In memoriam Michael A. Birch

一月 Ichigatsu - JANUAR

Chadô im Januar

Die ersten Wochen des Januar sind geprägt vom Jahreswechsel und stehen ganz in der Erwartung des verheißungsvollen Neubeginns. Beim Neujahrsmahl herrschen die Farben rot / weiß vor, denn sie bedeuten Glück und Neuanfang. In der Tokonoma dekoriert man ein spezielles Neujahrsarrangement. Auf einen kleinen Ständer wird Kombu (Seetang für Suppe) gelegt, weil sein Name an Glück erinnert. Darauf liegen Reis oder große Kuchen aus Reismochi, weil immer reiche Nahrung da sein soll. Eine Mandarinenart "Dai" wird in wenigsten drei Stufen darauf gelegt, weil "Dai - Dai - Dai" klingt wie "Generation - Generation ..." (Dai = Mandarine und Generation) Häufig ergänzt ein Hummer den Aufbau, weil er weißes Fleisch in einer roten Schale hat und weil das Schriftzeichen für 10. 000 von einem Skorpion abgeleitet ist, der mit seinen zwei Scheren und dem Hinterleib Ähnlichkeit mit dem Skorpion hat, aber angenehmere Empfindungen hervorruft. Der Skorpion wird ja bekanntlich 10.000 Jahre alt (?!). Kiefernzweige für langes Leben und Dauer schmücken den ganzen Aufbau, der als Horai bezeichnet wird, so wie der Berg im Nordosten, auf dem die Glücksgötter wohnen.
Teeeinladungen sind von diesem Gefühl für den festlichen Neubeginn gekennzeichnet. Erste Blüten wie Winternarzissen schmücken die Tokonoma. Obwohl draußen die Dunkelheit vorherrscht, bemüht man sich, die Atmosphäre des neuen Lichte in den Teeraum zu tragen. Vielleicht wird sogar eine schlichte Raku-Teeschale verwendet, die innen mit Blattgold überzogen ist. Die Natsume, die Dose für den dünnen Tee darf gern mit reichen Goldmuster, vielleicht dem Schatzschiff und den sieben Glücksgöttern verziert sein.

日 出 乾 坤 輝
Hi idete Ken Kon kagayaku

Wiederkehrende Sonne: Himmel und Erde funkeln.


toshi no uchi ni
haru wa kinikeri
hitotose o
kozo to ya iwamu
kotoshi to ya iwamu
Im alten Jahr
hat der Frühling schon begonnen -
soll ich dieses Jahr
nun letztes
oder neues nennen?

Kokin Wakashu

Der Tag des Frühlingsanfangs - risshun - nach dem heutigen Sonnenkalender Anfang Februar, lag nach der alten Zeitrechnung des Mondkalenders manchmal noch im alten Jahr. Damit lag der erste Tag des neuen Jahres später als der Frühlingsanfang. In der Gedichtsammlung Kokin Wakashu wird dies zum Anlass genommen, die strikte zeitliche Abfolge von altem und dann neuem Jahr aufzuheben. Wenn der Tag des Frühlingsbeginns bereits im alten Jahr lag, bedeutet dies, dass es streng genommen gar kein "neues" Jahr gibt. Alt und neu sind untrennbar ineinander verwoben. Der absolute Neubeginn ist nichts als eine Fiktion - die "neue" Zeit trägt den Samen der "alten" in sich und die Dinge entwickeln sich aus der Tradition des Alten weiter. Nur wenn das Alte und das Neue in Harmonie miteinander verwoben sind, trägt das Neue gute Früchte.

Bei der Urasenke, die Rikyû's Tradition seit 15 Generationen lebendig hält, wird deshalb der Jahreswechsel in einer besonderen Weise begangen.
Am letzten Abend des alten Jahres wird noch ein letztes mal Tee zubereitet. Die Holzkohle wird sorgfältig mit Asche bedeckt und die Luftzufuhr wird reduziert, indem die Feuerstelle mit einer speziellen Haube abgedeckt wird. Früh am nächsten Morgen wird mit den Resten der Glut vom Vorabend das neue Feuer entzündet und der erste Tee des neuen Jahres bereitet. Alt und Neu, Tradition und neue Zeit sind eng miteinander verwoben.

