{"id":71,"date":"2009-01-22T14:46:40","date_gmt":"2009-01-22T13:46:40","guid":{"rendered":"http:\/\/teeweg.de\/blog\/?p=71"},"modified":"2016-02-11T20:26:08","modified_gmt":"2016-02-11T19:26:08","slug":"zum-jahr-des-ochsen-arbeit-am-amazonas","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.teeweg.de\/blog\/zum-jahr-des-ochsen-arbeit-am-amazonas\/","title":{"rendered":"Zum Jahr des Ochsen: Arbeit am Amazonas"},"content":{"rendered":"<p>Vor vielleicht 20 Jahren ist ein damals recht beachtetes Buch einer amerikanischen Anthropologin, deren Namen ich leider vergessen habe erschienen. Sie hielt sich zu Sprachstudien bei einem Indianerstamm am Amazonas auf, als sie verdutzt bemerkte, dass die Indianer kein Wort f\u00fcr &#8222;Arbeit&#8220; in ihrer Sprache hatten.<\/p>\n<p>Sie beobachtete, dass die Frauen jeden Tag einen m\u00fchevollen und gef\u00e4hrlichen Weg zu einer Quelle mit klarem, frischen Wasser zur\u00fccklegen mu\u00dften. Dabei balanzierten sie einen Wasserbeh\u00e4lter auf dem Kopf und stiegen den steilen und glitschigen Pfad zur Quelle herunter und wieder herauf. Oft geschah es, dass sie ausrutschen und ganz viel Wasser versch\u00fctteten, das sie vorher m\u00fchevoll geholt hatten. Dieses Mi\u00dfgeschick wurde aber immer mit gro\u00dfem Gel\u00e4chter quittiert.<br \/>\nDie Anthropologin schlug vor, F\u00f6rdergelder zu organisieren, damit man Pumpen kaufen und eine Wasserleitung installieren konnte. Damit w\u00e4re dann das Problem der m\u00fchevollen und gef\u00e4hrlichen Wasserbeschaffung endlich gel\u00f6st.<\/p>\n<p>Aber zu ihrer Verwunderung lehnten die Indianer &#8211; und vor allem die betroffenen Frauen entsetzt ab. Wenn man eine solche Wasserleitung installieren w\u00fcrde, dann w\u00e4re eines ihrer t\u00e4glichen Vergn\u00fcgungen verschwunden und das Leben w\u00e4re um einiges langweiliger.<\/p>\n<p>Wie sch\u00f6n war es, jeden Tag den steilen Pfad zu meistern und seine Geschicklichkeit immer wieder neu zu best\u00e4tigen und zu genie\u00dfen. Au\u00dferdem war es so wundervoll, gemeinsam zur Quelle zu gehen, dabei zu schwatzen, die neuesten Ger\u00fcchte auszutauschen, zu singen, zu lachen und auch zu tanzen. All das w\u00fcrde wegfallen.<\/p>\n<p>Auch bei uns war fr\u00fcher der Besuch am Dorfbrunnen keine Arbeit. Der Dorfbrunnen war das Zentrum und die Nachrichtenzentrale des Dorfes. Abends traf man sich oft am Brunnen &#8211; am Brunnen vor dem Tore &#8211; um zu schwatzen und zu singen und zu tanzen. Heute ist unser Leben durch die Wasserleitung um einiges einfacher geworden. Aber wir erfahren nicht mehr, welch kostbare Gabe der Erde und des Himmels das Wasser ist. Zenmeister\u00a0 D\u00f4gen nennt gar das &#8222;Wasser holen&#8220; eine &#8222;\u00fcbernat\u00fcrliche Kraft&#8220;. Unser Leben ist einfacher aber doch vielleicht \u00e4rmer an Erfahrungen geworden.<br \/>\nWas also ist &#8222;Arbeit&#8220;!? Vermutlich haben die Amazonas &#8211; Indianerinnen deshalb kein Wort f\u00fcr Arbeit, weil sie die Sache an sich \u00fcberhaupt nicht kennen. Es ist keine Arbeit, Wasser zu holen, es ist ein Vergn\u00fcgen und ein Teil des Lebens.