{"id":4021,"date":"2017-11-01T17:29:34","date_gmt":"2017-11-01T16:29:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.teeweg.de\/blog\/?p=4021"},"modified":"2017-11-01T17:42:48","modified_gmt":"2017-11-01T16:42:48","slug":"kenreimonin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.teeweg.de\/blog\/kenreimonin\/","title":{"rendered":"Vor langer Zeit: Die Nonne Kenreimon&#8217;In"},"content":{"rendered":"<h2>Ein neues Buch aus dem Teehaus Myoshinan<\/h2>\n<p><a href=\"http:\/\/www.teeweg.de\/blog\/wp-content\/uploads\/buch-vor-langer-zeit-cover.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.teeweg.de\/blog\/wp-content\/uploads\/buch-vor-langer-zeit-cover-213x300.jpg\" alt=\"\" width=\"213\" height=\"300\" hspace=\"10\" class=\"alignleft size-medium wp-image-4032\" srcset=\"https:\/\/www.teeweg.de\/blog\/wp-content\/uploads\/buch-vor-langer-zeit-cover-213x300.jpg 213w, https:\/\/www.teeweg.de\/blog\/wp-content\/uploads\/buch-vor-langer-zeit-cover.jpg 426w\" sizes=\"auto, (max-width: 213px) 100vw, 213px\" \/><\/a><br \/>\nDerzeit arbeite ich an der Fertigstellung eines neuen Buches mit Geschichten und Legenden aus dem alten Japan. Ich hoffe, dass es Anfang Oktober gedruckt vorliegen wird. Das Buch kann jetzt schon bei mir vorbestellt werden. Es wird ca. 300 Seiten stark sein und ca. 20 \u20ac kosten. Vorbesteller bekommen einen guten Rabatt.<br \/>\nHier ein kleiner Auszug. Es ist die Geschichte der Kenreimon-in, der Mutter des Kindkaisers Antoku. Im 12. Jahrhundert tobte ein heftiger Krieg zwischen dem Geschlecht der Minamoto \/ Genji und den Heike. Der Krieg endete mit eine gewaltigen Seeschlacht, bei der nahezu das gesamte Geschlecht der Heike vernichtet wurde. Nur Kenreimon-in blieb \u00fcbrig.<\/p>\n<p>\nDer Text orientiert sich nahe am Epos Heike-Monogatari und er ist erstmalig in deutscher Sprache im Buch zu finden.<\/p>\n<p><strong>Nachtrag:<\/strong> <br \/>Das Buch ist erschienen und kann bei  mir direkt bestellt werden unter: <a href=\"http:\/\/myoshinan.com\/honya\/?product=vor-langer-zeit-mukashi-mukashi\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Vor langer Zeit &#8211; Mukashi mukashi<\/a><br \/>\n<a name=\"buch\"><\/a><\/p>\n<h2>Die Nonne Kenreimon-In<\/h2>\n<p>Die Mutter des Kindkaisers Antoku war eine Tochter von Taira Kiyomori, dem ehrgeizigen Oberhaupt der Heike Familie. Im Alter von f\u00fcnfzehn Jahren kam sie an den kaiserlichen Hof, mit sechzehn wurde sie die Gemahlin des Tenn\u014d. Im Alter von siebzehn Jahren adoptierte sie der Exkaiser Go-Shirakawa. Mit zweiundzwanzig gebar sie einen Sohn, der im Alter von zwei Jahren auf den Tenn\u014d-Thron gesetzt wurde.<a name=\"_footnoteref1\"><\/a><a href=\"#_footnote1\">[Fu\u00dfnote 1]<\/a> Nun war sie auch die Mutter des Tenn\u014d. Das Gl\u00fcck schien ihr hold zu sein.<\/p>\n<p>Als sie aber bei der Seeschlacht von <em>Dan no ura<\/em> miterleben musste, wie ein Schiff der Taira nach dem anderen sank, wollte sie sich zusammen mit ihrem kleinen Sohn, dem Kaiser Antoku ertr\u00e4nken. Aber sie wurde an ihren sch\u00f6nen langen Haaren wieder aus dem Meer gezogen und gerettet. Nur ihr Sohn, der Kindkaiser ertrank. Sie war eine der Wenigen aus dem Geschlecht der Taira, die den Krieg \u00fcberlebt hatten.