{"id":79,"date":"2009-02-28T16:02:24","date_gmt":"2009-02-28T15:02:24","guid":{"rendered":"http:\/\/teeweg.de\/blog\/?p=79"},"modified":"2016-01-12T16:24:21","modified_gmt":"2016-01-12T15:24:21","slug":"teeschalen-und-zen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.teeweg.de\/blog\/teeschalen-und-zen\/","title":{"rendered":"Teeschalen und Zen: Hashi watashi &#8211; Br\u00fcckenschlag"},"content":{"rendered":"<p>Gestern sind wir zur\u00fcckgekommen aus Dachau.<\/p>\n<p>Dort hat der Keramiker Genya Sonobe aus Seto eine Ausstellung mit seinen Teeschalen im Dachauer Rathaus.<\/p>\n<div style=\"text-align: center;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/teeweg.de\/graphik\/kunst\/chawan\/sonobe.jpg\" border=\"0\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"386\" \/><\/div>\n<p>Hashi-watashi: Br\u00fcckenschlag, F\u00fcrbitte<br \/>\nTeeschale von Genya Sonobe, die in Dachau entstanden ist.<\/p>\n<p>Wir hatten die Ehre, bei der\u00a0 Ausstellungser\u00f6ffnung f\u00fcr den K\u00fcnstler und die drei B\u00fcrgermeister der Stadt eine Schale Tee zuzubereiten. Wir durften uns zwei seiner Schalen aussuchen, die wir bei der Teezeremonie verwendeten. Teeschalen sind eben keine Kunstobjekte zum Anschauen. Im Geist des Zen und des Tee finden sie ihre Bestimmung nur, wen man sie verwendet.<br \/>\nGenya Sonobe war eigens aus Seto angereist und er hatte im Atelier der Dachauer Keramikerin Claudia Flach einige Teeschalen angefertigt. Im Fluggep\u00e4ck hatte er einige S\u00e4cke Glasuren aus Japan mitgebracht, der Ton, den er verwendet hat, stammt aus Deutschland.<br \/>\nIn den Tagen seines Aufenthaltes in Dachau hatte er auch schon einen Raku-Ofen gebaut und seine Schalen hier in Dachau gebrannt. Es sind also echt deutsch &#8211; japanische Teeschalen, die aus der Begegnung zwischen Japan und Deutschland entstanden sind.<\/p>\n<p>Genya Sonobe f\u00fchlte sich besonders von Deutschland angezogen, weil er in Japan oft von der &#8222;deutschen Gestaltung&#8220; geh\u00f6rt hatte.\u00a0 Dieser Begriff wird in Japan nicht \u00fcbersetzt, sondern als deutsches Fremdwort benutzt.\u00a0 &#8222;Deutsche Gestaltung&#8220; bezeichnet die Gestaltung im Geist des Bauhauses, dessen Schlichtheit in Japan oft mit dem Geist des Zen verbunden wird. Auch hier geht es um die \u00e4u\u00dferste Reduzierung und Schlichtheit.<br \/>\nGenya meint, dass sich f\u00fcr ihn im Schwarz der Teeschale der Geist des Zen wiederfindet. Das Schwarz ist f\u00fcr ihn eine sehr vielf\u00e4ltige Farbe. Es gibt ein &#8222;braunes Schwarz&#8220;, eine &#8222;blaues Schwarz&#8220; und ein vielf\u00e4ltig schillerndes Schwarz, dass alle Farben in sich enth\u00e4lt. Schwarz ist ein Ausdruck f\u00fcr die Konzentration auf das Wesentliche und den Geist des Zen. Darum ist auch Schwarz auf der Teeweg-Seite die vorherrschende Farbe, wobei Gr\u00fcn f\u00fcr den Tee steht.<\/p>\n<p>Wei\u00df ist f\u00fcr Genya der Ausdruck der Reinheit. In letzter Zeit experimentiert er sehr viel mit der Kombination dieser beiden Farben der Farblosigkeit, die aber alle Farben in in sich enthalten.