{"id":68,"date":"2009-01-22T11:10:26","date_gmt":"2009-01-22T10:10:26","guid":{"rendered":"http:\/\/teeweg.de\/blog\/?p=68"},"modified":"2016-02-11T20:26:54","modified_gmt":"2016-02-11T19:26:54","slug":"das-jahr-des-ochsen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.teeweg.de\/blog\/das-jahr-des-ochsen\/","title":{"rendered":"Das Jahr des Ochsen"},"content":{"rendered":"<div style=\"text-align: center;\"><img decoding=\"async\" style=\"border: thin thin medium solid solid none -moz-use-text-color -moz-use-text-color #666600;\" title=\"Ochse\" src=\"http:\/\/teeweg.de\/graphik\/kisetsu\/chinzodiac\/cow2-kl.jpg\" alt=\"Ochse\" \/><\/div>\n<p>Am 26. Januar beginnt das Jahr des Ochsen.<\/p>\n<p>Das chinesische Jahr des Ochsen wird viel Arbeit bringen, bei vollem Einsatz  verspricht dieses Jahr aber auch reichen Erfolg.<br \/>\nDer im Zeichen des B[ffels  geborene Mensch ist ein ruhiger, methodisch denkender, zielbewusster und sehr  gebildeter Mensch. Alles, was er im Leben erreicht hat, ist durch harte Arbeit  erk\u00c3\u00a4mpft. Diszipliniert und zielbewusst steuert er von einer Aufgabe zur  n\u00e4chsten.<br \/>\nDer B\u00fcffel- oder Ochsenmensch besitzt einen unbeirrbaren und logischen  Verstand und ist geneigt, gro\u00dfe Verantwortung auf sich zu nehmen. Wenn die  Pflicht ruft, stellt er grunds\u00e4tzlich seine gesamte Arbeitskraft zur  Verf\u00fcgung.<br \/>\nVielleicht ist es ein gutes Omen, dass Barak Obama nach dem  chinesischen Tierkreis ein Ochse ist. W\u00fcnschen wir ihm viel Gl\u00fcck bei seiner  schweren Arbeit, die ihm nun bevorsteht.<\/p>\n<p>Es scheint also, dass im Jahr des Ochsen das Thema &#8222;Arbeit&#8220; im Vordergrund stehen wird. Umgangssprachlich hei\u00dft es ja auch, dass wir &#8222;ochsen&#8220; oder die &#8222;Ochsentour machen.<br \/>\nAber was ist &#8222;Arbeit&#8220;?<\/p>\n<p>Jeder von uns meint, genau zu wissen, was Arbeit ist. Jeden morgen stehen wir auf und gehen zur Arbeit. Dort verbringen wir eine genau vorgeschriebene Zeit unseres Lebens, um dann wieder nach Hause zu gehen, um dort unsere Freizeit zu verbringen. Eine ganz klare Trennung: Arbeit und Freizeit. Die Freizeit ist diejenige Zeit, in der wir eigentlich LEBEN, der Rest ist &#8211; ja was? Sklaverei?<\/p>\n<p>Im alten Griechenland gab es zwei Worte f\u00fcr Arbeit: <em>Erga<\/em> und <em>Doulia<\/em> . Erga war die T\u00e4tigkeit der Freien B\u00fcrger, Doulia die der Sklaven, des <em>Doulos<\/em>. Kein Freier w\u00e4re auf die Idee gekommen, Doulia zu verrichten. Der T\u00f6pfer, der an der Drehscheibe sa\u00df verrichtete sein erga, w\u00f6rtlich eigentlich sein Werk. Sprachlich ist das griechische &#8218;Erga&#8216; und das deutsche &#8218;Werk&#8216; identisch. Werken ist Wirken, bewirken. Das ist die sch\u00f6pferische T\u00e4tigkeit eines Freine, keine <em>Doulia<\/em> &#8211; Sklaverei.