\n<\/p>\n<p>\nSie zog sich in die Einsamkeit zur\u00fcck und legte die Gel\u00fcbbde als Nonne ab. Sie lebte in einer Unterkunft, die einst einem M\u00f6nch geh\u00f6rt hatte. Das Gras wucherte im Garten und dichte Farne wuchsen am Dach. Die Schiebefenster hingen in Fetzen und gaben die Schlafkammer dem Wind und dem Regen preis. Obwohl Blumen in allen Farben wuchsen, gab es keinen Grund, sich an ihnen zu erfreuen. Obwohl das Mondlicht in die Kammer schien, gab es dort niemand, sein Schwinden in der Morgend\u00e4mmerung zu bemerken. Wie traurig ist es, zu sehen, wie eine Hofdame, die Vorh\u00e4nge aus Seidenbrokat in einem Jadepalast gewohnt war, in dieser \u00e4rmlichen Umgebung ihr Leben verbringt. Sie glich einem Fisch, den das Schicksal ans Land geworfen hat oder einem Vogel, der aus dem Nest gefallen ist. Ihre Gedanken weilten bei den fernen Wolken des westlichen Ozeans, weit hinter den grenzenlosen blauen Wellen. Ihre Tr\u00e4nen str\u00f6mten, als sie im Mondlicht den moosbedeckten Garten der fl\u00fcchtigen H\u00fctte weit in den \u00f6stlichen Bergen sah.<\/p>\n<p>\nAm f\u00fcnften Tag des f\u00fcnften Monats schor sie sich die Haare und wurde Nonne. Aber ihr Kummer wollte nicht weichen, obwohl sie die flie\u00dfende Welt verlassen und den ewigen Pfad betreten hatte. Niemals konnte sie das Antlitz ihres Sohnes, des Tenn\u014d vergessen. Niemals, wie einer ihrer Verwandten nach dem anderen in den Tiefen der wogenden See verschwand. Warum gebar ihre taugleiche Existenz solche schweren Sorgen? Sie br\u00fctete unentwegt \u00fcber das grausame Schicksal und die Tr\u00e4nen h\u00f6rten nicht auf zu flie\u00dfen.<\/p>\n<p>\nDie N\u00e4chte waren kurz, dennoch konnte sie kaum die D\u00e4mmerung erwarten. Nicht nur in ihren n\u00e4chtlichen Tr\u00e4umen, auch in ihrem stetig schweifenden Gedanken wiederholte sie die Vergangenheit. Immer und immer wieder. Tr\u00fcbe schien das fade Licht der Lampe auf der Wand. Einsam klang der trostlose Regen am Fenster die ganze Nacht.<\/p>\n<p>\nDrau\u00dfen duftete die frische Bl\u00fcte eines Orangenbaumes. Vielleicht hatte ein fr\u00fcherer Bewohner den Baum gepflanzt, weil der Duft ihn an einen geliebten Menschen aus l\u00e4ngst vergangenen Zeiten erinnert hatte.<a name=\"_footnoteref2\"><\/a><a href=\"#_footnote2\">[Fu\u00dfnote 2]<\/a><\/p>\n<blockquote><p>\u00bb<em>satsuki matsu\/ hanatachibana no \/ Ka o kageba \/ mukashi no hito no \/ Sode no Ka zo suru.\u00ab <\/em><br \/>\nBeim Duft der Mandarinenbl\u00fcte, \/ die auf den Wonnemonat wartet, \/rieche ich den Duft des \u00c4rmels \/ eines Menschen aus l\u00e4ngst vergangenen Zeiten.<\/p><\/blockquote>\n<p>Zwei oder dreimal rief der Kuckuck seinen sehns\u00fcchtigen Ruf und Kinreimon\u2018in nahm den Pinsel und schrieb in den Deckel ihres Tuschekastens:<\/p>\n<blockquote><p><em> hototogisu \/ hanatachibana no \/ Ka o tomete \/ naku wa mukashi no \/ hito ya koishiki<\/em><br \/>\nKuckuck, erhebst du deine Stimme beim Duft der Tachibana,<a name=\"_footnoteref3\"><\/a><a href=\"#_footnote3\">[Fu\u00dfnote 3]<\/a> weil du dich an einen Menschen aus<br \/>\nvergangen Zeiten erinnerst?