Drachen geistern in Nürnberg

Wenn „geistern“ von dem Wort „be-geistern“ kommt, dann gebe ich Herrn Voigt von den Nürnberger Nachrichten Recht mit dem Titel seines Zeitungsartikels. Hier der Text:

Jörg Eberle sammelt Darstellungen der chinesischen und japanischen Fabelwesen, die in ihrem Kulturkreis positive Bedeutung haben

VON HARTMUT VOIGT

Drachen auf Papierrollen, Seidenstoffen und Porzellanvasen: Die Naturhistorische Gesellschaft (NHG) widmet den filigranen Darstellungen aus China und Japan eine interessante Sonderschau im Foyer der Norishalle.
Gleich zu Beginn wird ein wesentlicher Unterschied zwischen westlicher und asiatischer Kultur deutlich: In Europa haben Drachen ein absolut negatives Image. Der heilige Georg ist in der christlichen Bilderwelt immer als Drachentöter dargestellt, in Albrecht Dürers Apokalypse stößt ein Engel einen bösartigen Drachen mit einem Speer in die Tiefe.
Ganz anders empfinden Chinesen und Japaner: Nach ihrem Verständnis ist der Drache ein Glücksbringer. Es sind ihre ältesten, mächtigsten und beliebtesten Fabelwesen. Der chinesische Kaiser sah sich selbst als Drache und der japanische Tenno reklamierte ebenfalls ein derartiges Fabeltier für seine Ahnenreihe. Und schließlich feiert der chinesische Jahreskreis 2012 als „Jahr des Wasserdrachens“, das nur alle 60 Jahre begangen wird.

Reisen nach Japan

Der Nürnberger Sammler Jörg Eberle beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit asiatischer Kunst – und somit auch mit den unterschiedlichsten Formen von Drachenbildnissen. Die erste handgeschöpfte Papierrolle erwarb der Nürnberger 1970 in einem Geschäft für Kunsthandwerk in Japan. Seither ließen ihn die mythologischen Mischwesen nicht mehr los. Sechs weitere Reisen nach Nippon folgten und immer war auf der Rückreise mindestens ein weiterer Drache in seinem Gepäck.

Die Sammelfreude wuchs permanent: Zu feinen, kalligrafischen Rollen kamen wertvolle Seidengewänder, ungewöhnliche Vasen, Samuraischwerter und farbenprächtige Kimonos – natürlich alle mit Drachenmotiven versehen. Neben den Reisesouvenirs wurde Eberle auch in hiesigen Trödelgeschäften und vor allem bei Versteigerungen im Internet fündig.
Mittlerweile hat es der gelernte Bankkaufmann auf einen ansehnlichen Fundus gebracht. „Schauen Sie nur, wie schwungvoll und elegant die abstrakte Form eines Drachens auf dieser Rolle wirkt“, schwärmt der 68-Jährige begeistert. Das Gedicht mit den verschnörkelten Schriftzeichen kann er allerdings nicht lesen. „Und auch die Spezialisten des japanischen Instituts in Erlangen haben sich geweigert, weil es einfach zu schwierig ist“, erzählt Eberle. Er erfreut sich einfach an der Optik, an der schwungvollen Darstellung und der perfekten Gestaltung der Papierrolle.

Mit Gerhardt Staufenbiel, der sich seit vier Jahrzehnten intensiv mit der japanischen Teezeremonie beschäftigt, hat Eberle seine Bestände gesichtet und etwa 200 Gegenstände in die Schau eingebracht. Ob die Abbildung eines Kannon-Buddhas tatsächlich aus dem frühen 17. Jahrhundert stammt? Mit Sicherheit will das der Drachenbegeisterte nicht behaupten: „Aber wenn die Qualität stimmt, dann ist es in Ordnung.“

Besonders das Perlen-Motiv auf vielen Drachenbildern fasziniert Eberle. „Im chinesischen Daoismus steht die Perle für Lebensenergie, die man in sich selbst wecken kann“, sagt Staufenbiel, „im Buddhismus spricht man von der Perle der Wunscherfüllung. Wer sie besitzt, hat keine Wünsche mehr und ist frei von Leiden – wie Buddha selbst.“

Wunschlos glücklich

Wunschlos glücklich dürfte auch Jörg Eberle sein, wenn er seine Schätze genauer betrachtet. Ein Altartuch ist aus feinsten Papierfäden gefertigt, die mit Blattgold umwickelt sind. Es soll angeblich aus dem chinesischen Kaiserhof des 18. Jahrhunderts stammen und wurde wohl für daoistische Zeremonien benutzt.
Wer die fremdartige Welt von Symbolen und Darstellungen nicht kennt, kann sich trotzdem an der Gestaltung und Farbenpracht freuen. Die Ausstellung spannt außerdem den Bogen von Asien nach Zentraleuropa: Die Naturhistorische Gesellschaft hat die Schau mit Fotos von Drachendarstellungen aus Nürnberger Kirchen und Museen ergänzt.

