{"id":399,"date":"2010-06-28T11:57:15","date_gmt":"2010-06-28T10:57:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.teeweg.de\/blog\/?p=399"},"modified":"2016-01-12T16:25:07","modified_gmt":"2016-01-12T15:25:07","slug":"sitting-seiza-und-der-kurbis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.teeweg.de\/blog\/sitting-seiza-und-der-kurbis\/","title":{"rendered":"Sitting Seiza, der K\u00fcrbis und Boddhidharma"},"content":{"rendered":"<p>Seit einiger Zeit verfolge ich in einem amerikanischen Forum \u00fcber Teezeremonie eine lange Diskussion \u00fcber &#8222;sitting seiza&#8220;.<br \/>\nDas ist die Sitzposition, bei der man mit eingeschlagenen Beinen auf den Fersen sitzt.<\/p>\n<p>Zugegeben, das ist f\u00fcr Anf\u00e4nger meistens ziemlich schmerzhaft. Aber es gibt einen ganz einfachen Trick, wie man das Sitzen in dieser Position lernen kann. Eigentlich ist das ein Geheimnis, aber ich denke, in unserer heutigen Zeit sollte man auch die letzen Geheimnisse des Teeweges erl\u00e4utern. Das Geheimnis:<br \/>\n\u00dcBEN!<br \/>\nRegelm\u00e4\u00dfig \u00fcben!<br \/>\nREGELM\u00c4SSIG!<br \/>\nOder noch genauer:<br \/>\nREGELM\u00c4SSIG \u00dcBEN!<\/p>\n<p>In dem Forum wurde diskutiert, welcher Teelehrer welche Meinung vertritt und ob man die G\u00e4ste auf Kissen oder auf St\u00fchlen oder gar nicht sitzen l\u00e4\u00dft. Aber niemand fragte nach dem Sinn des Seiza. Zun\u00e4chsat einmal war das fr\u00fcher, als es in Japan keine St\u00fchle gab die \u00fcbliche Form, auf dem Tatami-Boden zu sitzen. Niemand klagte \u00fcber Schmerzen, auch die alten Leute nicht. Man hat eben das Sitzen auf den Fersen regelm\u00e4\u00dfig praktiziert.<br \/>\nHier meine Antwort auf die Diskussionen in dem fraglichen Forum (nat\u00fcrlich \u00fcbersetzt):<\/p>\n<p>Ich verfolge die Diskussion \u00fcber das Sitzen in Seiza mit gro\u00dfem Interesse.<br \/>\nAber ich wundere mich, das niemad fragt, WARUM wir beim Tee in Seiza sitzen.<br \/>\nIch lese nur: &#8222;mein Lehrer sagt &#8230;, in meiner Jugend haben wir, .. wir machen das so, dass &#8230;!&#8220;<br \/>\nIn dieser Diskussion wird lediglich das Seiza als Tradition diskutiert.<\/p>\n<p>Historisch gesehen haben die Samurai bei den Tee-Einladungen als G\u00e4ste niemals im Seiza gesessen, weil das damals einfach noch keine allgemeine Sitte war.<br \/>\nMan sa\u00df im &#8222;koreanischen Stil&#8220;, ohne Kissen auf dem Boden, ein Knie aufgestellt und angewinkelt. Die Arme konnte man um das aufrecht stehende Knie legen.<br \/>\nWurde die Position unbequem, so wechselte man einfach das aufrecht stehende Knie. Das Sitzen in Seiza ist &#8222;erst&#8220; seit etwa 200 Jahren die \u00fcbliche Sitzhaltung, das hei\u00dft dass sie es zu Riky\u016b&#8217;s Zeiten auch nicht war.<\/p>\n<p>Es gibt nat\u00fcrlich Unterschiede der Sitzposition f\u00fcr den Gastgeber und f\u00fcr die G\u00e4ste.<br \/>\nF\u00fcr die G\u00e4ste ist es durchaus m\u00f6glich, mit gekreuzten Beinen, auf hohen Sitzkissen, auf Schemeln oder St\u00fchlen oder sonstwie zu sitzen. Dabei ist es nicht gerade f\u00f6rderllich, wenn der Gastgeber auf dem Boden und die G\u00e4ste auf hohen St\u00fchlen sitzen, weil dadurch eine zu gro\u00dfer Unterschied entsteht. Aber wenn der Gastgeber auf einem Podest sitzt und die G\u00e4ste auf St\u00fchlen in Augenh\u00f6he mit dem Gastgeber, so stimmen die Relationen wieder.