{"id":4199,"date":"2011-08-03T06:33:57","date_gmt":"2011-08-03T05:33:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.teeweg.de\/blog\/?p=4199"},"modified":"2018-08-03T07:13:48","modified_gmt":"2018-08-03T06:13:48","slug":"ki-sa-ko-trink-tee-dann-geh","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.teeweg.de\/blog\/ki-sa-ko-trink-tee-dann-geh\/","title":{"rendered":"KI SA KO &#8211; Trink Tee dann geh"},"content":{"rendered":"<p>In der Zeitschrift Effilee ist 2011 ein Beitrag \u00fcber den Teeweg in Deutschland erschienen.<br \/>\nDer gesamte Artikel ist <a href=\"https:\/\/www.effilee.de\/komm-trink-tee-und-geh\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">hier online<\/a> zu finden.<br \/>\nDer <a href=\"http:\/\/www.teeweg.de\/de\/tee\/kisako-effilee.pdf\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Originalartikel<\/a> als PDF hier.<br \/>\nDer Ausschnitt \u00fcber das Myoshinan hier:<\/p>\n<p>In Igensdorf bei N\u00fcrnberg, einem beschaulichen D\u00f6rfchen am Rande der Fr\u00e4nkischen Schweiz und der Fr\u00e4nkischen Alb, hat sich Gerhardt Staufenbiel eine Tee-Oase geschaffen. Seit sechs Jahren wohnt er in einem kleinen Haus am Hang \u00fcber dem Dorf. Durch ein japanisches Holztor gelangt der Gast in einen japanischen Teegarten, den Staufenbiel selbst angelegt hat. Es gibt Blumen, Gr\u00e4ser und Str\u00e4ucher, die zum Chado passen, einen japanischen Brunnen und ein Wasserbecken, an dem Gastgeber und G\u00e4ste sich vor dem Teetreffen H\u00e4nde und Mund waschen. Staufenbiel hat sogar ein traditionelles Warteh\u00e4uschen f\u00fcr die G\u00e4ste gebaut, einen schlichten, \u00e4rmlich wirkenden Unterstand mit Bank. Halb unter einem Strauch verdeckt sitzt eine kleine, steinerne Buddha-Figur, auf der Terrasse l\u00e4utet leise ein furin, eine japanische Windglocke.<\/p>\n<p>Vom Garten reicht der Blick weit \u00fcber die h\u00fcgelige Landschaft, bis nach N\u00fcrnberg und Erlangen. \u00bbIm Winter, wenn aus den T\u00e4lern der Nebel aufsteigt, sieht die Landschaft aus wie auf einem japanischen Tuschebild\u00ab, sagt Staufenbiel. Er ist ein kleiner, vollschlanker Mann, der fast so heiter in sich zu ruhen scheint wie die Buddha-Figur unter dem Busch. Er tr\u00e4gt einen samue, die Arbeitskleidung eines Zen-M\u00f6nchs, bestehend aus blauer Jacke und Hose, deren Schnitt ein wenig an einen Karate-Anzug erinnert. Die japanische Kleidung wirkt an dem Deutschen vollkommen nat\u00fcrlich. Auch bei Besorgungen unten im Dorf tr\u00e4gt er sie, die Bewohner von Igensdorf haben sich l\u00e4ngst daran gew\u00f6hnt.<\/p>\n<p>Studiert hat Staufenbiel Physik, Philosophie und Altphilologie. Weil er in der europ\u00e4ischen Philosophie nicht die Antworten fand, die er suchte, wandte er sich nach Ostasien. Als 1972 zur Olympiade in M\u00fcnchen ein Teehaus er\u00f6ffnet wurde, gestiftet von der japanischen Teeschule Urasenke, besuchte er dort eine Teevorf\u00fchrung und war auf Anhieb fasziniert. Er nahm Unterricht und wurde schlie\u00dflich selbst Teelehrer und Pr\u00e4sident des M\u00fcnchner Teehauses.<\/p>\n<p>Seit sechs Jahren ist er pensioniert, nun widmet er sich ganz dem Tee, gibt Unterricht in N\u00fcrnberg und Igensdorf und organisiert verschiedene Veranstaltungen, die nicht nur den Tee betreffen. Er gibt japanische Kochkurse, philosophische Seminare und hat ein Buch mit Nacherz\u00e4hlungen japanischer M\u00e4rchen und G\u00f6ttersagen geschrieben. \u00bbWeil ich die M\u00e4rchen gerne den Menschen meiner Umgebung n\u00e4herbringen wollte, haben wir hier in unserer Dorfgastwirtschaft einen Abend veranstaltet, an dem sie auf Fr\u00e4nkisch vorgelesen wurden. Ich war mir nicht sicher, ob das funktioniert, aber als die Leute die M\u00e4rchen in ihrer Mundart h\u00f6rten, haben sie tats\u00e4chlich ganz gespannt zugeh\u00f6rt, obwohl manches doch sehr fremd ist.