<\/p><\/blockquote>\n<p>\nIm siebten Monat zerst\u00f6rte ein Erdbeben die ziegelgedeckte Lehmmauer ihres Zufluchtsortes, und sie f\u00fchlte sich in ihrer Abgeschiedenheit und Einsamkeit gest\u00f6rt. Schlie\u00dflich h\u00f6rte sie von dem halb verfallenen Tempel Jakk\u014d-In weit drau\u00dfen in den Bergen nahe dem Dorf Ohara.<a name=\"_footnoteref4\"><\/a><a href=\"#_footnote4\">[Fu\u00dfnote 4]<\/a> Sie wanderte sp\u00e4t im neunten Monat in die Berge, um zum Tempel zu gelangen. Das Abendlicht warf dichte Schatten \u00fcber die buntgef\u00e4rbten Bl\u00e4tter der B\u00e4ume. Die Abendglocke eines entfernten Tempels in den Feldern t\u00f6nte und dichter<br \/>\nNebel verh\u00fcllte ihren Weg und n\u00e4sste die tr\u00e4nengetr\u00e4nkten \u00c4rmel ihres Gewandes. Ein starker Wind wirbelte die bunten Bl\u00e4tter herum und ein pl\u00f6tzlicher Regenschauer fiel aus den schwarzen Wolken des Himmels. In der Ferne schrie ein einsamer Hirsch, und die melancholische Stimmung des Ortes ergriff ihr Herz. Schlie\u00dflich erreichte sie den Jakk\u014d-In, der mit moosbedeckten Felsen die Atmosph\u00e4re einer uralten und ewigen Stille ausstrahlte. Sie betrat den Tempel und betete zu Buddha: \u00bbM\u00f6ge der Geist des Sohnes des Himmels<a name=\"_footnoteref5\"><\/a><a href=\"#_footnote5\">[Fu\u00dfnote 5]<\/a> vollkommene Weisheit erlangen und m\u00f6ge die pl\u00f6tzliche Erleuchtung geschehen!\u00ab<br \/>\nW\u00e4hrend sie betete, sah sie das Antlitz des Sohnes, des Kindkaisers unmittelbar vor sich. W\u00fcrde sie jemals diesen Anblick vergessen k\u00f6nnen?<a name=\"_footnoteref6\"><\/a><a href=\"#_footnote6\">[Fu\u00dfnote 6]<\/a><\/p>\n<p>\nDirekt unterhalb des Tempels errichtete sie eine Zehn-Fu\u00df-im Quadrat Einsiedelei.<a name=\"_footnoteref7\"><\/a><a href=\"#_footnote7\">[Fu\u00dfnote 7]<\/a> Dort verbrachte sie betend und meditierend ihre einsamen Tage. An einem Abend des zehnten Monats h\u00f6rte sie Schritte drau\u00dfen vor der H\u00fctte. \u00bbWer sollte sich in die Abgeschiedenheit dieser verborgenen Behausung verirren?\u00ab Aber es war nur ein Hirsch, der in der Nacht vorbeizog . Tr\u00e4nen\u00fcberstr\u00f6mt schrieb sie an die Schiebet\u00fcr neben dem Fenster:<\/p>\n<blockquote><p><em>iwane fumi \/ tare wa towamu \/ nara no ha no \/ soyogu wa shika no \/wataru nerikeri. <\/em><br \/>\nWer sollte wohl kommen, schreitend auf Felsen nach mir rufend? Der Besucher, dessen Schritte im<br \/>\nLaub klangen &#8211; ach, es war nur ein Hirsch, der in der Nacht vorbeizog!<\/p><\/blockquote>\n<p>\nAllm\u00e4hlich erkannte sie an ihrem Ort viele Dinge, die Buddha gelehrt hatte. Die B\u00e4ume, die ihr Dach s\u00e4umten, waren wie die sieben Baumkreise, die das reine Land Buddhas ums\u00e4umen, das Wasser, das sie zwischen den Felsen sammelte, erschien ihr wie das Wasser der acht Tugenden. Die Verg\u00e4nglichkeit aller weltlichen Dinge glich den Bl\u00fctenbl\u00e4ttern, die der Fr\u00fchlingswind zu Boden weht. Die K\u00fcrze des menschlichen Lebens schien wie der Herbstmond, der hinter dunklen Wolken verschwindet.