Auf dem Bild zeigt Jörg Eberle  ein prunkvolles Gewand, das vom chinesischen Kaiserhof stammen soll. Am Altartuch (unten) ist deutlich ein Drache zu erkennen. Fotos: Hippel

Mit Tusche malen
Die Sonderausstellung „Drachen aus China, Japan und Nürnberg“ ist bis 25. November im Foyer der Norishalle, Marientor-graben 8, zu sehen.
Die Naturhistorische Gesellschaft bietet an einigen Sonntagen – so am 22. und 29. Juli sowie 9. und 30. September jeweils um 14 Uhr – Führungen an.
Bei einem Kurs in chinesischer Kalligrafie kann man am Sonntag, 22. Juli, ab 14Uhr den Um
gang mit Tusche und Pinsel üben.
Geschichten zu Drachen, begleitet von japanischer Flötenmusik (und der chinesischen Gouzheng, einer alten Bodenzither / g.s.), gibt es am 7. Oktober, um 15 Uhr.Ein „Drachen“-Heft vermittelt Grundbegriffe.

Die Norishalle, Marientorgraben 8, ist täglich außer samstags von 10 bis 17 Uhr, freitags bis 21 Uhr geöffnet.

Tanzende Drachen

In China und Japan tanzen bei bestimmten Festen die Drachen. Einen ganz besonderen Drachentanz kann man in der japanischen Stadt Nagasaki erleben. Der Drachentanz 龍踊 – Ryuodori – wird auf dem Nagasaki Kunchi von der chinesisch stämmigen Bevölkerung aufgeführt. Das Kunchi, vermutlich abgeleitet von Kun für Neun, weil das Fest im neunten, dem Erntemonat statt findet, ist ein großes Fest am Suwa Schrein in Nagasaki. Bei dem Drachentanz versuchen drei Drachen eine große goldene Kugel zu verschlingen, was ihnen aber nicht gelingt.

Dieser Tanz ist eine folkloristische Darstellung der Vorstellung, dass der Mond mit dem Drachen zusammenhängt. Nach einer Vorstellung taucht der Drache – oder der Mond – aus der Tiefe des Wassers auf und wird langsam immer größer, bis er sich wieder nach unten wendet und verschindet. Der Drache ist also der Mond mit seinen wechselnden Erscheinungen.
Nach einer anderen Vorstellung verschlingt der Drache die große Perle, den Mond, der dadurch verschwindet. Nach einiger Zeit speit der Drache die Perle wieder aus und der Mond erschient erneut.
Auf dem Video kann man sehen, wie der Drache versucht, die (Mond-) Kugel zu erreichen.
Ein fanszinierendes Dokument einer alten Tradition, die heute noch lebendig ist.
Die Drachen tanzen während des Kunchi nicht nur auf dem Gelände des Shinto Schreines, sie ziehen auch durch die ganze Stadt und die Geschäftsviertel.
In diesem Film sieht man den Drachentanz noch ausführlicher. Nach einem kurzen Vorspann formieren sich die Drachentänzer.

Neues Gewand für alten Blog

Mönche auf der Heimkehr vom Bettelgang


Kleider machen Leute schrieb einst Gottfried Keller. Das ist nun zwar schon lange her, aber irgendwie stimmt das ja immer noch. Ein Brioni Anzug zusammen mit einer Cohiba Zigarre macht schon etwas her.
Aber ist das für eine Seite über Tee und Zen denn angemessen? Eines der Kopfbilder zeigt denn auch Mönche beim Bettelgang. Früh am Morgen hatten sie den Daitokuji – Tempel im Norden Kyōto’s verlassen. Lange hört man im ganzen Stadtviertel ihre lauten Rufe: „Hoooooo – Hoooooo!“ Das heißt nicht: „Holla da sind wir! Lasst uns gefälligst nicht umsonst betteln!“ Hō – Japanisch geschrieben 法 – ist das Buddhagesetz, meistens als das Indische Dharma bekannt und einfach nur Japanisch ausgesprochen. Außerdem kann man viel schöner Hoooo rufen als Dharma! Das klingt einfach besser. Die Mönche sind auf dem Weg im Namen Buddhas, um sich in Bescheidenheit zu üben. Ihre Gewänder sind nicht mehr so ganz neu, eher rauh und zerschlissen. Oft kommen sie aus wohlhabenden Familien, so ist dieses Flickengewand eine Übung in Bescheidenheit.