Jahreszeitenworte

  • 初空 Hatsu Sora
    Erster Himmel (der Himmel am ersten Tag des neuen Jahres)

  • 初日 Hatsu Hi
    Erster Tag des neuen Jahres

  • 蓬莱 Horai
    Auf dem Horai-Berg wohnen die sieben Glücksgötter. Sie bringen die Gaben wie langes Leben, Weisheit, Gesundheit, Reichtum usw. Die Tokonoma dekoriert man zu Neujahr in spezieller Weise mit Glückssymbolen. Diese Dekoration heißt ebenfalls Horai.

  • 宝舟 Takarabune
    Schatzschiff. Auf dem Schatzschiff senden die Glücksgötter ihre Gaben zu den Menschen. Reich beladen kommt das Schiff vom Horai-San im Nord-Osten auf dem Fluß, der nach Südwesten zum Großen Meer fließt. Ein Ort, der vom Glück gesegnet sein soll, muß also den Berg im NO und den Fluß haben, der von NO nach SW fließt. In einer solchen Lage wurde Heian Kyô, die Hauptstadt des himmlischen Friedens (Kyôtô) gegründet.
    Nicht immer findet man eine solch glückliche Lage für sein Haus. Die Zen - Klöster legten darum einfach einen Garten an, in dem diese Landschaft mit Kies und Steinen als "Kara San Sui", "Trockenlandschaft mit Bergen und Wasser", nachgebildet ist.
    Das berühmteste Beispiel ist der Garten des Daisen In, eines Subtempels des Daitokuji in Kyôtô, in dem sogar das Schatzschiff, aus einem Felsen geformt, zu sehen ist.

  • 人日 Jin Jitsu;   七草 Nana Kusa
    7.Januar: an diesem Tag wird eine Suppe mit sieben verschiedenen Gemüsen gegessen. Sie soll Glück und Gesundheit für das ganze Jahr bringen.

  • 松の内 Matsu no uchi
    Bis zum 15 Januar sind die Eingänge mit Neujahrsschmuck versehen. Nach diesem Tag wird der Schmuck entfernt. Das normale Leben des Jahres nimmt seinen Gang.

  • 初春 Hatsu haru
    Erster Frühling: Es handelt sich hier nicht um den Frühlingsanfang. Die Tage werden wieder länger und das Dunkel der letzten Zeit des Jahres läßt allmählich nach. Man hat das Gefühl, der Himmel wird wieder hell und man atmet förmlich wieder auf. Die ersten Tage des neuen Jahres, wenn die Sonne wieder Stärker wird, sind oft warm und lind wie ein Frühlingstag und manchmal duftet die Erde wie im Frühling. Zwar kommen Nachts noch harte Fröste, aber tagsüber sitzt man gern in den ersten Sonnenstrahlen und wärmt sich. Sogar die ersten Blüten zeigen sich manchmal unter dem Schnee.
    Leider war es aber noch nicht der ersehnte Frühling: es kommt noch neuer Schnee und später dann die große Kälte.

  • 初霞 Hatsu Gasumi
    Erster Nebel. Nebel spielt in Japan eine besondere Rolle. Er ist nicht nur unangenehm, vielmehr verbirgt er die Dinge und zeigt sie in einem geheimnisvollen Licht. Die Klarheit eines reinen Sonnentags nimmt den Dingen jedes Geheimnis. Alles leuchtet, und es scheint, als sei alles vollkommen offenbar. Der Nebel zeigt, daß die Dinge einen geheimnisvollen Schleier und Hintergrund haben.

  • 小寒 Sho kan
    Kleine Kälte um den 6. Januar

  • 大寒 Dai kan
    Große Kälte. Um den 22./23. Januar sind häufig die kältesten Tage des Jahres. Besonders schön sind diese Tage, wenn der Vollmond über einer Schneelandschaft am Himmel steht.

  • 寒月 Kan Getsu
    Kalter Mond. In dieser Zusammensetzung wird das Zeichen für Mond nicht als Monat sondern als Mond gedeutet. Der "kalte Mond" steht tief und riesengroß über einer verschneiten Landschaft. Die Kälte der Winternacht wird noch verstärkt durch diesen kalt-weiß frostigen Mond, der mit seinem kalten Licht förmlich allen Dingen die letzte Wärme zu entziehen scheint.

名物 Meibutsu: Namen für Teegeräte

Zwar können alle jahreszeitlichen Worte hergenommen werden, um besondere Gerätschaften damit zu benennen, aber in der Geschichte des Teeweges gibt es einige herausragende Meibutsu, "Namen-Dinge", Dinge, die so berühmt waren, daß Teemeister oder herausragende Personen ihnen einen Namen verliehen haben. Für die Übungen im Teeweg können solche Namen auch für "namenlose" Dinge genommen werden. Hier einige besondere Beispiele aus alten Aufzeichnungen über Teeeinladungen.

