Gelehrte Drachen

Drachenpaar hütet Symbole der Gelehrsamkeit

Japanische Drachen sind Freunde der Gelehrsamkeit. Dieses Drachenpaar, vermutlich ein männlicher und ein weiblicher Drache, hütet Bücher und Schriftrollen. Daher haben viele buddhistische Priester in ihrem Priesternamen den Drachen. Sie sind gelehrt und die Drachen schützen und lieben die Gelehrsamkeit.

Woher weiß man denn, dass es männliche und weibliche Drachen gibt?

In China lebte einmal ein Maler, der wunderbare Drachen malte. Er wurde im Laufe der Jahre zu einem ausgesprochenen Spezialisten für Drachenbilder. Eines Tages erschienen ein Mann und eine Frau, um seine Bilder zu bewundern. Aber statt ihn zu loben, kritisierten sie den Maler: „Man kann die Geschlechtesmerkmale der männlichen und die der weiblichen Drachen nicht erkennen!“ „Gibt es denn überhaupt männliche und weibliche Drachen?“ fragte der Maler „und woher wollt ihr das wissen?“. „Wir sind ein Drachenpaar!“ antworteten die Besucher.

Die Drachen kommen!

Im nächsten Jahr ist nach dem chinesischen Kalender das Jahr des Drachens. Nach der chinesischen Auffassung sollte es dann ein glückliches Jahr werden.

Wolkendrache - Japanische Malerei aus der Kano Schule / Privatsammlung

Die Tierkreiszeichen des chinesischen Horoskopes wandern durch die fünf Elemente. Der Drache im nächsten Jahr ist ein Wasser – Drache. Menschen, die im Zeichen des Drachen geboren wurden, sind mit vielen guten Eigenschaften gesegnet. Aber manchmal sind sie etwas hochfahrend, was für die Wasser Drachen so nicht zutrifft. Sie sind eher anpassungsfähig und gutmütig.
Drachen besitzen eine große Herzlichkeit und sind immer zur Stelle, wenn jemand Hilfe benötigt. Sie fühlen sich für das Gemeinwohl zuständig und scheuen keine Anstrengung, für die Gesellschaft zu kämpfen. Sie sehen es als ihre Pflicht an, ihren Mitmenschen, so gut es geht, zu helfen.
Sie sind sehr offen und zeigen ihre ehrliche Meinung und Emotionen. Geheimnisse mögen sie nicht, und für so etwas wie Intrigen und taktisches Schachzüge, haben sie überhaupt keinen Sinn und würden diese auch gar nicht verstehen. Sie kämpfen lieber mit offenen Karten.

Aber eigentlich ist es noch viel zu früh, um sich Gedanken über die Eigenschaften des Drachen zu machen. Aber dennoch: wir sind gerade dabei, eine Ausswtellung zum Thema der japanischen Drachen im Siebold – Museum in Würzburg vorzubereiten. Und da liegen dann hier im Myoshinan eine ganze Menge Drachen herum, als Malerei, als Kaligrafie, als Muster auf Obi’s, auf Schwertern und und und ….

Alles muss fotografiert und beschrieben werden. eine Menge Arbeit. Und die Zeit rennt!

Sonnenuntergang

Sonnenuntergang über dem Schwabachtal und St Jakubus

Sonnenuntergang
Wo bist du? trunken dämmert die Seele mir
Von aller deiner Wonne; denn eben ist’s,
Daß ich gelauscht, wie, goldner Töne
Voll, der entzückende Sonnenjüngling
 

Sein Abendlied auf himmlischer Leier spielt‘;
Es tönten rings die Wälder und Hügel nach.
Doch fern ist er zu frommen Völkern,
Die ihn noch ehren, hinweggegangen.
 

Friedrich Hölderlin


Nachklang von den Japantagen

Heute habe ich von unserem Wochenblatt, dem Sonntagsblitz, der einen kleinen Bericht über unsere Japantage gebracht hat, ein paar Bilder von der Veranstaltung im Teehaus bekommen. Diese Bilder stammen also vom Wochenblatt. Vielen Dank für die Erlaubnis zur Veröffentlichung.

In unserem kleinen Teeraum mit zwei Tatami und einem Mittelbrett hatte ich Tee zubereitet. Anschließend wurde fleißig gefragt.

Nach der Teezeremonie: Bewunderung der Schöpfkelle

Es ist immer wieder erstaunlich, wie still es im Raum wird bei der Teezeremonie und wie interessiert anschließend gefragt wird. Immer wieder erleben wir es, dass man die Gäste förmlich mit Gewalt bitten muss, den Raum zu verlassen, weil draussen eine weitere Gruppe wartet.

In der Teeküche machte dann Rieke für die Gäste Tee und servierte die selbstgemachten Süßigkeiten. Sie war eigens gekommen, um die Süßigkeiten frisch zuzubereiten, denn so schmecken sie am besten.

