Neugeburt

Buch Titelseite

Vorderseite des Buches

Wie fühlt man sich, wenn die Arbeit an einem neuen Buch beendet ist und das Manuskript beim Verlag liegt? Jetzt muss es nur noch gedruckt werden, aber das dauert heute nur noch weniger als eine Woche.
Dann ist das neue Kind da!
So muss sich eine Mutter unmittelbar nach der Geburt fühlen. Erschöpft, aber erleichtert. Ein wenig friert es mich, aber nun gehe ich mit dem kleinen Kin in der Sonne spazieren. Die Kirschen blühen und es ist ein prachtvoller Frühling. Das ist der erste längere Spaziergang nach Wochen harter Arbeit. Von früh bis spät.
Hoffentlich ist es ein gutes Buch geworden! Immerhin sind es 216 Seiten mit Geschichten aus dem alten Japan. Von witzigen Volkslegenden bis zu strengen Zen-Kōan. Ich hoffe, es wird den Leser nicht überfordern aber gut unterhalten.

Neue Kōan

So langsam wird das Buch über die japanischen Legenden fertig. Nur noch ein paar Geschichten über Bodhidharma – Daruma, das Inhaltsverzeichnis und schon ist es fertig. Bei den respektlosen Geschichten um Daruma bin ich auf eine neue Erklärung für ein berühmtes Kōan gestoßen.
Dieses alte und berühmte Kōan fragt nach dem Ton der einen Hand. Schlägt man beide Hände zusammen, so entsteht ein Ton. Frage: Was ist der Ton der einen Hand?
Daruma saß einmal meditierend in seiner Höhle bei den Shaolin, als ihn ein lästiges Moskito quälte. Immer wieder flog es um ihn herum und machte beim Landeanflug ein schreckliches Geräusch. Da dachte Daruma:

Da – ein Moskito! …
Ständig summt das Vieh herum!
Ton der einen Hand!

Diese endgültige Lösung des schweren Kōan verdanke ich Gabi Greve, die versteckt in den Bergen der Provinz Okayama ein kleines Daruma Museum gebaut hat. Über viele Jahre hat sie alles zusammengetragen, was es in der Volkskunst über Daruma gibt. Wir haben sie einmal in der Abgeschiedenheit ihres Wohnsitzes besucht und die Sammlung bewundert. Dort gibt es einen Porzellanteller aus Kutani, der den Daruma mit dem Moskito zeigt. Oben auf dem Teller steht das Haiku mit der Lösung. Die Übersetzung stammt von mir!

Frühling in China


Frühlingserwachen

Frühlingserwachen 春覺

Heute habe ich eine mail bekommen aus China. Volker Heubel schreibt, dass dort nun der Frühling ausgebrochen ist und die ersten Kirschblüten erschienen sind.
Aber er schreibt es nicht einfach prosaisch auf, nein, er hat eine Kalligrafie und ein Gedicht gemacht, das ich hier einstellen möchte.

Frühling Erwachen 春覺
Aus dem Pavillon
Blick auf die nun
kahle Pflaume,
leichter Duft des Tee
bei mildem Licht
zwischen Vogelstimmen.
Plätschern des Wassers,
still.
Zwei Kirschen in Blüte –

Der chinesische Text heißt Frühling – 春
und
Erwachen – 覺.
Das Gedicht ist mit dünner Tusche in deutscher Sprache im Hintergrund geschrieben.
So feiern Teemenschen den Frühling! Eine Gedicht schreiben, eine Kalligrafie machen und in der Tokonoma aufhängen.

Wer mehr von Volker lesen möchte, dem sein sein Buch über den Teeweg empfohlen:

Wegmomente

Bücher Bücher Bücher

Es ist so eine Sache mit den Spuren, die wir in der Welt hinterlassen. Baisao hatte Gedichte geschrieben und mit seinen Siegeln versehen. Und wir sind dabei, Spuren mit unseren Büchern zu hinterlassen. Ob die so lange lebendig bleiben werden wie Baisaos Gedichte? Wohl kaum, auch wenn sie mit in Stein geschnittenen Siegeln versehen werden sollten.

Hier entstehen derzeit einige Bücher gleichzeitig. Immer, wenn ein Thema zu sehr den Kopf ergreift, muss man loslassen und wieder an einem anderen Thema arbeiten. Im Augenblick schreibe ich an einem Buch mit Legenden und Geschichten aus dem alten Japan, von einfachen Volkslegenden bis zu literarischen Überlieferungen aus dem Noh Theater oder dem Kabuki.

Ein zweites Buch, auch schon fast fertig, wird ein ‚Dialog‘ zwischen Hölderlin und dem Zenmeister Dōgen über die reißende Zeit. Und weil wir schon bei Hölderlin sind, gibt es noch ein Buch über Hölderlins Gedicht ‚Hälfte des Lebens‘. Es handelt nicht von den zwei Lebenshälften Jugend und Alter, sondern vielmehr von der Suche nach der anderen Hälfte, die wir verloren haben. Und last, not least ist ein Buch mit Gedanken über Laotses Daodejing in Vorbereitung. Eine kleine Leseprobe gibt es im Blog mit der Geschichte vom fürchterlichen Mori

Aber viel wichtiger als meine eigenen Bücher ist mir derzeit ein Buch von Volker Heubel über die Philosophie des Teeweges. Volker ist derzeit in China, wo er in Hangzhou an einer Universität forscht. Sein Buch ist eine absolute Ausnahme. Teeleute, die wirkliche Kenntnisse des Teeweges haben, schreiben in der Regel nicht. Und die Menschen, die über den Tee schreiben und philosophieren, haben meistens keine Kenntnisse von der Praxis des Teeweges.

