Haiku vom Benediktushof 2015

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Dieses Thema enthält 1 Antwort und 2 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von  Musikdesherzens vor 2 Jahre, 2 Monate.

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  • #2972

    Es war ein sehr heißer und trockener Sommer. Auf der Fahrt zum Benediktushof herrschte flirrende Hitze. Die Felder lagen trocken und staubig neben der Autobahn. Am Benediktushof war der einzige kühle Ort der Brunnen, in dem leide das Wasser plätschert.

    Wolken türmen sich
    über gelbem Stoppelfeld.
    Flirrende Hitze.

    Der alte Brunnen –
    kühler Grund meiner Sehnsucht.
    Zeitloses Fließen.

    Am nächsten Morgen in aller Frühe bei der Meditation. Durch das geöffnete Fenster kam endlich kühle Luft und ließ den Atem leichter fließen.

    Die Morgenfrische!
    Leise plätschert der Bach.
    Vogelgezwitscher.

    Noch in der Morgenfrische gingen wir in den Garten. Dort ist ein kleiner Teich umstanden von Grün. Darüber eine weibliche Figur. Im Wasser: kein Frosch, dafür aber kleine Plastikenten. Was würde Bashō dazu sagen?

    Kein Frosch im Wasser!
    Die kleinen Plastikenten
    geben keinen Ton!

    Libelle am Teich.
    Mitten im Grün die Göttin.
    Die Seerosen blühn.

    Libelle am Teich.
    Der tote Baum im Wasser.
    Im Grün die Göttin.

    Schilfkolben am Teich.
    Versteckt im Grün die Göttin.
    Libellen fliegen.

    Die Sommerhitze!
    Schatten der Kastanien
    an alten Mauern!

    Über dem Teich liegt der alte Flügel des ehemaligen Klosters. Kunstvolles Fachwerk und Butzenglasfenster zieren den Turm. Darunter murmelt der eilige Bach. Im Garten rankt an einer alten toten Wurzel eine blaue Clematis.

    Butzenglasfenster
    im Turm aus buntem Fachwerk
    träumt von alter Zeit.

    Neues Leben sprießt
    mitten aus toter Wurzel
    über kleinem Bach.

    Alte Mauern
    überwuchert von Efeu:
    Benediktushof.

    Vor der Sakristei
    die Lehrerin aus Bronze:
    Davongeschlichen.

    Das alte Fachwerk
    träumt neuer Zeit entgegen
    voller Erwartung.

    Tief eingesunken
    die alten Klostermauern.
    Bereit für Neues!

    Im Zengarten tiefe Stille. Flirrende Hitze über der Kiesfläche. Der Gärtner beregnet die Pflanzen. Neugierig lugt er herüber. Er will die Teezeremonie sehen und der Shakuhachi lauschen!

    Hastige Schritte
    Eilen über den Kiesweg.
    Im Garten: Stille!

    Schachtelhalm am Stein
    an verborgener Quelle.
    Garten der Stille.

    Regennasser Stein
    am Trockenfluss aus Kiesel.
    Ruhende Brücke.

    Die alte Kiefer
    über dem steinernen Meer
    überdauert Zeit.

    Der trockene Garten
    bewässert von Neugier
    Shakuhachi klagt!

    Teezeremonie
    Ritual im Zengarten.
    Kühlender Windhauch.

    Im Speisesaal:

    Essen in Schweigen –
    Das Geschirr klappert lautstark.
    Hastiges Schlingen!

    Am Nachmittag waren wir im hinteren Garten und am kleinen Bach.

    Johann Nepomuk
    Über steinerner Brücke.
    Wohin führt mein Weg?

    Die Schwertlilie
    neben dem rauschenden Bach.
    Wo sind die Blüten?

    Tomaten reifen
    Unter schützendem Dach.
    Der Bach eilt weiter.

    Am Klosterladen waren draussen Stoffkarpfen dekoriert. Aber eigentlich werden sie nur zum Knabenfest im Mai aufgehängt. Dann schwimmen sie im Blau des Himmel damit die Knaben stark und groß werden.

    Mitten im august
    Unbekümmerte Karpfen
    In heiterem Blau.

    Die Abendsonne
    malt Schatten auf den Stein.
    Frohe Erwartung.
    Geschenk des Himmels
    Begnadete Kunst.
    Der dunkle Wald schweigt.

  • #2979

    Musikdesherzens
    Teilnehmer

    Am Teich
    Am Teich ganz stille
    kreist aufgeregt die Libelle
    wo ist der Frosch

    Seerosen am Teich
    ruhend sitzend in Stille
    öffnen die Blüten

    Im Zengarten
    Flötenklang hüllt den
    Garten ein in die Magie
    der Buddha-Essenz

    Wind lädt den Ahorn
    zum Sommertango ein – da
    schon das leichte Rot

    Am Morgen
    Frische Morgenluft
    kitzelt die Füße wach – das
    Aufwachen so leicht

    In der Nacht
    Grillen zirpen ist
    jetzt verboten – sie folgt – ach
    schade für den Schlaf

    Voller Zauber zeigt
    der Nachthimmel im August
    den Weg ins Licht

    Brücke
    Auf der Brücke die
    Straße und unten der Fluss
    wohin reisen sie

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