{"id":227,"date":"2010-01-12T12:45:26","date_gmt":"2010-01-12T11:45:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.teeweg.de\/blog\/?p=227"},"modified":"2016-01-12T16:24:21","modified_gmt":"2016-01-12T15:24:21","slug":"%e6%97%85%e9%a4%a8-ryokan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.teeweg.de\/blog\/%e6%97%85%e9%a4%a8-ryokan\/","title":{"rendered":"\u65c5\u9928 &#8211; Ryokan"},"content":{"rendered":"<p>Drau\u00dfen vor dem Fenster f\u00e4llt der Schnee. Das ganze Land versinkt im Wei\u00df und der Bambus im Garten neigt sich unter der Schneelast. Nur die alte Kiefer steht stolz und tr\u00e4gt die wei\u00dfen Hauben mit W\u00fcrde. Der Buddha im Gaten hat eine wei\u00dfe M\u00fctze auf und die V\u00f6gel schwirren um das Futterh\u00e4uschen.<\/p>\n<p>Drin am Computer bin ich in Japan. Die n\u00e4chste Reise im Fr\u00fchjahr will vorbereitet und die Unterk\u00fcnfte m\u00fcssen gefunden und gebucht werden.\u00a0 Es ist eigentlich schon ziemlich sp\u00e4t, denn der April ist die Hauptreisezeit f\u00fcr Japan. Die Kirschbl\u00fcte wird zwar schon vorbei sein, aber die Ryokan in der alten Kaiserstadt Kyoto sind schon fast alle voll.<br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/teeweg.de\/graphik\/blog\/matsumae-ryokan-nara.jpg\" alt=\"Zimmer im Ryokan\" hspace=\"10\/\" align=\"left\" \/><\/p>\n<p>Aber in Tokyo, Kamakura, Nikko und Nara haben wir noch sch\u00f6ne traditionelle Unterk\u00fcnfte gefunden.<br \/>\nWir \u00fcbernachten in Japan\u00a0 immer in den traditionellen Ryokan &#8211; .<br \/>\nryo oder tabi gelesen ist die Reise,  -kan ein gro\u00dfes Geb\u00e4ude. Eigentlich sind die Ryokan nicht wirklich gro\u00df, die meisten sind eher kleine H\u00e4user mit nur wenigen Zimmern. Die Zimmer sind im traditionellen japanischen Stil eingerichtet, das hei\u00dft, man schl\u00e4ft auf dem Tatami-Boden. Dazu rollt man in besonderen Schr\u00e4nken aufbewahrte Futon aus und schon verwandelt sich der Tagesraum in einen Schlafraum. Die meisten \u00e4lteren Ryokan haben kein privates Bad, daf\u00fcr aber den Furo oder Sento, der getrennt nach Geschlechtern gemeinsam von allen G\u00e4sten genutzt wird.<\/p>\n<p>F\u00fcr viele sicher ein ganz neues Erlebnis, an das man sich gew\u00f6hnen mu\u00df. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/teeweg.de\/graphik\/blog\/sakoya-furo-out.jpg\" border=\"0\" alt=\"\" hspace=\"10\" vspace=\"10\" width=\"321\" height=\"225\" align=\"left\" \/>Es ist schon eine merkw\u00fcrdige Erfahrung, v\u00f6llig nackt mit vielen fremden Menschen in einem gro\u00dfen Becken mit hei\u00dfem Wasser zu sitzen. Aber wenn man das einmal erlebt hat, genie\u00dft man die wohlige Entspannung, die allen Stress desTages verschwinden l\u00e4\u00dft. In Korea habe ich geh\u00f6rt, dass die Koreaner vermuten, die Japaner w\u00fcrden sterben, wenn sie drei Tage nicht gebadet haben.