<\/p>\n<p>\nNach einer Weile, im Fr\u00fchjahr des zweiten Jahres hatte der Ex-Kaiser Go-Shirakawa, der Adoptivvater von Kenreimon\u2019in, Sehnsucht nach seiner Tochter und er w\u00fcnschte sie zu besuchen. Aber heftige St\u00fcrme w\u00fcteten und das kalte Wetter wollte nicht weichen. Der Schnee f\u00e4rbte die Berggipfel wei\u00df und das Eis war noch nicht geschmolzen. So ging das Fr\u00fchjahr vor\u00fcber und der Sommer begann. Eines Nachts, es war noch dunkel, brach der Exkaiser auf um den Jakk\u014d-In und Kinreimon\u2018in zu besuchen. Obwohl er ohne Zeremonie reiste, begleiteten ihn in seinem Gefolge sechs M\u00e4nner aus dem Hochadel, acht hochrangige Hofbeamte und etliche W\u00e4chter und Diener. Er besuchte zun\u00e4chst mehrere pr\u00e4chtige Tempel, aber schlie\u00dflich erwies sich eine einsame H\u00fctte mit einem winzigen Tempel, vollkommen versteckt in den westlichen Bergen, als der gesuchte Jakk\u014d-In.<\/p>\n<p>\nDie wei\u00dfen Wolken auf den fernen H\u00fcgeln waren nun die verstreuten Kirschb\u00e4ume, die noch in den Bergen bl\u00fchten. Das frische Gr\u00fcn der Bl\u00e4tter leuchtete als sicheres Zeichen, dass nun der Fr\u00fchling vergangen war. Die Wipfel der B\u00e4ume waren scharf gezeichnet, wie mit einem Wimpernstift nachgezogen. Kein Maler h\u00e4tte die l\u00e4ndliche Szene besser malen k\u00f6nnen. Es war ein erster milder Sommertag und der Ex-Kaiser, der noch niemals so weit au\u00dferhalb seines Palastes gewesen war, erkannte verwundert, dass er an einem Ort angekommen war, der nur selten von Menschen aufgesucht wurde.<\/p>\n<p>Der einsame Ort mit einem buddhistischen Tempel weitab in den Bergen musste der Jakk\u014d-In sein. Der geschmackvoll angelegte Garten mit dem kleinen Teich und dem alten W\u00e4ldchen zeugte von einer vornehmen Vergangenheit.<\/p>\n<blockquote><p>Die Dachziegeln sind zerbrochen, der Nebel bildet den ewigen Weihrauch. \/ Die T\u00fcren sind<br \/>\ngest\u00fcrzt und Strahlen des Mondes leuchten als ewiges Licht.<\/p><\/blockquote>\n<p>\nWucherndes Gras bedeckte den Garten, biegsame Weidenzweige wehten im Wind und die gr\u00fcnen Wasserlinsen auf dem Teich wirkten wie kostbarer Brokat, der gerade zum Waschen ausgelegt ist. Tiefe Stille herrschte im Tempel. Der Exkaiser rief mit lauter Stimme: \u00bbIst niemand hier?\u00ab, aber es gab keine Antwort. Nach langer Zeit n\u00e4herte sich langsam und gebeugt eine alte Nonne. \u00bbWohin ist die kaiserliche Dame?\u00ab, fragte der Ex-Kaiser. \u00bbSie ist in die Berge gewandert, um Blumen zu sammeln.\u00ab \u00bbH\u00e4tte das nicht jemand anders f\u00fcr sie besorgen k\u00f6nnen?\u00ab \u00bbSie ertr\u00e4gt ihr jetziges hartes Leben, weil ihr gutes Karma zu Ende gekommen ist. Der Prinz Siddhartha verlie\u00df im Alter von neunzehn Jahren den Palast und bedeckte seine Nacktheit mit Gew\u00e4ndern aus Laub. Er sammelte Brennholz und er trug Wasser herbei und erlangte schlie\u00dflich durch all seine Entbehrungen die vollkommene Befreiung.\u00ab\n<\/p>\n<p>\nDer Ex-Kaiser betrachtete die alte Nonne genauer. Er konnte nicht erkennen, ob die Flicken auf ihrem Gewand aus abgeschabter Seide oder einem anderen billigen Material bestanden. \u00bbEs ist merkw\u00fcrdig, dass eine so armselig gekleidete Person solch kluge und wohlgesetzte Worte spricht!\u00ab, dachte er und er fragte: \u00bbWer seid ihr?