Haiku am Feuerberg

Die fernen Berge
Leuchten im herbstlichen Licht
Hoch über Wolken

Kalte Morgenluft 
Duftet schon nach erstem Schnee 
Hoch über dem Tal 

Dichtende Wolken 
Decken drunten das Tal
Rot strahlt die Sonne 

Dort unten im Tal
Die Inseln im Wolkenmeer
Wie gemalt mit Tusche

Rot in den Wolken
Über verhangenen Bergen 
Die Morgensonne

Edelweiß aus Holz 
Schmücken die Alpenchalets
Über den Wolken

Die bunten Zirbeln
Warten auf den ersten Schnee
Ende des Sommers

Die alten Zäune
Aus urtümlichen Zeiten
Am Kräutergarten

Die Welt in der Kugel
Im herbstlichen Wolkenlicht –
Eins und Alles

Im Märchenwald:

Prinzessin im Wald
Wartet mit entsetztem Blick
Auf den grünen Frosch

Die wilden Reiter
Zu Gast aus der Mongolei
Im Bademantelgang

In der Gaststube serviert der Grieche Aris, stets gutgelaunt und fröhlich. Seine Heimatinsel ist Kos, die Insel des Hippokrates, des Arztes. Eigentlich ist er kein Kellner, sondern ein Xenos, der Fremde, der zugleich Gastfreund ist. 

Kriegsgott im Gasthaus
serviert den goldenen Wein.
Heilsamer Gastfreund!

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Goldener Oktober

Goldene Quitte

Oft ist ja der Oktober noch sehr schön. Aber in diesem Jahr haben Mitte Oktober tagsüber noch mehr als 25 Grad. Das sind gut 10 Grad wärmer als  der Oktober im Schnitt. Bald werden wir wohl Zäune bauen, die uns gegen die Löwen schützen. Vielleicht können wir dann das Verkehrsproblem lösen, indem wir den Diesel durch Kamele ersetzen. 
Die warmen Sonnenstrahlen geben dem Wein die letzte Süße. Aber in diesem Jahr haben die Winzer ein ganz neues Problem. Der Wein ist so gut wie lange nicht mehr und die Ernte so reichlich, dass viele Trauben einfach am Weinstock verfaulen müssen.

Der Walnussbaum liefert solche Mengen von Nüssen wie noch nie vorher. Früher haben die Eichhörnchen nur wenige Nüsse übrig gelassen, aber in diesem Jahr muss man sich nur bücken und kann einfach nur säckeweise  einsammeln. 

Der Quittenbaum hängt voll mit goldenen Früchten. Man muss unbedingt etwas für den Geist tun und Quitten in Wodka einlegen. Aber so viel wie es Quitten gibt, kann man garnicht verbrauchen. 

Goldene Quitten
duften im herbstlichen Laub
erfreuen den Geist.

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Herbstabend

Der goldene Wind62
Weht die Blätter zu Boden –
Die reine Leere.

Goldener Herbstwind!
Tonloser Drachengesang
Im trockenen Holz.

In kahlen Bäumen
Singen die Drachen ihr Lied
Endloses Leben.63

Schleppende Schritte
Im blütengleichen Herbstlaub
Die Schultern gebeugt. 

Dieser schmale Weg!
Nicht ein einziger Mensch kommt
in dieser Herbstnacht!

Unter dem Herbstmond
Sah ich Blumen auf dem Feld!
 Ach – es war nur Stroh.

Raureif am Waldrand –
Zaubert das Bunte ins Laub
aus dem reinsten Weiß

Im Herbst des Lebens
Kommt noch einmal die Farbe
Ins schneeweiße Haar?

