{"id":726,"date":"2011-01-17T10:35:57","date_gmt":"2011-01-17T09:35:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.teeweg.de\/blog\/?p=726"},"modified":"2016-03-06T12:17:02","modified_gmt":"2016-03-06T11:17:02","slug":"uber-essen-zu-reden-macht-nicht-satt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.teeweg.de\/blog\/uber-essen-zu-reden-macht-nicht-satt\/","title":{"rendered":"\u00dcber Essen zu reden macht nicht satt."},"content":{"rendered":"<blockquote><p>\u00dcber Essen zu reden, macht Euch nicht satt;<br \/>\nVon Kleidung zu schw\u00e4tzen, sch\u00fctzt nicht vor K\u00e4lte.<br \/>\nZum Sattessen braucht es schon eine Mahlzeit,<br \/>\nNur in Kleider geh\u00fcllt entgeht man dem Frost.<\/p>\n<p>Ihr k\u00f6nnt Euch nicht vom Pr\u00fcfen und Bedenken l\u00f6sen,<br \/>\nBehauptet nur, dem Buddha nachzufolgen sei unm\u00f6glich.<\/p>\n<p>Kehrt den Blick ins Herz, und alsbald seid ihr Buddha &#8211;<br \/>\nIm Au\u00dfen findet Ihr ihn nie!<\/p>\n<p>Hanshan &#8211; Gedichte vom kalten Berg<\/p><\/blockquote>\n<p>Der geheimnisvolle chinesische Dichter und Zen &#8211; Laie  Hanshan (? &#8211; oder waren es doch viele Personen? ) lebte am &#8222;Kalten Berg&#8220;, nach dem er sich auch Han-Shan, &#8222;Kalter Berg&#8220; nannte.<br \/>\nNat\u00fcrlich ging es ihm nicht darum, reichlich und gut zu essen und sich in edle Gew\u00e4nder zu h\u00fcllen. Sein Ziel war es, die Buddhaschaft zu erlangen.<br \/>\nDie Sorge um Kleidung und Essen rei\u00dfen den Menschen aber heraus in die Au\u00dfenwelt &#8211; und schon ist Buddha verloren.<\/p>\n<p>Hanshan kennt noch ein weiteres Hindernis auf dem Weg: das &#8222;Pr\u00fcfen und Bedenken&#8220;. Aber wir Menschen bedenken immer unseren Lebensweg, ja, manchmal sogar jeden Schritt. Martin Heidegger schrieb in &#8222;Sein und Zeit&#8220;, die Grundstruktur menschlichen Seins ist die Sorge, die Sorge darum, dass mein Leben gelingt. Nicht einfach nur so in der Weise des \u00dcberlebens, vielmehr so, dass das Leben gut gelingt. Aber was wird im Alltag aus der Sorge? Das &#8222;Be-sorgen&#8220;. Man hastet hin und her um dies und das noch zu besorgen. Ja, die Dinge schreien f\u00f6rmlich danach, noch unbedingt besorgt werden zu m\u00fcssen. Diese Sorge rei\u00dft uns heraus aus unserer Mitte ins besinnunglose Be-sorgen und wie leicht vergessen wir dar\u00fcber die eigentliche Sorge.<\/p>\n<p>Hanshan meint mit seiner Kritik am Pr\u00fcfen und Bedenken sicher auch nicht, dass wir uns bedenkenlos in einen Weg hineinst\u00fcrzen. Wie leicht folgt man dann einem Scharlatan, der das Heil verspricht! Kritik und Be-denken sind uns Menschen Grundbed\u00fcrfnisse. Dennoch finden wir den Buddha in uns nur, wenn es uns gelingt, von der Sorge, dem Be-sorgen und dem Be-denken los zu lassen und einfach nur: zu sein. <\/p>\n<p>Aber wenn einer am kalten Berg lebt, und sei er noch sei eifrig bem\u00fcht, die Buddhaschaft mit seinen \u00dcbungen und Bem\u00fchungen  zu verwirklichen, dann braucht er Essen und Kleidung. Sonst ist es bald mit den \u00dcbungen vorbei. Essen und Kleidung sind eben Dinge, die der Mensch