    茶入 Chaire - Behälter für den dicken Tee

  • 来福 Raifuku
    Künftiges oder kommendes Glück

  • 初草 Hatsu Kusa
    Diese Chaire hat keinerlei Pracht oder auffällige Merkmale. Alles ist völlig schlicht und unscheinbar wie das braune Gras, das gerade eben zwischen dem schmelzenden Schnee hervorlugt. Zwar ist das Gras noch unscheinbar und fast verborgen, aber es läßt in der Kälte und Todesstarre des Winters den Neubeginn ahnen.
    Rikyû nahm in einem Gespräch mit dem Mönch Nambô über wabi Bezug auf das berühmte Gedicht des Hofadligen Fujiware no Sadaie (miwatase ba hana mo momiji mo ... / man schaut sich um: weder Kirschblüten noch roter Ahorn ...). Rikyû antwortet mit einem weiteren Gedicht:

    hana wo nomi
    matsubaran hito ni
    yamazato no
    yuki ma no kusa no
    haru wo miseba ya.
    Zeigte man doch den nur die Kirschblüten
    erwartenden Menschen
    den Frühling
    der Gräser im tauenden Schnee
    des Bergdorfes!

    Wer die Pracht der Kirschblüten oder des rot leuchtenden Ahorn kennt, kann sich im Verzicht aus der Welt der Pracht zurückziehen. Dennoch ist dieser Rückzug von einer Wehmut und einer stillen Sehnsucht zurück gezeichnet. Wabi ist damit ein wehmütig-sehnsüchtiges Lebensgefühl einer reichen Schicht, die sich bewußt aus der Pracht zurückzog.
    Erst wenn es gelingt, aus der völligen Reduktion auf das Minimale, also aus dem unscheinbaren und versteckten Bergdorf im Schnee, wo nur einfache Bauern leben, den Blick auf das schlichte Gras, das verborgen unter dem Schnee auf die neue Zeit wartet zu richten, verliert sich die Sehnsucht zurück und der Blick richtet sich nach vorn!

    茶杓 Chashaku - Teelöffel

  • 蓬莱山 Horai San
    Der Berg Horai, der Wohnsitz der sieben Glücksgötter.

  • 千代の光 Chiyo no Hikari
    oder in der japanischen Lesung "Sen Dai no Hikari", wörtlich: Leuchten von tausend Generationen.
    Nach der japanischen Auffassung liegt nichts daran, daß der Einzelne glücklich wird oder ein langes Leben hat. Wichtiger ist, daß sein Werk, das er von vielen Generationen vor ihm übernommen hat, weitergeführt wird für "tausend Generationen". So leuchtet die Familie in der getreuen Überlieferung vieler Generationen und in der Weitergabe dieser alten Güter. Die Sen Familie hat nun seit mehr als 400 Jahren das Werk Rikyû's weitergeführt und wird es auch noch weit in die Zukunft tragen.

    茶碗 Chawan - Teeschalen

  • 雲海 Ûnkai
    Wolken - Meer. Die Wolken verdecken den klaren Himmel und bringen dunkles und trübes Wetter. Damit sind aber keinerlei negative Empfindungen verbunden, im Gegenteil. Die Wolken brechen das gnadenlos helle Licht und hüllen Alles in geheimnisvolles Dunkel. Bereits das Schriftzeichen 雲 zeigt oben den Regen, der von den Wolken gehalten wird. Der Regen bringt aber Reichtum und Fülle, weil er das Wachstum fördert.
    Das Meer, die "Mutter von Allem" (Schriftzeichen 海: vorn das Radikal für Wasser, danach oben 'Mensch' und unten 'Mutter': 'JEDER Mensch hat eine Mutter' ), der Ursprung von Allem. UNKAI ist damit nicht nur ein Meer von Wolken, es ist die Gabe des Lebens für alle.
    Für einen Chashaku wäre dies nicht der richtige Name. Der Chawan enthält den Tee wie einen Schatz, so wie die Wolken das Geheimnis und das Lebenswasser bergen.

  • 瑞雲 Zuiun
    Glückverheißende Wolke(n). 瑞 Zui ist ein gutes Omen, ein glückverheißendes Vorzeichen. Die Wolken bergen das kommende Glück.