<\/p>\n<p>Fr\u00fcher war es ausgesprochen schwierig, Zimmer in einem Ryokan zu bekommen. Als ich meine erste Gruppenreise nach Japan organisiert habe, mu\u00dfte ich noch schriftlich versichern, dass sich die Reiseteinnehmer &#8222;anst\u00e4ndig&#8220; benehmen k\u00f6nnen und nicht wegen der Schlichtheit der Herberge wieder abreisen. Die Schlichtheit ist dabei oft geradezu ein Stil der \u00e4u\u00dfersten Vornehmheit. Eines der vornehmsten Ryokans in Kyoto ist das  &#8211; Tawaraya Ryokan, w\u00f6rtlich &#8222;Stohsack-H\u00fctte Ryokan&#8220;. Die \u00dcbernachtung kostet dort nur etwa 350 Euro, aber man schl\u00e4ft auch dort &#8222;auf dem Strohsack&#8220;. Die Vornehmheit des Ryokan erf\u00e4hrt man dann in dem erstklassigen Service und der ganz pers\u00f6nlichen Betreuung. Man ist dort kein Fremder, sondern Gast, der sich v\u00f6llig zu Hause f\u00fchlen soll.<\/p>\n<p>Anst\u00e4ndig benehmen hei\u00dft unter anderem, da\u00df man die Hausschuhe wechselt, wenn man die Toilette betritt und dass man erwartet, dass man sich gr\u00fcndlich reinigt, bevor man in das hei\u00dfe Wasser des O-Furo steigt. Der Furo dient NICHT zur Reinigung. Die hat vorher stattgefunden &#8211; und zwar gr\u00fcndlich. Man sitzt mit dem Gesicht zur Wand auf niedrigen Hockern, seift sich ein und sp\u00fclt die Seife wieder mit einem Holz- oder heute Plastikk\u00fcbel ab. Japaner f\u00fcrchen nichts mehr, als dass ein Gaijin, ein Au\u00dfenmensch ungereinigt in das Wasser steigt, sich dort einseift und w\u00e4scht. Es kann schon mal vorkommen, da\u00df ein Japaner sofort den Ofuro verl\u00e4\u00dft, wenn ein Gaijin ins Wasser steigt. Schlimm ist auch, wenn der Gaijin, nachdem er sich im Bad gereinigt hat, das Wasser abl\u00e4\u00dft. Das hei\u00dfe Wasser steht von etwa 6 bis 11 jeden Abend f\u00fcr Alle bereit und wird an diesem Tag nicht gewechselt.<\/p>\n<p>In vielen Ryokan ist man auch stolz auf das Essen, das serviert wird. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/teeweg.de\/graphik\/blog\/sakoya_food.jpg\" border=\"0\" alt=\"\" hspace=\"10\" vspace=\"10\" width=\"321\" height=\"225\" align=\"left\" \/>Daf\u00fcr wird absolute P\u00fcnktlichkeit beim Abendessen verlangt. Alles ist ganz frisch und auf die Minute genau vorbereitet. Nichts schlimmer als ein Gast, der zu sp\u00e4t zum Essen kommt. Das ist eine Beleidigung f\u00fcr den Koch. Meistens wird das Essen auf dem Zimmer serviert, aber wenn wir mit Gruppen unterwegs sind, serviert man meistens in einem Gemeinschaftsraum. Dabei sitzt man dann ganz traditionell auf dem Boden, das Essen auf niedrigen tischen. Einmal kam das gesamte K\u00fcchenpersonal nach dem Servieren des Essens und sa\u00df am anderen Ende des Raumes, um zuzuschauen, wie die Gaijin essen. Als wir das Essen, das wirklich k\u00f6stlich war, \u00fcber alles lobten, wurden sie sehr verlegen aber auch stolz. Das gr\u00f6\u00dfte Erstaunen aber l\u00f6ste die Tatsache aus, dass wir am Boden sitzend essen konnten &#8211; sowas, davon war man \u00fcberzeugt, k\u00f6nnen Gaijin nicht.