Kyoto Ningyo und Kintaro

empress

Die Kaiserin aus dem Puppen – Hofstaat der Kyō-Yusoku-Ningyō

Die alte Kaiserstadt Kyoto ist berühmt für seine Kultur und seine Kunst. Ein volkstümlicher Teil dieser Kunst sind die Puppen aus Kyoto, die Kyo – Ningyo. Diese Puppen sind viel zu kostbar, um Kinder damit spielen zu lassen.
In der Kultur des Kaiserhauses spielten die Zeremonien schon seit der Heian-Zeit eine überaus große Rolle. Jedes Detail der Kleidung und der verwendeten Farben wurde genau  festgelegt. Ja, es gab sogar ein eignes Amt, das all diese Details nach dem I-Ging, dem chinesischen „Orakelbuch“  regelte.   Alle diese Details wurde in genauen Aufzeichnungen festgehalten , den sogenannten Yusoku. Die Kunsthandwerker, die seit vielen Generationen mit der Anfertigung von benötigten Utensilien beschäftigt waren, waren im Besitz dieser Yusoku.
Beim Mädchenfest am 3.3. wird der gesamte Hofstaat des Tenno in Form von Puppen aufgestellt. Das soll den kleinen Mädchen Glück und Segen bringen. Die kostbarsten Puppen für diesen Hofstaat sind die Kyo-Yosoku-Ningyo, die Puppen aus Kyoto, die nach den Regeln des Yusoku angefertigt wurden. Ein kompletter Hofstaat kostet bis zu 13.000 Euro!

Tenno

Der Tennō – Kyō Ningyō

Eines der berühmtesten Geschäfte für die Kyōto Puppen, das Shimazu liegt in der vierten Strasse, der Einkaufsmeile Kyōto’s. Auf der Strassenseite eine Fensterfront mit den Puppen, hinten im Geschäft schaut man in den kleinen Garten im Innenhof, ein völlig unerwarteter Anblick mitten in der Stadt. Man findet dort nicht nur die traditionellen Puppen für das Mädchen- oder das Knabenfest. Selbstverständlich gibt es dort auch die traditionellen Puppen mit Szenen aus dem Noh-Theater.  Aber man ist ja modern und geht mit der Zeit. Es gibt auch die „Ichimatsu Ningyo“ Puppen, die gern als Geschenk und als Kunstobjekt gesehen werden.

Kyoto Ningyo

Stellt ein frisch verheiratetes Paar eine solche Puppe auf, so wird es bald ein gesundes Kind nach dem Vorbild der Puppe bekommen.

Wir haben dort die unterschiedlichsten  Puppen vom Kintaro, dem Gold-Knaben gesehen, offenbar einem äußerst beliebten Modell. Eine solche Puppe kostet je nach Ausführung zwischen 100 und 500 Euro. Kintaro war schon als kleiner Knabe stark und tapfer, später wurde er ein berühmter Samurai, der treu seinem Herrn diente. Welches Paar wünscht sich nicht einen Knaben wie den Kintaro?

Kintaro ist in Japan bis hin zur modernen Zeit eine äußerst beliebte Gestalt, vom Kabuki-Theater bis hin zum Manga und Anime. Die Geschichte vom Kintaro findet man in unserem kleinen Buch vom Donnergott: „Wie der Donnergott einmal in den Brunnen fiel“ bei Amazon

Das Lachen der Götter

Japan ist schon ein merkwürdiges Land. Bei den religiösen Feiern am Shintoschrein wird getanzt, getrunken und gelacht.

