Kodomo no Hi – Knabenfest

Überall feiert man jetzt in unserer Gegen Kirschblütenfeste. Wir bereiten auch unser Japanfest vor, aber wir wollen kein Kirschblütenfest machen. Zwar blühen jetzt rundherum um unser Teehaus die Kirschbäume, aber in Japan ist die Kirschblüte längst vorüber. Aber am 5. Mai wird das Knabenfest gefeiert. Und so willen wir auch den Tag des Kodomo no hi feiern.

Der Tag der Kinder – Kodomo no Hi / Knabenfest

Drei wichtige Feste gliedern den Jahreslauf in Japan.
Nach alter chinesischer Sitte, die in Japan übernommen wurde sind der 3.3., der 5.5. und der 7.7. wichtige Stationen. Am dritten Tag des dritten Monats feiert man das Mädchen- oder Puppenfest, am fünften Tag des fünften Monats das Knabenfest und der siebte Tag des siebten Monats ist den Liebenden geweiht.

Kodomo no Hi – Tag der Kinder / Knabenfest

Bis 1948 galt dieser Tag nur den Jungen. Seit dieser ein offizieller Feiertag ist, gilt er allen Kindern. Für die meisten Japaner bleibt er jedoch der Knabentag, Tango no Sekku.

Vermutlich war ursprünglich der Anlass dieses Tages das chinesische Drachenbootfest. Dieses zeigte den Beginn des Sommers an. Der fünfte Monat war im chinesischen Kalender der Monat der Reinigung und es gab viele Riten um böse Geister abzuwenden. Es ist nicht bekannt, wann genau das Jungenfest in Japan zum ersten Mal gefeiert wurde, aber man vermutet den Beginn in der Regierungszeit der Kaiserin Suiko (592-628).

Kaiserin Suiko übernahm die Regentschaft für ihren unmündigen Sohn. Es soll eine friedliche und gerechte Herrschaft gewesen sein. Das alte japanische Politiksystem nach chinesischem Vorbild wurde eingeführt und Studenten und Mönche regelmäßig nach China geschickt. Dadurch fasste auch der Buddhismus in Japan Fuß. Wie die Religion wurden auch viele Feste übernommen und später „japanisiert“.

Koinobori – Karpfenfahnen


Am Kodomo no Hi, dem Knabenfest gibt es, wie am Hinamatzuri, dem Mädchenfest im März verschiedene Bräuche. Traditionell wird an diesem Tag Kashiwa-Mochi gegessen. Mochi sind Reisklößchen oder Reiskuchen und Kashiwa sind Eichenblätter.
Zum Knabenfest stellt man Fahnenstangen auf, an denen große Karpfen aus Stoff, die Koi nobori im Himmel wie in einem großen Fluß schwimmen. (Koi: Karpfen, Nobori: Fahne). Sie werden auch Satsuki-Nobori (Mai-Fahne) genannt. Sie bestehen aus Stoff oder Papier und sind bunt bedruckt oder bemalt. Die Anzahl der Karpfen wird durch die Familie festgelegt.
Für den Vater wird immer ein großer schwarzer, für die Mutter ein kleinerer roter und für die Kinder kleine bunte Kois aufgezogen. Heute ziehen viele Familien für alle Kinder im Haus Satsuki-Noboris auf.
In traditionellen Familien jedoch werden nur für Söhne die Karpfen ausgestellt.

Kintaro – der Goldknabe

Die legendäre Gestalt des ungeheuer starken Kin-Taro,
des Gold-Knaben, soll den Knaben helfen, groß und stark wie er zu werden. Darum stellt man auch gern eine Puppe des Helden Kin-Taro auf.

Kintaro sitzt auf einem Karpfen und reitet durch die Wellen.

Kintaro, wörtlich der Gold-Knabe war ein legendärer Held der Heianzeit um 1000 n. Chr).
Kintaro hat es wirklich gegeben. Er hieß später Sakata no Kintoki (Kintoki vom Sakata-Klan) und war ein Gefolgsmann von Minamoto no Yorimitsu, einem der großen Feldherren Japans.
Der Legende nach bezieht sich sein Kindername auf ein goldenes Leibchen, das er getragen haben soll. Kintaro verfügte über besondere Stärke, die er in seiner Kindheit erworben hatte. Um eben diese Kindheit ranken sich viele Legenden. So soll seine Mutter eine Prinzessin gewesen sein, die in die Wildnis des Berges Kintoki fliehen musste. Daher sein späterer Name. Dort zog sie ihren Sohn groß, der die wilden Tiere des Waldes als Freunde hatte. Sogar ihre Sprache soll er verstanden haben. Sein Sumopartner war ein großer Bär und Felsen zerbrach er wie Zweige. Obwohl er häufig den Holzfällern half, war er im Umgang mit Menschen eher tumb und ungeschickt.
Ein Samurai entdeckte den überaus kräftigen Knaben und nahm ihn in seine Dienste auf. Unter Minamoto no Yorimitsu, der ihn, beeindruckt von seiner Stärke, mit nach Kyoto nahm, wurde er zum Anführer der Mächtigen Vier, die den Feldherren beschützten. Kintaro war einer der berühmtesten Samurai seiner Zeit.

Rüstung und Iris

In Erinnerung an Kintaro wird eine Miniatur – Samurai Rüstung oder ein Samuraihelm, ein Kabuto, der mit Iris geschmückt ist aufgestellt. Die Iris – die Schwertlilie – erinnert in Japan wie auch bei uns an ein Schwert. Die Iris ist in Japan die Blume des 5. Monats und sie ist eng mit dem Knabenfest verbunden.

Aber ursprünglich wurde nicht die Iris zum Knabenfest verwendet.
In ganz früher Zeit schmückte man sich mit Blättern des Kalmus, der ähnliche Blätter hat wie die Iris. Aber der Kalmus galt als Heilpflanze. Im fünften Monat durfte niemand den Kaiserpalast betreten, der nicht einen Kalmuskranz trug.
Dem Prinzen Yamamae (697-707) wird folgendes Gedicht zugeschrieben:

Wenn der Kuckuck ruft,-
Im fünften Monde ist es,-
Kalmusblätter und
Mandarinenbaumblätter
Einer Perlenschnur gleich
Zum Kranze man sich windet.

Heute noch ist es manchen Orten Brauch, am 5. Mai ein Bad – Shyobuyu 菖蒲湯 -zu nehmen, in dem Irisblätter schwimmen.

Der Duft der Iris soll Moskitos und Schlangen vertreiben und üble Gerüche beseitigen. Damit ist es ideal geeignet, die Reinigungsriten des 5. Monats zu unterstützen.

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