{"id":4243,"date":"2018-08-09T09:03:00","date_gmt":"2018-08-09T08:03:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.teeweg.de\/blog\/?p=4243"},"modified":"2018-08-09T11:12:40","modified_gmt":"2018-08-09T10:12:40","slug":"zenmeister-dogen-das-drehen-der-blume","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.teeweg.de\/blog\/zenmeister-dogen-das-drehen-der-blume\/","title":{"rendered":"Zenmeister Dogen: Das Drehen der Blume"},"content":{"rendered":"<p><strong>Zenmeister D&#333;gen: Das Drehen der Blume<\/strong><\/p>\n<p>Zenmeister D&#333;gen Zenji (1200 &#8211; 1253) ist vielleicht einer der gr\u00f6\u00dften Denker der Menschheit.<br \/>\nSein Nachteil ist, dass er nicht im alten Griechenland, dem Heimatland der Philosophie gelebt hat, sondern im mittelalterlichen Japan in einer vergleichsweise friedlichen Zeit. Er hat seine Werke in der altjapanischen Sprache verfasst, die auch in Japan nur mit Schwierigkeiten verstanden wird. Au\u00dferdem schreibt Meister D&#333;gen aus und f\u00fcr die Erfahrung des Zen. Dennoch sind seine Gedanken \u00fcberraschend modern und zeitlos und k\u00f6nnen uns auf unseren Wegen in ein meditatives Leben bereichern. <\/p>\n<p>Sein Hauptwerk tr\u00e4gt den Titel <em>Sh&#333;b&#333;genz&#333; &#8211; Schatzkammer des wahren Dharma-Auges.<\/em><br \/>\nIn dem Kapitel <em>Udonge<\/em> &#8211; Die Udumbara Bl\u00fcte<em> &#8211; <\/em>erz\u00e4hlt er die Geschichte von der Weitergabe der Lehre durch Gautama Buddha, der eine Bl\u00fcte hochh\u00e4lt und dreht. Bei dieser Gelegenheit spricht Gautama das Wort <em>Sh&#333;b&#333;genz&#333; &#8211; Schatzkammer des wahren Dharma-Auges.<\/em><br \/>\nDogen nennt die Bl\u00fcte \u512a\u66c7\u83ef<em>Udonge<\/em>, im Sanskrit hei\u00dft sie <em>Udumbara<\/em>.<br \/>\nIn Indien dachten die Menschen, dass die Udumbara Bl\u00fcte nur etwa alle 3000 Jahre erscheint und meistens von den Menschen unerkannt bl\u00fcht. Deshalb scheint es so, dass in unserem Weltalter niemals mehr die Udumbara Bl\u00fcte erscheinen wird, aber das ist keineswegs so. Sie erscheint in jedem Augenblick, den wir achtsam erleben.<\/p>\n<p>Die <em>Udumbaru<\/em> ist eine indische Feige, die <em>Ficus racemosa<\/em>. Es ist eine Besonderheit der Feigenb\u00e4ume, dass die Bl\u00fcte im Inneren der Frucht gesch\u00fctzt bl\u00fcht, sodass man sie von au\u00dfen nicht sehen kann. Mehrere Bl\u00fcten erscheinen gleichzeitig und bilden innerhalb der Fruchtknospe das Fruchtfleisch aus. Richtet man den Blick nur nach Au\u00dfen, so kann man die Bl\u00fcte der Udumbaru niemals sehen. Man muss nach innen schauen, um sie zu erkennen. Dann aber erkennt man, dass sie eigentlich \u00fcberhaupt nicht selten ist, sondern das in jedem Fruchtk\u00f6rper der Feige Dutzende Bl\u00fcten verborgen sind. Wir m\u00fcssen nur unsere gew\u00f6hnlichen Augen schlie\u00dfen und mit dem \u201awahren Dhama-Auge\u2018 schauen.<br \/>\nDie \u00dcbergabe der Lehre beschreibt D&#333;gen in der freien Wiedergabe eines alten Sutra: <\/p>\n<blockquote><p>\u00bbVor einer Versammlung von tausenden Anwesenden auf dem Geiergipfel hielt der Tathagata (der Weltgeehrte Gautama Buddha) eine Udumbara-Bl\u00fcte empor, drehte sie wortlos in seinen Fingern und machte mit seinen Augen ein Zeichen. In diesem Augenblick erschien ein L\u00e4cheln<br \/>\nauf Mahakasyapas Gesicht und der Weltgeehrte sprach:<br \/>\n\u00bbIch habe die \u201aSchatzkammer des wahren Dharma-Auges\u2018 (Sh&#333;b&#333;genz&#333;) und den wunderbaren Geist des Nirvana. Ich \u00fcbertrage sie an Mahakasyapa.\u00ab<\/p><\/blockquote>\n<p>Buddha dreht die Bl\u00fcte in den Fingern, so wie er das Rad der Lehre dreht. Er dreht die Bl\u00fcte, so wie man sich auf dem Weg \u00fcbt, das hei\u00dft, unterwegs ist auf dem Weg zu sich selbst. Wenn die Udumbara Bl\u00fcte nur die Knospe einer Feige ist, so ist die eigentliche Bl\u00fcte im Inneren verborgen. Kein Wunder, dass niemand, der nur auf das \u00c4u\u00dfere schaut, die Geste Buddhas versteht. Warum dreht er eine Feigenknospe in den Fingern? Hat er nicht auch unter einem Feigenbaum gesessen, als er \u201aerwacht\u2018 ist?