{"id":11913,"date":"2020-12-14T11:50:34","date_gmt":"2020-12-14T10:50:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.teeweg.de\/blog\/?p=11913"},"modified":"2020-12-14T16:36:02","modified_gmt":"2020-12-14T15:36:02","slug":"ketzerische-gedanken-eines-alten-tee-zausels-beim-gesang-des-teekessels","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.teeweg.de\/blog\/ketzerische-gedanken-eines-alten-tee-zausels-beim-gesang-des-teekessels\/","title":{"rendered":"Ketzerische Gedanken eines alten Tee-Zausels beim Gesang des Teekessels."},"content":{"rendered":"<p>Drau\u00dfen ist es kalt. Seit Tagen schon liegt dichter Nebel \u00fcber dem Land. Die riesige Fichte im Garten verschwindet fast wie ein dunkler Schatten  im Grau. Die Felder, die Wiesen und der Wald schimmern kaum sichtbar mit Schnee bedeckt im, n\u00e4chtlichen Nebel. Die Schafe auf der Wiese sind wieder weitergezogen. Nicht einmal ihr Bl\u00f6ken st\u00f6rt die Stille. Der nasse Schnee verschluckt alle Ger\u00e4usche. Der alte Kater schaut misstrauisch und vorsichtig aus der Haust\u00fcr. Schneit es noch? Oder ist der Schnee schon zum nassen Nebel geronnen? Schnell wieder ins warme Haus zur\u00fcck!<br \/>\nLeise gleitet das ganze Land in stilleren Abend.<br \/>\nGeheimnisvoll steigt die dunkle Nacht auf, und niemand wei\u00df, was sie bereitet.<br \/>\nSelbst der Mond, der n\u00e4chtliche Freund, ist verborgen im Nirgendwo.<\/p>\n<p>Ohnehin ist es seit langem schon still geworden. Corona liegt wie eine schwere Last auf dem ganzen Land. In den n\u00e4chsten Tagen werden wohl wieder einmal die Gesch\u00e4fte schlie\u00dfen und die Schulkinder d\u00fcrfen zu Hause lernen. Homeschooling hei\u00dft das jetzt.<br \/>\nTrotz des \u201aLockdown light\u2018 sinken die Zahlen der positiv Getesteten nicht. Hei\u00dft das, die Ma\u00dfnahmen sind nicht streng genug? Oder sind sie unwirksam, weil es nicht die Richtigen waren? Oder ist es einfach der Winter, den das Virus liebt?<br \/>\nVielleicht m\u00fcsste das Gesundheitssystem wieder gest\u00e4rkt werden. Es nutzt nichts, wenn man teure Ger\u00e4te anschafft. Es braucht Menschen, die sie bedienen k\u00f6nnen. Seit vielen Jahren schon arbeiten die \u00c4rzte im Krankenhaus am Limit. Pflegepersonal wechselt in andere Berufe, weil der Stress bei schlechter Bezahlung zu gro\u00df wird. Aber das Personal wieder aufzubauen, kostet viel Zeit und Geld. Und es verhindert auch keine Neuinfektionen, verbessert aber die Behandlungen. Das ist auf Dauer billiger, als viel Geld Betriebe zu stecken, die zwangsweise geschlossen sind.<br \/>\nSicher, das Virus ist nicht harmlos. Es ist verantwortungslos, unachtsam durch den Sp\u00e4therbst und Winter zu ziehen, in Nichtachtung des Virus. Das war in Zeiten von Infektionswellen schon immer so und entspringt dem gesunden Menschenverstand.<\/p>\n<p>Sucht sich das Virus gezielt die alten Leute? Freilich, auch junge Menschen sterben am Virus, aber eigentlich sind es h\u00e4ufig die alten Leute, die dahinscheiden, selbst viele \u00fcber Neunzigj\u00e4hrige. Sterben sie jetzt am Virus oder vor Einsamkeit oder ganz einfach am Alter? Lohnt es sich noch, weiterzuleben, wenn das Leben nur noch ein Warten auf den Tod ist?<br \/>\nAuf meinen Schultern liegen viele Jahre. Meine B\u00fccher wollen fertig geschrieben werden. Freunde warten, dass ich ihnen eine Shakuhachi baue, und sie freuen sich auf den online Unterricht. Und der neue Teeraum ist auch noch nicht wirklich fertig. Ich habe noch so viel zu tun! Aber interessiert das den Tod? Vermag ich ihn, wenn er kommt?<br \/>\nOder muss man mich jetzt vor Besuch sch\u00fctzen? Und Geschenke im Keller einsperren, weil die ja mit dem Virus verseucht sein k\u00f6nnten? Aber was ist dann mit den Lebensmitteln aus dem Supermarkt? Sollte etwa auch das Toilettenpapier verseucht sein? Die Freunde m\u00fcssen fern bleiben, sie k\u00f6nnten uns ja infizieren.<\/p>\n<p>Sollte man uns Alten besser einsperren, damit uns der Tod nicht ereilt? Aber der hat einen Weltuniversalschl\u00fcssel und kommt durch jede T\u00fcr. Nicht die Angst vor dem Tod sollte unser Leben bestimmen. Mit dem Eintritt in das Leben treten wir zugleich ein in das Sterben. Wir sterben von Geburt an. Und das fortw\u00e4hrend. Das ganze Leben ist ein Loslassen und ein Abschied. Aber vielleicht machte gerade das die Kostbarkeit des wirklich gelebten Augenblicks aus! Leben wir den Augenblick, damit wir einst sagen k\u00f6nnen: \u201eJa, ich habe gelebt! Und es war gut!