KAMO NO CHÔMEI

Hô Jô Ki:
Aufzeichnungen aus den zehn Fuß im Quadrat meiner Hütte.

Manuskript des HoJoKi aus dem Daifukukôji, Kyôtô Der Strom des dahinziehenden Flusses nimmt kein Ende, und doch ist es nicht das ursprüngliche Wasser. Die Schaumblasen, die auf dem seichten Wasser schwimmen, vergehen und bilden sich neu, und es gibt kein Beispiel, daß sie für längere Zeit bleiben. Geradeso verhält es sich mit den Menschen und ihren Behausung auf dieser Welt.

....Am Morgen stirbt der eine, am Abend wird der andere geboren - dieses Schicksal ist den Schaumblasen auf dem Wasser fürwahr gleich. Man weiß nicht, woher sie kommen, wohin sie gehen, die Menschen, die geboren werden und sterben. Und man weiß nicht, um wessen willen sie ihr Herz quälen, weshalb sie ihr Auge sich erfreuen lassen bei ihrem flüchtigen Aufenthalt. Herr und Behausung wetteifern in der Vergänglichkeit nicht anders wie Morgenwinde und Tau.
Einmal fällt der Tau zu Boden und die Blüte bleibt. Selbst wenn ich sage, sie bleibt, so vertrocknet sie doch in der Morgensonne. Einmal verwelkt die Blüte und der Tau zergeht nicht. Selbst, wenn ich sage, er vergeht nicht, so kommt es doch nicht vor, daß er den Abend erwartet.

Hier nun kam es soweit, daß der Tau der sechzig Lebensjahre sich anschickte dahinzuschwinden und wieder baute ich eine Hütte, die letzte. Es ist gleichsam, als baute ich die Unterkunft eines Wanderers für die Nacht, als beschäftigte ich mich mit dem einer zu alt gewordenen Seidenraupe.

......Wie man so sagt - das Alter wird von Jahr zu Jahr größer, die Behausung wird von mal zu mal enger.

Der Zustand meines Hauses gleicht nicht dem Alltäglichen. In der Breite sind es gerade zehn Fuß in der Höhe kaum sieben.

Nun, nachdem ich tief hinten auf dem Hino-Berg meine Spur verborgen hatte, steckte ich im Osten ein Vordach von mehr als drei Fuß ab und machte es zur Vorrichtung, wo ich das Reisig breche und verbrenne. Im Süden habe ich ein Rost aus Bambus hingebreitet, im Westen machte ich mir einen Sims für Opferwasser, gegen Norden zu, abgetrennt durch einen Wandschirm, habe ich ein Bild des Amida aufgestellt, daneben habe ich "FUGEN" hingeschrieben, und davor habe ich das Lotos-Sutra hingelegt .... an der Seite stellte ich eine Kôto und eine Biwa hin.

...So also ist es in meiner flüchtigen Herberge. ... Meine einstweilige Herberge ist mir mit der Zeit ein liebes Zuhause geworde. Tief liegen die verwelkten Blätter in der Traufe, und das Fundament ist von Moos überwachsen. ..Ist der Geist nicht im Frieden, nützen weder Elefanten, Pferde oder die sieben Dinge, noch ist der Besitz von Palästen oder Turmbauten von Bedeutung. Jetzt liebe ich von ganzem Herzen diese einsame Klause, auch wenn sie nur eine einfache Hütte von einem Raum ist.

Mein Leben neigt sich nun gleich dem Mond im Nachthimmel, nur wenig noch und er wird hinter dem Rand der Berge versinken. Schon bald werde ich mich anschicken, in die Finsternis der drei Wege einzutreten. ... So setzt sich meine Zunge in Bewegung, und ich begnüge mich damit, den Namen Amida Buddhas, ohne Ansinnen, zwei-, dreimal zu singen.

Dies hat der Shami Renin am letzten Tag des dritten Monats im zweiten Jahr Kenryaku (1212) in seiner Hütte auf dem Tôyama aufgezeichnet.


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