二月 Ni Gatsu - Februar

Kasumi tachi
ko no me mo haru no
yuki fureba
hana naki sato mo
hana zo chirikeru
Dunst steigt auf,
an den Bäumen schwellen Knospen -
und da es jetzt, im Frühling schneit,
schweben auch in blütenlosen Dörfern
Blüten nieder.

Kokin Wakashu 

    Alte Namen für den Februar

  • 如月 Kisaragi
    如 gotoshi wird im Monatsnamen zusammen mit dem Schriftzeichen für den Monat als "Kisaragi - eine weitere Schicht anziehen" gelesen. Es ist immer noch kalt, die Räume werden innen allmählich feucht, so daß man gern unter dem Kimono noch eine weitere wärmende Schicht anlegt.

  • 初花月 Hatsu Hana Tsuki
    Monat der ersten Blumen. Noch im Schnee zeigen sich die ersten zarten Blüten der Winterpflaume.

  • 梅見月 Ume mi Tsuki
    Der Monat der Pflaumenblüten - Schau.
    Michizane, der gelehrte Minister und Dichter der Haianzeit liebte die Winterpflaume über alles. Später wurde ihm der Kitanoschrein gewidmet. Zu seiner Freude ist der Schrein dicht bepflanzt mit den Bäumchen der Pflaume, die im Februar ihre kleinen weißen Blüten zeigen. Darum hat auch der Kitanoschrein die Pflaumenblüte als Wappen.
    Rikyû veranstaltete 1587 für Hideyoshi am Kitano-Schein das 大北野茶会, das große Kitano Teetreffen , wo unter den Pflaumenbäumen hunderte von Teehütten standen. Noch heute ist der Kitano-Schrein mit seinen vielen Pflaumenbäumchen ein bevorzugter Ort für das Ume Mi.
    Auch Rikyû hat die Pflaumenblüte als Wappen

    一点梅花蕚 三千世界香
    I Ten Bai Ka gaku San Sen Sekai Kaoru
    Einer einzigen Pflaumenblüte Blütenkelch: Duft in dreitausend Welten.

    Die Winterpflaume ist klein und unscheinbar, ihr Duft ist kaum wahrzunehmen. Dennoch genügt ein einzigen Blütenkelch in einer kalten und rauhen Zeit, die Hoffnung wachzurufen. Ihr zarter Duft durchdringt die dreitausend Welten und verbreitet die Freude auf das Kommende.

    haru no yo no
    yami wa ayanashi
    ume no hana
    iro koso miene
    ka ya wa kakururu
    Die Dunkelheit der Frühlingsnacht
    steckt voll Widersinn -
    der Pflaumenblüte
    Farbe zwar ist nicht zu sehen,
    der Duft jedoch, ist er denn zu verbergen?

    Kokin Wakashu

    Die Pflaumenblüte, der Bambus und die Kiefer bilden eine sehr alte Dreiheit in der chinesischen und japanischen Bilderwelt. Die Pflaume steht für die Hoffnung und den Neubeginn, der Bambus für die Weichheit, Anpassung und Überlebensfähigkeit, die Kiefer für die Dauer und Langlebigkeit. Die japanische Lesung der Schriftzeichen lautet: UME, TAKE, MATSU. In der Dreierkombination werden sie chinesisch gelesen als Chô Chiku Bai. Chô Chiku Bai ist eine Kombination, die als glückverheißende Zeichen sehr viele Gegenstände des alltäglichen Gebrauches, aber auch viele Teegeräte ziert.