<br \/>\nMan muss einmal versuchen, als Gastgeber mit gekreuzten Beinen auf dem Boden sitzend Tee zu bereiten. Das wird nahezu unm\u00f6glich!<\/p>\n<p>In der sp\u00e4teren Meiji-Zeit wurden Teezeremonien entwickelt, die man an niedrigen Tischen auf Schemeln sitzend ausf\u00fchrt. Aber diese Form ver\u00e4ndert v\u00f6llig die Athmosph\u00e4re und die Empfindungen bei der Teezeremonie. Die Tische schaffen eine Art Barriere zwischen Gast und Gastgeber. Als ich das erste Mal eine solche Zeremonie \u00fcbte,  hatte ich pl\u00f6tzlich das Gef\u00fchl, dass mein Schwerpunkt wie ein Klo\u00df in der Kehle sa\u00df, kein sehr angenehmes Gef\u00fchl. Es brauchte eine lange \u00dcbung, den Schwerpunkt wieder in den Hara zur\u00fcck zu bekommen. Das war f\u00fcr mich, auch als relativer Anf\u00e4nger, beim Sitzen in Seiza viel einfacher. Aber mein Lehrer bestand darauf, dass ich auch die Form an Tischen \u00fcbte.<\/p>\n<p>Die Sitzposition ist nicht nur eine Sache der Tradition, sie hat auch einen gewaltigen Einflu\u00df auf unsere Atmung und auf die Balace unseres K\u00f6rpers.<\/p>\n<p>Ich unterrichte nicht nur Teezeremonie, sondern auch Zen &#8211; Shakuhachi in der Tradition der Komuso-M\u00f6nche. Auch hierbei sitzen wir Seiza. Dies ist bei der Shakuhachi eine sehr &#8222;einfache&#8220; Sitzhaltung (wenn man die m\u00f6glichen Schmerzen meistert). In dieser Sitzposition bekommt man einen &#8222;guten Ton&#8220; auf der Shakuhachi. Sitzt man auf modernen St\u00fchlen, so stellt sich der &#8222;gute Ton&#8220; nur sehr schwierig ein. Man kann auch mit gekreuzten Beinen auf Sitzkissen sitzen.  Aber dazu ist es n\u00f6tig, die richtige Sitzposition erst zu suchen.<br \/>\nBeim Spiel der Shakuhachi ist die richtige Sitzposition sehr wichtig, weil man sonst keinen Ton bekommt. Die Shakuhachi ist in diesem Fall unser Lehrer. Sitzt man in Seiza, so stellt sich die richtige Sitzposition fast &#8222;automatisch&#8220; ein.<\/p>\n<p>Die Wirbels\u00e4ule hat eine nat\u00fcrliche Kr\u00fcmmung in S-Form. Am Becken bildet sich ein leichtes Hohlkreuz, der R\u00fccken ist zwischen den Schultern leicht nach vorn gebeugt.<br \/>\nAuf modernen St\u00fchlen ist es nahezu unm\u00f6glich, in einer &#8222;entspannten&#8220; Sitzhaltung diese nat\u00fcrliche Form der Wirbels\u00e4ule zu finden. Man rutscht tief in die Sitzfl\u00e4che und der R\u00fccken wird insgesamt rund und die Schultern fallen nach vorn. Das Zwerchfell wird eingeklemmt und kann sich nicht frei bewegen. Die Atmung wird flach und unfrei. Nach einiger Zeit verspannt sich die Schulterpartie und der Nacken und man bekommt Kopf- und R\u00fcckenschmerzen.<br \/>\nSitz man auf einem einfachen Schemel mit flacher Sitzfl\u00e4che, nur auf der Vorderkante des Schemels und richtet den R\u00fccken auf, so findet die Wirbels\u00e4ule ihre nat\u00fcrliche S-Form und die Atmung wird frei. Kippt man das Becken leicht nach vorn, so da\u00df ein Hohlkreuz entsteht,  sitzt man automatisch zentriert im Becken, das Zwerchfell wird frei und die Atmung flie\u00dft bis tief in den Bauch.<br \/>\nAtmet man auf diese Weise, so zentrieren wir den K\u00f6rper in der Region etwa eine Handbreit unterhalb des &#8222;Omphalos&#8220;.