<\/p>\n<p>Am n\u00c3\u00a4chsten Tag f\u00fchrten wir in kleinen Gruppen f\u00fcr die Keramiker, die von \u00fcberall her zu einem Workshop mit Genya Sonobe\u00a0 angereist waren &#8211; von Italien, Holland und \u00fcberall aus Deutschland &#8211;\u00a0 Teezeremonien durch. Dabei durften sich die Teilnehmer in der Zubereitung und im Schlagen des Matcha in verschiedenen klassischen und modernen Teeschalen versuchen. Und da war wieder die &#8222;deutsche Gestaltung&#8220; im Denkansatz des Bauhauses:\u00a0 &#8222;form follows function&#8220; wie es auf Neudeutsch hei\u00dft. \u00dcberrascht stellten die Keramiker fest, wie genau die Teeschalen auf den Ablauf der Teezeremonie und die Handhabung w\u00e4hrend der Teezubereitung abgestimmt sind. Am Schlu\u00df dieses Workshops war jedem klar, dass eine schlichte Teeschale eine ganze Welt in sich tr\u00e4gt, die Welt des Zen und des Teeweges. \u00dcberrascht waren die Keramiker auch, dass japanisches Raku keineswegs &#8222;niedrig gebrannte Ware&#8220; ist. Genya Sonobe brennt seine Schalen bei einer Temperatur von ungef\u00e4hr 1200 Grad!<\/p>\n<p>Hoffen wir, dass Sonobes Teeschalen den neuen Geist von Dachau wiederspiegeln. Den Geist der Begegnung der Kulturen und der Offenheit f\u00fcr das Andersartige.<\/p>\n<p>Wir hatten Genya als kleine Gabe aus N\u00fcrnberg ein Buch \u00fcber D\u00fcrer mitgebracht. Immerhin waren D\u00fcrer und der Teemeister Sen no Rikyu fast Zeitgenossen. D\u00fcrer war nur wenige Jahre \u00e4lter als Rikyu. Als Gegengabe durften wir uns eine der Schalen von Genya Sonobe aussuchen. Wir nahmen eine der Schalen, mit der wir bei der Er\u00f6ffnung f\u00fcr die B\u00fcrgermeister den Tee bereitet hatten.<\/p>\n<p>Ich habe dieser Schale, die von einem japanischen K\u00fcnstler mit deutschem Ton in Dachau gefertigt worden ist, den Namen &#8222;Hashi watashi&#8220; gegeben.\u00a0 Hashi ist die Br\u00fccke, watashi \u00fcbergeben, \u00fcbertragen, hin\u00fcber gehen, \u00fcberqueren. Dieser Name steht f\u00fcr das \u00dcberqueren und das Hin\u00fcbergehen und das Br\u00fcckenschlagen zwischen den Kulturen.<\/p>\n<p>Die Ausstellung ist noch im M\u00e4rz im Dachauer Rathaus zu sehen.<\/p>\n<div class=\"thanks_button_div\" \n                  style=\"float: left; margin-left: 0px;\"><div id=\"thanksButtonDiv_79_1\" style=\"background-image:url(http:\/\/www.teeweg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/thanks-you-counter-button\/images\/thanks_large_blue.png); background-repeat:no-repeat; float: left; display: inline;\"\n                onmouseover=\"javascript:thankYouChangeButtonImage('thanksButtonDiv_79_1', true);\" \n                onmouseout=\"javascript:thankYouChangeButtonImage('thanksButtonDiv_79_1', false);\"\n                onclick=\"javascript:thankYouChangeButtonImage('thanksButtonDiv_79_1', false);\" >\n                <input type=\"button\" onclick=\"thankYouButtonClick(79, 'You left &ldquo;Thanks&rdquo; already for this post')\" value=\"Danke 0\"\n                  class=\"thanks_button thanks_large thanks_blue\"\n                  style=\"  font-family: Verdana, Arial, Sans-Serif; font-size: 14px; font-weight: normal;; color:#39b778;\"\n                  id=\"thanksButton_79_1\" title=\"Click to leave &ldquo;Thanks&rdquo; for this post\"\/>\n             <\/div><div id=\"ajax_loader_79_1\" style=\"display:inline;visibility: hidden;\"><img decoding=\"async\" alt=\"ajax loader\" src=\"http:\/\/www.teeweg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/thanks-you-counter-button\/images\/ajax-loader.gif\" \/><\/div><\/div><div id=\"wp_fb_like_button\" style=\"margin:5px 5px 5px 0;float:left;height:100px;\"><script src=\"http:\/\/connect.facebook.net\/en_US\/all.js#xfbml=1\"><\/script><fb:like href=\"https:\/\/www.teeweg.de\/blog\/teeschalen-und-zen\/\" send=\"false\" layout=\"standard\" width=\"450\" show_faces=\"false\" font=\"arial\" action=\"like\" colorscheme=\"light\"><\/fb:like><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern sind wir zur\u00fcckgekommen aus Dachau. 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