{"id":78,"date":"2013-03-10T22:37:07","date_gmt":"2013-03-10T21:37:07","guid":{"rendered":"http:\/\/teeweg.de\/blog\/?p=78"},"modified":"2016-03-06T11:14:08","modified_gmt":"2016-03-06T10:14:08","slug":"gesang-und-trauer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.teeweg.de\/blog\/gesang-und-trauer\/","title":{"rendered":"Gesang und Trauer"},"content":{"rendered":"<p>Im Kapitel &#8222;Der gro\u00dfe Ahn und Meister&#8220; des chinesischen Philosophen Zhuangzi hei\u00dft es:<\/p>\n<blockquote><p>Der Wahre Mensch des Altertums kannte weder die Liebe zum Leben noch die Angst vorm Tod; er freute sich nicht, hervorzutreten, er widersetzte sich nicht der R\u00fcckkehr. Er verga\u00df nicht seinen Ursprung, er versuchte nicht zu wissen, was sein Ende sein w\u00fcrde.<\/p><\/blockquote>\n<p>Der &#8222;Wahre Mensch&#8220; ist ein Mensch, der in \u00dcbereinstimmung mit Himmel und Erde und so auch mit sich selbst lebte. Das verhindert aber nicht, da\u00df auch er Schicksalsschl\u00e4ge erleidet, wie jeder andere Mensch auch. Man kann ein Leben im Einklang mit der Natur und dem Kosmos f\u00fchren, dennoch gibt kriegerische Ereignisse, Erdbeben und Tsunami, pers\u00f6nliche Schicksale oder unverschuldete Unf\u00e4lle. Manchmal ver\u00e4ndert ein einziger Tag das gesamte Leben. Heute noch ist man gesund, morgen schon ist die Diagnose: Krebs!<br \/>\nMan feiert gemeinsam im vertrauten Kreis einen Geburtstag &#8211; und pl\u00f6tzlich ist alles anders.<\/p>\n<p>Es ist vielleicht nur die Art, wie &#8218;der wahre Mensch&#8216; mit diesem Schicksal umgeht, was ihn von anderen unterscheidet. Lesen wir die Geschichte aus dem Zhuanzi:<\/p>\n<blockquote><p>Meister Kutsche und Meister Maulbeerbaum waren Freunde. Als es einst zehn Tage ohne Unterbrechung geregnet hatte, dachte Meister Kutsche bei sich: &#8222;Ich f\u00fcrchte, Meister Maulbeerbaum k\u00f6nnte in Schwierigkeiten sein!&#8220; Er wickelte einige Nahrungsmittel in ein Tuch ein und ging, ihm etwas zu Essen zu bringen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Beide sind Meister, aber sie wissen um Not und Ungl\u00fcck, das jeden von uns unvermittelt und unverschuldet ereilen kann. V\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich eilt Meister Kutsche zu Hilfe, aber als er bei der H\u00fctte seines Freundes anlangt, ist er \u00fcberrascht. Sicher hatte er einen v\u00f6llig verzweifelten und um Hilfe rufenden Freund erwartet, aber der singt und spielt die Zither!<\/p>\n<blockquote><p>Als er an Meister Maulbeerbaums T\u00fcr angelangt war, h\u00f6rte er, wie die Zither angeschlagen und ein Klagelied angestimmt wurde, ein Mittelding zwischen Klagen und Weinen:<\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0War es Vater?<br \/>\nWar es Mutter?<br \/>\nDer Himmel?<br \/>\nDie Erde?<\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p>Die Stimme war nahe daran, zu brechen und die Verse wurden hastig vorgebracht.<\/p><\/blockquote>\n<p>Ja hat denn ein Meister in einer solchen Situation nichts besseres zu tun, als zu singen und die Zither zu spielen?<br \/>\nDas Lied, das gesungen wird, ist ein Klagelied und besteht aus einer Reihe von Fragen. Wer war es, der ihn in ein solches Ungl\u00fcck gebracht hat, wer ist Schuld an seinem schlimmen Schicksal: Vater, Mutter, der Himmel oder die Erde?<\/p>\n<p>Wenn wir wissen, wer unser Ungl\u00fcck verschuldet, geht es uns schon ein ganzes St\u00fcck besser. Wir k\u00f6nnen die Verantwortung abschieben und meinen, schon dadurch Erleichterung zu finden.<\/p>\n<p>Aber Meister Maulbeerbaum bleibt nicht bei Schuldzuweisungen und bei der Klage um sein schlimmes Schicksal. Auf die Fragen von Meister Kutsche antwortet er:<\/p>\n<blockquote><p>Ich denke dar\u00fcber nach, wer mich in eine solche schlimme Lage gebracht haben k\u00f6nnte, finde aber keine Antwort. Gewi\u00df h\u00e4tten mein Vater und meine Mutter nicht gewollt, da\u00df ich in solcher Armut ende. Und der Himmel zieht unter denen, die er bedeckt, niemanden vor, ebenso wie die Erde unter denen die sie tr\u00e4gt niemanden vorzieht.<\/p>\n<p>So war es vielleicht nur das Schicksal, das mich in diese Lage brachte.<\/p><\/blockquote>\n<p>Es hat keinen Sinn, mit dem Schicksal zu hadern. Es gibt zwar Situationen, die wir selbst verschuldet haben, manchmal aber ist es das Schicksal, das uns schl\u00e4gt. Wer oder was ist das Schicksal? Es ist oft nicht bestimmbar, es geschieht einfach so, ganz von selbst.<br \/>\nWer hat den Tsunami verschuldet? Das Erdbeben. Wer hat das Erdbeben verschuldet? Eine tektonische Verschiebung. Aber warum geschieht es gerade jetzt und gerade hier? Warum bin gerade ich von den Ereignissen betroffen?<\/p>\n<p>Der Tsunami hat nicht nur ganze Landstriche verw\u00fcstet. Auch viele Menschen bei uns sind so sehr davon betroffen gewesen, dass sich ihr Leben schlagartig ge\u00e4ndert hat. Wir haben hier im pers\u00f6nlichen Schicksal von vielen Menschen Wandlungen und Katastrophen erlebt, die das Leben total ver\u00e4ndert haben. Warum? Geschieht alles von sich aus, ohne dass es jemand bestimmtes verschuldet hat?