Teefreunde

Gestern habe ich in einen anderen blog über den Tee gelesen 🙁 http://tee.kaywa.com/20070829)
Ein wenig erstaunt war ich über eine Geschichte aus Wien, die ich darin gefunden habe. Sie kam mir nur allzu bekannt vor. Teemenschen sind eine einzige Familie. Aber wo streitet es sich besser, als im Schoß der Familie!

Ärger (Neid und Missgunst) ist eine Flamme des Herzens,
Die leicht Haine von Tugend und Verdienst niederbrennt.
Du willst dem Bodhisattva Wege folgen?
Versöhnlichkeit bewahrt dein Wahres Herz.

„Haine von Tugend und Verdienst“ hat Stephan Schumacher, der Übersetzter des Hanshan Shi, der Gedichte von Hanshan als Kloster übersetzt. Wir könnten auch sagen: Teehäuser.
Offenbar wird nirgendwo mehr gestritten, als in spirituellen Vereinigungen, in denen es um Harmonie und Frieden geht.
Der Meister Hiu-neng, der sechste Patriarch des Zen musste gar aus dem Kloster fliehen, weil die Mitmönche ihn sonst aus Neid getötet hätten. Aber wie ist das mit der Versöhnlichkeit, die Hanshan anspricht? Warum hat er die Gemeinschaft der Menschen verlassen und lebt allein in den Bergen? Auch Hui – neng ist geflohen!
Beide haben für sich das Höchste verwirklicht, nachdem sie gegangen sind.

Fallende Blüten

Pflaumenblüten würden gern den Sommer erleben
Doch Wind und Monde verdrängen sie ohne Geduld.
Bei allem Suchen nach einem Han-Zeit-Menschen,
Könntest du doch nicht einen einzigen mehr finden.
So welken und fallen die Blüten Tag für Tag,
Jahr über Jahr gehen Menschen in die Verwandlung ein.

Und dort, wo heute Staubwolken aufwirbeln,
Erstreckte sich in alten Zeiten der Ozean.

Hanshan

Immer wieder versammeln sich Menschen auf dem Gottesacker direkt gegenüber vom Myōshinan, um Abschied zu nehmen.
Oft treibt der Wind die traurigen Klänge des Posaunenchores herüber. Verwehte Worte der Pastorin auf den letzten Wegen.

Hanshan und Shide

Hanshan und Shide

Hanshan war ein merkwürdiger Zeitgenosse. Er lebte – falls es ihn überhaupt gegeben hat und die Gestalt nicht eine literarische Fiktion ist – irgendwann zwischen dem 6. und 9. Jhdt. im China im Tiantai, der klassischen Gegend für Mönche und Einsiedler am Kalten Berg, dem Hanshan.

Die vermutlich unter einem Pseudonym geschriebene Einleitung zur der Gedichtsammlung des Hanshan Shi beginnt mir den Worten:

Niemand weiß, woher Hanshan kam.

In den frühen Gedichten wird das Bild eines Mannes gezeichnet, der aus armen Verhältnissen kam, aber sehr belesen war. Enttäuscht von den Intrigen und Lügen der Welt geht er als Einsiedler in das Tiantai Gebirge.

Ich wohne auf dem Berg,
niemand der mich kennt.
Zwischen weißen Wolken
Bin ich immer allein.

Frei schweift der Blick bis zum Tiantai,
Einsam und hoch über der Schar der Gipfel.
Bambus und Föhren tönen windgeschüttelt,
Mondglitzern in der Brandung ferner Strände.
Zum grünen Saum des Berge schaue ich hinab,
Plaudere mit weißen Wolken über die geheimnisvolle Lehre.
Berge und Flüsse sind meinem wilden Herzen sehr genehm,
Doch tief im Inneren ersehn ich einen WEG – Gefährten.

Der höchste Gipfel des Tiantai ist ebenso einsam und weit über allem wie Hanshan.
Die weißen Wolken, die frei und ungebunden entstehen und vergehen und in völliger Losgelöstheit ziehen, wohin sie wollen, stehen für die Freiheit des Erwachten.
Die Zen-Mönche, die erwacht sind, müssen eine Zeit lang wie Wasser und Wolken als Unsui umherziehen, ohne festen Ort, vollkommen frei von jeder Bindung.
Die Einsamkeit des Hanshan ist keine trostlose Verlassenheit. Hölderlin würde vielleicht sagen, er ist All – Ein, Alles und Eins.
Manchmal besucht Hanshan das Kloster, um dort mit dem Zen – Meister Fenggan zu diskutieren. Dann gesellt sich Shide zu ihm, der ungebildete Koch, der immer den Besen in der Hand hat und lacht. Beide lachen die Mönche aus, die sich in immer neuen Intrigen und Verstrickungen fangen.

Der gelehrte Hanshan wird immer mit der Buchrolle, sein Freund Shide immer mit dem Besen in der Hand dargestellt. Beide zusammen bilden als völlig gegensätzliches Paar das Bild des Erwachten und vom Dao durchdrungenen Menschen. Nicht nur der intellektuelle Hanshan, auch der ungebildete und des Lesen und Schreibens unkundige Shide sind Erwachte. Sie sind die zwei Seiten in jedem von uns.

