Die Drachen kommen!


Endlich ist es soweit. Nach fast einem Jahr Vorbereitung startet unsere Ausstellung zum Jahr des Drachen am Sonntag den 8.7.2010 in Nürnberger Naturhistorischen Museum in der Norishalle.
Die Vernissage beginnt um 10.30 Uhr mit der Trommelgruppe Koku-ryu (Schwarzer Drache) aus München. Während der Dauer der Ausstellung finden immer wieder Führungen und Sonderveranstaltungen statt. Wer Interesse an einer Führung für Gruppen hat, kann sich entweder an das Museum oder direkt an das Myōshinan wenden. Ich werde die Führungen zusammen mit Jörg Eberle machen, der die Sammlung zusammengetragen hat.

Zu sehen sein werden unter anderem:

  • Kalligrafien und Bilderrollen
  • Kleidung vom chinesischen Kaiserhof
  • Japanische Kleidung mit Drachenmotiven
  • Figuren und diverse Objekte
  • chinesische, Tibetische und Mongolische Teppiche mit Drachenmotiven
  • u.v.m.

Einige Beispiele aus der Sammlung sind ja schon hier im Blog vorgestellt worden.
Dazu kommen noch eine ganze Reihe von Bilder von Drachen in Nürnberg, unter anderem von Albrecht Dürer etc. Natürlich hier nur Fotografien!
(nicht einmal das Germanische Nationalmuseum kann das Original von Dürers Selbstporträit ausstellen!)

Veröffentlicht unter China, Drachen, Drachenjahr, Länder und Reisen | Schreib einen Kommentar

Bilder aus dem Myoshinan

NextGen ScrollGallery thumbnailNextGen ScrollGallery thumbnailNextGen ScrollGallery thumbnailNextGen ScrollGallery thumbnailNextGen ScrollGallery thumbnailNextGen ScrollGallery thumbnailNextGen ScrollGallery thumbnailNextGen ScrollGallery thumbnailNextGen ScrollGallery thumbnailNextGen ScrollGallery thumbnailNextGen ScrollGallery thumbnailNextGen ScrollGallery thumbnailNextGen ScrollGallery thumbnailNextGen ScrollGallery thumbnailNextGen ScrollGallery thumbnail
Niju nakaita - Zwei Tatami mit Mittelbrett
849
890
905
831
875
909
907
967
003
993
007
930
944
Veröffentlicht unter Bilder, Neues aus dem Myoshinan | Schreib einen Kommentar

Zwischen den Monatsbriefen

Die Stille ist wieder eingekehrt im Myoshinan.
Das Fernsehen ist wieder weg, der Monatsbrief geschrieben und Axel war – zurück aus Korea – mal wieder beim Tee. Er hat koreanischen Sencha mitgebracht. Sehr guter Geschmack und kräftig, koreanisch eben. Aber den Matcha aus Korea – reden wir von angenehmeren Dingen!
Er hat einmal Tee mit den koreanischen Matche gemacht. Wenn das Wasser vorher im Kama gesiedet hat, schmeckt der Tee überaschend angenehm, offenbar hat das Wasser aus dem Teekessel Eisen gelöst, was dem Geschmack des Tee zu Gute kam.
Also sollte man vielleicht einmal über die Bedeutung des Wassers in den Monatsbriefen schreiben. Denn die Zeit zwischen den Monatsbriefen ist angebrochen. Der alte ist gegangen, der neue muss vorbereitet werden.
Außerdem liegt mir eine Doktorarbeit eines Teeschülers vor, die er über den Teeweg geschrieben hat. Dort hat mir besonders das Kapitel über das Wasser gefallen.
Wasser ist ja sooo wichtig für den Tee. Nicht nur für den Geschmack. Schließlich gab es zur Zeit Rikyū’s sieben berühmte Brunnen bzw. Quellen mit „meisui“ Namen-Wasser, also berühmtem Wasser. Man ist von weit her angereist, um mit diesem Wasser Tee zu bereiten. Ein paar dieser Brunnen existieren noch heute. Einer davon liegt in Uji am „oberen“ Uji-Schrein, dem Kami-Uji-Jinja mit einem der ältesten Holzgebäude der Welt, einer an der alten Stadtmauer von Kyōto, am Schrein von Michizane, dem Kitano Schrein.