zum Leben braucht. Die Frage ist nur, ob wir unser ganzes Leben auf den Erwerb dieser Dinge ausrichten, oder  gen\u00fcgt ein &#8222;einfaches Mahl, bei dem wir nicht hungern&#8220; (Riky\u016b in Namb\u014droku). Und zu den menschlichen Grundbed\u00fcrfnissen, die lebensnotwendig sind, geh\u00f6rt auch die Kleidung, ohne die wir ganz einfach &#8222;am kalten Berg&#8220; frieren oder gar erfrieren w\u00fcrden. <\/p>\n<p>Einfache Kleidung, die uns vor den Frieren bewahrt, gen\u00fcgt. K\u00fcrzlich habe ich von einer Dame geh\u00f6rt, dass sie f\u00fcr ihren Job gut gekleidet sein muss und dass es \u00fcblich ist, jeden Tag neue und andere Kleidung zu tragen. Aber man wird ja gut bezahlt, damit man stets neu gekleidet sein kann. Wie bitte: Ich arbeite, um das Geld zu verdienen, mit dem ich die Kleidung kaufen kann, die ich tragen muss, damit ich mein Geld verdienen kann?<\/p>\n<p>\u00dcber die Kleidung schreibt Riky\u016b in einem kleinen Gedicht:<\/p>\n<p>eri kaete<br \/>\nsumizome nunoko<br \/>\niro no wataobi<br \/>\ntabi ougi<br \/>\natarashi seyo.<\/p>\n<p>Man wechsle den Kragen<br \/>\ndes tuschegef\u00e4rbten Alltagsgewandes<br \/>\nmit farbigem Obi.<br \/>\nTabi und F\u00e4cher sind stets neu!<\/p>\n<p>Es gen\u00fcgt, den aufgen\u00e4hten Kragen des Alltags-Kimono zu wechseln, der mit einem farbigen Obi zusammengehalten wird. Schon ist man frisch und rein, und l\u00e4uft nicht mit zerrissener, schmuddeliger Kleidung herum wie ein Landstreicher.  Nur die Tabi, die wei\u00dfen Socken mit den gespaltenen Zehen sollten neu sein. Sie werden halt allzu schnell schmutzig. Allerdings haben M\u00f6nchen, eben aus diesem Grund, im Teeraum keine Tabi getragen. Das Tragen von Tabi war eh nur den hochgestellten Personen erlaubt. Das Ideal des Teemenschen ist ohnehin das einfache, schlichte Leben, das uns erm\u00f6glich in die Stille und zu uns Selbst zu kommen. Aber dennoch: auch Teemenschen und Teelehrer m\u00fcssen essen und sich kleiden.<\/p>\n<p>Als Riky\u00fb in die Dienste Hideyoshi&#8217;s eintrat, schrieb er an seinen Teefreund Yabonouchi Kench\u016b J\u014dchi (1536 &#8211; 1627), einem gemeinsamen Sch\u00fcler von Takeno J\u014d\u014d, dass er ihn um seine Freiheit und Unabh\u00e4ngigkeit beneide und dass er es sehr bedauere, mit dem Tee seinen Lebensunterhalt verdienen zu m\u00fcssen.  Riky\u016b&#8217;s Weggef\u00e4hrte Jamanoue S\u014dji schrieb in seinen Aufzeichnungen:<\/p>\n<blockquote><p>Seit Riky\u016b benutzen wir chanoyu f\u00fcr unseren Lebensunterhalt. Das ist h\u00f6chst bedauerlich!<\/p><\/blockquote>\n<p>Aber auch die Nachkommen von Yabonouchi betreiben heute eine Teeschule in Kyoto, die Yabonouchi Ennan und verdienen damit ihren Lebensunterhalt.<\/p>\n<p>In Deutschland kann man immer wieder erleben, dass Menschen erstaunt reagiren, dass sie f\u00fcr den Unterricht im Teeweg bezahlen sollen. &#8222;Aber es ist doch nur Tee!