{"id":63,"date":"2008-07-21T13:53:35","date_gmt":"2008-07-21T11:53:35","guid":{"rendered":"http:\/\/teeweg.de\/blog\/?p=63"},"modified":"2016-01-12T16:23:23","modified_gmt":"2016-01-12T15:23:23","slug":"demut-lehrer-und-schuler","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.teeweg.de\/blog\/demut-lehrer-und-schuler\/","title":{"rendered":"Demut &#8211; Lehrer und Sch\u00fcler"},"content":{"rendered":"<div class=\"post-content\">Auf meine \u00dcberlegungen gab es in dem anderen Blog eine Reaktion.  Habe ich da etwas anger\u00fchrt? Hier der Beitrag aus diesem Blog:<\/p>\n<blockquote><p>Lieber Herr Staufenbiel schrieb mir, dass er meinen Beitrag \u00fcber XY &#8211;  Sensei las und selbst eine Reflexion in Blog ver\u00f6ffentlichte. Er m\u00f6chte gerne wissen, ob ich dabei schlecht finde, dass er dar\u00fcber schrieb.<\/p>\n<p>Keineswegs. Warum sollte ich schlecht finden, wenn er eine andere Sichtweise hat, \u00fcber die Sch\u00fcler und Lehrer Beziehung? Ich danke f\u00fcr seinen Beitrag und dass er meine W\u00f6rter ernst nahm.<\/p>\n<p>Ich habe ein anderes Verst\u00e4ndnis von &#8222;Unterw\u00fcrfig und Demuth&#8220; als Herr Staufenbiel und m\u00f6chte mein Verst\u00e4ndnis nicht als absolut gelten lassen. St\u00e4rke oder Schw\u00e4che h\u00e4ngen nicht von der Form des Verhaltens und der Demonstration eigener Kr\u00e4fte ab, sondern von der Art, wie man mit Konflikte und eigenen Problemen umgeht. Der St\u00e4rkere ist der Gebende und der sich Zur\u00fccknehmende &#8211; in chinesischem verst\u00e4ndnis.<\/p>\n<p>Warum sollte man sich klein f\u00fchlen, nur weil der Lehrer einen vor anderen nieder macht? Warum ist mein Selbstewertgef\u00fchl von den Augen des Anderen abh\u00e4ngig? Warum bin ich pl\u00f6tzlich ein toller Sch\u00fcler, nur weil der Lehrer mich nun lobt? Warum muss ich denn ein guter Sch\u00fcler sein? Es ist absurd, das Selbstbild von anderen Menschen abh\u00e4ngig machen zu lassen. Von meinem Lehrer Michel und von N. Sensei lernte ich zu sich selbst zu stehen und selbst zu werden, indem sie mich blo\u00df stellten. Wenn ich wei\u00df, wer ich wirklich bin, muss ich doch nicht mehr k\u00fcmmern, was &#8222;unterw\u00fcrfig&#8220; und Machtspiele sind. Es ist &#8222;selbstverst\u00e4ndlich&#8220; bzw. &#8222;normal&#8220;, dass wir stets von anderen Menschen unterstellt werden, aber wissen m\u00fcssen, wer wir sind, oder? Was ist daran so schlimm? Warum sollte ich das Problem des anderen zu meinem machen? Diese Situationen haben mit der kulturellen Grenze nichst zu tun.<\/p>\n<p>Das Ego kann man nicht t\u00f6ten. Das Ego ist in einer Abh\u00e4ngigkeitsbeziehung zu uns selbst. Wie k\u00f6nnte ich denn \u00fcberhaupt das Ego t\u00f6ten, um mich selbst zu werden? Ego w\u00fcrde mein Leben nicht erschweren, sondern der Umgang mit dem Ego. Folge ich nun meinem Ego oder warte ich es einfach ab? Gute Dinge k\u00f6nnten manchmal schlecht werden, schlechte Dinge k\u00f6nnten zum Guten wenden. Je nach dem&#8230; was ist denn da so absolut?<\/p>\n<p>Ich bin gerne Teesch\u00fcler, vielleicht weil ich feige bin. Teesch\u00fcler zu sein ist einfacher als andere Menschen zu unterweisen, denn ich das Leben des anderen nicht einmischen muss und die Projektion des Unterwiesenen nicht ertragen muss. Wer will denn schon mit Probleme des anderen auseinandersetzen, wenn man von Herzen diese Person nicht ernst nimmt und liebt? Liebe hat keine Form und ist manchmal schwer zu verstehen. Zu mindest erlebe ich es bei strengen Lehrern. Manchmal ist die Hilfe ein Schlag oder Beschimpfung &#8211; ganz anders als liebe W\u00f6rter und K\u00fcsse, je nach der Situation. Andererseits, wer will denn schon geschlagen werden? Das Ego sucht den widerstandslosen Weg. Vielleicht ist mein Verst\u00c3\u00a4ndnis sehr chinesisch gepr\u00e4gt und es ist mein Verst\u00e4ndnis.