Und nun haben wir doch dem Blog ein neues, hoffentlich repräsentatives Gewand verpasst. Ist das ein Brioni?
Hoooo! Nein, eher sollte man laut rufen: „Kwatsu!“ Das ist der Schrei, den der Zenmeister brüllt, wenn der Mönch etwas Falsches gesagt hat. Naja, aber dennoch, hin und wieder mal ein neues Gewand kann nicht schaden. Wenn man es selber zusammenbastelt, kostet es ja nichts, nur Arbeitszeit. Und im Zen sagt man: „Ein Tag ohne Arbeit ist ein Tag ohne Essen!“ – Wäre schrecklich – wo ich doch so gerne koche!
Und das Kwatsu Geschrei kann ich eh nicht hören. Aber vielleicht hinterläst ja mal jemand eine kleine Anerkennung in Form des „like“ buttons. Das ist dann die moderne Form im Internet, seinen Beifall auszudrücken. Gott sei Dank gibt es ja noch keinen „Kwatsu – Button“!

P.S.: Die Kopfbilder stammen von Aufnahmen, die bei diversen Japanreisen entstanden sind. Die meisten sind von mir selbst, einige aber auch vom Karlheinz. Er wird sie sicher wieder erkennen.
Wenns gefällt, werde ich noch ein paar mehr hinzufügen.

Die Drachen kommen!


Endlich ist es soweit. Nach fast einem Jahr Vorbereitung startet unsere Ausstellung zum Jahr des Drachen am Sonntag den 8.7.2010 in Nürnberger Naturhistorischen Museum in der Norishalle.
Die Vernissage beginnt um 10.30 Uhr mit der Trommelgruppe Koku-ryu (Schwarzer Drache) aus München. Während der Dauer der Ausstellung finden immer wieder Führungen und Sonderveranstaltungen statt. Wer Interesse an einer Führung für Gruppen hat, kann sich entweder an das Museum oder direkt an das Myōshinan wenden. Ich werde die Führungen zusammen mit Jörg Eberle machen, der die Sammlung zusammengetragen hat.

Zu sehen sein werden unter anderem:

  • Kalligrafien und Bilderrollen
  • Kleidung vom chinesischen Kaiserhof
  • Japanische Kleidung mit Drachenmotiven
  • Figuren und diverse Objekte
  • chinesische, Tibetische und Mongolische Teppiche mit Drachenmotiven
  • u.v.m.

Einige Beispiele aus der Sammlung sind ja schon hier im Blog vorgestellt worden.
Dazu kommen noch eine ganze Reihe von Bilder von Drachen in Nürnberg, unter anderem von Albrecht Dürer etc. Natürlich hier nur Fotografien!
(nicht einmal das Germanische Nationalmuseum kann das Original von Dürers Selbstporträit ausstellen!)

Nihon-Matsuri und der Schwarze Drache Koku-Ryu

Gerade ist wieder einmal ein Japanfest vorüber. Es war das dritte Japanfest in Eschenau, das die Bonsaifreunde, das Myoshinan und viele Vereine und Helfer gestaltet haben. Und kein Matsuri in Japan ohne Trommeln!
In diesem Jahr hatten wir die große Freude, eine Gruppe Japanischer Trommler begrüßen zu dürfen. Die Trommelgruppe, die den Namen Scharzer Drache – Kuku Ryu führt, war aus München zu uns gekommen.

Kokuryu Daiko

Kokuryu Daiko


Kokuryu Daiko

Kokuryu Daiko

Die Gruppe ist zwar noch recht neu, aber ihre Darbietung war auf dem höchsten Niveau. Die gesamte Halle dröhnte und begeistert meinte jemand aus dem Publikum: Da spürt man noch die schmanistischen Wurzeln der Trommel!“
In Japan sagte man früher, dass die Ortsgrenzen so weit reichen, wie man den Klang der Trommeln hören kann. Aber man hört sie nicht nur, man spürt sie in jeder Zelle des Körpers. Die Erde dröhnt wie ein Trommelfell und man schwingt mit im Rhythus der Musik.
Nach ihrem kleinen Konzert, immerhin sind die Trommeln zweimal aufgetreten – wenn es nach den Zuhörern gegangen wäre, hätten sie den ganzen Tag spielen können – gab es sogar noch einen Workshop. Eigentlich dachte ich, das kann nicht gehen, weil ja die Neulinge noch keine Erfahrungen mit Trommeln hatten. Aber nach einer kurzen Erklärung über die Körperhaltung und wie man die Schlägel hält ging es schon los. Einer der Trommler schlug die große Trommel, andere zeigten den Rhythmus mit ihren Schlägeln in der Luft. Und schon nach ein parr Augenblicken klang es fast professionell. Sogar schwierigere Rhythmen wurden geübt und gelangen fast auf Anhieb.
Schweißgebadet und freudestrahlend kamen die Teilnehmer vom Spielen zurück: „Das macht so richtig Spass!“

Im nächsten Monat veranstaltet die Gruppe einen Workshop in München. Teilnahme ist auch für Anfänger möglich. Anfragen an das Myōshinan.

Wer weiß, möglicherweise gibt es bald eine Trommelgruppe auch in Oberrüsselbach?!
Interessenten gibt es schon. Wer auch mitmachen möchte, meldet sich bitte.