\u00ab<\/p>\n<p>\nDie alte Nonne brach in Tr\u00e4nen aus und konnte lange Zeit nicht sprechen. Dann begann sie: \u00bbMein Vater war Priester am kaiserlichen Hof und meine Mutter eine Hofdame des zweiten Ranges. Mein Name ist Awa-no-naishi und Ihr seid fr\u00fcher, als ich noch im Palast lebte, immer sehr g\u00fctig zu mir gewesen!\u00ab Nicht nur der Kaiser, sondern auch die Begleiter des Hochadels waren ersch\u00fcttert: \u00bbNiemals h\u00e4tte eine einfache Nonne solch wohlgesetzten Worte sprechen k\u00f6nnen! Aber nun erweist sich, dass sie das Leben am kaiserlichen Hof gewohnt war! Sehr wohl erinnern wir uns an ihre liebe Gestalt. Aber in dieser \u00e4rmlichen Gewandung h\u00e4tte sie wohl niemand mehr erkannt\u00ab.<\/p>\n<p>\nDer Ex-Kaiser begann nun einen Rundgang durch den Tempel. Der erste Raum war gestaltet wie die winzige Zehn-Fu\u00df-im Quadrat-H\u00fctte Vimalakirtis, die aber trotz ihrer Beengtheit Platz f\u00fcr zweiunddrei\u00dfigtausend Buddhas bot. In ihm war ein Bild des Fugen Bosatsu aufgeh\u00e4ngt, der auf seinem Elefanten mit sechs Sto\u00dfz\u00e4hnen ritt. Darunter lagen die acht Schriftrollen des Lotos-Sutra<a name=\"_footnoteref8\"><\/a><a href=\"#_footnote8\">[Fu\u00dfnote 8]<\/a> und eine Sammlung von Lehrschriften ber\u00fchmter Meister.<\/p>\n<p>In der Schlafkammer sah er eine schlichte Robe aus Hanf. An Bambusstangen hing eine Zudecke aus Papier. Es schien wie ein Traum, dass die Bewohnerin einst in Seide und kostbarem Brokat gelebt hatte.<\/p>\n<p>\nOben auf dem steinigen Pfad, der vom Gipfel des Berges zum Tempel f\u00fchrte, erschienen zwei Nonnen in schichten schwarzen Roben. \u00bbWer sind diese beiden Nonnen?\u00ab, fragte der Exkaiser. Die alte Nonne versuchte, ihre Tr\u00e4nen zu unterdr\u00fccken: \u00bbDie eine, die in einem Korb Bergazaleen tr\u00e4gt, ist die kaiserliche Dame, diejenige, die das Feuerholz auf ihrem R\u00fccken tr\u00e4gt, ist die ehemalige kaiserliche Amme.\u00ab Als die kaiserliche Nonne n\u00e4her kam und ihren Adoptivvater erblickte, w\u00e4re sie vor Scham fast verschwunden. Nonne oder nicht, es war zu erb\u00e4rmlich, dass der Ex-Kaiser sie in dieser \u00e4rmlichen Umgebung sah. Sie stand hilflos und schockiert und die Tr\u00e4nen flossen reichlich. Weder konnte sie die Einsiedelei betreten noch zur\u00fcck in die Berge fliehen. Verzweifelt versuchte sie, ihre tr\u00e4nennassen \u00c4rmel zu verbergen, die sie erst in der n\u00e4chtlichen Zeremonie des Wassersch\u00f6pfens und dann im morgendlichen Tau auf den Bergpfaden durchn\u00e4sst hatte.<\/p>\n<p>\nNach einem langen Gespr\u00e4ch \u00fcber die Verg\u00e4nglichkeit der Dinge und die m\u00f6gliche Erl\u00f6sung in Gebet und \u00dcbung verlie\u00df der Exkaiser Kinreimon\u2019in und ihre hochadligen Mit-Nonnen.<\/p>\n<p>\nDer dunkle und m\u00e4chtige Klang der Glocke des Jakk\u014d-In k\u00fcndigte den Abend an. Unter Tr\u00e4nen nahmen der Ex-Kaiser und die Nonne Abschied voneinander: \u00bbM\u00f6ge der Geist des Sohnes des Himmels<br \/>\nund die Totengeister der gefallenen Heike-Krieger die vollkommene Weisheit und die pl\u00f6tzliche Befreiung erlangen. Daf\u00fcr werde ich beten bis an mein Ende!