<\/p>\n<p>Die meisten Ryokan sind wirklich wie Familien-Herbergen. Wenn man l\u00e4nger als einen Tag verweilt, geh\u00f6rt man schon zur Familie, ja auch wenn man das Erste mal in ein Ryokan kommt, f\u00e4llt schon die Begr\u00fc\u00dfung meistens so aus, als k\u00e4me man nach langer Abwesenheit wieder einmal nach Hause. Manchmal kann man dann auch an den besonderen T\u00e4tigkeiten der Hausherren teilnehmen. Dieses Mal werden wir in einem Ryokan sein, in dem der Hausherr Unterricht im traditionellen Kyogen erteilt. Kyogen ist eine Art Kom\u00f6dienspiel, das urspr\u00fcngliche zwischen den einzelnen Noh-St\u00fccken gespielt wurde, um die Zuschaer wieder aus dem tiefen Ernst zur\u00fcckzuholen. Die Hausherrin ist dar\u00fcber hinaus eine Kalligrafie-Meisterin und der Hausherr schnitzt Buddhafiguren.<\/p>\n<p>Fr\u00fcher hatte man Angst, die Gaijin in das Ryokan aufzunehmen, aber heute ist eine Wende zu beobachten. Die traditionellen Ryokan sterben und die Japaner wohnen lieber in einem Hotel westlichen Stils. Heute sind es eher die Gaijin, die manch eines der traditionellen H\u00e4user am Leben erhalten.<br \/>\nUnd die Preise? Man kann nirgend wo so g\u00fcnstig wohnen wie in einem einfachen Ryokan. Es muss ja nicht immer das Tawaraya sein.<\/p>\n<p>PS.:<br \/>\nWenn schon Tawaraya, dann im Fernsehen. Am Sonntag, den 24. Januar 2010 um 14.15 Uhr l\u00e4uft auf Arte ein Film \u00fcber das Tawaraya. Weblink: <a href=\"http:\/\/www.3sat.de\/dynamic\/sitegen\/bin\/sitegen.php?tab=2&amp;source=\/specials\/140553\/index.html\">Arte &#8211; Tawaraya<\/a><\/p>\n<div class=\"thanks_button_div\" \n                  style=\"float: left; margin-left: 0px;\"><div id=\"thanksButtonDiv_227_1\" style=\"background-image:url(http:\/\/www.teeweg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/thanks-you-counter-button\/images\/thanks_large_blue.png); background-repeat:no-repeat; float: left; display: inline;\"\n                onmouseover=\"javascript:thankYouChangeButtonImage('thanksButtonDiv_227_1', true);\" \n                onmouseout=\"javascript:thankYouChangeButtonImage('thanksButtonDiv_227_1', false);\"\n                onclick=\"javascript:thankYouChangeButtonImage('thanksButtonDiv_227_1', false);\" >\n                <input type=\"button\" onclick=\"thankYouButtonClick(227, 'You left &ldquo;Thanks&rdquo; already for this post')\" value=\"Danke 0\"\n                  class=\"thanks_button thanks_large thanks_blue\"\n                  style=\"  font-family: Verdana, Arial, Sans-Serif; font-size: 14px; font-weight: normal;; color:#39b778;\"\n                  id=\"thanksButton_227_1\" title=\"Click to leave &ldquo;Thanks&rdquo; for this post\"\/>\n             <\/div><div id=\"ajax_loader_227_1\" style=\"display:inline;visibility: hidden;\"><img decoding=\"async\" alt=\"ajax loader\" src=\"http:\/\/www.teeweg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/thanks-you-counter-button\/images\/ajax-loader.gif\" \/><\/div><\/div><div id=\"wp_fb_like_button\" style=\"margin:5px 5px 5px 0;float:left;height:100px;\"><script src=\"http:\/\/connect.facebook.net\/en_US\/all.js#xfbml=1\"><\/script><fb:like href=\"https:\/\/www.teeweg.de\/blog\/%e6%97%85%e9%a4%a8-ryokan\/\" send=\"false\" layout=\"standard\" width=\"450\" show_faces=\"false\" font=\"arial\" action=\"like\" colorscheme=\"light\"><\/fb:like><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Drau\u00dfen vor dem Fenster f\u00e4llt der Schnee. 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