<\/p>\n<p>Das soll aber nun nicht hei\u00dfen, dass einfach alles Schicksal ist.<br \/>\nAtomkraftwerke in Erdbeben- und Tsunami-gef\u00e4hrdeten Gebieten zu bauen, und einfach zu sagen, es war Schicksal, wenn etwas passiert, zeugt nicht von gro\u00dfer Weisheit. Die Menschen, die das zu verantworten haben sind keine &#8218;wahren Menschen&#8216;, es sind gedankenlose und unverantwortliche Dummk\u00f6pfe. Aber so sind wir Menschen. Solange alles &#8218;gut geht&#8216;, weigern wir uns, nachzudenken.<\/p>\n<p>Ich w\u00fcnsche Allen, die von solchen katastrophalen Ver\u00e4nderungen betroffen worden sind viel Kraft und Gl\u00fcck im k\u00fcnftigen Leben.<br \/>\nUnd dass sie aufwachen aus dem Traum, das Leben sei in irgend einer Weise durch unser Tun absolut sicher zu machen.<br \/>\nWas nicht hei\u00dft, dass wir blind und dumm mit geschlossenen Augen in vorhersehbares Schicksal laufen. Etwa indem wir AKW in Erdbebengebiete bauen.<\/p>\n<div class=\"thanks_button_div\" \n                  style=\"float: left; margin-left: 0px;\"><div id=\"thanksButtonDiv_78_1\" style=\"background-image:url(http:\/\/www.teeweg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/thanks-you-counter-button\/images\/thanks_large_blue.png); background-repeat:no-repeat; float: left; display: inline;\"\n                onmouseover=\"javascript:thankYouChangeButtonImage('thanksButtonDiv_78_1', true);\" \n                onmouseout=\"javascript:thankYouChangeButtonImage('thanksButtonDiv_78_1', false);\"\n                onclick=\"javascript:thankYouChangeButtonImage('thanksButtonDiv_78_1', false);\" >\n                <input type=\"button\" onclick=\"thankYouButtonClick(78, 'You left &ldquo;Thanks&rdquo; already for this post')\" value=\"Danke 4\"\n                  class=\"thanks_button thanks_large thanks_blue\"\n                  style=\"  font-family: Verdana, Arial, Sans-Serif; font-size: 14px; font-weight: normal;; color:#39b778;\"\n                  id=\"thanksButton_78_1\" title=\"Click to leave &ldquo;Thanks&rdquo; for this post\"\/>\n             <\/div><div id=\"ajax_loader_78_1\" style=\"display:inline;visibility: hidden;\"><img decoding=\"async\" alt=\"ajax loader\" src=\"http:\/\/www.teeweg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/thanks-you-counter-button\/images\/ajax-loader.gif\" \/><\/div><\/div><div id=\"wp_fb_like_button\" style=\"margin:5px 5px 5px 0;float:left;height:100px;\"><script src=\"http:\/\/connect.facebook.net\/en_US\/all.js#xfbml=1\"><\/script><fb:like href=\"https:\/\/www.teeweg.de\/blog\/gesang-und-trauer\/\" send=\"false\" layout=\"standard\" width=\"450\" show_faces=\"false\" font=\"arial\" action=\"like\" colorscheme=\"light\"><\/fb:like><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Kapitel &#8222;Der gro\u00dfe Ahn und Meister&#8220; des chinesischen Philosophen Zhuangzi hei\u00dft es: Der Wahre Mensch des Altertums kannte weder die Liebe zum Leben noch die Angst vorm Tod; er freute sich nicht, hervorzutreten, er widersetzte sich nicht der R\u00fcckkehr. &hellip; <a href=\"https:\/\/www.teeweg.de\/blog\/gesang-und-trauer\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":278,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_bbp_topic_count":0,"_bbp_reply_count":0,"_bbp_total_topic_count":0,"_bbp_total_reply_count":0,"_bbp_voice_count":0,"_bbp_anonymous_reply_count":0,"_bbp_topic_count_hidden":0,"_bbp_reply_count_hidden":0,"_bbp_forum_subforum_count":0,"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[1,35,23,5,37],"tags":[],"class_list":["post-78","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-die-reissende-zeit","category-japan","category-philosophie","category-philosophie-des-dao"],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.teeweg.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/78","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.teeweg.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.teeweg.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.teeweg.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/278"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.teeweg.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=78"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.teeweg.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/78\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3209,"href":"https:\/\/www.teeweg.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/78\/revisions\/3209"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.teeweg.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=78"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.teeweg.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=78"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.teeweg.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=78"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}