Das Neue Jahr

Wir hatten das Alte Jahr mit einem festlichen Essen, einer sehr meditativen Teezeremonie und anschließender Meditation verabschiedet.
Das Neue Jahr wurde mit Feuerwerk und einhundertundacht Schlägen auf dem Gong und der Rezitation des Hannya Shingyo begrüßt.
Nun sind die Gäste gegangen und ich gehe im frühen Morgennebel in den Wald. Auf der Wiese vor dem Haus stehen still die kahlen Zwetschenbäume:

Einsame Bäume
stehn still im Morgennebel
am Neujahrsmorgen.

Die Hügel in der Ferne sind fast im Nebel verschwunden. Es wirkt, als würden sie ein Geheimnis hüten. Oder sind sie nur ein Traum?

Dunstige Wolken
Verbergen ferne Berge
Am Neujahrsmorgen.

Dunstige Wolken
Verbergen ferne Berge,
bringen neues Glück.

Das neue Jahr hat gerade begonnen. Am frühen Morgen sitze ich still in der dunklen Geborgenheit des Teeraums. Da – vor dem Fenster: Blüht dort draußen der Kirschbaum aus meiner Kindheit? Ach – in der Nacht ist überraschend Schnee gefallen.

Die alte Kiefer
mit Blüten aus weißem Schnee –
Wo ist mein Kirschbaum?

Das ganze Land ist weiß. Immer noch fällt leise der Schnee.
Die fernen Hügel sind verheißungsvoll mit Weiß verhangen.
Wie dunkle Schatten verstecken sich die Wälder im weißen Schleier.
Der Kirschbaum blüht immer noch nicht.

Die alte Kiefer!
Sind es Blüten die sie treibt?
Ach – es ist nur Schnee!

Erster Wintertag!
Einsame Schritte im Schnee
führen zum Teehaus.

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