  • 雪消月 Yuki Shi Tsuki
    Der Monat, in dem der Schnee verschwindet

Chadô im Februar

Der Februar bringt zwar schon die ersten Anzeichen des neuen Lebens in der Natur, ist aber doch noch durch Dunkelheit und Kälte gekennzeichnet. Es wird noch recht früh dunkel, so daß man gern in den frühen Abendstunden Yobanashi-Chaji veranstaltet. Die Stimmung im Teeraum ist warm und herzlich, was noch durch die Verwendung der Öllampe und von Kerzen unterstrichen wird. Das Legen der Holzkohle vermittelt ein Gefühl der Wärme und Nähe. Unmittelbar nach dem Legen beginnt die Holzkohle knackend die Glut zu übernehmen, das Rot der Glut leuchtet im dunklen Raum und bald beginnt der Kessel zu singen wie "der Wind in den Kiefern". Wenn der Dampf aus dem Kessel aufsteigt, vergißt man die Kälte draußen und empfindet eine große Nähe zueinander.
Bei der Zubereitung von Usucha - Dünnem Tee - wird gern der Tsutsu-Chawan, eine hohe, zylinderförmige Teeschale verwendet, die den Tee nicht so leicht abkühlen läßt, die aber wunderbar warm und wohlig in den Händen liegt und die Kälte vergessen macht.
Am Ende der Einladung, die in lockerer und entspannter Gesprächsatmosphäre stattfindet, holt der Gastgeber den Holzkohlenkorb aus Maulbeer-Holz, der sonst nur im Vorbereitungsraum verwendet wird, um Holzkohle nachzulegen. Diese informelle Handlung ist die wortlose Einladung an die Gäste, gern noch zu einem kleinen Plausch um das Feuer zu bleiben, falls sie genügend Zeit haben.

Jahreszeitenworte

  • 雪間 Yuki Ma
    Das Schriftzeichen 間 'Ma' zeigt die Sonne, die durch die Flügel einer Tür lugt. Ma ist der 'Zwischenraum'. Yuki Ma, der Zwischenraum im Schnee: zwar liegt noch Schnee, aber die ersten Blüten leuchten bereit in diesem schneefreien Zwischenraum.

  • 薄氷 Usurai
    Dünnes Eis. Usurai ist nicht einfach dünnes Eis. Eis, das beginnt zu frieren und langsam dicker wird, kann nicht so bezeichnet werden. Eis das schmilzt, langsam dünner wird und verschwindet ist 'Usurai'. Noch nicht ganz "... vom Eise befreit sind Flüsse und Bäche", aber bald ist Ostern! Zu 'Usurai' gehört die Vorfreude auf die neue Wärme, die sicher kommt.
    Usurai ist aus zwei Kanji zusammengesetzt, nämlich 薄 haku oder usu(i), 'dünn' und 氷 hyô oder kôri, Eis. Beide zusammen werden gelesen als "hakuhyô". Teemenschen werden beim Schriftzeichen für 'dünn' 薄 sofort an Usucha, dünnen Tee denken und lesen die beiden Kanji darum als 'USU - RAI'.

  • 野山焼 No Yama Yaki
    Das Abbrennen der Berge und Felder. Früher hat man auch bei uns die verwelkten Gräser abgebrannt, um Raum für das neue Grün zu schaffen und mit der Asche den Boden zu düngen.
    In Nara findet seit Jahrhunderten am 15. Januar ein großes Feuerfest statt, bei dem der gesamte Waka kusa yama (Berg des jungen Grases) angezündet wird. Angeblich soll das Fest zurückgehen auf einen Streit zwischen den Mönchen des Todaiji und des Kofukuji, vermutlich ist es aber ein altes Fruchtbarkeitsfest, bei dem das Alte weggebrannt wird, um Raum für das Neue zu schaffen. Der Wakakusa Yama ist für Nara von großer Bedeutung. Das ganze Jahr über liegt er brach. Nur die heiligen Rehe dürfen ihn betreten. Wie eine ständige Mahnung liegt er oberhalb des Ortes am Weg zwischen dem Todaiji mit dem Großen Buddha und dem Kasuga-Schrein.

    kasuga no
    tobuhi no nomori
    idete miyo
    ima ikuka arite
    wakana tsumitemu
    Du Wächter
    des Signalfeuers auf den Kasuga-Feldern,
    gehe hin und schau!
    wieviele Tage sind es noch,
    bis man junge Kräuter pflückt?

    Kokin Wakashu

  • 下 燃 Shitamoe
    "Unten brennen". Shitamoe meint aber kein reales Feuer, das "unten" brennt.
    Allmählich beginnt sich die Vegetation wieder zu regen. Die ersten Gräser schieben zaghaft ihre Spitzen nach oben ans Licht, vorsichtig zeigen sich die ersten Knospen an Büschen und Sträuchern. Unter der Oberfläche brennt zaghaft des neue Feuer des Lebens, das nun immer stärker wird, bis endlich im Mai der 青嵐 Seiran, der 'Grüne Sturm', losbricht.

