Drachen und Unsterbliche

Auszug aus dem Buch über Drachen in China und Japan:

Der Unsterbliche Sennin Bashiko

Zur Zeit des Gelben Kaisers lebte ein berühmter und weiser Mann, der eine außerordentliche Fähigkeit hatte, alle Tiere zu heilen. Besonders gut verstand er sich auf Pferde. Er brauchte nur einen Blick auf ein Pferd zu werfen und er erkannte sofort das genaue Alter des Pferdes und welche Beschwerden und Krankheiten das Tier hatte. Diese konnte er heilen mit den neu vom Gelben Kaiser eingeführten Akupunktur, und mit speziellen Tränken, die er aus Kräutern und allerlei Ingredienzien anfertigte.
Eines Tages sah er vor seiner Hütte ganz tief in den Wolken stehend einen Drachen, dem die Tränen aus den Augen liefen. Bashiko erkannte sofort, dass der Drache krank war und große Schmerzen litt. Er winkte ihm zu, und der Drache wedelte freudig mit dem Schwanz wie ein treuer Hund. Bashiko forderte ihn auf, sich auf der Wiese vor seinem Haus nieder zu lassen, und dann behandelte er ihn mit Akupunktur, indem er dem Drachen die Nadeln ohne Furcht in das weit offene Maul stach. Nachdem er ihm noch eine Medizin aus Kräutern eingeträufelt hatte, war der Drache sofort gesund. Er erhob sich in die Luft und führte einen richtigen Freudentanz in den Wolken auf. Er erhob sich hoch in den Himmel, stürzte dann wieder mit rasender Geschwindigkeit auf die Erde zu, drehte sich und stieg wieder steil nach oben auf. Kurz bevor er ganz am Himmel verschwand, hörte man ihn noch ganz wunderbar singen. Sein Gesang war sehr melodisch und schön, so daß einem ganz warm ums Herz wurde. Die Komuso – Mönche in Japan, die auf großen Bambusflöten spielen, ahmen den Gesang des Drachen noch heute nach. Die Melodie ist ihnen aus uralten Zeiten überliefert worden.
Von der Zeit an sah man immer wieder Drachen oben auf dem Hügel über dem Ort, wo Bashiko seine Hütte hatte. Und immer wieder hörte man sie singen, wenn sie geheilt wieder davon flogen, weg in das reine Land der Unsterblichen.
Eines Tages aber sah man über den Wolken einen Drachen fliegen, auf dessen Rücken Bashiko saß, mit der Schrift des Gelben Kaisers in der Hand, die er eifrig studierte. Der Drache stieg zum Himmel auf und verschwand in Richtung auf das reine Land zu.
Danach hörte man nie wieder etwas von Bashiko. Seine Hütte war leer und Drachen sah man auch keine mehr oben auf dem Hügel. Vermutlich lebt er noch heute unter den Glückseligen im reinen Land. Es gibt dort sicher keine kranken Drachen mehr, schließlich weilt ja Bashiko unter ihnen. Jedenfalls wurden seither keine kranken Drachen mehr gesichtet.
 
Diese Geschcihte wird in dem Buch über Drachen in China und Japan enthalten sein, das derzeit im Myoshinan entsteht. Ich hoffe, es wird spätestens Februar / März fertig werden.

Darin enthalten sind unglaubliche, wahre und gelogene, lustige und traurige, aber auch ganz und gar philosophische Geschichten. Es wird eine bunte Mischen aus leicht zu lesenden und unterhaltsamen Geschichten und philosophischen und geschichtlichen Überlegungen sein. Ich hoffe,  wir können das Buch noch während der Laufzeit der Drachen – Asustellung im Sieboldmusum im Museum vorstellen.

 
Nachtrag im Juni 2012:
Inzwischen wird ja die Ausstellung über die Drachen in der Naturhistorischen Gesellschaft Nürnberg statt finden.
Und das Buch hat langsam ein Eigenleben entwickelt. Es wird immer länger und philosophischer, bleibt aber dennoch voller bunter Geschichten.
Ich hoffe, dass es im Frühherbst erscheinen wird.

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