<\/p>\n<p>Wir waren einmal auf Kreta zu Besuch. Dort wohnten wir in einem kleinen H\u00e4uschen, das dem Schneider geh\u00f6rte. Er war, wenn er nicht gerade beim Essen sa\u00df, immer in seiner Werkstatt, wo er &#8218;werkte&#8216;. Werktags, sonntags und am Feiertag. Auf die Frage, ob ihm denn seine Arbeit nicht irgend wann einmal zu viel w\u00fcrde und ob er denn keine Freizeit brauche antwortete er nur: &#8222;Was soll ich den tun, wenn ich nicht in meiner Werkstatt bin. Ich bin Schneider!\u00a0 Hierher kommen die Leute, wenn sie mich treffen wollen, hier erfahre ich alle Neuigkeiten und Nachrichten aus dem Dorf, hier bin ich Mensch. Was sollte ich mit Freizeit anfangen?&#8220; Unser Schneider war eben Schneider,\u00a0 was er als Mensch war, wurde bestimmte durch sein Schneider-Sein. Hier in seiner Werkstatt wirkte und werkte er, hier lebte er und vermutlich ist er auch hier &#8211; na ja, jedenfalls nicht weit davon entfernt &#8211; gestorben.<\/p>\n<p>Im alten Griechenland\u00a0 schrieb der T\u00f6pfer Exekias, dessen kunstvoll gefertigten und bemalten Vasen wir heute noch in den Museen bewundern, stolz auf seine Werke<\/p>\n<div style=\"text-align: center;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/teeweg.de\/graphik\/blog\/exekias-signatur.jpg\" border=\"2\" alt=\"Signatur des Exekias\" \/><\/div>\n<div style=\"text-align: center;\"><strong> <\/strong><strong>Exekias epoiese &#8211; Exekias hat es gemacht<\/strong><\/div>\n<div style=\"text-align: center;\"><strong><br \/>\n<\/strong><\/div>\n<div>Exekias war stolz auf das, was er in seinem Werk hervorgebracht hatte und zeichnete es mit seinem Namen. Eigentlich kennen wir ein solches Verhalten nur von einem K\u00fcnstler, aber Exekias war &#8211; jedenfalls nach griechischer Auffassung kein K\u00fcnstler, sondern ein &#8222;Techniker&#8220;, der mit seiner <em>texhne<\/em> &#8211; seiner Technik &#8211; Werke hervorbrachte als einfacher Hand-Werker. Er schreibt aber nichts von Werken oder Technik, er schreibt f\u00fcr das was er getan hat das Wort\u00a0 <em>epoiese<\/em>. Darin ist das Wort Poiesis &#8211; Poesie enthalten. Sein Arbeit ist f\u00fcr ihn Poesie!<\/div>\n<div>Das Wesen der Poesis war f\u00fcr die Griechen nicht, dass man poetische Gedichte schrieb, Poiesis war nicht auf den sch\u00f6pferischen Umgang mit dem Wort beschr\u00e4nkt. Es war der sch\u00f6pferische Vorgang \u00fcberhaupt, auch die Sch\u00f6pfung dessen, was der Techniker in seinem Werken hervorbrachte.<\/div>\n<div>Wie weit sind wir heute von dieser Auffassung von Arbeit entfernt! Ist unsere heutige &#8222;Arbeitswelt&#8220; nicht eher mit der Sklaverei der alten Griechen zu vergleichen, in der Unfreie unter Zwang ungeliebte Tatigkeiten lediglich gegen Brot und ein Bett, auf das sie ihr Haupt legen k\u00f6nnen verrichten? Wird nicht st\u00e4ndig die Peitsche der Sklaverei \u00fcber uns geschwunden, damit wir &#8211; freiwillig? &#8211; unserer Arbeit nachkommen?<\/div>\n<div>Aber vielleicht ist ja unser heutiger Begriff von Arbeit eher vom biblischen Denken gepr\u00e4gt. Als Gott Adam und Eva aus dem Paradies vertrieben hat, verfluchte er sie mit den Worten: &#8222;Im Schwei\u00dfe deines Angesichts sollst du dein Brot essen!