Volker Heubel hat Sinologie, Philosophie und vergleichender Religionswissenschaft an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen studiert. Danach studierte er in einem Aufbaustudium »Interkulturelle Japan-Kompetenz« an den Universitäten Tübingen und Dôshisha (Kyôto, Japan). Er spricht und schreibt sowohl Chinesisch als auch Japanisch. Gleichzeitig aber übte er sich im Teeweg. Wie oft haben wir hier im Myoshinan gesessen und gemeinsam Tee geübt. Volker hat sehr oft als Gastgeber im Myoshinan zu einem komplette Chaji von etwa 5 Stunden eingeladen. Ich werde nie vergessen, wie wir einmal ein Chaji mit dem Thema »Zenmeister Ikkyu« hatten. Immerhin sagt man ja, dass Ikkyu mitgewirkt hat, dass der Teeweg in Japan als ein Übungsweg des Zen verstanden wurde. Vom ersten bis zum letzten Augenblick war Ikkyu in Zitaten und Anspielung präsent. Sogar Kalligrafien von Volker mit Gedichten Ikkyus waren im Teeraum aufgehängt.

Sein Buch heißt »Wegmomente – Aspekte der Philosophie des Teeweges in der Konstellation von Rombach, Hisamatsu und Laozi«

Schon der Titel zeigt die Weite seines Ansatzes. Es gibt zwar in der deutschen Philosophie Ansätze einer Idee des Weges, so schon bei Heidegger und bei dem Philosophen Rombach. Was aber im Westen fehlt, ist die Verknüpfung des Denkens mit der Praxis. In Japan dagegen findet man oft in den Schulen, die Wege unterrichten, also in den Teeschulen oder den Dojos der Kampfkünste eine gute Übung der Praxis, aber dort wird die Praxis nicht oder nur ganz selten hinterfragt.: »Frag nicht, tu einfach!«

Erstmals in deutscher Sprache liegen nun philosophische Ansätze aus Japan über den Teeweg vor. Volker beschäftigt sich in seinem Buch intensiv mit Hisamatsus Theorie des Teeweges. Hisamatsu war Philosoph in Kyoto, aber er war zugleich auch ein Teemeister, der mit seinen Philosophie Studenten Teezeremonie geübt hat.

Volker hat aber auch die gesamte gegenwärtige Diskussion in Japan über die Zukunft des Teeweges diskutiert. Die meisten Texte, die er bespricht, sind von ihm erstmalig in eine andere Sprache übersetzt worden.

Wer sich für die japanischen Übungswege und deren Verankerung in der traditionellen Philosophie interessiert, sollte das Buch unbedingt kennen. Aber auch, wer sich einfach nur für japanische Kultur interessiert, kommt an diesem Buch nicht vorbei.

Das Buch kann direkt über Bücher / Shoten den Shop im Teeweg.de erworben werden.
Keine Sorge wegen der Sicherheit der Daten: Alle Daten werden über eine sichere Verbindung und verschlüsselt übertragen.

Fushimi Inari und der Teeweg

Gerade arbeite ich an Geschichten über den Inari, den Kami, der in der Gestalt eines weißen Fuchses erscheinen kann, der aber auch als eine schöne junge Frau auftaucht.

inari

Inari mit dem Schlüssel

Der Fuchs ist in Japan ein heiliges Tier, der eng mit der Natur verbunden ist und der zauberische Kräfte hat. So war das früher auch einmal bei uns. Der Fuch als listiges Tier, das in Höhlen wohnt, hatte Verbindung zur Unterwelt und zur Fruchtbarkeit. Weil er den Zugang zu der anderen Welt bewacht, hat er oft einen Schlüssel. Die Japaner deuten den Schlüssel als Zugang zu den Reisspeichern, denn Inari schenkt reiche Ernten.
Der größte Schrein des Inari ist der Schrein in Fushimi, südlich von Kyoto. Dort sind die berühmten 10.000 Torii, die sich den Berg hoch ziehen und die ganze Bergspitze umrunden.

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Der gesamte Inariberg ist heilig, sogar der Ton, der dort abgebaut wird. Aus ihm machte man Opfergefäße und die Teeleute kleiden mit eben diesem Ton die versenkte Winterfeuerstelle, den Ro aus.

Im neuen Buch über die japanischen Legenden wird es viele Geschichten über den Inari geben. Viele erzählen davon, wie sich der Fuchs in eine schöne Frau verwandelte, einen vornehmen, aber armen Mann heiratete und mit ihm einen Sohn bekam. Dieser Sohn wird in der Regel zu einem berühmten Mann, weil er von der Mutter viele ganz besondere Fähigkeiten geerbt hat. So waren die Vorsitzenden des kaiserlichen Amtes für Yin und Yang, die sich mit Divination befassten, viele Generationen Nachkommen einer Fuchsfrau aus der Sippe der Abe.