<\/p>\n<p>M-L Ch.<\/p><\/blockquote>\n<p class=\"MsoNormal\">Liebe M-L,<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><!--[if !supportEmptyParas]--><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">eigentlich hatte ich in meinem Blog keine Namen genannt, erstens um niemanden pers\u00f6nlich zu verletzen zweitens, weil ich im \u00f6ffentlichen Raum des Internets keine privaten und pers\u00f6nlichen Dinge besprechen mag und drittens, meine \u00dcberlegungen nicht auf bestimmte Personen bezogen hatte, sondern als allgemeines Problem des Lehrer &#8211; Sch\u00fcler Verh\u00e4ltnisses verstanden habe. Pers\u00f6nliches geh\u00f6rt meiner Meinung nach nicht in die \u00d6ffentlichkeit, sondern sollte, wie in diesem Fall, zwischen Lehrer und Sch\u00fcler in einem privaten Gespr\u00e4ch gekl\u00e4rt werden. Deshalb hatte ich auch, nur f\u00fcr Sie selbst, nicht aber f\u00fcr Andere zug\u00e4nglich, in einer mail mitgeteilt, dass ich mit einigen Gedanken auf ihren Blog reagiert hatte.<br \/>\nIhre pers\u00f6nlichen Erfahrungen waren bei mir nur der &#8222;Ausl\u00f6ser&#8220;\u00a0 f\u00fcr allgemeine philosophische Gedanken, deshalb hatte ich weder Sie noch andere namentlich genannt.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span>Es br\u00e4uchte sicher viele Stunden eines pers\u00e4nlichen Gespr\u00e4ches in guter Atmosph\u00e4re, um alle die Fragen, die in Ihrem Beitrag aufgeworfen sind zu diskutieren, aber ein klein wenig will ich versuchen, meine Sicht zu erkl\u00e4ren. Wohlgemerkt, es ist meine Sicht, die ich niemanden aufzwingen m\u00f6chte..<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><!--[if !supportEmptyParas]--><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Als erstes m\u00f6chte ich betonen, dass ich in meinem Beitrag geschrieben habe: &#8222;praktizieren wir diese Erfahrung\u00a0  in echter Demut, die aus dem Herzen kommt, aber die nicht erzwungen wurde&#8220;.  Die &#8222;echte Demut&#8220; fehlt mir gar zu oft in unserer Kultur. Unsere Kultur wir leider mehr und mehr gepr\u00e4gt von R\u00fccksichtslosigkeit und Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung. Aber ich erlebe es als Abendl\u00e4nder sehr oft, dass nach meinem Geschmack so etwas wie Demut in Ostasien oft erzwungen wird. Wir haben\u00a0 gerade in Deutschland\u00a0 keine guten Erfahrungen mit so etwas gemacht. Sicher wird auch die erzwungene Demut vielleicht nach einiger Zeit zu einer echten Demut, aber als Abendl\u00e4nder sehe ich da doch eine ziemliche Problematik. Eigentlich h\u00e4tte ich noch hinzuf\u00fcgen sollen, dass zu einer echten Demut auch eine echte Dankbarkeit geh\u00f6rt. Vielleicht ist beides \u00fcberhaupt nicht voneinander zu trennen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><!--[if !supportEmptyParas]--><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Mit der Situation, die wir in echter Demut erleben sollten,  habe ich die Situation gemeint, wo in einem echten Gef\u00fchl des EINS &#8211; Werdens der Unterschied zwischen Lehrer und Sch\u00fcler verschwindet. Im Denken Ihres Volkes hei\u00dft das dann wohl &#8222;MU HIN SH\u00db&#8220;\u00a0 (wenn ich es in Japanischer Aussprache wiedergeben darf), was wir im Teeweg mit &#8222;Kein Gast &#8211;\u00a0 Kein Gastgeber&#8220; zu \u00fcbersetzen pflegen, obwohl das vielleicht nicht ganz richtig ist. Der <em>Hin<\/em> oder <em>Kin<\/em> ist schon der Gast, aber der <em>Sh\u00fb<\/em> ist eigentlich derjenige, der sagt, was zu tun ist. Dann ist der <em>Hin<\/em> derjenige, der dem nachfolgt, was der <em>Hin<\/em> vorgibt.  