\u00ab Staufenbiel schmunzelt. \u00bbZum Beispiel, wie der Donnergott einer B\u00e4uerin beim Waschen unter die R\u00f6cke schaut und dann aus den Wolken in den Dorfbrunnen f\u00e4llt. Obwohl er ein Gott ist, wird er sehr ironisch dargestellt.\u00ab<br \/>\nTrenner<\/p>\n<p>\u00fcberall in Staufenbiels Haus finden sich japanische Gegenst\u00e4nde: blaue Stoffabtrenner in der K\u00fcche, japanisches Teegeschirr, Rollbilder mit Kalligrafie und Tuschzeichnungen. Ein Bereich des Hauses ist ganz klassisch japanisch eingerichtet, dort hat Staufenbiel aus Holz, Bambus und Tatamimatten alles selbst gebaut.<\/p>\n<p>Im ersten, gr\u00f6\u00dferen Raum stehen zwei Teegestelle mit antikem Teegeschirr. Von einem Regalbrett l\u00e4chelt eine kleine Buddha-Figur herunter. \u00bbDas ist ein Buddha der Zukunft. Er steht f\u00fcr den Buddha, der in jedem von uns steckt, denn wir alle haben die Anlagen, ein Buddha zu werden. Die Statue ist nicht ganz so alt, wie sie aussieht\u00ab, f\u00fcgt er grinsend hinzu. \u00bbAls ich sie gekauft habe, gl\u00e4nzte sie mir zu neu. Also habe ich mit dem Bunsenbrenner nachgeholfen, damit sie eine Patina bekommt.\u00ab<\/p>\n<p>Obwohl sich \u00fcberall in seinem Haus buddhistische Gegenst\u00e4nde finden, bezeichnet sich Staufenbiel nicht als Buddhist. \u00bbIch habe keine Konfession. Ich bin weder Buddhist noch Christ, ich bin einfach ich.\u00ab Auf einem Rollbild in einer Nische steht in japanischen Kanji-Schriftzeichen kissako: \u00bb\u203aKomm, trink Tee und geh.\u2039 Das ist ein Grundprinzip des Chado. Jeder ist willkommen, die T\u00fcr des Teehauses steht immer offen, egal, wer anklopft\u00ab, erkl\u00e4rt Staufenbiel.<\/p>\n<p>Der eigentliche Teeraum ist ein kleines, niedriges Zimmer, das nur zwei Tatamimatten und ein Holzbrett misst. Staufenbiel beginnt den Tee unterricht ganz anders als Sasaki-Stange. Er zeigt mir, wie ich richtig sitze, und erkl\u00e4rt, dass s\u00e4mtliche Bewegungen bei der Teebereitung, \u00e4hnlich wie beim Qi Gong oder Taiji, nicht grundlos einer vorgegebenen Form entsprechen, sondern bei korrekter Ausf\u00fchrung eine gesundheitsf\u00f6rdernde Wirkung haben. \u00bbSitzt man zum Beispiel im Fersensitz, mit geradem R\u00fccken, das Becken ein wenig nach vorne geschoben, und f\u00fchrt die richtige Atemtechnik aus, wird das Ilio-Sakralgelenk gedehnt. Das beugt R\u00fcckenproblemen vor.\u00ab<\/p>\n<p>Staufenbiel hinterfragt den Chado und sucht Erkl\u00e4rungen f\u00fcr die jahrhundertealten Praktiken. Er forscht in alten japanischen Texten, um den Urspr\u00fcngen der Zeremonie, der Herkunft der Teemeister und den Traditionslinien auf den Grund zu gehen, die nach Korea und China zur\u00fcckf\u00fchren. Gemeinsam mit einem amerikanischen Freund hat er eine Form der Teebereitung rekonstruiert, die \u00e4lter ist als das in der Nachfolge Sen no Rikyus festgehaltene Ritual.<\/p>\n<p>Er lehrt die Teebereitung im Stil der Urasenke-Schule, in der er selbst gelernt hat, hat sich aber in letzter Zeit etwas von der Schule zur\u00fcckgezogen. \u00bbWenn meine Sch\u00fcler es wollen, pr\u00fcfe ich sie und vergebe Diplome. Aber die Diplome sind nicht das Wesentliche beim Chado, auch nicht, wie viele verschiedene Zeremonie-Varianten man beherrscht. Das Wesentliche kann man auch bei der einfachsten Form der Teezeremonie sp\u00fcren.