\u201c Nicht die gro\u00dfen Dinge machen das Leben so wertvoll. Nicht die Luxusvilla und die sch\u00f6nen Autos, nicht die Luxusreisen in die Ferne. Auch nicht, wenn man Pr\u00e4sident von Amerika oder der K\u00f6nig der Welt w\u00e4re!<\/p>\n<p>Das ganze Land scheint in winterliche Starre zu verfallen.<br \/>\nAber vielleicht bringt diese neue Stille wieder etwas mehr Besinnung in die staade Zeit? Fr\u00fcher einmal brach schon fr\u00fch der Weihnachtswahnsinn los. Auch in Japan habe ich Anfang Oktober bei sch\u00f6nstem Sonnenschein und Temperaturen um 20 Grad erlebt, wie pl\u00f6tzlich alle Gesch\u00e4fte von \u201aSanta Kurausu\u2018 \u00fcberrannt wurden. Eigentlich sollte man gleich nach Ostern mit der Weihnachtsdekoration beginnen, damit man rechtzeitig zu Weihnachten fertig wird. Wegen der drei Feiertage, die hektisch im Besuch von Eltern und Schwiegereltern aufgeteilt waren, und in denen man dann noch in den Skiurlaub aufbrechen musste, gab es monatelangen Vorbereitungsstress. Das sch\u00f6nste Fest des Jahres: Advent Advent, der Christbaum brennt!<\/p>\n<p>Aber wir leben nicht in der Hektik der Stadt. Um uns die l\u00e4ndliche Abgeschiedenheit und Stille. Und im Teeraum im alten Forsthaus am Waldrand?<br \/>\nDer Teekessel singt \u00fcber dem Holzkohlenfeuer. Die uralten Eichenbalken d\u00e4mmern dunkel im sanften Schatten der Kerzen. Der Duft von R\u00e4ucherwerk verwandelt den Raum mit seinen schlichten Lehmw\u00e4nden in das reine Land Buddhas. Wohliger Duft scheint die ganze Welt zu erf\u00fcllen. Tiefer Frieden ergreift uns, und wir genie\u00dfen den herb duftenden Tee, versammelt um die rot gl\u00fchenden Holzkohlen, die im D\u00e4mmerlicht leuchten. \u00d6ffnet man die Schiebet\u00fcr aus Papier nur ein klein wenig, dringt ein Gru\u00df von der K\u00e4lte drau\u00dfen herein. Aber das l\u00e4sst die wohnlich, wohlige W\u00e4rme noch heimeliger und geborgener werden.<br \/>\nStill! H\u00f6rst du nicht den Teekessel singen wie den Wind in den Kiefern?<br \/>\nHeute ist heute.<br \/>\nWas morgen sein wird, wei\u00df ohnehin niemand.<br \/>\nGenie\u00dfen wir den Augenblick und den Tee und freuen uns an der Stille!<br \/>\nDas ist einfach nur: leben!<\/p>\n<div class=\"thanks_button_div\" \n                  style=\"float: left; margin-left: 0px;\"><div id=\"thanksButtonDiv_11913_1\" style=\"background-image:url(http:\/\/www.teeweg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/thanks-you-counter-button\/images\/thanks_large_blue.png); background-repeat:no-repeat; float: left; display: inline;\"\n                onmouseover=\"javascript:thankYouChangeButtonImage('thanksButtonDiv_11913_1', true);\" \n                onmouseout=\"javascript:thankYouChangeButtonImage('thanksButtonDiv_11913_1', false);\"\n                onclick=\"javascript:thankYouChangeButtonImage('thanksButtonDiv_11913_1', false);\" >\n                <input type=\"button\" onclick=\"thankYouButtonClick(11913, 'You left &ldquo;Thanks&rdquo; already for this post')\" value=\"Danke 77\"\n                  class=\"thanks_button thanks_large thanks_blue\"\n                  style=\"  font-family: Verdana, Arial, Sans-Serif; font-size: 14px; font-weight: normal;; color:#39b778;\"\n                  id=\"thanksButton_11913_1\" title=\"Click to leave &ldquo;Thanks&rdquo; for this post\"\/>\n             <\/div><div id=\"ajax_loader_11913_1\" style=\"display:inline;visibility: hidden;\"><img decoding=\"async\" alt=\"ajax loader\" src=\"http:\/\/www.teeweg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/thanks-you-counter-button\/images\/ajax-loader.gif\" \/><\/div><\/div><div id=\"wp_fb_like_button\" style=\"margin:5px 5px 5px 0;float:left;height:100px;\"><script src=\"http:\/\/connect.facebook.net\/en_US\/all.js#xfbml=1\"><\/script><fb:like href=\"https:\/\/www.teeweg.de\/blog\/ketzerische-gedanken-eines-alten-tee-zausels-beim-gesang-des-teekessels\/\" send=\"false\" layout=\"standard\" width=\"450\" show_faces=\"false\" font=\"arial\" action=\"like\" colorscheme=\"light\"><\/fb:like><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Drau\u00dfen ist es kalt. 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