Im Teeweg ist der <em>Sh\u00fb<\/em> der Gastgeber oder\u00a0 eben der Lehrer. Im Daodejing handelt es sich bei dem Wortpaar wohl um das Verh\u00e4ltnis der Soldaten, die sich in einem fremden, vielleicht besetzten  Land aufhalten, weder als Herren noch als G\u00e4ste. Sie sollen so sein, wie alle Anderen des Landes auch. Eben nicht als Befehlsgeber in einem fremden Land, aber auch nicht wie G\u00e4ste, die eigentlich nicht dazugeh\u00f6ren. In der Unterrichtssituation ist der Sensei so etwas wie der Sh\u00fb, der &#8222;Herr&#8220;. Hegel hat einmal geschrieben, dass der Herr eigentlich zu bedauern ist, weil er in einer dialektischen Abh\u00e4ngigkeit zum Diener steht: ohne Diener kann er kein Herr sein. Aber auch der Diener steht im dialektischen Verh\u00e4ltnis zum Herrn. Denken wir an den Leporello, der ganz zu Beginn der Oper Don Giovanni schimpft, dass er es satt hat, ewig Diener zu sein und dass er endlich selber Herr sein m\u00f6chte. Aber am Ende der Oper, als sein Herr verschwunden ist, geht er ins Wirtshaus, um sich einen neuen Herrn zu suchen. Er IST eben Diener und bleibt Diener. Es ist seine Rolle, die er zu spielen hat und aus der er nicht heraus kann.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Im Tee k\u00f6nnen wir &#8211; nicht immer und nicht jedes Mal &#8211;\u00a0 erleben, wie der Unterschied zwischen Gast und Gastgeber verschwindet, beide werden EINS. Genau diese Situation kann auch in einem guten Unterricht geschehen. Pl\u00f6tzlich <strong>lebt <\/strong>der &#8222;Sch\u00fcler&#8220; den Tee, vollkommen selbstvergessen tut er JETZT DIES, JETZT DIES.\u00a0 Schritt f\u00fcr Schritt. Es gibt kein EGO mehr und der Unterschied zwischen Lehrer und Sch\u00fcler ist verschwunden.  Dann muss der &#8222;Lehrer&#8220; den Sch\u00fcler auch nicht loben oder tadeln. Der hat in eigener Erfahrung erlebt, dass er auf dem WEG ist. Mein Lob f\u00fcr den Sch\u00fcler hei\u00dft: &#8222;Hm, geht so!&#8220;.\u00a0 Das hei\u00dft, dass es so wie es war &#8222;geht&#8220;. Wenn wir loben oder tadeln, bringen wir den Sch\u00fcler in ein Abh\u00e4ngigkeitsverh\u00e4ltnis. Er braucht dann den Lehrer, der ihn tadelt und der Lehrer braucht den Sch\u00fcler, damit er jemanden zum Tadeln hat.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Das Erlebnis des Eins &#8211; Werdens ist sicher nicht die normale und allt\u00e4gliche Erfahrung des Unterrichtes f\u00fcr den Anf\u00e4nger. Und dennoch:<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Ich hatte einen sehr strengen Lehrer, Kawasaki Gyotei, der im Unterricht absolut unnahbar und streng war, mit dem mich aber im allt\u00e4glichen Umgang eine echte Freundschaft verbunden hat. Im Alltag konnte er ausgelassen fast bis hin zur Kindlichkeit  sein. Obwohl &#8211; oder vielleicht gerade weil\u00a0 Kawasaki so streng war, habe ich schon ganz bald als Anf\u00e4nger im Unterricht ein gro\u00dfes Gl\u00fccksgef\u00fchl empfunden, als mir das Falten des Fukusa gelungen war. Ich habe mich selbst v\u00f6llig im einfachen Falten dieses Tuches vergessen und Kawasaki war in diesem Augenblick auch nicht mehr als dieser strenge Lehrer mir gegen\u00fcber vorhanden. Es gab \u00fcberhaupt kein Gegen\u00fcber mehr, weil es auch mich selbst nicht mehr gab. Ich war ganz und gar Fukusa &#8211; Falten. Das war nicht immer so. Selbstverst\u00e4ndlich gab es Zeiten, in denen ich gedacht habe, wieso ich mir dies antue: die Beine schmerzen, der Tee ist bitter und ich hatte schon wieder vergessen, wie es weiter ging.