Rieke serviert selbstgemachte Okashi

Es gab Süßigkeiten aus Bohnenpaste, die mit Zucker gekocht und in Herbstfarben eingefärbt sind. Als Füllung haben wir Hokaido Kürbis gekocht, püriert und mit Zucker gesüßt.
Als zweite Süßigkeit gab es Yokan aus selbst geernteten Weintrauben aus dem Garten von Rieke und Limettensaft, eingedickt mit Kanten.

Beide Süßigkeiten warenn diesesmal wieder ganz hervorragend gelungen. Aber leider kann man sie nicht gut aufheben. Also heißt es immer wieder frische Okashi machen. Aber wenigstens die Bohnenmasse, die mit viel Arbeitsaufwand hergestellt werden muss, kann man einfrieren.

Wer lernen möchte, solche Okashi selbst zu machen, kann gern ins Myoshian komme.

Sukhavatri Sutra – Das Sutra vom Reinen Land

Japan ist doch immer wieder für eine Überraschung gut.
Jetzt ist nach den Japantagen in Rüsselbach wieder Stille eingekehrt und die Arbeit am Monatsbrief ruft.
Das Thema ist dieses mal der Begriff SUKI, der früher geradezu stellvertretend war für den Teeweg.
Grob gesehen kann man es als „mögen, lieben, Geschmack“ übersetzen.
Aber der Begriff ist eng mit dem Buddhismus des Reinen Landes verbunden. Und die geschichtlichen Zusammenhänge sind verwirrend und komplex. Also heißt es wieder einmal forschen, lesen und recherschieren.
Die Lehre vom „reinen Land“ -Jōdo, wie es in Japan heißt, wurde ganz wesentlich von Honen ( 1133 – 1212) geprägt. Das Hauptsutra dieser buddhistischen Schule ist das Sukhavati Sutra, das vom Land Sukhavati berichtet, in dem der Amida Buddha genau JETZT anwesend ist. Dort gibt es kein Leiden und die endgültige Erlösung ist allen empfindsamen Wesen, die in diesem Land geboren werden sicher.
Honen studierte unter seinem Lehrer Eiku, einem Meister des berühmten Tendai Klosters auf dem Hiei Berg bei Kyōto. Aber er war nicht mit den alten Traditionen einverstanden. Ganz anders als es heute üblich ist, war er offenbar völlig unangepasst. Es wird berichtet, dass er einmal mit seinem Lehrer derart in Streit geriet, dass der einen Holzscheit nach ihm warf.
Der Streit ging um die Praxis des rezitierens des NAMU AMIDA BUTSU – Vertrauen auf Amida Buddha. Der Lehrer Honens bestnad darauf, dass man sich bei der Rezitation unbedingt den Amida und das reine Land Sukhavati bildlich vergegenwärtigen muss. Aber Honen war das viel zu kompliziert. Wie sollten einfache Menschen diese Bildvorstellung leisten können? Eine bloße Rezitation musste genügen. Schließlich meinte Eiku, auch ihr Vorgänger, der Mönch Ryōnin habe darauf bestanden, dass Amida bei der Rezitation visualisiert werden MUSS.
Die Antwort Honens: „Der hat ja auch nicht zu unserer Zeit gelebt!“
(Also ist das, was er lehrt ein alter Zopf und wir müssen uns nicht daran halten!)
Darauf warf Eiku den Holzscheit nach Honen.

Halt:
Wer bitte war Ryōnin? Habe ich ehrlich gesagt noch nie gehört!

Im Internet habe ich dann die Seite des Dainenbutsu-Ji Tempels gefunden, der die Richtung des Yuzu Nembutsu Shu vertritt, die von Ryōnin gegründet wurde.
Ryōnin war der Auffassung, dass es auch auf die Nicht-Übenden Auswirkungen hat, wenn jemand das Nembustu rezitiert, weil kein Wesen isoliert von den anderen existiert.
Übt also jemand das Nembutsu, so hat das auch Auswirkungen auf das ganze Land und alle dort lebenden empfindenden Wesen. Nembutsu Rezitation ist für Ryōnin keine Privatsache.
Auf der – leider nur japanischen Seite – gibt es fasznierende Bilder und ein Video vonm Fest des Manbu oneri, der Vergewisserung des Landes Shukhavati.

Manbu oneri: Vergegenwärtigung des Landes Sukhavati

In Masken des Amida mit alter Hofmusik aus der Heianperiode stellen Tänzer das Land Sukhavati und den Amida Buddha und seine Gefährten dar. Und das jedes Jahr und heute.
Auf dieser Seite des Dainenbutsuji kann man ein Video anklicken, in dem man den Auftritt Amidas verfolgen kann.

Das ist reines schamanistisches Theater, das helfen soll, das Reine Land Shukavati zu visualisieren.
Hatte sich Honen gegen solche Praktiken gewendet, weil er meinte, eine einfache Rezitation muss genügen?

Auf jeden Fall wieder einmal ein faszinierendes Stück Japan!