\u00ab<\/p>\n<p>So oft wie m\u00f6glich reist er nach Japan. Allerdings sieht er die Art und Weise, wie dort der Chado unterrichtet wird, kritisch. \u00bbEs sind fast nur \u00e4ltere Frauen, die den Chado praktizieren. Ich habe den Eindruck, dass sie sich manchmal nur zur Teezeremonie treffen, um gesellig zu plaudern, den Kimono anzuziehen oder ihre Freundinnen mit einer bestimmten Zeremonieform zu beeindrucken. Die jungen Japaner dagegen haben kaum noch Interesse am Chado, weil die Lehre so starr ist. Da wird nichts hinterfragt, es werden einfach nur Bewegungen ausgef\u00fchrt. Au\u00dferdem ist das Verh\u00e4ltnis zwischen Lehrer und Sch\u00fcler in Japan, wie in Ostasien generell, sehr speziell. Die Autorit\u00e4t des Lehreres wird nicht in Frage gestellt \u2013 das m\u00f6gen viele nicht. Viele wenden sich von den alten K\u00fcnsten ab. Ich habe sogar mal jemanden getroffen, der sagte, um Zen-Buddhismus zu lernen, solle man in die USA gehen, nicht nach Japan.\u00ab<\/p>\n<p>Staufenbiel sch\u00e4tzt nicht nur den spirituellen Inhalt des Chado, sondern auch den Tee selbst. \u00bbIch trinke Matcha nicht nur w\u00e4hrend der Teezeremonie, sondern den ganzen Tag. Ich wei\u00df, das ist Luxus, aber ich liebe diesen Tee.\u00ab<\/p>\n<p>Am Abend bereitet eine Sch\u00fclerin Staufenbiels f\u00fcr uns eine Schale Tee. Drau\u00dfen ist es bereits dunkel, im kleinen Teeraum spenden nur eine japanische Laterne und eine Kerze Licht. Mit sicheren, flie\u00dfenden Bewegungen vollf\u00fchrt die Gastgeberin die notwendigen Handgriffe. Alles ist still, nur das Rauschen des Teekessels, das Pl\u00e4tschern des Wassers und die sanften Ger\u00e4usche, die zur Teebereitung geh\u00f6ren, sind zu h\u00f6ren. Die Schale Matcha, die die Gastgeberin schlie\u00dflich vor mich hinstellt, empfinde ich als Geschenk, und auf einmal ist die Verbeugung, mit der ich reagiere, bevor ich die Schale aufnehme, kein starres Ritual mehr, sondern ein Ausdruck der Dankbarkeit. Die Ruhe, das gemeinsame Schauen, Horchen, Sp\u00fcren und der milde und gleichzeitig herbe Geschmack des Matcha lassen mich ganz in der Gegenwart weilen.<\/p>\n<div class=\"thanks_button_div\" \n                  style=\"float: left; margin-left: 0px;\"><div id=\"thanksButtonDiv_4199_1\" style=\"background-image:url(http:\/\/www.teeweg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/thanks-you-counter-button\/images\/thanks_large_blue.png); background-repeat:no-repeat; float: left; display: inline;\"\n                onmouseover=\"javascript:thankYouChangeButtonImage('thanksButtonDiv_4199_1', true);\" \n                onmouseout=\"javascript:thankYouChangeButtonImage('thanksButtonDiv_4199_1', false);\"\n                onclick=\"javascript:thankYouChangeButtonImage('thanksButtonDiv_4199_1', false);\" >\n                <input type=\"button\" onclick=\"thankYouButtonClick(4199, 'You left &ldquo;Thanks&rdquo; already for this post')\" value=\"Danke 2\"\n                  class=\"thanks_button thanks_large thanks_blue\"\n                  style=\"  font-family: Verdana, Arial, Sans-Serif; font-size: 14px; font-weight: normal;; color:#39b778;\"\n                  id=\"thanksButton_4199_1\" title=\"Click to leave &ldquo;Thanks&rdquo; for this post\"\/>\n             <\/div><div id=\"ajax_loader_4199_1\" style=\"display:inline;visibility: hidden;\"><img decoding=\"async\" alt=\"ajax loader\" src=\"http:\/\/www.teeweg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/thanks-you-counter-button\/images\/ajax-loader.gif\" \/><\/div><\/div><div id=\"wp_fb_like_button\" style=\"margin:5px 5px 5px 0;float:left;height:100px;\"><script src=\"http:\/\/connect.facebook.net\/en_US\/all.js#xfbml=1\"><\/script><fb:like href=\"https:\/\/www.teeweg.de\/blog\/ki-sa-ko-trink-tee-dann-geh\/\" send=\"false\" layout=\"standard\" width=\"450\" show_faces=\"false\" font=\"arial\" action=\"like\" colorscheme=\"light\"><\/fb:like><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Zeitschrift Effilee ist 2011 ein Beitrag \u00fcber den Teeweg in Deutschland erschienen. 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