&#8220;<\/div>\n<div>Und weil die Bibelstelle doch so sch\u00f6n ist soll sie hier im vollen Wortlaut der Buberschen \u00c3\u0153bersetzung die Worte Gottes an Adam (Adam\u00a0 = der aus dem Acker &#8211; Adamas) wiedergegeben werden:<\/div>\n<blockquote>\n<div>sei verflucht der Acker um deinetwillen,<br \/>\nin Beschwer sollst du von ihm essen alle Tage deines Lebens,<br \/>\nDorn und Stechstrauch l\u00e4\u00dft er dir schie\u00dfen,<br \/>\nSo iss das Kraut des Feldes!<br \/>\nIm Schwei\u00dfe deines Angesichtes magst du Brot essen,<br \/>\nbis du zu dem Acker kehrst,<br \/>\ndenn aus ihm bist du genommen,<br \/>\nDenn Staub bist du und zu Staub wirst du kehren.<\/div>\n<\/blockquote>\n<div>Bleibt nur noch die Frage, ob wir heutigen &#8222;freien B\u00fcrger&#8220; unsere Arbeit als sch\u00f6pferischen und poetischen Vorgang erleben wie die alten Griechen oder ob sie nicht eher eine moderne Form der Sklaverei ist? Liegt das an der Arbeit oder daran, wie wir unsere Arbeitswelt organisiert und strukturiert haben?<\/div>\n<div>\n<blockquote>\n<div style=\"font-size: 9pt;\">PS.: Mein Dank gilt Wikipedia, wo ich im <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Exekias\">Artikel \u00fcber Exekias<\/a> das Bild aus dem Louvre in Paris gefunden habe.<\/div>\n<\/blockquote>\n<\/div>\n<div class=\"thanks_button_div\" \n                  style=\"float: left; margin-left: 0px;\"><div id=\"thanksButtonDiv_68_1\" style=\"background-image:url(http:\/\/www.teeweg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/thanks-you-counter-button\/images\/thanks_large_blue.png); background-repeat:no-repeat; float: left; display: inline;\"\n                onmouseover=\"javascript:thankYouChangeButtonImage('thanksButtonDiv_68_1', true);\" \n                onmouseout=\"javascript:thankYouChangeButtonImage('thanksButtonDiv_68_1', false);\"\n                onclick=\"javascript:thankYouChangeButtonImage('thanksButtonDiv_68_1', false);\" >\n                <input type=\"button\" onclick=\"thankYouButtonClick(68, 'You left &ldquo;Thanks&rdquo; already for this post')\" value=\"Danke 0\"\n                  class=\"thanks_button thanks_large thanks_blue\"\n                  style=\"  font-family: Verdana, Arial, Sans-Serif; font-size: 14px; font-weight: normal;; color:#39b778;\"\n                  id=\"thanksButton_68_1\" title=\"Click to leave &ldquo;Thanks&rdquo; for this post\"\/>\n             <\/div><div id=\"ajax_loader_68_1\" style=\"display:inline;visibility: hidden;\"><img decoding=\"async\" alt=\"ajax loader\" src=\"http:\/\/www.teeweg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/thanks-you-counter-button\/images\/ajax-loader.gif\" \/><\/div><\/div><div id=\"wp_fb_like_button\" style=\"margin:5px 5px 5px 0;float:left;height:100px;\"><script src=\"http:\/\/connect.facebook.net\/en_US\/all.js#xfbml=1\"><\/script><fb:like href=\"https:\/\/www.teeweg.de\/blog\/das-jahr-des-ochsen\/\" send=\"false\" layout=\"standard\" width=\"450\" show_faces=\"false\" font=\"arial\" action=\"like\" colorscheme=\"light\"><\/fb:like><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 26. 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