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Dann war die Strenge von Kawasaki eine absolut gro\u00dfe und wichtige Hilfe, weiter zu machen. Ich bin ihm sehr f\u00fcr seine Strenge dankbar. Er hat auch nie vor Anderen Sch\u00fcler \u00fcber die Anderen gesprochen. Und er hat mich und die Anderen niemals gedem\u00fctigt, schon gar nicht vor Anderen. Seine Strenge war wie ein Rahmen der Sicherheit, der es mir erm\u00f6glicht hat, ganz in die Tenmae aufzugehen. Sein &#8222;ah!&#8220; oder &#8222;hm!&#8220; hat gen\u00fcgt, um mich wieder zur\u00fcckzuf\u00fchren, wenn ich in der Gefahr war, mich zu verlieren oder zu verlaufen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Wenn ich geschrieben habe, &#8222;h\u00f6ren wir auf, ewige Sch\u00fcler zu sein. Begeben wir uns nicht in eine solche Unterrichtssituation, die uns in steter Abh\u00e4ngigkeit h\u00e4lt. Beginnen wir, wirklichen Tee zu machen&#8220;, dann habe ich damit genau die Situation gemeint, in der Gast und Gastgeber, Lehrer und Sch\u00fcler verschwinden. Das hei\u00dft nicht, dass nun alle aufh\u00f6ren sollen, Teesch\u00fcler zu sein um selber Lehrer zu werden.  Wir sollen lediglich nicht ewige Leporellos bleiben, die komische Listen f\u00fchren, in denen Sie abhaken, welche Tenmae sie gelernt haben und die sich \u00fcber die Misshandlungen ihres Herrn \u00e4rgern. Lassen wir die ungeheure Erfahrung des MU HIN SHU zu und vergessen wir uns selbst, den Lehrer und die Unterrichtsituation.<br \/>\nWenigstens Augenblicksweise.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Dann sind wir ganz und gar bei uns selbst, weil wir uns selbst v\u00f6llig vergessen haben, indem wir ganz bei den Dingen sind.<br \/>\nDanken wir unseren strengen Lehrern daf\u00fcr, dass sie uns zu solchen Erfahrungen f\u00fchren!<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Danken wir in echter Demut daf\u00fcr, dass es den TEE\u00a0 &#8211; WEG gibt.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"thanks_button_div\" \n                  style=\"float: left; margin-left: 0px;\"><div id=\"thanksButtonDiv_63_1\" style=\"background-image:url(http:\/\/www.teeweg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/thanks-you-counter-button\/images\/thanks_large_blue.png); background-repeat:no-repeat; float: left; display: inline;\"\n                onmouseover=\"javascript:thankYouChangeButtonImage('thanksButtonDiv_63_1', true);\" \n                onmouseout=\"javascript:thankYouChangeButtonImage('thanksButtonDiv_63_1', false);\"\n                onclick=\"javascript:thankYouChangeButtonImage('thanksButtonDiv_63_1', false);\" >\n                <input type=\"button\" onclick=\"thankYouButtonClick(63, 'You left &ldquo;Thanks&rdquo; already for this post')\" value=\"Danke 0\"\n                  class=\"thanks_button thanks_large thanks_blue\"\n                  style=\"  font-family: Verdana, Arial, Sans-Serif; font-size: 14px; font-weight: normal;; color:#39b778;\"\n                  id=\"thanksButton_63_1\" title=\"Click to leave &ldquo;Thanks&rdquo; for this post\"\/>\n             <\/div><div id=\"ajax_loader_63_1\" style=\"display:inline;visibility: hidden;\"><img decoding=\"async\" alt=\"ajax loader\" src=\"http:\/\/www.teeweg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/thanks-you-counter-button\/images\/ajax-loader.gif\" \/><\/div><\/div><div id=\"wp_fb_like_button\" style=\"margin:5px 5px 5px 0;float:left;height:100px;\"><script src=\"http:\/\/connect.facebook.net\/en_US\/all.js#xfbml=1\"><\/script><fb:like href=\"https:\/\/www.teeweg.de\/blog\/demut-lehrer-und-schuler\/\" send=\"false\" layout=\"standard\" width=\"450\" show_faces=\"false\" font=\"arial\" action=\"like\" colorscheme=\"light\"><\/fb:like><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf meine \u00dcberlegungen gab es in dem anderen Blog eine Reaktion. 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