&#8220; (Vielleicht denken sie ja ganz heimlich, ja -, f\u00fcr Tennisunterricht zahlt man selbstverst\u00e4ndlich, das ist ja Sport. Aber dieser Teelehrer geht doch den geistigen Weg. Daf\u00fcr nimmt man doch kein Geld! )<br \/>\nIch habe schon hitzige und erregte Diskussionen dar\u00fcber erlebt, dass es eine ungeheurliche Frechheit ist, wenn der Teelehrer f\u00fcr seine Leistungen bezahlt werden m\u00f6chte. Aber in Japan wei\u00df man, dass es keine Bezahlung ist, wenn man seinem geistigen Lehrer, sei es der Zen- oder der Teemeister f\u00fcr das, was man von ihm bekommen hat, eine Gegengabe zur\u00fcck gibt. Der muss ja auch essen und sich kleiden. Und schlie\u00dflich verlangt man von ihm, dass er f\u00fcr den Sch\u00fcler da ist. Also kann und soll er keiner der \u00fcblichen Erwerbst\u00e4tigkeiten nachgehen. Aber wovon soll er dann leben?<br \/>\nIn Japan kann man auf die Strasse gehen und betteln. Aber in Deutschland?<\/p>\n<p>Es bleibt also immer ein Problem, dass geistige Lehrer Geld nehmen (m\u00fcssen). Und was tut man, wenn jemand statt den vereinbarten Preis zu zahlen, treuherzig versichert, &#8222;ich habe aber heute leider nur die H\u00e4lfte des Geldes dabei!&#8220; ?<\/p>\n<p>Wir verdienen mit Chanoyu unseren Lebensunterhalt. Das ist h\u00f6cht bedauerlich!<\/p>\n<div class=\"thanks_button_div\" \n                  style=\"float: left; margin-left: 0px;\"><div id=\"thanksButtonDiv_726_1\" style=\"background-image:url(http:\/\/www.teeweg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/thanks-you-counter-button\/images\/thanks_large_blue.png); background-repeat:no-repeat; float: left; display: inline;\"\n                onmouseover=\"javascript:thankYouChangeButtonImage('thanksButtonDiv_726_1', true);\" \n                onmouseout=\"javascript:thankYouChangeButtonImage('thanksButtonDiv_726_1', false);\"\n                onclick=\"javascript:thankYouChangeButtonImage('thanksButtonDiv_726_1', false);\" >\n                <input type=\"button\" onclick=\"thankYouButtonClick(726, 'You left &ldquo;Thanks&rdquo; already for this post')\" value=\"Danke 0\"\n                  class=\"thanks_button thanks_large thanks_blue\"\n                  style=\"  font-family: Verdana, Arial, Sans-Serif; font-size: 14px; font-weight: normal;; color:#39b778;\"\n                  id=\"thanksButton_726_1\" title=\"Click to leave &ldquo;Thanks&rdquo; for this post\"\/>\n             <\/div><div id=\"ajax_loader_726_1\" style=\"display:inline;visibility: hidden;\"><img decoding=\"async\" alt=\"ajax loader\" src=\"http:\/\/www.teeweg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/thanks-you-counter-button\/images\/ajax-loader.gif\" \/><\/div><\/div><div id=\"wp_fb_like_button\" style=\"margin:5px 5px 5px 0;float:left;height:100px;\"><script src=\"http:\/\/connect.facebook.net\/en_US\/all.js#xfbml=1\"><\/script><fb:like href=\"https:\/\/www.teeweg.de\/blog\/uber-essen-zu-reden-macht-nicht-satt\/\" send=\"false\" layout=\"standard\" width=\"450\" show_faces=\"false\" font=\"arial\" action=\"like\" colorscheme=\"light\"><\/fb:like><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber Essen zu reden, macht Euch nicht satt; Von Kleidung zu schw\u00e4tzen, sch\u00fctzt nicht vor K\u00e4lte. 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