<br \/>\nIm antiken Griechenland war der Omphalos der Nabel der Erde, das Zentrum der Erde. Wenn wir in dieser Weise sitzen, zentrieren wir uns im Omphalos und unser Nabel wird zum &#8222;Zentrum der Erde&#8220;.<br \/>\nSitzt man im Seiza mit der Wibels\u00e4ule in der nat\u00fcrlichen S-Form, so f\u00fchlt man sich nach einiger Zeit (wenn man die Schmerzen gemeistert hat) wie ein dicker K\u00fcrbis, der fest und schwer auf der Erde aufruht. Nichts kann ihn umwerfen!<br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/teeweg.de\/graphik\/blog\/daruma.png\" alt=\"Daruma\" \/><br \/>\nWir f\u00fchlen uns wie Daruma (man muss ja nicht gleich so grimmig schauen!) Daruma, wie er in Japan hei\u00dft, oder Boddhidharma in Indien, hatte, so will es die Legende, Arme und Beine verloren, nachdem er zehn Jahre mit dem Gesicht zur Wand meditiert hatte. In Japan fertigt man Daruma &#8211; Puppen, die als Stehaufm\u00e4nnchen niemals umzuwerfen sind, eben weil sie keine Arme und Beine haben.  Die sind es, die uns aus unserer Mitte werfen.<br \/>\nDie Darumas sind ein Vorbild f\u00fcr alle Kinder: K\u00f6nnten wir doch so stabil und sicher in unserer Mitte sitzen wir Daruma.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend wir so im Seiza sitzen, bewegen wir die gesamte Wirbels\u00e4ule vom Becken an aufw\u00e4rts nach vorn und hinten. Wenn wir etwa die Teeschale nehmen, geht der K\u00f6rper leicht nach vorn ohne die Form der Wirbels\u00e4ule zu ver\u00e4ndern, so wie ein Taschenmesser einklappt. Die Arme werden nicht ausgestreckt, sondern der gesamte K\u00f6rper bringt die Hand zur Teeschale und nimmt sie vom Boden auf. So machen wir Tee, &#8222;ohne auch nur ein einziges Mal die H\u00e4nde zu benutzen&#8220;.<br \/>\nDabei ist es ganz nat\u00fcrlich, dass wir ausatmen, wenn wir den K\u00f6rper nach vorn bewegen und einatmen, wenn wir uns wieder aufrichten.<br \/>\nWeil durch die leichte Vorw\u00e4rtshaltung die Bauchdecke etwas eingedr\u00fcckt wird, k\u00f6nnen wir nicht mehr, wie man das in vielen Meditationsanleitungen liest &#8222;mit dem Bauch&#8220; atmen. Wir beginnen, automatisch mit dem Becken und dem R\u00fccken in der Nierengegend zu atmen. Durch die Bewegung und die Atmung entsteht eine Art von &#8222;Massage&#8220; des Iliosakralgelenkes und  des Becken- und Nierenbereiches, nach Sicht der traditionellen chinesischen Medizin der Ort, an dem die Lebensenergie Ki oder Chi produziert wird. Dieses Ki beginnt zu flie\u00dfen und sich im gesamten K\u00f6rper zu verteilen. Man sp\u00fcrt das Ki im Becken, im R\u00fccken, in den H\u00e4nden und &#8211; im Herzen. Das Herz wird leicht, frei und offen. So &#8222;reinigen&#8220; wir unser Herz von Depression, Sorgen und N\u00f6ten. All das ist eine der Voraussetzungen f\u00fcr das Erleben von Samadhi im Tee.<br \/>\nWenn auch die G\u00e4ste in der entsprechenden Weise sitzen und atmen, sp\u00fcren sowohl Gast als auch Gastgeber die selbe Energie flie\u00dfen. Es ist nicht MEINE Lebensenergie, sondern diejenige, die in ALLEN Dingen flie\u00dft. Das ist die Harmonie, von der im Daodejing die Rede ist. Die Harmonie l\u00e4\u00dft die Ernergie des Lebens in allen Dingen flie\u00dfen und wir k\u00f6nnen sie in unserem K\u00f6rper sp\u00fcren. In diesem Sinne werden Gast und Gastgeber &#8222;EINS&#8220;.  <\/p>\n<p>Uchiyama R\u014dshi aus dem Tempel Eiheiji D\u014dgen&#8217;s hat einmal in einem Buch etwa folgendes geschrieben:<\/p>\n<p>Wenn wir im Sazen (Meditation im Sitzen) sitzen, beginnen wir pl\u00f6tzlich, uns wie ein dicker K\u00fcrbis zu f\u00fchlen. Das Sitzkissen unter uns rundet sich und wird zur gesamten Erdkugel. Pl\u00f6tzlich sp\u00fcrt man, wie oben am Kopf etwas zu wachsen beginnt, wie eine Ranke, an der der K\u00fcrbis h\u00e4ngt. Man sp\u00fcrt, wie die Ranke weiter w\u00e4chst und dort andere K\u00fcrbisse daran h\u00e4ngen, und wie sich die Energie zwischen den K\u00fcrbissen \u00fcber die Ranke austauscht.<\/p>\n<p>Wenn wir so Tee \u00fcben, dann ist das Tee und Zen, dann werden Gast und Gastgeber EINS.<\/p>\n<p>Warum \u00fcbe ich den Teeweg?<br \/>\nEs ist faszinierend, all die Sch\u00f6nheit und \u00c4sthetik im Teraum zu erleben, Es ist eine wundervolle Erfahrung eines gemeinsamen Tuns, eines ganz allt\u00e4glichen Tuns wie &#8222;Wasser holen, Feuer anz\u00fcnden, Tee schlagen und mit Anderen teilen&#8220; und des EINS werdens mit allen Dingen. <\/p>\n<p>Samadhi im Tee bei ganz allt\u00e4glichen Verrichtungen!<\/p>\n<div class=\"thanks_button_div\" \n                  style=\"float: left; margin-left: 0px;\"><div id=\"thanksButtonDiv_399_1\" style=\"background-image:url(http:\/\/www.teeweg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/thanks-you-counter-button\/images\/thanks_large_blue.png); background-repeat:no-repeat; float: left; display: inline;\"\n                onmouseover=\"javascript:thankYouChangeButtonImage('thanksButtonDiv_399_1', true);\" \n                onmouseout=\"javascript:thankYouChangeButtonImage('thanksButtonDiv_399_1', false);\"\n                onclick=\"javascript:thankYouChangeButtonImage('thanksButtonDiv_399_1', false);\" >\n                <input type=\"button\" onclick=\"thankYouButtonClick(399, 'You left &ldquo;Thanks&rdquo; already for this post')\" value=\"Danke 0\"\n                  class=\"thanks_button thanks_large thanks_blue\"\n                  style=\"  font-family: Verdana, Arial, Sans-Serif; font-size: 14px; font-weight: normal;; color:#39b778;\"\n                  id=\"thanksButton_399_1\" title=\"Click to leave &ldquo;Thanks&rdquo; for this post\"\/>\n             <\/div><div id=\"ajax_loader_399_1\" style=\"display:inline;visibility: hidden;\"><img decoding=\"async\" alt=\"ajax loader\" src=\"http:\/\/www.teeweg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/thanks-you-counter-button\/images\/ajax-loader.gif\" \/><\/div><\/div><div id=\"wp_fb_like_button\" style=\"margin:5px 5px 5px 0;float:left;height:100px;\"><script src=\"http:\/\/connect.facebook.net\/en_US\/all.js#xfbml=1\"><\/script><fb:like href=\"https:\/\/www.teeweg.de\/blog\/sitting-seiza-und-der-kurbis\/\" send=\"false\" layout=\"standard\" width=\"450\" show_faces=\"false\" font=\"arial\" action=\"like\" colorscheme=\"light\"><\/fb:like><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit einiger Zeit verfolge ich in einem amerikanischen Forum \u00fcber Teezeremonie eine lange Diskussion \u00fcber &#8222;sitting seiza&#8220;. 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