Temmoku Teeschalen

Charakteristik der Temmoku - Schalen

Die frühen Temmoku-Schalen sind relativ klein, da sie vermutlich überwiegend benutzt wurden, um Medizin anzurühren. Die spitze Form mit dem engen Boden ist besonders gut geeignet, eine kleine Menge der pulverisierten Drogen mit Wasser zu vermischen, da die Masse immer wieder in den Boden zurücksinkt.
Am oberen Rand ist eine Rille eingedreht, die einerseits erleichtert, die Schale mit den Fingern zu halten, andererseits als Trinkrand dient. Die frühen Schlen sind mit einer sehr stark eisenhaltigen, fast schwarzen Glasur versehen, die allerdings im geschmolzenen ZUstand sehr leicht abläuft. Darum kann es vorkommen, das am Trinkrand nur noch sehr wenig oder sogar überhaupt keine Glasur mehr vorhanden ist. Sie ist an der Schalenwand abgelaufen. Innen bildet sich häufig ein Sunpf von dicker Glasur, außen bilden sich dicke Tropfen am unteren Rand.
Temmoku-Schale "Numata"
Südliche Song Dynastie
13.- 14. Jhd.
am Boden Rikyû's Zeichen
Damit die Glasur im Ofen nicht völlig abtropft und die Ofenplatten verunreinigt, ist der untere Rand flacher gefort. Dadurch bildet sich eine Kante an der Außernseite der Schale, an der die Glasur nicht weiter nach unten Fließen kann. Hier sammelt sich die Glasur in dicken Tropfen. Der Boden bleibt auf diese Weise frei von Glasur und die Schale bleibt nicht an der Ofenplatte durch abgelaufene Glasur kleben.

Unangenehm ist das Fehlen der Glaur am oberen Trinkrand. Deshalb wurden die Temmoku-Schalen am Trinkrand mit einem dünnen Gold- oder Silberblech eingefasst. Dort, wo das Blech zusammengelötet ist, bildet sich unter Umständen ein schmaler Ritz. Bei der Verwendung der Schale ist hier die Vorderseite der Schale. Weil die Schale vor dem Trinken gedreht wird, ist damit sichergestellt, dass man sich nicht eventuell die Lippen an diesem Ritz verletzen kann.

Alle diese Merkmale kann man sehr gut an der Temmoku-Schale aus dem Besitz Rikyû's erkennen. Diese "gelbe" Temmoku ist im oberen Teil mit einer gelblichen Engobe bedekt, der Fuß ist frei geblieben. Die Engobe ist mir der dicken, fast schwarzen Glasur überzogen, die an einigen Stellen dicke Tropfen gezogen hat. Der Trinkrand ist mit einem Silberblech eingefaßt.

Temmoku-Dai

Temmoku-Schalen wurden niemals allein benutzt. Sie standen immer auf einem Dai, einem kleinen Gestell. Das Dai besteht immer aus einem unteren runden Fuß, einem relativ breiten dünneren Rand, an dem die Schale getragen werden kann und einem oberen Fuß, in dem die eigentliche Teeschale ruht. Dem Geschmack der damaligen Zeit entsprechend waren die Ständer meistens aus aufwendigem Schnitzlack hergestellt, der in vielen Schichten aufgetragen wurde und aus dem dann die Muster herausgeschnitten wurden. Inwieweit diese Ständer einem reinen praktischen Zweck gedient haben ist nicht ganz klar. Aber auf jeden Fall bekommt das Set aus Dai und Teeschale eine symbolische Bedeutung.

Symbolik von Temmoku- Schale und Dai
Zählt man die Elemente, aus denen das komplete Set besteht, so sieht man, dass es aus vier Teilen besteht: dem unteren Fuß, dem Trag-Rand, dem oberen Fuß und aus der Schale selsbt. Das Getränk in der Schale, im unserem Fall der Tee ist das fünfte Element. Damit ist die Schale mit dem Tee ein kleiner Kosmos, der ja aus fünf Elementen zusammengesetzt ist.
Nach der Deutung des esoterischen Buddhismus, etwa des Shingon entspricht der Temmoku-Chawan zusammen mit dem Dai der fünfteiligen Schatzpagode aus den Elementen 地 輪 ji rin - dem Erde-Rad oder Element, 水 輪 sui rin - dem Wasser Element, 火 輪 ka rin - dem Feuer Element, 風 輪 Furin - Luft oder Wind, und dem Wunschjuwel bzw. dem Spitzenelement der Pagode, dem 空 輪 Ku rin, der Leere, dem Raum, der die Erlösong vom Leiden darstellt. Die Stelle des Juwels nimmt im Temmokuchawan der Tee selbst ein, der ja als Heilmittel auch als der Erlöser verstanden werden kann. Sein bitterer Geschmack gleicht dem bitteren und klaren Geschmack des Erwachens im Buddhismus.

In der frühen Zeit wurde der Tee in China als Heilmittel, ja als Mittel zur Erlangung der Unsterblichkeit gesehen. Der erste Qin Kaiser Shiuang (ca. 221 - 207 v.Chr.) sehnte sich nach Unsterblichkeit und er ließ der Legende zufolge den Tee zusammen mit pulverisierter Jade zubereiten. Jase, als stein gewordenes Mondlicht war mit magischen Kräften versehen, die Unsterblichkeit verleihen konnten. Der mit Jade gemischte Tee galt als "flüssige Jade" und wurde als das Daoistische Elixier des Lebens angesehen. In einer Temmoku-Schale nimmt er ohnehin die Stellung des Juwels oder des Smaragd ein, was sicher noch seine Wirkung potenzieren sollte.