{"id":1675,"date":"2013-02-23T10:54:25","date_gmt":"2013-02-23T09:54:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.teeweg.de\/blog\/?p=1675"},"modified":"2016-03-06T11:20:37","modified_gmt":"2016-03-06T10:20:37","slug":"die-reissende-zeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.teeweg.de\/blog\/die-reissende-zeit\/","title":{"rendered":"Die reissende Zeit"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_1676\" style=\"width: 760px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.teeweg.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/tsunami.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1676\" class=\"size-full wp-image-1676\" alt=\"Tsunami\" src=\"http:\/\/www.teeweg.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/tsunami.jpg\" width=\"750\" height=\"711\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1676\" class=\"wp-caption-text\">Die Flutwelle rei\u00dft alles in den Abgrund<\/p><\/div>\n<blockquote><p>&#8230;. und wenn die rei\u00dfende Zeit mir<br \/>\nZu gewaltig das Haupt ergreift und die Not und das Irrsal<br \/>\nUnter Sterblichen mir mein sterblich Leben ersch\u00fcttert,<br \/>\nLa\u00df der Stille mich dann in deiner Tiefe gedenken.<br \/>\nH\u00f6lderlin: Der Archipelagos<\/p><\/blockquote>\n<p>Kaum hat das Jahr der Schlange begonnen und schon kommen schlimme Nachrichten von Krankheiten an diesen stillen Ort.<\/p>\n<p>Manchmal erstarren wir geradezu vor Schreck vor solchen Nachrichten, manchmal verfallen wir in rasende Hektik. Warum gerade jetzt und warum gerade dieser Mensch? Aber das Schicksal fragt nicht nach Verdienst und Ruhm oder nach Gerechtigkeit und Ausgleich. Im Daodejing hei\u00dft es:<\/p>\n<blockquote><p>Himmel und Erde sind unparteiisch<br \/>\nStrohunde sind ihnen alle Dinge.<\/p><\/blockquote>\n<p>Strohhunde werden f\u00fcr bestimmte Zeremonien geflochten. Wenn sie nicht mehr gebraucht werden, sind sie nutzlos und werden achtlos beiseite geworfen und verbrannt. Bei Homer hei\u00dft es immer wieder, wenn einer der Heroen ein Opfer f\u00fcr Zeus brachte: &#8222;Dankend nahm Zeus das Opfer an, aber die Bitte erf\u00fcllte er nicht.&#8220; Gott, das Schicksal, die Zeit oder was auch immer f\u00fcr eine Macht da wirkt ist unbestechlich.<\/p>\n<p>Was soll man tun in solchen Zeiten? Hektische Aktivit\u00e4ten entfalten? Oder ist das nur ein Davonlaufen vor der Macht der rei\u00dfenden Zeit?<\/p>\n<p>H\u00f6lderlin hat in seinem Gedicht &#8222;Der Archipelagos&#8220; eine Antwort gegeben. Die Zeit bringt immer Ver\u00e4nderungen mit sich. Meistens hoffen wir, dass es positive Ver\u00e4nderungen sind. Aber manchmal erkennt man erst im Nachhinein, dass es gut so war, wie es gekommen ist. H\u00f6lderlin nennt das &#8218;Wechseln und Werden&#8216; die G\u00f6ttersprache, die es zu lernen gilt.<br \/>\nDer Meeresgott der Griechen t\u00f6nt immer noch, obwohl die alten Kulturen l\u00e4ngst schon weg gerissen worden sind. Die Menschen verehren den Archipelagos, wie H\u00f6lderlin das Meer der Griechen nennt, nicht mehr als einen Gott, aber die Natur bleibt stets die Selbe wie immer schon.<\/p>\n<blockquote><p>Aber du, unsterblich, wenn auch der Griechengesang schon<br \/>\nDich nicht feiert, wie sonst, aus deinen Wogen, o Meergott!<br \/>\nT\u00f6ne mir in die Seele noch oft, da\u00df \u00fcber den Wassern Furchtlosrege der Geist dem Schwimmer gleich &#8230;<br \/>\ndie G\u00f6ttersprache das Wechseln Und das Werden versteh\u2018<\/p><\/blockquote>\n<p>Was bleibt uns denn auch sonst, als &#8211; dem Schwimmer gleich &#8211; mit zu schwimmen auf den Wogen des tobenden Meeres? Auf der japanischen Malerei aus dem 13. Jhdt. sieht man unten die Menschen, die verzweifelt versuchen, ihr Hab und Gut zu retten. Aber oben erkennt man einen buddhistischen M\u00f6nche, der gelassen auf einem Flo\u00df aus Zweigen ruht, und meditierend auf das tosende Wasser schaut: in der Ruhe liegt die Kraft.