  • 雨水 Usui
    wörtlich: Regenwasser, gemeint ist: Frühlingsregen

  • 春寒 Shun Kan
    Frühlingskälte

名物 Meibutsu: Namen für Teegeräte

    茶入 Chaire - Behälter für den dicken Tee

  • 山の神 Yama no Kami
    Berg Kami. Niemand weiß genau, was "Kami" sind. Berge, Quellen, Seen, Steine, Bäume, die Ur-Ahnen, der verbannte Minister Michizane, der im Zorn in die Hauptstadt zurückkehrt, dann aber zum Schützer aller Lernenden wird? Manchmal sind Kami bedrohlich, manchmal hilfreich oder sogar rettend, immer aber ein klein wenig unheimlich. Nur mit Ehrfurcht sollte man sich ihnen nähern. Jedenfalls aber birgt eine Chaire mit diesem Namen einen kostbaren Schatz wie wohl auch mancher Berg.

  • 暮雪 Bosetsu
    Schnee im Zwielicht. "Gibt man eine Teegesellschaft an einem Tag, an dem es geschneit hat, muß man darauf achten, so wenig Fußspuren auf dem Gartenpfad zu hinterlassen wie möglich. Die Schneehaufen auf dem Wasserbecken und den Sträuchern bieten den reizvollen Anblick eines Schneelandes, die man unverändert lassen soll. Wenn Schnee bei einem Yobanashi, einem Abendtee liegt, soll man die Steinlaterne nicht anzünden, weil das Licht gegenüber dem Schnee wie aufgesogen wirkt und fahl und unansichtig scheint." Rikyû im Namboroku

     

    茶杓 Chashaku - Teelöffel

  • 籬の雪 Magaki no Yuki
    Schnee auf einem ländlichen Zaun. In kleinen Hauben sitz lustig der Schnee auf den Zaunspitzen.

  • 春の水 Haru no Mizu
    Wasser des Frühlings. Wenn die Sonne stärker wird, schmilzt der Schnee, Wasser tropft von den Dächern und Bäumen und der gefrorene Boden steht vor Nässe. Vorsichtig umquert man die Pfützen und muß darauf achten, die Füße trocken zu halten. Aber die Luft duftet rein und frisch nach geschmolzenem Schnee.

  • 洗心 Sen Shin
    Reinigen des Herzens. Der Duft des schmelzenden Schnees und das zunehmende Licht reinigen das Herz von der Dunkelheit des Winters.

     

    茶碗 Chawan - Teeschalen

  • 雪国 Yukiguni Schneeland

  • 夜寒 Yosamu
    Kalte Nacht. Auch wenn die Tage manchmal so warm werden, daß man genußvoll in der Sonne sitzen und sich an den ersten Sonnenstrahlen wärmen kann, so werden doch die Abende und Nächte oft noch empfindlich kalt.

  • 東雲 Shino Nome
    Ost-Wolken: In der Morgendämmerung färben sich die Wolken am östlichen Himmel rot. Aus der Dunkelheit leuchtet in kaltem Feuer der neue Tag, der verspricht, die Kälte der Nacht zu vertreiben.

  • 宿の梅 Yado no Ume
    宿 Yado ist eine Herberge oder eine Relaisstation, in der man sowohl Unterkunft als auch Nahrung findet und die Pferde versorgen kann. Die "Pflaumenblüte der Herberge" leuchtet dem Reisenden in der Kälte und Entbehrung seiner beschwerlichen Reise und verheißt den heimatlichen Duft in der Fremde. Was könnte auf dem beschwerlichen Weg des Lebens Besseres geschehen als das Aufleuchten dieser Verheißung?


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Sollten nur Fragezeichen oder andere Symbole zu sehen sein, so benötigt man evtl. Zusatzprogramme oder Plugins. Eines der besten Programme vertreibt NJStar in Australien. Mit dem Japanese Wordprozessor von NJStar sind auch die Kanji erstellt worden. Der NJSTAR Communicator läuft im Hintergrund aller Windowsprogramme und erlaubt sowohl das Betrachten von japanischen, chinesischen oder koreanischen Internetseiten als auch die Eingabe der Zeichen in diverse Programme, etwa Winword o.a.

Der Wordprozessor bietet wesentlich umfangreichere und komfortablere Möglichkeiten zur Eingabe der Schriftzeichen, bietet eine Reihe von sehr schönen Fonts und stellt wohl das beste Programm zum Schreiben von japanischen Zeichen für westliche Betriebssysteme dar. Durch die verschiedenen Möglichkeiten zur Suche von Kanji (Suche nach Radikalen, Strichzahl, Lautung), das integrierte Lexikon und die "Kanji-Informations" stell das Programm zudem eine hervorragende Lernhilfe dar.

Die Homepage von NJSTAR: http://www.njstar.com


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