Ein klein wenig von Hanshan und Shide wohnt sicher in jedem von uns. Hanshan und Shide sind die zwei Seiten der Sehnsucht in uns, frei zu sein von jeder Beschränkung und Zwang und von jeder Fremdbestimmung:

Hanshan ist aus sich selbst Hanshan;
Shide ist aus sich selbst Shide.
Alle die Narren, wie sollten sie das wissen …

Wer uns ansieht, kann uns nicht sehen,
Wer nach uns sucht – wo könnte er suchen!
Was glaubt ihr, woher das kommt?
Ich sage euch: Das ist die Macht des Wu Wei ( des Nicht – Tun)

Weil jeder von uns etwas von Hanshan und Shide in sich trägt, heißt es auch:

Den Mann vom kalten Berg
Wird es für immer geben.
Er ganz allein lebt
Ohne Geburt und Tod.

Weiße Wolken – dunkle Felsen

weisse Wolken

Weiße Wolken umhüllen dunklen Fels

Im Felsgewirr zu leben, hat das Orakel mir bestimmt –
Ein Vogel-Weg, kein Mensch spürt mir hier nach.
Was meint ihr, liegt dort jenseits meines Hofes?
Weiße Wolken umhüllen dunklen Fels.
Wie viele Jahre wohne ich schon hier?
Sah oft den Frühling sich in Winter wandeln.
Bestellt den Leuten, die in Pomp und Reichtum leben:
Mit eitlem Ruhm weiß ich nichts anzufangen

Hanshan

Gestern Abend haben wird den Gedenktee für Yohinori Kawasaki zubereitet. Vorher gab es ein japanisches Essen, so wie er es gerne gegessen hat. Im Teeraum in der  Tokonoma hing ein Fächer, den er mir einmal geschenkt hatte. Er war schon wieder zurück gekehrt nach Japan und eine tiefe Trauer ging von ihm aus. Er war ein hoch anerkannter Teelehrer geworden und der Wohlstand war ihm anzusehen. Auf dem Fächer ist ein Vers aus einem Gedicht von Hanshan geschrieben. Ich fragte Yoshinori, was die Schrift bedeutet. Er meinte, dass es für ihn sehr schwer wäre, das zu erklären, aber es entspräche seinem Wunsch, so leben zu können, wie es dem Inhalt des Gedichtes entspricht. Aber in der Teewelt in Japan zählt heute nur noch Reichtum, Macht und Ansehen.

Vielleicht war er ja gestern abend zu Besuch in unserer Bergklause. Es hätte ihm sicher gefallen!

Tee und Religion

In diesen Tagen habe ich die Nachricht von der Zerstörung des Teehauses an der La Salle Universität in Philadelphia bekommen. Das Teehaus musste wohl „nützlicheren“ Einrichtungen weichen.

Das Teehaus war von Brother Joseph Keenan (1932-1999), einem Mitglied der Christian Brothers Catholic teaching order und Professor an der La Salle Universität gegründet worden.

Brother Keenan sagte bei einem Vortrag 1999 in Kyōto:

„Die dritte Dimension des Tee ist die religiöse Dimension, und sie ist optional.
Ich möchte das vergleichen mit der Mahlzeit in muslimischen, jüdischen oder christlichen und in vielen anderen religiösen Familien. Fromme Menschen dieser Traditionen bringen ihre religiöse Mentalität mit zu den Mahlzeiten und dies lässt das Mahl zu einer religiösen Erfahrung werden.

Mit der Teezeremonie wird häufig das religiöse Empfinden des Zen – Buddhismus verbunden.
Die Zen – Leute sagen, dass wir das gesamte Universum beim trinken einer Schale Tee erfahren können. Dieses Erleben kommt daher, dass wir unser Selbst vollkommen in das Hier und Jetzt aufgehen lassen und den Tee mit einem Herzen annehmen, das vollkommen frei ist von selbstsüchtigen Wünschen und Begierden.
Aber dies ist abhängig vom jeweiligen Individuum, das den Tee trinkt.
Mr. Yamada, der Direktor der Urasenke in New York sagt:
“ Zen Menschen – besonders Anhänger des Rinzai Zen – sind häufig am Tee interessiert und Teemenschen oft am Zen. Aber Tee ist Tee und Zen ist Zen!“
Sich selbst vollkommen mit einem selbstlosen Herzen an das Hier und Jetzt einlassen ist in allen wichtigen Religionen der Welt ein Grundsatz, der vollkommen anerkannt werden kann.
Christen sprechen davon, dass sie Christus in einer Mahlzeit erfahren können, so natürlich auch in einer Schale Tee.
Juden sprechen von der Bindung ihres Lebens an Gott, indem sie das Gesetz befolgen. Tee kann ausgesprochen koscher sein. Und Moslems können den Willen Allahs verwirklichen, wenn sie eine Mahlzeit und Tee teilen.

Tee ist für alle Nationen, alle Kulturen und alle religiösen Traditionen.“

Unser Mitgefühl und unsere besten Wünsche gehen an die La Salle Teegruppe. Bitte bleibt stets „beirrt aber stets unent – wegt“!