<br \/>\nWer seine \u201abisherigen Augen verliert\u2018, dem \u00f6ffnet sich ein neuer Blick auf die Welt und die Wirklichkeit. Sein gew\u00f6hnliches Auge, das nur Gew\u00f6hnliches sieht, wird zum wahren Dharma &#8211; Auge und es erblickt den Kern des Geheimnisses. <\/p>\n<blockquote><p>\u00bbDas Drehen der Blume bedeutet, dass die Blume die Blume dreht, und zwar als Pflaumenbl\u00fcte, als die Bl\u00fcten und Blumen im Fr\u00fchling, als die Bl\u00fcten im Schnee, als die Lotosbl\u00fcten.\u00ab<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Blume dreht die Blume? Es ist da niemand mehr, der sie dreht, niemand macht etwas. Sie dreht sich ganz von selbst. Eigentlich ist das Drehen der Blume die gesamte Wirklichkeit, die jetzt mit einem erwachten Blick wahrgenommen wird.<\/p>\n<blockquote><p>\u00bbLetztlich ist das Drehen der Udumbara &#8211; Bl\u00fcte nichts anderes, als die Berge, Fl\u00fcsse und die Erde, die Sonne und der Mond, der Wind und der Regen, die Menschen, die Tiere, die Gr\u00e4ser, die B\u00e4ume und die mannigfaltigen Dinge, die sich jetzt und hier offenbaren. Leben und Sterben, Kommen und Gehen sind so vielf\u00e4ltig und strahlend klar wie die Blume.\u00ab<\/p><\/blockquote>\n<p>So ist Dharma, japanisch gesprochen H&#333; &#8211; zwar die Lehre Buddhas und das Buddha-Gesetz, nach dem Alles Leiden ist und es ein Erwachen aus dem Leiden gibt. Aber Buddhas Lehre ist nicht ausgedacht, sie sagt nichts anderes, als die Wirklichkeit der Welt<br \/>\ninsgesamt. Dharma sind dann einfach die \u201azehntausend Dinge\u2018 in ihrer Gesamtheit &#8211; Berge und Fl\u00fcsse, G\u00f6tter und Menschen, Tod und Verg\u00e4nglichkeit, leidende Wesen und Freiheit vom Leiden.<\/p>\n<p>Wenn wir in der Lage sind, die scheinbar gew\u00f6hnlichen Dinge des Alltags mit wachen Augen wahrzunehmen, dann geschieht eine Verwandlung &#8211; mit der Welt, den Dingen und uns selbst.<br \/>\nDann ist das Gewohnte nicht mehr das Gew\u00f6hnliche, sondern das erstaunlich Geheimnisvolle, das immer und \u00fcberall geschieht und das wir frei von Stress und Angst ganz einfach nur mit unserem Herzen wahrnehmen. <\/p>\n<p>Die \u00dcbergabe der wahren Schatzkammer des Dharma-Auges geschieht nicht nur einmalig, in dem Augenblick, als Gautama Buddha die Bl\u00fcte auf dem Geierberg in den Fingern dreht. D&#333;gen mahnt denn auch:<\/p>\n<blockquote><p>\u00bbVergesst das Drehen der<br \/>\nBlume des Tathagata auf dem Geierberg!\u00ab<\/p><\/blockquote>\n<p>Es kommt nicht darauf an, einen vielleicht einmal in einem historischen Augenblick geschehenen Vorgang zu wissen und zu verehren. Jeden Augenblick, in dem ein Buddha die Blume dreht, ist der Augenblick der \u00dcbertragung,  JETZT im Augenblick.<br \/>\nK\u00f6nnen nur Buddhas die Blume drehen? Aber vielleicht ist jeder, der achtsam die Welt wahrnimmt, ein Buddha?!<br \/>\nJeder, der sich bem\u00fcht und auf dem Weg \u00fcbt, ist ein \u00fcbender Buddha &#8211; so sagt Meister D&#333;gen.<br \/>\nEin Anf\u00e4nger auf dem Weg kann vielleicht noch nicht so lange sitzen wie jemand, der viel Erfahrungen mitbringt und er plagt sich mit Schmerzen. Aber er ist &#8211; in dem Augenblick, in dem er \u00fcbt &#8211; ein \u00fcbender Buddha, der die Bl\u00fcte dreht und die Lehre weitergibt.<br \/>\nImmer und immer wieder!<\/p>\n<p>K\u00fcrzlich hatte ich Besuch von einem jungen Mann, der Zuflucht vor seinem stressigen Beruf suchte. Ich zeigt ihm, wie man atmet und bat ihn, ganz einfach nur auf dem Stuhl zu sitzen, ins Tal zu blicken und absichtslos den Schmetterlingen auf der Wiese zuzuschauen. Nach einer halben Stunde wachte er wie aus einer Trance auf: \u00bbEs ist ganz unglaublich, wie einfach das ist!