Wir hatten das Glück, in Nikko bei einem zweitägigen Shinto – Matsuri teilzunehmen. Kinder und Jugendliche saßen in festlich geschmückten Wagen, die durch die Staßen gezogen wurden und schlugen die Trommeln. Als Begleitung war auch ein Wagen unterwegs, in dem das Fass mit dem Sake transportiert wurde. In einem mit Holzkohle geheizten Ofen wurde der Sake gewärmt und an die Teilnehmer des Festzugen aber auch an Zaungäste ausgeschenkt. Das war auch bitter nötig, weil es an dem Tag recht kalt war, ja, am nächsten Tag lagen 15 cm Neuschnee, und das Mitte April. Am „heiligen Ort“, der Brücke, die wie die Himmelbrücke geformt ist, auf der Izanagi und Izanami standen, als sie die Inseln Japans schufen, fand eine Shinto-Zeremonie statt. Und dann wurde weiter gesungen, getanzt und die Trommel geschlagen, bis spät in den Abend. Vor Touristen hörten wir das weise Wort:“Das ist ja eine vollkommen andere Welt!“

Wohl wahr. Nicht das Leiden bringt das Licht in die Welt, sondern das Lachen!

Einmal, es war schon kurz nach der Entstehung aller Dinge, zog sich die Sonne, Amaterasu zurück in eine Höhle. Ihr Bruder Susano, der „immer heult wie der Wind“ hatte den Tod in ihren Himmlischen Palast gebracht, indem er die abgezogene Haut  eines Pferdes in den himmlischen Weberpalast der Amaterasu warf. Die Höhle ist vermutlich ein Felsengrab, wie man es im frühen Japan findet.

Oh weh, nun war das Licht aus der Welt verschwunden. Alle Kami versammelten sich und beratschlagten, was man denn tun könne. Aber es fiel ihnen nur ein, eine hübsche junge Frau mit einem pausbäckigem Gesicht zu rufen, die vor der Höhle tanzen sollte. Alles wurde vorbereitet, Büsche und Bäume mit Papierstreifen geschmückt und ein riesiges Fass umgedreht vor der Höhle aufgebaut, das als Tanzbühne dienen sollte. Die junge Ama no Uzume stellte sich auf das Fass, hob ihre Rochschöße so weit hoch, dass man ihre Scham und ihre Brüste sehen konnte und wollte zu tanzen beginnen. Da brachen die Miriaden von anwesenden Kami in ein schallendes Gelächter aus.

Amaterasu hörte das drin in ihrer Höhle und dachte bei sich: „Wie können die Kami so laut lachen, wo doch kein Sonnenlicht mehr auf der Welt existiert?“ Vorsichtig öffnete sie die Höhle einen Spalt weit und da sah sie die Uzuma einen öbszönen Tanz tanzen. „Wir haben eine viel schönere Sonne gefunden, als du es bist!“ rief Uzuma der Amaterasu zu und hielt ihr einen Spiegel vor. Amaterasu hatte noch nie einen Spiegel gesehen, darum frage sie sich, wer wohl die strahlende Schönheit sei, die ihr da entgegenschaute und sie kam immer weiter aus ihrer Höhle heraus.

Da zogen die Kami ein aus Reisstroh geflochtenes Seil zwischen sie und die Höhle. Nun konnte die Sonne nicht mehr tief in der Höhle verschwinden, sie mußte immer wieder hervorkommen. Und so kommt es, dass heute noch Tag und Nacht miteinander abwechseln.

Aber was das Licht zurück gebracht hatte in die Welt, war das Lachen der Götter!

Sie hatten gelacht über den obszönen Tanz der Uzuma, weil der ihnen gezeigt hatte, wie der Tod überwunden werden kann: durch die Freuden des Lebens selbst. Nicht das Leiden und der Tod bringt das Leben, sondern die Freuden und das Lachen.

Wer sagt denn noch, dass der Shinto eine „primitive“ Religion ist?

Mehr von diesen Geschichten finden sich in dem kleinen Buch „Wie der Donnergott einmal in den Brunnen fiel“. Zu beziehen bei Amazon, im Buchhandel oder im Dōjo in Oberrüsselbach.

Im Dōjo gibt es auch eine CD, auf der einige der Geschichten aus dem Buch auf Fränkisch erzählt werden, damit das Lachen das Licht in die Welt bringt.

„Wie der Donnergott einmal in den Brunnen fiel“ bei Amazon