Ichimai Kishomon - Das Ein-Blatt Testament.


Der Verfasser

Rikyû wird ein einzelnes, handgeschriebenes Blatt zugeschrieben. Es wird als
ichimai kishomon, das Ein-Blatt Testament bezeichnet.

Es ist in einer Sammlung von Manuscripten enthalten, den "Sukido Shidai", die auf "Keicho 7" (1602) datiert ist. Das heißt, daß das Ichimai kishomon mindestens bereits 10 Jahre nach dem Tod Rikyû's öffentlich bekannt war.
Eine leicht abweichende Version dieses Papiers wurde 1852 veröffentlicht und trägt den Titel: "Takuan Osho Chanoyu Ichimai Kishomon" - 'Zenmeister Takuan's Ein-Seiten Testament über Chanoyu'. 1852 war Zenmeister Takuan dreißig Jahre alt. Es erscheint eher unwahrscheinlich, dass er in diesem Alter ein "Testament" verfasst hat. Vielleicht wurde ihm das 'Testament' in dem Bemühen zugeschrieben, Tee und Zen in eine enge Beziehung zueinander zu bringen. In die gleiche Zeit fällt auch das "Zen-Cha Roku", das Tee und Zen gleichzusetzt. Der fragliche Text allerdings verbindet eher den 'Reine Land Buddhismus' mit Chanoyo. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts fühlte man wohl die Notwendigkeit, diese Nähe zu relativieren und den Tee wieder mehr in die Nähe von Zen zu rücken. Heute kann man vielleicht zwei extreme Auffassungen unterscheiden. Die eine Seite, eher in Japan vertreten, meint, Tee ist Tee und Zen ist Zen, während die westlichen Tee-Schüler eher der alten Richtung zuneigen, in der gilt: "Tee und Zen - ein Geschmack". Tatsache ist wohl, dass der Teeweg gerade dadurch ausgezeichnet ist, dass er weltanschaulich und religiös frei und offen ist. Im Teeweg sind selbstverständlich Zen-Elemente enthalten. Rikyû hat mit Sicherheit große Zen-Erfahrung im Daitôkuji gesammelt. Genauso aber kann man auch christliche Einflüsse im Teeweg nachweisen. Selbstverständlich, wie könnte es anders sein, sind ebenso sowohl einheimisch japanische Shintô- wie auch konfuzianische Vorstellungen enthalten.
Tsutsui Hiroshi, Direktor der Urasenke Konnichian Bibliothek meint, dass der Verfasser entweder Rikyû selbst oder eine ihm oder seiner Tradition sehr nahe stehende Person war.

Ichimai Kishomon und das Reine Land

Das 'Testament' ist teilweise nahezu wortgleich mit einem viel älteren Dokument, das ebenfalls als Ein-Blatt Testament bezeichnet wird und das zu Rikyû's Zeiten außerordentlich populär war. Man kann davon ausgehen, dass das Testament über den Teeweg bewusst an dem anderen, älteren und ungleich bekannteren Testament orientiert ist.
Hierbei handelt es sich um das Testament Hônen's, der eine zentrale Rolle bei der Etablierung des Reinen Land Buddhismus in Japan spielte.
In einer Biografie Hônen's heißt es:

Als der Meister (Hônen) lag und sein Ende erwartete, bat ihn (sein Schüler) Seikan - Bo, eigenhändig und kurz gefasst das Wesentliche das Wesentliche des Nembutsu aufzuschreiben, obwohl er Hônen's Lehre einige Jahre direkt aus dessen Mund gehört hatte. Er sagte, dass er diese Aufzeichnung wie ein Schatz als Andenken bewahren würde.

Rikū's "Testament" ähnelt im Aufbau und Wortlaut dem Testament Hõnen's so stark, dass man vermuten kann, dass dieses Dokument als Vorlage gedient hat. Damit rückt Rikyū's Testament den Tee und Rikyū's Ideen über den Teeweg sehr stark in die Näher der Philosophie von "Reinen Land". Der Teeraum ist wie das "Reine Land" selbst.

Hōnen hatte als wichtigste Übung auf dem Weg in das "Reine Land" die Rezitation des NAMU AMIDA BUTSU empfohlen. Wer diese Rezitation eintausendmal durchgeführt hatte, trug in seinem Naman das "Sen - Ami", tausendmal Amida gepiesen. Sehr wahrscheinlich kommt der Familienname Rikyū's aus dieser Tradition: Sen hat tausendmal (Sen) Amida gepriesen.


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