Ein anderer Brunnen ist heute noch in Betrieb. Er gehört dem Restaurant Kikunoi. Der Name bedeutet der Brunnen (I) der (no) Chrysantheme (kiku), also Kiku-no-I. Der Chrysanthemen Brunnen liegt in der Nähe des Kodaiji – Tempels in Kyōto, in dem Hideyoshis Witwe zum Gedenken Hideyoshi’s Teepartys veranstaltet hat, weil das Wasser dieses Brunnen so hervorragend für den Tee geeignet war. Heute gehört der Brunnen zum Restaurant Kiku-no-I, das auf einen der Teilnehmer der frühen Teegesellschaften zurück geht. Dessen Familie diente am Tempel, wurde dann aber in der Meiji – Restauration aus dem Tempeldienst entlassen. Der Vorfahre des heutigen Restaurant – Eigentümers gründete dann, weil er viel Erfahrung im Kaiseki für den Tee hate, das Restaurant. Heute gibt es auch in Tokio eine Zweigstelle, aber das Wasser, das dort zum Kochen verwendet wird, kommt eigens aus dem Kiku-no I in Kyōto. Der heutige Eigentümer des Restaurants hat ein wunderbares Buch über Kaiseki geschrieben, das die hohe Kunst der Kaiseki Küche zeigt.

Aber in der Doktorarbeit wird vor allem die philosophische Bedeutung des Wassers diskutiert. In meinem Teeraum hängt die Kalligrafie eines koranischen Mönches: „Mizu gotoshi“ – „So wie Wasser“. Wasser ist bescheiden, immer am tiefsten Ort, es passt sich jeder äußeren Form an, aber letztlich ist Wasser das Stärkste überhaupt. Es sprengt Felsen und formt ganze Landschaften. Vor allem aber ist es – trotz seiner Stärke – weich fließend und stets in Bewegung.

Eigentlich müssten das dann wohl zwei Monatsbriefe werden: einen über die praktische Bedeutung des Wassers und einen über die philosophische!

Axel benutzte bei seiner Teezeremonie ein Tsurube, einen Brunneneimer aus unlackiertem Holz. Mit solchen Eimern hatten die Teemenschen zu Rikyū’s Zeiten das Wasser aus den berühmten Brunnen geholt und den Eimer dann direkt im Teeraum geöffnet.

Rikyū's Tsurube


Der Deckel war am Brunnen mit einem Papierstreifen verklebt worden, auf dem dann die Herkunft des Wassers geschrieben war. Erst im Teeraum öffnete man den Papierstreifen mit dem kleinen Messer, das in einer besonderen Scheide des Schwertes steckte. Aber Hideyoshi wollte keine Messer im Teeraum haben, so verschwand diese Sitte.

Wir sprachen dann über die Bewegungen beim Tee, die weich fließend wie Wasser sein sollen und über das Vergessen der Form, wie es im letzten Monatsbrief diskutiert ist.

Ach nein, das Loslassen, das Still werden und das „Verarmen“, das wäre doch ein Thema für den nächsten Brief. Ach, da gibt es doch das „Testament“ Rikyū’s. Das hat noch niemand außerhalb Japans bearbeitet. Oh weh, das geht es um das „reine Land“, die Verarmung im Herz – Geist und um Suki. Zur Zeit Rikyū’s waren gute Teemenschen Suki – Sha, Personen mit suki und der Teeraum hieß suki-ya, Hütte des suki. Ein ganz schwieriges Thema, also mal die alten Texte vornehmen und schauen, ob das ein Brief werden kann.
Man hat ja sonst nichts zu tun!

Veröffentlicht unter Küche und Kaiseki, Teeweg | Schreib einen Kommentar

KI SA KO – Trink Tee dann geh

In der Zeitschrift Effilee ist 2011 ein Beitrag über den Teeweg in Deutschland erschienen.
Der gesamte Artikel ist hier online zu finden.
Der Originalartikel als PDF hier.
Der Ausschnitt über das Myoshinan hier:

In Igensdorf bei Nürnberg, einem beschaulichen Dörfchen am Rande der Fränkischen Schweiz und der Fränkischen Alb, hat sich Gerhardt Staufenbiel eine Tee-Oase geschaffen. Seit sechs Jahren wohnt er in einem kleinen Haus am Hang über dem Dorf. Durch ein japanisches Holztor gelangt der Gast in einen japanischen Teegarten, den Staufenbiel selbst angelegt hat. Es gibt Blumen, Gräser und Sträucher, die zum Chado passen, einen japanischen Brunnen und ein Wasserbecken, an dem Gastgeber und Gäste sich vor dem Teetreffen Hände und Mund waschen. Staufenbiel hat sogar ein traditionelles Wartehäuschen für die Gäste gebaut, einen schlichten, ärmlich wirkenden Unterstand mit Bank. Halb unter einem Strauch verdeckt sitzt eine kleine, steinerne Buddha-Figur, auf der Terrasse läutet leise ein furin, eine japanische Windglocke.