\u00ab Damit verabschiedete sie sich vom<br \/>\nExkaiser, der in seinen Palast zur\u00fcckkehrte. Kinreimon\u2019in aber blieb im Tempel bis ans Ende ihres Lebens.<\/p>\n<p>\nSchlie\u00dflich wurde sie krank und rezitierte den ganzen Tag und die ganze Nacht die Anrufungen Buddhas. Zu ihrer Rechten und zur Linken sa\u00dfen die beiden kaiserlichen Mit-Nonnen und beteten: \u00bbTathagata! Namu Amida Butsu<a name=\"_footnoteref9\"><\/a><a href=\"#_footnote9\">[Fu\u00dfnote 9]<\/a> &#8211; Herr des westlichen Reinen Landes! Geleite mich hin\u00fcber in das westliche Paradies!\u00ab. Als ihre Stimmen von den Rezitationen m\u00fcde und schwach geworden waren, erhob sich im Westen eine purpurfarbene Wolke. K\u00f6stlicher Duft durchstr\u00f6mte die Kammer und wunderbare Musik<br \/>\nert\u00f6nte vom Himmel her. Das menschliche Leben ist endlich wie ein Tautropfen am Gras bei den ersten morgendlichen Sonnenstrahlen. Im zweiten Monat des zweiten Jahres Kenky\u016b<a name=\"_footnoteref10\"><\/a><a href=\"#_footnote10\">[Fu\u00dfnote 10]<\/a> verlie\u00df Kenreimon\u2019in diese Welt.<\/p>\n<p>\nDie beiden Nonnen waren niemals in ihrem Leben von ihrer Seite gewichen. Sie wussten nun nicht, wohin sie sich wenden sollten. So blieben sie im Tempel und verrichteten die Gedenkfeiern bis zu ihrem Ende. Die Bewohner des Dorfes berichteten, dass sie Beiden schlie\u00dflich friedlich in das reine Land hin\u00fcbergegangen<br \/>\nwaren.<\/p>\n<p><strong>Nachtrag:<\/strong>\n<\/p>\n<p>\nIch habe den kleinen Tempel Jakk\u014d-In oft besucht. Fr\u00fcher lebte dort noch eine alte Nonne, die in direkter Linie von Kenreimon-In abstammte. Wenn Besucher in den Tempel kamen, sang sie mit ihren neunzig Jahren immer noch begeistert mit ihrer br\u00fcchigen Stimme die Geschichte der Kenreimon-In aus dem Heike monogatari. Eines Nachts im Mai zweitausend achtete sie wohl nicht auf das Feuer und der Tempel brannte v\u00f6llig nieder. Vielleicht war es auch nicht ihre Unachtsamkeit, sondern eine Brandstiftung.<\/p>\n<p>\nAuch die uralte Statue des Jizo &#8211; Buddha, die noch aus der Nara-Zeit stammen soll, verbrannte fast v\u00f6llig. Dabei kamen Unmengen winziger Buddhastatuetten zum Vorschein, die im Inneren des gro\u00dfen Buddha verborgen lagen. Deshalb hie\u00df die Statue die <em>Rokumantai-Jizoson<\/em>, die Sechzigtausend Jizo Statue. In einem Seitenschrein stand die Figur der Kenreimon\u2019in, die des Antoku und die der Awa-no-naishi, deren Gewand noch von Kenreimon\u2019in stammen sollte. Ihr Umschlagtuch soll das Tuch gewesen sein, in dem der Kindkaiser Antoku einst getragen wurde. Auch das ist im Feuer verbrannt.<\/p>\n<p>\nAuch der uralte Gingkobaum auf der Vorderseite des Tempels, den Kenraimon-In noch gesehen hatte, verbrannte. Er schlug wunderbarerweise noch ein paarmal im Fr\u00fchling aus, aber schlie\u00dflich starb er endg\u00fcltig. Sein toter Stamm steht noch heute vor dem Tempel und erinnert an die alten Zeiten. <br \/>Muj\u014d -Nichts ist best\u00e4ndig!\n<\/p>\n<p>\nDer Tempel ist wieder aufgebaut worden und der Jizo neu angefertigt. Er strahlt in farbigem Glanz, so wie er wohl schon zur Zeit der Kenreimon\u2019in nicht mehr gestrahlt hat. Immer noch erz\u00e4hlt man im Tempel die Geschichte aus dem Heike Monogatari.