\u00ab Ja, es ist einfach. Wir m\u00fcssen nur f\u00fcr einen Augenblick zur\u00fccktreten und die Welt ohne Termindruck oder ohne gehetztes Machen-M\u00fcssen betrachten. Dann erscheint das Drehen der Blume, &#8217;so wie die Schmetterlinge im Fr\u00fchling tanzen&#8216;. Immer wieder neu!<\/p>\n<p>Wir wollen wieder einmal die Blume drehen und uns mit der Schrift Sh&#333;b&#333;genz&#333; befassen.<br \/>\nDazu gibt es am Benediktushof ein Seminar: <em>Shinjin  gaku D&#333; &#8211; Den Weg mit Leib und Geist lernen<\/em>.<br \/>\nDazu werden wir nicht nur Texte von Meister D&#333;gen lesen und gemeinsam interpretieren, sondern auch verschiedene \u00dcbungsformen von der Zen &#8211; Meditation \u00fcber Teezeremonie bis hin zur Zen &#8211; Shakuhachi leibhaftig erfahren.<br \/>\nVorkenntnisse sind nicht erforderlich, lediglich die Bereitschaft, sich auf die gemeinsame Erfahrung einzulassen<\/p>\n<p style=\"text-align:justify\">Ort: Benediktushof<\/p>\n<p style=\"text-align:justify\">Beginn:    Freitag, 17.08.2018, um 18:00 Uhr<\/p>\n<p style=\"text-align:justify\">Ende:       Sonntag, 19.08.2018, um 13:00 Uhr<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.benediktushof-holzkirchen.de\/kursprogramm\/gesamtuebersicht-2018.html?detail=MThTQjA1\">Kursprogramm Benediktushof<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align:justify\"> Anmeldung am Benediktushof<\/p>\n<p><strong>Unterricht im Teeweg und Zen-Shakuhachi und Zen &#8211; Meditation<\/strong><br \/>\nauch im August wie \u00fcblich nach individueller Vereinbarung.<br \/>\nIm September bin ich f\u00fcr zwei Wochen in Griechenland. An meinem Buch \u00fcber das Daodejing des Laotse weiterarbeiten, Shakuhachi in einer alten byzantinischen Kirche aufnehmen und &#8211; last not least &#8211; im Meer schwimmen gehen.<br \/>\nBei Bedarf werde ich in dem kleinen Dorf im n\u00e4chsten Fr\u00fchjahr ein Seminar mit Shakuhachi Unterricht und Zen &#8211; Meditation organisieren. Anfragen sind schon jetzt m\u00f6glich.<\/p>\n<div class=\"thanks_button_div\" \n                  style=\"float: left; margin-left: 0px;\"><div id=\"thanksButtonDiv_4243_1\" style=\"background-image:url(http:\/\/www.teeweg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/thanks-you-counter-button\/images\/thanks_large_blue.png); background-repeat:no-repeat; float: left; display: inline;\"\n                onmouseover=\"javascript:thankYouChangeButtonImage('thanksButtonDiv_4243_1', true);\" \n                onmouseout=\"javascript:thankYouChangeButtonImage('thanksButtonDiv_4243_1', false);\"\n                onclick=\"javascript:thankYouChangeButtonImage('thanksButtonDiv_4243_1', false);\" >\n                <input type=\"button\" onclick=\"thankYouButtonClick(4243, 'You left &ldquo;Thanks&rdquo; already for this post')\" value=\"Danke 93\"\n                  class=\"thanks_button thanks_large thanks_blue\"\n                  style=\"  font-family: Verdana, Arial, Sans-Serif; font-size: 14px; font-weight: normal;; color:#39b778;\"\n                  id=\"thanksButton_4243_1\" title=\"Click to leave &ldquo;Thanks&rdquo; for this post\"\/>\n             <\/div><div id=\"ajax_loader_4243_1\" style=\"display:inline;visibility: hidden;\"><img decoding=\"async\" alt=\"ajax loader\" src=\"http:\/\/www.teeweg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/thanks-you-counter-button\/images\/ajax-loader.gif\" \/><\/div><\/div><div id=\"wp_fb_like_button\" style=\"margin:5px 5px 5px 0;float:left;height:100px;\"><script src=\"http:\/\/connect.facebook.net\/en_US\/all.js#xfbml=1\"><\/script><fb:like href=\"https:\/\/www.teeweg.de\/blog\/zenmeister-dogen-das-drehen-der-blume\/\" send=\"false\" layout=\"standard\" width=\"450\" show_faces=\"false\" font=\"arial\" action=\"like\" colorscheme=\"light\"><\/fb:like><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zenmeister D&#333;gen: Das Drehen der Blume Zenmeister D&#333;gen Zenji (1200 &#8211; 1253) ist vielleicht einer der gr\u00f6\u00dften Denker der Menschheit. 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