Vom Garten reicht der Blick weit über die hügelige Landschaft, bis nach Nürnberg und Erlangen. »Im Winter, wenn aus den Tälern der Nebel aufsteigt, sieht die Landschaft aus wie auf einem japanischen Tuschebild«, sagt Staufenbiel. Er ist ein kleiner, vollschlanker Mann, der fast so heiter in sich zu ruhen scheint wie die Buddha-Figur unter dem Busch. Er trägt einen samue, die Arbeitskleidung eines Zen-Mönchs, bestehend aus blauer Jacke und Hose, deren Schnitt ein wenig an einen Karate-Anzug erinnert. Die japanische Kleidung wirkt an dem Deutschen vollkommen natürlich. Auch bei Besorgungen unten im Dorf trägt er sie, die Bewohner von Igensdorf haben sich längst daran gewöhnt.

Studiert hat Staufenbiel Physik, Philosophie und Altphilologie. Weil er in der europäischen Philosophie nicht die Antworten fand, die er suchte, wandte er sich nach Ostasien. Als 1972 zur Olympiade in München ein Teehaus eröffnet wurde, gestiftet von der japanischen Teeschule Urasenke, besuchte er dort eine Teevorführung und war auf Anhieb fasziniert. Er nahm Unterricht und wurde schließlich selbst Teelehrer und Präsident des Münchner Teehauses.

Seit sechs Jahren ist er pensioniert, nun widmet er sich ganz dem Tee, gibt Unterricht in Nürnberg und Igensdorf und organisiert verschiedene Veranstaltungen, die nicht nur den Tee betreffen. Er gibt japanische Kochkurse, philosophische Seminare und hat ein Buch mit Nacherzählungen japanischer Märchen und Göttersagen geschrieben. »Weil ich die Märchen gerne den Menschen meiner Umgebung näherbringen wollte, haben wir hier in unserer Dorfgastwirtschaft einen Abend veranstaltet, an dem sie auf Fränkisch vorgelesen wurden. Ich war mir nicht sicher, ob das funktioniert, aber als die Leute die Märchen in ihrer Mundart hörten, haben sie tatsächlich ganz gespannt zugehört, obwohl manches doch sehr fremd ist.« Staufenbiel schmunzelt. »Zum Beispiel, wie der Donnergott einer Bäuerin beim Waschen unter die Röcke schaut und dann aus den Wolken in den Dorfbrunnen fällt. Obwohl er ein Gott ist, wird er sehr ironisch dargestellt.«
Trenner

überall in Staufenbiels Haus finden sich japanische Gegenstände: blaue Stoffabtrenner in der Küche, japanisches Teegeschirr, Rollbilder mit Kalligrafie und Tuschzeichnungen. Ein Bereich des Hauses ist ganz klassisch japanisch eingerichtet, dort hat Staufenbiel aus Holz, Bambus und Tatamimatten alles selbst gebaut.

Im ersten, größeren Raum stehen zwei Teegestelle mit antikem Teegeschirr. Von einem Regalbrett lächelt eine kleine Buddha-Figur herunter. »Das ist ein Buddha der Zukunft. Er steht für den Buddha, der in jedem von uns steckt, denn wir alle haben die Anlagen, ein Buddha zu werden. Die Statue ist nicht ganz so alt, wie sie aussieht«, fügt er grinsend hinzu. »Als ich sie gekauft habe, glänzte sie mir zu neu. Also habe ich mit dem Bunsenbrenner nachgeholfen, damit sie eine Patina bekommt.«

Obwohl sich überall in seinem Haus buddhistische Gegenstände finden, bezeichnet sich Staufenbiel nicht als Buddhist. »Ich habe keine Konfession. Ich bin weder Buddhist noch Christ, ich bin einfach ich.« Auf einem Rollbild in einer Nische steht in japanischen Kanji-Schriftzeichen kissako: »›Komm, trink Tee und geh.‹ Das ist ein Grundprinzip des Chado. Jeder ist willkommen, die Tür des Teehauses steht immer offen, egal, wer anklopft«, erklärt Staufenbiel.