<\/p>\n<p><a name=\"_footnote1\"><\/a><a href=\"#_footnoteref1\">[Fu\u00dfnote 1]<\/a> Antoku, so der kaiserliche Name des Kindes, war der zweitj\u00fcngste Tenn\u014d Japans. Der Tenn\u014d sollte kultisch rein sein und<br \/>\ndurfte deshalb keine politische Macht aus\u00fcben. Es war deshalb oft das Bestreben des amtierenden Tenn\u014d, sich so bald<br \/>\nals m\u00f6glich aus dem Amt zur\u00fcckzuziehen und ein Kind auf den Thron zu setzen. Als Ex-Kaiser konnte er dann im<br \/>\nNamen des amtierenden Kindkaisers Politik betreiben. So handelte auch Go-Shirakawa.<\/p>\n<p><a name=\"_footnote2\"><\/a><a href=\"#_footnoteref2\">[Fu\u00dfnote 2]<\/a> Anspielung auf ein Gedicht aus dem Kokin wakash\u016b Nr 139. Satsuki ist der f\u00fcnfte Monat, der \u201aWonnemond\u2018. Er wurde<br \/>\nals zweiter Sommermonat gerechnet.<\/p>\n<p><a name=\"_footnote3\"><\/a><a href=\"#_footnoteref3\">[Fu\u00dfnote 3]<\/a> Tachibana ist eine kleine Orange, \u00e4hnlich der Mandarine. Sie wurde wegen ihrer duftenden Bl\u00fcten gesch\u00e4tzt.<\/p>\n<p><a name=\"_footnote4\"><\/a><a href=\"#_footnoteref4\">[Fu\u00dfnote 4]<\/a> Die Abgeschiedenheit des Bergtales von Ohara hatte schon viele Adlige jener Zeit angezogen. Sie flohen dorthin aus<br \/>\ndem Getriebe der Kaiserstadt, vor den Intrigen und den Kriegswirren, um dort in einer Art m\u00f6nchischem Leben ihre<br \/>\n\u00dcbungen in Meditation oder den K\u00fcnsten zu pflegen.<\/p>\n<p><a name=\"_footnote5\"><\/a><a href=\"#_footnoteref5\">[Fu\u00dfnote 5]<\/a> Sohn des Himmels: Tenn\u014d<\/p>\n<p><a name=\"_footnote6\"><\/a><a href=\"#_footnoteref6\">[Fu\u00dfnote 6]<\/a> Noch heute stehen im Tempel die Figuren von Kinreimon\u2019in und Antoku.<\/p>\n<p><a name=\"_footnote7\"><\/a><a href=\"#_footnoteref7\">[Fu\u00dfnote 7]<\/a> Zehn Fu\u00df im Quadrat: H\u014d-j\u014d ist nach dem Vorbild der H\u00fctte von Vimalakirti errichtet. Vimalakirte war ein Kaufmann zur<br \/>\nZeit Shakyamuni Buddhas. Er zog sich in die Berge in eine winzige H\u00fctte zur\u00fcck. Nachdem er erwacht war, ging er<br \/>\nzur\u00fcck in die Stadt und lebte sein Leben als Kaufmann. Er ist das Vorbild f\u00fcr den erwachten Buddhisten, der den Alltag<br \/>\nleben kann.Auch Kamo no Ch\u014dmei hatte sich eine solche H\u00fctte errichtet. Dort schrieb er die Aufzeichnungen aus der<br \/>\nH\u00fctte, die H\u014d J\u014d Ki. Diese H\u00fctte wird sp\u00e4ter das Vorbild f\u00fcr das japanische Teehaus f\u00fcr die Teezeremonie.<\/p>\n<p><a name=\"_footnote8\"><\/a><a href=\"#_footnoteref8\">[Fu\u00dfnote 8]<\/a> Fugen Bosatsu, der Boddhisattva der guten Praxis und des Mitleids. Er sch\u00fctzt besonders das Lotos-Sutra, das im<br \/>\nTendai Buddhismus, zu dem der Jakk\u014d-In geh\u00f6rt, studiert wird. Er erscheint den Menschen, die inbr\u00fcnstig das<br \/>\nLotossutra rezitieren. Daf\u00fcr m\u00fcssen sie in besonderer Weise die sechs Sinne (Augen, Ohren, Nase, Geschmack, Leib<br \/>\nund Gedanken) reinigen. Er erl\u00f6st auch Frauen &#8211; was im alten Buddhismus nicht selbstverst\u00e4ndlich war. Er erscheint oft<br \/>\nauf einem wei\u00dfen Elefanten mit sechs Sto\u00dfz\u00e4hnen, die f\u00fcr die sechs Sinne stehen.