{"id":5199,"date":"2019-02-16T11:22:07","date_gmt":"2019-02-16T10:22:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.teeweg.de\/blog\/?p=5199"},"modified":"2019-02-16T11:22:07","modified_gmt":"2019-02-16T10:22:07","slug":"sakura-sakura-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.teeweg.de\/blog\/sakura-sakura-2\/","title":{"rendered":"Sakura Sakura"},"content":{"rendered":"\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Soweit das Auge reicht &#8211; <br \/> Kirschbl\u00fcten und Weidenzweige<br \/> Bunt vermischt &#8211;<br \/> Fr\u00fchlingsbrokat ist wahrlich<br \/> Nun die Hauptstadt selbst.&nbsp;<\/p><p>Kokin Wakashu<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Kaum ein Ereignis versetzt die Japaner in h\u00f6here Aufregung als die erste Kirschbl\u00fcte im Jahr. Einmal war ich zu den Feierlichkeiten zum Totengedenktag des gro\u00dfen Teemeisters Sen no Rikyu (+ 1591) in der Urasenke Teeschule in der alten Kaiserstadt Kyoto. Hunderte von feierlich gewandeten Teelehrerinnen und Teelehrer waren gekommen, um gemeinsam des Todestages zu gedenken. Es war ein kalter Fr\u00fchlingstag mit eisigem Wind. Der Gro\u00dfmeister legte die Holzkohlen aufs Feuer und f\u00fcgte eine kleine Kugel mit Dufth\u00f6lzern hinzu. Der ganze Raum f\u00fcllte sich mit dem zarten Duft nach Kirschbl\u00fcten, obwohl weit und breit keine einzige Bl\u00fcte zu sehen war.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Nach Ende der Feierlichkeiten verlie\u00dfen wir die historischen Teer\u00e4ume und gingen ins Freie zu einem benachbarten Tempel. Pl\u00f6tzlich ert\u00f6nten schrille Schreie. Erschrocken lief ich hin, um zu helfen. Aber da standen einige Teelehrerinnen verz\u00fcckt unter einem Kirschbaum. Die allererste Bl\u00fcte war gerade in dem Augenblick aufgebrochen, als sie aus den Teer\u00e4umen kamen. Mit schrillen Entz\u00fcckensschreien versammelte sich eine riesige Schar von Teelehrerinnen und kommentierte diese erste Bl\u00fcte im Jahr: \u201eGenau in dem Augenblick, als wir von der Totenfeier kamen, brach die erste Kirschbl\u00fcte auf!\u201c<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-style-default is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Dieses Jahr<br \/> erlebt die Kirschbl\u00fcte<br \/>Zum ersten Mal den Fr\u00fchling &#8211;<br \/>Ich w\u00fcnschte, dass sie niemals<br \/> zu lernen brauchte, was fallen hei\u00dft<\/p><p>Kokin Wakashu<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p> Tats\u00e4chlich sehen die Japaner in der verg\u00e4nglichen Sch\u00f6nheit der Kirschbl\u00fcten ein Sinnbild f\u00fcr den Tod mitten in der Bl\u00fcte des Lebens. Entlang der Bachl\u00e4ufe werden gerne Kirschb\u00e4ume gepflanzt. Wenn dann die verg\u00e4nglichen Bl\u00fcten den Bachlauf dicht mit den abgefallenen Bl\u00fctenbl\u00e4ttern bedecken, dann ist das fast noch sch\u00f6ner als die Pracht der Bl\u00fcten an den B\u00e4umen. Beim kleinsten Windsto\u00df wirbeln die Bl\u00fctenbl\u00e4tter im Wind. Dieser Hana Fubuki&nbsp; &#8211; Bl\u00fctenschneesturm bedeckt das Haupt und das ganze Gewand, das zu einem Hana Goromi, einem bl\u00fctenbedeckten Zengewand wird.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn es regnet, fallen die Bl\u00fctenbl\u00e4tter auf das dunkelgr\u00fcne Moos unter den B\u00e4umen und f\u00e4rben es rosa. Welch wundervoll schwerm\u00fctiger Anblick der Sch\u00f6nheit in der Verg\u00e4nglichkeit!<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcberall in den St\u00e4dten feiern die Japaner diese verg\u00e4ngliche Sch\u00f6nheit. Man trifft sich in den Parks unter den Kirschb\u00e4umen. Dort werden blaue Plastikbahnen ausgebreitet und man trinkt Sake und genie\u00dft das mitgebrachte Essen.&nbsp; Damit auch ja niemand die verg\u00e4ngliche Pracht verpasst, werden im Fernsehen ausf\u00fchrliche Lageberichte gesendet. Dort wird mit genauen Karten gezeigt, wo im Land gerade eben die Kirschbl\u00fcte beginnt und wo sie ihren H\u00f6hepunkt hat. Dann reisen tausende von Menschen zu den Brennpunkten des Hanami, der Kirschbl\u00fctenschau.