Der eigentliche Teeraum ist ein kleines, niedriges Zimmer, das nur zwei Tatamimatten und ein Holzbrett misst. Staufenbiel beginnt den Tee unterricht ganz anders als Sasaki-Stange. Er zeigt mir, wie ich richtig sitze, und erklärt, dass sämtliche Bewegungen bei der Teebereitung, ähnlich wie beim Qi Gong oder Taiji, nicht grundlos einer vorgegebenen Form entsprechen, sondern bei korrekter Ausführung eine gesundheitsfördernde Wirkung haben. »Sitzt man zum Beispiel im Fersensitz, mit geradem Rücken, das Becken ein wenig nach vorne geschoben, und führt die richtige Atemtechnik aus, wird das Ilio-Sakralgelenk gedehnt. Das beugt Rückenproblemen vor.«

Staufenbiel hinterfragt den Chado und sucht Erklärungen für die jahrhundertealten Praktiken. Er forscht in alten japanischen Texten, um den Ursprüngen der Zeremonie, der Herkunft der Teemeister und den Traditionslinien auf den Grund zu gehen, die nach Korea und China zurückführen. Gemeinsam mit einem amerikanischen Freund hat er eine Form der Teebereitung rekonstruiert, die älter ist als das in der Nachfolge Sen no Rikyus festgehaltene Ritual.

Er lehrt die Teebereitung im Stil der Urasenke-Schule, in der er selbst gelernt hat, hat sich aber in letzter Zeit etwas von der Schule zurückgezogen. »Wenn meine Schüler es wollen, prüfe ich sie und vergebe Diplome. Aber die Diplome sind nicht das Wesentliche beim Chado, auch nicht, wie viele verschiedene Zeremonie-Varianten man beherrscht. Das Wesentliche kann man auch bei der einfachsten Form der Teezeremonie spüren.«

So oft wie möglich reist er nach Japan. Allerdings sieht er die Art und Weise, wie dort der Chado unterrichtet wird, kritisch. »Es sind fast nur ältere Frauen, die den Chado praktizieren. Ich habe den Eindruck, dass sie sich manchmal nur zur Teezeremonie treffen, um gesellig zu plaudern, den Kimono anzuziehen oder ihre Freundinnen mit einer bestimmten Zeremonieform zu beeindrucken. Die jungen Japaner dagegen haben kaum noch Interesse am Chado, weil die Lehre so starr ist. Da wird nichts hinterfragt, es werden einfach nur Bewegungen ausgeführt. Außerdem ist das Verhältnis zwischen Lehrer und Schüler in Japan, wie in Ostasien generell, sehr speziell. Die Autorität des Lehreres wird nicht in Frage gestellt – das mögen viele nicht. Viele wenden sich von den alten Künsten ab. Ich habe sogar mal jemanden getroffen, der sagte, um Zen-Buddhismus zu lernen, solle man in die USA gehen, nicht nach Japan.«

Staufenbiel schätzt nicht nur den spirituellen Inhalt des Chado, sondern auch den Tee selbst. »Ich trinke Matcha nicht nur während der Teezeremonie, sondern den ganzen Tag. Ich weiß, das ist Luxus, aber ich liebe diesen Tee.«

Am Abend bereitet eine Schülerin Staufenbiels für uns eine Schale Tee. Draußen ist es bereits dunkel, im kleinen Teeraum spenden nur eine japanische Laterne und eine Kerze Licht. Mit sicheren, fließenden Bewegungen vollführt die Gastgeberin die notwendigen Handgriffe. Alles ist still, nur das Rauschen des Teekessels, das Plätschern des Wassers und die sanften Geräusche, die zur Teebereitung gehören, sind zu hören. Die Schale Matcha, die die Gastgeberin schließlich vor mich hinstellt, empfinde ich als Geschenk, und auf einmal ist die Verbeugung, mit der ich reagiere, bevor ich die Schale aufnehme, kein starres Ritual mehr, sondern ein Ausdruck der Dankbarkeit. Die Ruhe, das gemeinsame Schauen, Horchen, Spüren und der milde und gleichzeitig herbe Geschmack des Matcha lassen mich ganz in der Gegenwart weilen.