<\/p>\n<p><a name=\"_footnote9\"><\/a><a href=\"#_footnoteref9\">[Fu\u00dfnote 9]<\/a> Namu Amida Butsu &#8211; etwa: Vertrauen auf Amida Buddha. Amida herrscht im reinen Land. Ruft man ihn mit reinem<br \/>\nHerzen im Sterben an, so erscheint er und holt den Sterbenden ins Reine Land.<\/p>\n<p><a name=\"_footnote10\"><\/a><a href=\"#_footnoteref10\">[Fu\u00dfnote 10]<\/a> Die japanische Zeitrechnung richtet sich nach Neng\u014d, Devisen, die vom Kaiser ausgegeben werden. Das 2. Jahr Kenky\u016b<br \/>\nist das Jahr 1191.<\/p>\n<p><a href=\"#top\">nach oben<\/a><\/p>\n<hr size=\"1\"\/>\n<p><a name=\"termine\"><\/a><\/p>\n<p>Ihr Dana (freiwillige Gegengabe) \u00fcberweisen Sie bitte auf das Konto<br \/>\nMyoshinan &#8211; Staufenbiel<br \/>\nVereinigte Raiffeisenbanken Igensdorf<br \/>\nIBAN: DE82 7706 9461 0006 7272 12<br \/>\nVerwendung: Dana<\/p>\n<p>Eine Zahlung \u00fcber Paypal ist ebenfalls m\u00f6glich unter: <a style=\"font-weight: 500;\" href=\"http:\/\/teeweg.de\/dana.html\"> Paypal Spende<\/a><br \/>\n\u00dcber Dana: <a href=\"http:\/\/teeweg.de\/impressum\/dana.html\">Dana<\/a><\/p>\n<hr size=\"1\"\/>\n<div class=\"thanks_button_div\" \n                  style=\"float: left; margin-left: 0px;\"><div id=\"thanksButtonDiv_4021_1\" style=\"background-image:url(http:\/\/www.teeweg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/thanks-you-counter-button\/images\/thanks_large_blue.png); background-repeat:no-repeat; float: left; display: inline;\"\n                onmouseover=\"javascript:thankYouChangeButtonImage('thanksButtonDiv_4021_1', true);\" \n                onmouseout=\"javascript:thankYouChangeButtonImage('thanksButtonDiv_4021_1', false);\"\n                onclick=\"javascript:thankYouChangeButtonImage('thanksButtonDiv_4021_1', false);\" >\n                <input type=\"button\" onclick=\"thankYouButtonClick(4021, 'You left &ldquo;Thanks&rdquo; already for this post')\" value=\"Danke 75\"\n                  class=\"thanks_button thanks_large thanks_blue\"\n                  style=\"  font-family: Verdana, Arial, Sans-Serif; font-size: 14px; font-weight: normal;; color:#39b778;\"\n                  id=\"thanksButton_4021_1\" title=\"Click to leave &ldquo;Thanks&rdquo; for this post\"\/>\n             <\/div><div id=\"ajax_loader_4021_1\" style=\"display:inline;visibility: hidden;\"><img decoding=\"async\" alt=\"ajax loader\" src=\"http:\/\/www.teeweg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/thanks-you-counter-button\/images\/ajax-loader.gif\" \/><\/div><\/div><div id=\"wp_fb_like_button\" style=\"margin:5px 5px 5px 0;float:left;height:100px;\"><script src=\"http:\/\/connect.facebook.net\/en_US\/all.js#xfbml=1\"><\/script><fb:like href=\"https:\/\/www.teeweg.de\/blog\/kenreimonin\/\" send=\"false\" layout=\"standard\" width=\"450\" show_faces=\"false\" font=\"arial\" action=\"like\" colorscheme=\"light\"><\/fb:like><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein neues Buch aus dem Teehaus Myoshinan Derzeit arbeite ich an der Fertigstellung eines neuen Buches mit Geschichten und Legenden aus dem alten Japan. 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