Papageorgios – Pope in Griechenland

Unsere Gastgeber in Lachania sind Papageorgios, der Dorfpriester und seine Frau Chrissi, die oben im Dorf eine Taverne betreibt. Chrissi ist eine begnadete Köchin, die umso besser kocht, je mehr man sie lobt. Die Bedienung in der Taverne besorgt der Pope Papageorgios selbst in vollem Priestergewand mit Popenhut.

Papageorgio - Pope in Lachania

Papageorgio - Pope in Lachania


Der Pope als Bedienung in einer Taverne? Das ist zwar schon ein wenig ungewöhnlich, aber der Pope in einer kleinen Gemeinde bekommt nicht genügend Geld, um davon seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Deshalb sieht man immer wieder Popen, die auf dem Feld arbeiten und Früchte und Gemüse anbauen und ernten.
Diese Dorfpopen sind keine studierten Priester. Die kann sich eine kleine Gemeinde nicht leisten.
Papageorgios ist – wie die meisten Bewohner von Lachania – ausgewandert nach Kanada. Dort hat er als Friseur gearbeitet. In Kanada hat er Chrissi, ebenfalls aus Lachania ausgewandert, kennen gelernt und geheiratet. In Kanada sind auch alle Kinder geboren worden. Als dann die Deutschen kamen und Lachania wieder anfing zu leben, kehrten beide mitsamt den Kindern wieder in ihre Heimat zurück. Die Mutter baute ihnen ein neues Haus, wo Chrissie eine Taverne eröffnete. Als dann der Pope starb, suchte man einen Nachfolger und die Wahl fiel auf Papageorgio. Er musste für mehrere Monate nach Patmos in das Johanneskloster, wo er zum Popen ausgebildet wurde. Ein Pope kennt die Gesänge und die Riten zu bestimmten Festen, aber er hat keine theologische Ausbildung. Die Idee ist, dass der Pope, der immer verheiratet sein muss, schon weil er allein nicht genug Zeit hat, um die Felder zu bearbeiten, möglicht nahe beim Volk sein soll. Er ist eigentlich ein Bauer oder Bürger, wie alle anderen. Seine zusätzliche Aufgabe ist es, die Liturgie zu leiten, Sänger anzuleiten und die Feste in der Kirche zu gestalten. Weil er keine theologische Ausbildung hat, darf und kann er auch nicht predigen. Nur große Gemeinden, in der Regel mindestens kleine Städte, können sich einen studierten Popen leisten. Predigen tun gegebenenfalls Laien, die sich dazu von Gott berufen fühlen.

In Lachania haben wir einmal einen Prediger erlebt, der regelmäßig von der Hauptstadt der Insel mit seinem VW – Bus nach Lachania kam, im Bus übernachtete und am nächsten morgen nach der Liturgie aufstand, in die Mitte der Kirche trat und die Gemeinde ansprach um dann zu predigen. Dieser Prediger war zuvor Gastarbeiter in Deutschland gewesen. Plötzlich fühlte er den Ruf Gottes, wie er uns erzählte, und er begann, zu predigen. In den Meteoraklöstern trafen wir einmal einen pensionierten Offizier, der sich von Gott berufen fühlte, den Fremden die Orthodoxie zu erklären. Wir bekamen eine ausgezeichnete Einführung in die Orthodoxie und die Bilderwelt des Klosters. Längst war das Kloster schon für Besucher geschlossen, aber unser Offizier, der von den Mönchen mit äußerster Hochachtung behandelt wurde, erklärte uns das Klosterleben und die Religion weiter. Plötzlich erlebten wir das Kloster in seiner Stille ohne jeden Besuchen, wir waren allein mit den Mönchen und unserem Offizier. Erst zum Abendgebet brachten uns die Mönche freundlich zum Ausgang.
Vor vielen Jahren haben wir einmal in der Nähe von Mykene in den Bergen einen Schaf- und Ziegenhirten kennen gelernt. Als er merkte, dass ich ein wenig Griechisch verstand, sprang er plötzlich auf eine steinerne Tränke und er begann zu predigen. Er war auf einmal ein völlig verwandelter Mensch mit Feuer in den Augen und einer donnernden Stimme. Mit seinem Hirtenstab in der Hand wirkte er würdig wie ein alttestamentlicher Prophet. Seine „Predigt“ hatte er offenbar lange Zeit eingeübt und sie immer wieder den Schafen und Ziegen vorgetragen. Soweit ich ihn verstanden hatte, ging es um die Apokalypse und den Untergang unserer Welt der durch die Maschinen und Traktoren eingeleitet worden ist, und der unaufhaltsam näher kommt. Am Ende seiner Predigt stieg unser Hirte wieder von der Tränke herunter und er war wieder ein ganz einfacher Ziegenhirt.

Eigentlich wäre dieses Modell doch auch für die katholische Kirche anwendbar. Es gibt einen immensen Priestermangel, aber eine Menge engagierter Laien, die sogar zu Diakonen ausgebildet und geweiht worden sind. Warum gestattet man diesen Menschen nicht, die Messe zu lesen? Muss es unbedingt ein Priester sein, der die Sakramente erteilt? Steht das so in der Bibel? Wohl kaum.

Chrissi und Papageorgios

Chrissi und Papageorgios vor ihrer Taverne


Ich werde jetzt hinauf gehen zu Chrissi und ein klein wenig zu Abend essen. Papageorgio wird mir das Bier in einem eisgekühlten Glas servieren und Chrissie stellt dann das Essen nach ihrem Geschmack zusammen.

Kali Orexi Papageorgio!

P.S.:
Im nächsten Jahr werden wir wohl wieder ein Seminar in Lachania anbieten. Es wird philosophisch – literarische Gespräche, Keramik, und kreative Bildfindung zur Selbstanalyse geben. Interessenten können schon jetzt anfragen!

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