Leseprobe aus meinem Buch Haiku und Haibun
https://tredition.de/autoren/gerhardt-staufenbiel-1366/wind-in-den-kiefern-paperback-107975/

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Hermes in Rhodos

Hier ein kleines Lesebeispiel aus meinem neuen Buch
https://tredition.de/autoren/gerhardt-staufenbiel-1366/wind-in-den-kiefern-paperback-107975/https://tredition.de/autoren/gerhardt-staufenbiel-1366/wind-in-den-kiefern-paperback-107975/

  1. Hermes und Kalypso.

Vom Kirchlein des Heiligen Thomas aus führt ein Weg in eine Schlucht. Immer enger rücken die Felswände zusammen. Nur noch der kleine Bach hat Platz an diesem verzauberten Ort. Einst lag auf dem Weg der Kopf eines riesigen Ebers, der mich  anstarrte. Der Hüter der Schlucht? Oder war es ein Gefährte des Odysseus, den die Zauberin Kirke verwandelt hatte? Oder war es der Wächter der Unterwelt, zu der hier ein verborgener Eingang lag? 

Ganz am Ende des Weges ein Wasserfall, der in einen schilfbestandenen Weiher stürzt. Im Sommer aber ist kein Wasser mehr da. Trocken hängen Kalkgebilde herunter, als hätte ein antiker Gott dort die Felle von Opfertieren aufgehängt.21 War doch etwa Hermes zu Besuch um sich hier zu verbergen? Wohnte hinter dem Schilf verborgen in einer Höhle die Kirke. Sang sie am Webstuhl ihr Lied und wartete darauf, jeden Besucher in ein Schwein zu verwandeln?22 Oder ist es doch die Nymphe Kalypso, die hier den göttlichen Odysseus verwöhnt, so dass er die Heimkunft vergisst?23 Nirgendwo hier ist das schützende Zauberkraut Moly zu finden. Darum setzte ich mich ganz vorsichtig auf einen Stein. Erst nach einer ganzen Weile begann ich, auf meiner Shakuhachi das Lied vom Wasserfall24 zu spielen, der aus Regentropfen entspringt, die zu einem Bach anschwellen, als Wasserfall niederstürzen und sich schließlich im unendlichen Meer verlieren.
Leise raschelte der Wind in den hohen Schilfrohren. Nur noch wenige Tropfen sangen mit mir ihr Lied. Dann, erst ganz vorsichtig, aber immer sicherer werdend, begannen die Vögel in mein Lied einzustimmen. Oder war es doch die glockenreine Stimme der Kalypso?

Aus uralter Zeit
Versunkene Welt im Schilf
Vom Eber bewacht.

Verzauberte Welt.
Im Schilfrohr klingt hell das Lied –
Sehnsucht nach Heimkehr!

Im Lied des Bambus
Begegnen sich die Welten
Aus Tiefen der Zeit.

Die Regentropfen
vom felsigen Wasserfall
kehren zurück ins Meer.

Die müde Sonne
Badet im weinroten Meer
Abend für Abend.


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Wind in den Kiefern

Mein neues Buch mit Haiku und Haibun ist im Verlag und wird gedruckt. Es wird vielleicht noch zwei Wochen bis zur Auslieferung des ersten Exemplars dauern. 
Schon Matsuo Basho hatte kleine Prosatexte geschrieben, die den Hintergrund für seine Haiku bildeten. Hier habe ich mehrere Haiku und kleine Texte so zusammengefügt, dass kleine Geschichten entstehen. Es sind Geschichten aus Griechenland, aus dem Dorf Lachania. Dort habe ich schon vor vielen Jahren zusammen mit einer kleinen Gruppe bei einem Seminar die ersten Haiku geschrieben.

Seit einigen Jahren finden auch regelmäßig Haiku-Seminare am Benediktushof statt. Deshalb gibt es im Buch auch einen Teil mit Haikus, die dort entstanden sind. Der dritte Teil enthält ganz klassische Haiku aus den vier Jahreszeiten.

In einer Einführung wird erläutert, warum für mich das Schreiben von Haiku eine Zen – Achtsamkeitsübung ist. In einem reichhaltigen Anhang sind die Hintergründe der einzelnen Haiku erläutert. 

Wer das Buch kaufen möchte, kann schon jetzt bei mir bestellen. Bei Vorbestellungen gibt es das Buch in der Paperback Version für 12,- Euro statt 14.50.

Das Buch kann auch direkt beim Verlag bestellt werden, dann aber zum Ladenpreis.

https://tredition.de/publish-books/?books/ID107975/Wind-in-den-Kiefern

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