<\/p>\n<p>F\u00fcr einen K\u00fcnstler ist es auch keine Arbeit, wenn er an seinem Wunstwerk wirkt. Doch &#8211; manchmal ist es ene rechte Plage und ein Kampf, und am Ende ist man M\u00fcde vom Werken. Aber wenn man den Kampf um das Werk gewonnen hat, steht es in seiner vollen Sch\u00f6nheit da und best\u00e4tigt die M\u00fche des K\u00fcnstlers auf seinem Weg.<\/p>\n<p>Ist moderne Arbeit vielleicht deshalb so schlimm, weil sie in einer entfremdeten Welt geschieht? Weil Menschen die sich selbst fremd sind und ihre Entfremdung auf die Anderen \u00fcbertragen andere zur Arbeit &#8211; was? anleiten, oder doch eher zwingen?<\/p>\n<p>Arbeit ist etwas vielleicht nur dann, wenn wir st\u00e4ndig denken, dass wir keine Lust zu dem haben, was wir tun m\u00fcssen und dass wir unsere Zeit eigentlich f\u00fcr etwas besseres nutzen sollten. Wenn wir ganz und gar bei der Sache sind, bei der Sache, die wir gerade tun &#8211; sei sie m\u00fchevoll und schwierig oder sei sie freudig und leicht &#8211; dann ist Arbeit keine Arbeit. Dann ist unser Tun der Weg zu uns Selbst!<\/p>\n<div class=\"thanks_button_div\" \n                  style=\"float: left; margin-left: 0px;\"><div id=\"thanksButtonDiv_71_1\" style=\"background-image:url(http:\/\/www.teeweg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/thanks-you-counter-button\/images\/thanks_large_blue.png); background-repeat:no-repeat; float: left; display: inline;\"\n                onmouseover=\"javascript:thankYouChangeButtonImage('thanksButtonDiv_71_1', true);\" \n                onmouseout=\"javascript:thankYouChangeButtonImage('thanksButtonDiv_71_1', false);\"\n                onclick=\"javascript:thankYouChangeButtonImage('thanksButtonDiv_71_1', false);\" >\n                <input type=\"button\" onclick=\"thankYouButtonClick(71, 'You left &ldquo;Thanks&rdquo; already for this post')\" value=\"Danke 0\"\n                  class=\"thanks_button thanks_large thanks_blue\"\n                  style=\"  font-family: Verdana, Arial, Sans-Serif; font-size: 14px; font-weight: normal;; color:#39b778;\"\n                  id=\"thanksButton_71_1\" title=\"Click to leave &ldquo;Thanks&rdquo; for this post\"\/>\n             <\/div><div id=\"ajax_loader_71_1\" style=\"display:inline;visibility: hidden;\"><img decoding=\"async\" alt=\"ajax loader\" src=\"http:\/\/www.teeweg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/thanks-you-counter-button\/images\/ajax-loader.gif\" \/><\/div><\/div><div id=\"wp_fb_like_button\" style=\"margin:5px 5px 5px 0;float:left;height:100px;\"><script src=\"http:\/\/connect.facebook.net\/en_US\/all.js#xfbml=1\"><\/script><fb:like href=\"https:\/\/www.teeweg.de\/blog\/zum-jahr-des-ochsen-arbeit-am-amazonas\/\" send=\"false\" layout=\"standard\" width=\"450\" show_faces=\"false\" font=\"arial\" action=\"like\" colorscheme=\"light\"><\/fb:like><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor vielleicht 20 Jahren ist ein damals recht beachtetes Buch einer amerikanischen Anthropologin, deren Namen ich leider vergessen habe erschienen. 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