Zum Jahr des Ochsen: Arbeit in Japan

In Japan gibt es mehrere Worte für „Arbeit“.

  • Arubaito – アルバイト

  • Shigoto      – 仕事

  • Karo            – 過労

Arubaito ist ein Fremdwort, das aus der deutschen Sprache übernommen wurde.
Eigentlich bezeichnet arubaito nicht die Arbeit, die jemand als seine Lebensarbeit verrichtet, es ist der Job, den die Studenten machen, um ein wenig Geld zu verdienen.

Die Arbeit, die jemand verrichtet und die seine Lebensarbeit ist, wird Shigoto genannt. Das Schriftzeichen setzt sich aus zwei chinesischen Zeichen zusammen:  仕 shi –  tun, dienen und 事 koto – Sache, Angelegenheit. Das Zeichen Shi wiederum besteht aus dem Zeichen für Mensch und dem für Samurai. Das Tun ist ein Dienen, so wie es die Samurai ihr ganzes Leben lang tun. Ein Samurai, der seinen Herrn verloren hat, dem er gedient hat, hat seinen Ort in der Gesellschaft verloren. Ursprünglich haben sich diese Samurai dann selbst getötet, weil ihr Leben keinen Sinn mehr hat. Sie hatten ihren Herrn verloren, dem sie gedient hatten, einen anderen Herrn konnten sie aber aus Loyalität nicht annehmen. Vermutlich hätte sie auch kein anderer Herr eingestellt aus Furcht vor Rache oder Verrat. Erst später, als in den schrecklichen Kriegszeiten zuviele Samurai ihre Herren im Krieg verloren, zogen sie als Rônin, herrenlose Samurai durchs Land. Ein Rônin ist wortlich ein Mensch auf der Wanderschaft. Der Ronin hat seinen Ort verloren und kann nur nach auf der Wanderschaft leben bzw. überleben, denn meistens waren die Rônin Bettler. Im modernen Japan ist ein Rônin ein Hochschulabsolvent, der bei der Abschlußprüfung durchgefallen ist und der nun, herrenlos und auf Wanderschaft – auf eine neue Chance wartet.
Viele der Samurai – Rônin wurden Mönche oder zogen als Shakuhachi spielende Mönche bettelnd durch  das Land.

Die Handwerker Japans, die Shokunin  verstehen ihre Arbeit wie die Samurai als ein Dienen. Sie dienen dem Kunden selbstlos durch absoluten Fleiß, Schnelligkeit und Sorgfalt bei der Arbeit. Ganz traditionell sind viele Shokunin auch heute noch mit bestimmten Familien verbunden, denen sie – oft schon seit Jahrhunderten – dienend und arbeitend verbunden sind. Sie sind aber keine Sklaven und verstehen sich auch nicht als solche. Ihr Weg zu sich selbst ist der Weg der Arbeit und des Dienens, andere mögen den Weg der Mönche gehen.
Shigoto als Arbeit ist ein absolut loyales Dienen, aber nicht ein Dienen, wie es Sklaven tun. Die Samurai und die Shokunin waren keine Sklaven, sondern freie, stolze Menschen, die den Sinn ihres Lebens im Dienen fanden.

Der dritte Begriff für Arbeit ist vor allem im modernen Japan von Bedeutung geworden.
過労 Karo ist die Mühe und Plage, die mit der Arbeit verbunden ist;, also eigentlich nicht die Arbeit selbst, sindern die „Über“-Arbeitung. Bekannt geworden ist dieser Begriff der Arbeit durch Karôshi , den plötzlichen Tod durch Überarbeitung. Wikipedia schreibt:  „Der erste Fall von Karôshi wurde 1969 gemeldet, als ein 29-jähriger verheirateter Arbeiter in der Versandabteilung der größten japanischen Zeitung an einem Schlaganfall starb“. Inzwischen ist Karôshi in Japan ein Phänomen, über das genaue Statitiken geführt werden – weil sie geführt werden müssen. Es gibt inzwischen einfach zu viele Fälle von Karôshi.
Ist dieses Phänomen mit unserem Burnout verwandt?

Ausgebrannt und tot wie Asche durch zu viel Arbeit! Kann es dieses Phänomen für den Shokunin, den japanischen Handwerker geben oder für den Schneider in Kreta, der den ganzen Tag in seiner Werkstatt steht? Was ist mit der Arbeitswelt geschehen, dass sich Arbeit von der Selbstverwirklichung gewandelt hat zu etwas, das die Menschen verbrennt und auslaugt?

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