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Einer der ber\u00fchmtesten Orte ist Yoshino in den Bergen s\u00fcdlich von Osaka. Dort hatte schon um 900 ein M\u00f6nch wilde Bergkirschen gepflanzt. Wenn dann der Schnee auf dem Berggipfel schmilzt, f\u00e4rbt sich der gesamte Berg wei\u00df rosa wie mit Schnee bedeckt. Obwohl der Berg weitab von den St\u00e4dten liegt, man stundenlang mit dem Zug unterwegs ist und dann noch mit der Seilbahn auf den Berg fahren muss, ist der Ort so dicht mit Menschenmassen bedeckt, dass man kaum einen Schritt vorw\u00e4rtsgehen kann. \u00dcberall in den Menschenmassen trifft man die Yamabushi, die \u201eBergasketen\u201c in ihren seltsamen Gew\u00e4ndern und manchmal kann man h\u00f6ren, wie sie ihre riesigen Muschelh\u00f6rner blasen. Fr\u00fcher einmal war der Berg der R\u00fcckzugsort des Tenno. Damals war es zu einem Krieg zwischen den s\u00fcdlichen und n\u00f6rdlichen Zweig der Tenno Familie gekommen. Viele Adlige zogen mit dem Tenno nach Yoshino, aber immer hatten sie Heimweh nach der alten Kaiserstadt Kyoto. Eine junge Adlige, deren Eltern gestorben waren, musste Yoshino verlassen und lebte als Dayu, als adlige Unterhaltungsdame in Kyoto. Immer hatte sie eine unstillbare Sehnsucht nach Yoshino. Darum gab man ihr den Namen Yoshino. Einmal besuchte sie in Kyoto den Tempel Kiyomizu, der auch ber\u00fchmt ist f\u00fcr seine Kirschbl\u00fcte. Sie klagte vor Heimweh nach Yoshina, aber beim Anblick der Kirschbl\u00fcten sprach sie den ber\u00fchmten Satz: \u201eAuch hier ist Yoshino!\u201c Zuhause ist dort, wo die Kirschen bl\u00fchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Hauptschrein der Kaiserstadt ist ebenfalls ber\u00fchmt f\u00fcr die Kirschbl\u00fcte. Wenn man den Garten durch ein rotes Shinto Tor betritt, ist man \u00fcberw\u00e4ltigt von der unglaublichen F\u00fclle der Kirschbl\u00fcten. In allen Formen und Farben bl\u00fcht es von wei\u00df \u00fcber rosa bis rot. Die Luft ist erf\u00fcllt vom Bl\u00fctenschneesturm und das Haupt wird wei\u00df von Kirschbl\u00fcten. Der Weg durch den Garten macht eine leichte Biegung \u00fcber eine kleine Anh\u00f6he und pl\u00f6tzlich steht man in einem Zengarten. Keine einzige Bl\u00fcte. Nur das best\u00e4ndige Gr\u00fcn uralter Kiefern und tote, abgestorbene B\u00e4ume, die mit ihren bizarren Formen die Landschaft pr\u00e4gen. Es gibt genau eine einzige Stelle auf der Anh\u00f6he, an der man beide G\u00e4rten sehen kann. Schaut man zur\u00fcck, so sieht man die bunte Welt der Verg\u00e4nglichkeit, schaut man nach vorn, die gelassene und erhabene Welt der Unverg\u00e4nglichkeit.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Gegensatz zwischen der wilden Sch\u00f6nheit der Verg\u00e4nglichkeit und der ruhigen Gelassenheit ist f\u00fcr Japaner derart pr\u00e4gend, dass sie sogar ihr Silbenalphabet nach einem alten Gedicht anordne, in dem jede Silbe ihrer 50 Laute genau einmal im Gedicht vorkommen.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; iro.ha nioedo chirinuru.o wa.ga yo tare zo tsune naran ui.ga yo tare zo tsune naran ui.no oku yama ky\u00f4 koete asaki yume miji ehi.mo sezu &nbsp;<\/p><p>Die Farben sind noch frisch, doch sind die Bl\u00e4tter, ach, schon abgefallen! <br \/> Wer denn in unserer Welt wird unverg\u00e4nglich sein? <br \/> <\/p><\/blockquote>\n<div class=\"thanks_button_div\" \n                  style=\"float: left; margin-left: 0px;\"><div id=\"thanksButtonDiv_5199_1\" style=\"background-image:url(http:\/\/www.teeweg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/thanks-you-counter-button\/images\/thanks_large_blue.png); background-repeat:no-repeat; float: left; display: inline;\"\n                onmouseover=\"javascript:thankYouChangeButtonImage('thanksButtonDiv_5199_1', true);\" \n                onmouseout=\"javascript:thankYouChangeButtonImage('thanksButtonDiv_5199_1', false);\"\n                onclick=\"javascript:thankYouChangeButtonImage('thanksButtonDiv_5199_1', false);\" >\n                <input type=\"button\" onclick=\"thankYouButtonClick(5199, 'You left &ldquo;Thanks&rdquo; already for this post')\" value=\"Danke 158\"\n                  class=\"thanks_button thanks_large thanks_blue\"\n                  style=\"  font-family: Verdana, Arial, Sans-Serif; font-size: 14px; font-weight: normal;; color:#39b778;\"\n                  id=\"thanksButton_5199_1\" title=\"Click to leave &ldquo;Thanks&rdquo; for this post\"\/>\n             <\/div><div id=\"ajax_loader_5199_1\" style=\"display:inline;visibility: hidden;\"><img decoding=\"async\" alt=\"ajax loader\" src=\"http:\/\/www.teeweg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/thanks-you-counter-button\/images\/ajax-loader.gif\" \/><\/div><\/div><div id=\"wp_fb_like_button\" style=\"margin:5px 5px 5px 0;float:left;height:100px;\"><script src=\"http:\/\/connect.facebook.net\/en_US\/all.js#xfbml=1\"><\/script><fb:like href=\"http:\/\/www.teeweg.de\/blog\/sakura-sakura-2\/\" send=\"false\" layout=\"standard\" width=\"450\" show_faces=\"false\" font=\"arial\" action=\"like\" colorscheme=\"light\"><\/fb:like><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Soweit das Auge reicht &#8211; Kirschbl\u00fcten und Weidenzweige Bunt vermischt &#8211; Fr\u00fchlingsbrokat ist wahrlich Nun die Hauptstadt selbst.&nbsp; Kokin Wakashu Kaum ein Ereignis versetzt die Japaner in h\u00f6here Aufregung als die erste Kirschbl\u00fcte im Jahr. 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