Veröffentlicht unter Presse, Teeweg | Schreib einen Kommentar

Chōchinya – Laternenmacher

Auf unserem Weg zurück ins Ryokan entdeckte Karl Heinz kurz vor Ladenschluss einen Laternenmacher.
Es war ein unscheinbares, kleines Lädchen, aber Karl Heinz hat eben einen geübten Blick. Er ist schon vor 20 Jahren das erste Mal zusammen mit Irms mit in Japan gewesen, später dann noch mit Irms und Nicole, seiner Frau und seiner Tochter. Er hat auch selbst einige Reisen nach Japan organisiert und kennt das ganze Land sehr gut.
Außerdem hat er in den ganzen Jahren wundervolle Dokumentationen und Diashows über Japan zusammengestellt. Viele der Bilder von dieser Reise stammen denn auch aus seiner unermüdlichen Kamera.

Also kein Wunder, dass diesen unscheinbaren Laden entdeckt hat. Die meisten wären wohl einfach vorbei gegangen. Ich könnte mir vorstellen, dass Irms, wenn sie noch unter uns weilen würde, in diesem Laden ausgerastet wäre, hat sie doch immer aus japanischem Papier wundervolle Sachen gebastelt.

chochinya /K.H.Jendges

Es war schon recht spät und niemand war mehr im Laden, der eher wie ein Sammelsurium von Laternen, Papierschirmen, Arbeitsmaterialien, Lack und Pinseln usw. aussah, als ein Laden. Aber so leben die kleinen Handwerksbetriebe in Kyoto. Aus Platzmangel sind Laden und Werkstatt oft das Selbe. Weiter hinten im Haus lebt dann die Familie.
Hier sitzt der Besitzer des Landens dan ganzen Tag auf dem Boden und geht seiner Abeit nach.
Der ganze Laden roch nach Papier, Kleister und Lack.

chochinya-jin / K.H.Jendges

Als der Besitzer dann erschien und begriffen hatte, dass wir nicht nur neugierige Touristen waren, sondern wirklich etwas bei ihm kaufen wollten, kramte er in seinen reichen Schätzen und zeigte uns verschiedene Modelle seiner Papierlaternen.

chochin-machen / K.H.Jendges
Nachdem wir unsere Wahl getroffen hatten, packte er nicht etwa die Laternen ein, sondern nun begann die Arbeit. Fertig war nur der Korpus der Laterne. Kerzenhalter, Aufhängung usw. mussten nun erst angepasst und befestigt werden, so dass wir bei der Entstehung der fertigen Laternen zuschauen konnten.

kasa  / K.J.Jendges

Kurz bevor wir den Laden verließen, entdeckten wir noch die Schirme aus Papier. Der Ladenbesitzer fragte uns, ob wir einen Schirm aus chinesischer oder aus japanischer Herstellung möchten.
Wo bitte liegt denn da der Unterschied? Beide sind aus Bambus hersgestellt und mit lackiertem Papier bespannt. Und dann gab mir der Ladenbesitzer zunächst einen chinesischen und dann einen japanischen Schirm.

kasa-k  / K.J.Jendgesl

Unwillkürlich entfuhr mit ein begeistertes „Poh!“ Beides waren Papierschirme, aber was war der japanische Schim für ein Kunstwerk aus Farben und Formen. Es war ein Genuss, zuzusehen, wenn man den Schirm langsam öffnete, wie sich die farbigen Fäden entfalteten und ein prachtvolles Licht- und Farbspiel entstand. Außen war der Schirm mit schwarzem Papier, innen mit einem dunkelblauen Papier bespannt, so dass unglaubliche Farbwirkungen entstanden. Farblich abgestimmt entfaltete sich das Gewirr von bunten Fäden, die beim geöffneten Schirm eine Symphonie voller harmonischer Farben entstehen ließ. Es war, als würde sich ein Hanabi – Feuerblumen, ein Feuerwerk von Farben wie eine bunte Blüte entfalten.

Stolz verneigte sich der Ladenbesitzer: „Nihon no kasa desu ne!“ (Ja, DAS ist ein JAPANISCHER Schirm!)

Leider ging unsere Reise zu Ende und es war einfach kein Platz mehr in den Koffern frei. Andernfalls wäre ein solches kleines Kunstwerk nun im Myoshinan in Oberrüsselbach.

Aber das nächste Jahr und die nächste Reise kommen bestimmt!

An Karl Heinz noch einmal ein großer Dank für die langjährige Freundschaft und die vielen schönen Bilder aus Japan.

Veröffentlicht unter Japan | Schreib einen Kommentar