<\/p>\n<p>Das Gegenbild der in sich ruhenden Stille, die gro\u00dfe Kraft schenkt und die Menschen in ihrem Schicksal miteinander verbindet, ist das hektische Treiben, in das wir normalerweise verfallen. Aber k\u00f6nnen wird denn unser Schicksal wirklich ver\u00e4ndern? Vielleicht vereinsamen wir in der Hektik unseres Treibens? So jedenfalls sagt es H\u00f6lderlin in seinem Gedicht:<\/p>\n<blockquote><p>Aber weh! es wandelt in Nacht, es wohnt, wie im Orkus,<br \/>\nOhne G\u00f6ttliches unser Geschlecht. Ans eigene Treiben<br \/>\nSind sie geschmiedet allein und sich in der tosenden Werkstatt<br \/>\nH\u00f6ret jeglicher nur und viel arbeiten die Wilden<br \/>\nMit gewaltigem Arm, rastlos, doch immer und immer<br \/>\nUnfruchtbar, wie die Furien, bleibt die M\u00fche der Armen.<br \/>\nBis erwacht vom \u00e4ngstigen Traum, die Seele den Menschen &#8230;<\/p><\/blockquote>\n<p>&#8222;Ans eigene Treiben sind sie geschmiedet allein.&#8220; Diese Wendung ist in ihrer Doppeldeutigkeit\u00a0 ein typischer H\u00f6lderlin. Die Menschen sind allein &#8211; lediglich und ausschlie\u00dflich &#8211; besinnungslos an das eigene Treiben geschmiedet, das hei\u00dft unfrei angekettet. Dadurch sind sie zugleich allein, jeder nur f\u00fcr sich. Niemand h\u00f6rt auf den Anderen. Aber alles hektische und rastlose Bem\u00fchen bleibt unfruchbar, weil es nicht auf die Zeit und ihren Gang h\u00f6rt. Erwachen wir aus dem &#8218;\u00e4ngstigen Traum&#8216; und erinnern uns an die Kraft, die in der Tiefe der Natur und in der Tiefe unseres eigenen Wesens liegt.<\/p>\n<p>Auch der Tod ist nur ein Teil der G\u00f6ttersprache des Wechselns und Werdens.<br \/>\nUnd das Leben ist ein Traum, den wir tr\u00e4umen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"thanks_button_div\" \n                  style=\"float: left; margin-left: 0px;\"><div id=\"thanksButtonDiv_1675_1\" style=\"background-image:url(http:\/\/www.teeweg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/thanks-you-counter-button\/images\/thanks_large_blue.png); background-repeat:no-repeat; float: left; display: inline;\"\n                onmouseover=\"javascript:thankYouChangeButtonImage('thanksButtonDiv_1675_1', true);\" \n                onmouseout=\"javascript:thankYouChangeButtonImage('thanksButtonDiv_1675_1', false);\"\n                onclick=\"javascript:thankYouChangeButtonImage('thanksButtonDiv_1675_1', false);\" >\n                <input type=\"button\" onclick=\"thankYouButtonClick(1675, 'You left &ldquo;Thanks&rdquo; already for this post')\" value=\"Danke 1\"\n                  class=\"thanks_button thanks_large thanks_blue\"\n                  style=\"  font-family: Verdana, Arial, Sans-Serif; font-size: 14px; font-weight: normal;; color:#39b778;\"\n                  id=\"thanksButton_1675_1\" title=\"Click to leave &ldquo;Thanks&rdquo; for this post\"\/>\n             <\/div><div id=\"ajax_loader_1675_1\" style=\"display:inline;visibility: hidden;\"><img decoding=\"async\" alt=\"ajax loader\" src=\"http:\/\/www.teeweg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/thanks-you-counter-button\/images\/ajax-loader.gif\" \/><\/div><\/div><div id=\"wp_fb_like_button\" style=\"margin:5px 5px 5px 0;float:left;height:100px;\"><script src=\"http:\/\/connect.facebook.net\/en_US\/all.js#xfbml=1\"><\/script><fb:like href=\"https:\/\/www.teeweg.de\/blog\/die-reissende-zeit\/\" send=\"false\" layout=\"standard\" width=\"450\" show_faces=\"false\" font=\"arial\" action=\"like\" colorscheme=\"light\"><\/fb:like><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8230;. und wenn die rei\u00dfende Zeit mir Zu gewaltig das Haupt ergreift und die Not und das Irrsal Unter Sterblichen mir mein sterblich Leben ersch\u00fcttert, La\u00df der Stille mich dann in deiner Tiefe gedenken. 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