sie kann im Museum in der Nürnberger Norishalle oder hier über das Internet bestellt werden. Versandkosten: pauschal 1,50€.


Menge




Wenn der schwarze Drache trommelt – …

Gestern war die Eröffnung der Drachenausstellung in der Norishalle Nürnberg.

Es waren überraschend viele Gäste gekommen und das Wetter schien gut zu bleiben, zumal die Trommelgruppe Koku-Ryu Wadaiko draussen im Innenhof unter freiem Himmel spielen sollte.

Mari Ohara aus Japan stellte die Truppe vor. Früher wurden die Trommeln unter anderem geschlagen, um bei Dürre Regen zu erbitten. So hieß denn auch eines der Stücke: „Shinotsuku Ame“ – Strömender Regen. Wir sind ja nicht mehr abergläubische und mit Trommeln Regen machen? – Niemals, jedenfalls nicht in unserer aufgeklärten Zeit. Aber was soll ich sagen: Kaum schwiegen die Trommeln, als sich auch schon dichte Wolken zusammen zogen und wir fluchtartig vor dem plötzlichen Regn ins Trockene flüchten müssen. Also scheint doch ein ganzes Stück Wahrheit in den alten Geschichten geborgen zu sein.

Als Stellvertreter von OB Maly  war der aus Griechenland stammende Stadtrat Theodoros Agathagelidis gekommen. Auf dem Heimweg erzählte er einer Teilnehmerin der Eröffnungsveranstaltung von den Drachen in Griechenland. Da wollte ich aber schon mehr von ihm wissen. Heute früh habe ich ihn angerufen, weil ich dachte, er hätte über Drachen im neugriechischen Volkstum gesprochen. Aber Herr Agathagelidis ist klassisch gebildet. Er hatte von den Drachen im Mythos erzählt. Da kenne ich mich ja dann doch sehr gut aus, denn ich habe in einem früheren Leben jahrelang über den griechischen Mythos geforscht. Ich hoffe, es wird noch eine Reihe von guten Gesprächen mit ihm über die Drachen in Griechenland geben. Aber dann muss ich wohl doch das Kapitel über die abendländischen Drachen erheblich erweitern.

Zum Beispiel wird zu erzählen sein, wie der Drache Ladon die goldenen Äpfel am Baum der Hera im Garten der Hesperiden beschützt. Eigentlich ein guter Drache!
Oder ist er nicht etwa doch mit der Drachenschlange verwand, die Adams zweiter Frau Eva den Apfel gibt? Adams zweiter Frau? Ja, da sind schon noch eine ganze Menge von Überraschungen zu erwarten!

Schon wieder wird das Buch noch dicker werden!