{"id":3451,"date":"2015-11-24T14:03:35","date_gmt":"2015-11-24T13:03:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.teeweg.de\/blog\/?p=3451"},"modified":"2016-09-14T11:21:20","modified_gmt":"2016-09-14T10:21:20","slug":"cha-chan-yi-wei-tee-und-zen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.teeweg.de\/blog\/cha-chan-yi-wei-tee-und-zen\/","title":{"rendered":"Cha Chan yi wei &#8211; Tee und Zen ein Geschmack"},"content":{"rendered":"<p>\u8336\u7985\u4e00\u5473  Cha Chan yi wei Tee und Zen &#8211; ein Geschmack<\/p>\n<p>Hier im Myoshinan laufen die Vorbereitungen f\u00fcr eine Reise nach China auf vollen Touren. Darum steht der alte Spruch Tee und Zen &#8211; Ein Geschamck auch auf chinesisch in der \u00dcberschrift. Auf japanisch hei\u00dft er: Cha Zen ichi Mi.<\/p>\n<p>Ganz unerwartet sind wir von zwei Chan-Tempeln in China eingeladen worden. Wir werden an einem Symposion \u00fcber das Thema Tee und Zen &#8211; Ein Geschmack teilnehmen. Vorher und nachher werden wir die Gelegenheit haben, verschiedene alte Tempel des Chan wie der Zen in China hei\u00dft zu besuchen. Es war ein wenig schwierig, das Visum f\u00fcr China zu bekommen, aber dank der pers\u00f6nlichen Einladung des Tempels hat es dann doch geklappt- Wir fliegen schon am n\u00e4chsten Freitag den 27. Oktober und kommen Mitte Dezember wieder zur\u00fcck.<br \/>\nIm Jiashan Chan Tempel werde ich auf dem Symposion einen kleinen Vortrag halten \u00fcber Tee und Zen &#8211; Ein Geschmack. Diesen Vortrag m\u00f6chte ich den Freunden des Myoshinan nicht vorenthalten.<\/p>\n<p>Im n\u00e4chsten Jahr im April reisen wir dann mit einer kleinen Gruppe nach Japan. Noch sind ein paar Pl\u00e4tze frei. Aber Anfang Januar werde ich die Flugpl\u00e4tze buchen. Danach ist keine Anmeldung mehr m\u00f6glich.<br \/>\nUnd hier der Vortrag:<\/p>\n<p><strong>\u8336\u7985\u4e00\u5473  Cha Chan yi wei<\/strong><br \/>\nIch komme aus Deutschland. Ich lebe in einem kleinen Dorf in den Bergen, abseits von jeder gr\u00f6\u00dferen Stadt. Dort unterrichte ich den japanischen Teeweg, Zenmeditation und japanische Shakuhachi. Dort diskutiere mit meinen Sch\u00fclern \u00fcber das Hekiganroku, Zhuangzi, Laotsi oder auch Heidegger oder H\u00f6lderlin.<\/p>\n<p>In meinem Teeraum h\u00e4ngt eine Schriftrolle: \u8336\u7985\u4e00\u5473Cha Zen ichi mi &#8211; Cha Chan yiwei. Sie wurde von einem koreanischen Meister geschrieben. So begegnen sich in meinem Bergdorf in der kleinen H\u00fctte rund um die Feuerstelle f\u00fcr den Tee die geistigen Welten Deutschlands, Chinas, Japans und Koreas: SEN RI D\u014c FU &#8211; \u5343\u91cc \u540c\u98a8 &#8211; qian li tong feng- tausend Meilen \u00fcberall derselbe Wind. Oder \u00bbReiner Wind ums Erdenrund &#8211; wo f\u00e4nde er ein Ende? (Biy\u00e4nlu 1. Beispiel) (\u6e05\u98a8\u531d\u5730\u6709\u4f55\u6975)<\/p>\n<p>Sehr gerne \u00fcbe ich auch die ganz alten komplexen Formen der Teebereitung, wie sie \u00e4hnlich um 1200 aus China nach Japan gekommen waren. Sie wurden von den japanischen Teemeistern nach strengen Regeln formalisiert. Aber f\u00fcr mich sind sie reine Zenmeditation und kein System von Regeln.<\/p>\n<p>In Japan h\u00f6re ich oft: Tee ist Tee und Zen ist Zen. Aber das ist nicht mein Verst\u00e4ndnis. Es gibt unterschiedliche Wege Zen zu \u00fcben. Man kann still auf dem Kissen sitzen und einfach nur atmen, man kann die Zen-Shakuhachi spielen oder auch eine Schale Tee in strenger Form zubereiten. Alles ist Zen. Auch das Waschen von Reis oder das Putzen von Gem\u00fcse in der K\u00fcche kann &#8211; wenn es im rechten Geist getan wird &#8211; Zen sein. F\u00fcr Zenmeister D\u014dgen ist das ganze Leben \u201aSitzen im Zen\u2018. Sogar wenn ich am Computer arbeite und diesen Aufsatz schreibe, kann das Zen sein.<\/p>\n<p>Lange bevor ich mich mit dem japanischen Teeweg besch\u00e4ftigt habe, war ich vom chinesischen Denken und vom Chan fasziniert. Noch w\u00e4hrend meines Physikstudiums sah ich eines Tages ein Buch mit dem Text  \u592a\u4e00\u91d1\u83ef\u5b97\u65e8 Taiyi jinhua zongzhi aus der Drachentorschule. Damals konnte ich nur die \u00dcbersetzung von Richard Wilhelm lesen. Ich war sofort von diesem Buch gefangen, obwohl ich kaum etwas davon verstand. Weil ich in Deutschland nirgendwo einen Lehrer des Zen und der Meditation finden konnte, begann ich f\u00fcr mich allein zu \u00fcben. <\/p>\n<p>Die Arbeit in der physikalischen Forschung gen\u00fcgte mir bald nicht mehr und ich studierte zus\u00e4tzlich noch Philosophie. Mein Schwerpunkt des Studiums waren die abendl\u00e4ndischen Philosophen, immer aber war ich vom chinesischen Denken fasziniert. Besonders hat mich das Biy\u00e4nlu ber\u00fchrt. Sp\u00e4ter arbeitete ich mit einem Inder zusammen und unterrichtete angehende Yogalehrer in Philosophie. In dieser Zeit lernte ich sehr viel \u00fcber die Atmung im Yoga. Als ich sp\u00e4ter meinen Teelehrer nach der Atmung fragte, meinte er, dass sie sehr wichtig sei. Aber er konnte mir keine Hinweise auf die richtige Atmung geben. Er meinte, das ergibt sich mit den Jahren des \u00dcbens von allein. Heute wei\u00df ich, dass der Atem die \u00dcbungen des Teeweges zur Zenmeditation werden l\u00e4sst. Das richtige Atmen ist heute das Erste, was ich meinen Sch\u00fclern zeige. Dann werden die unterschiedlichen Formen der Teebereitung fast von allein gelernt.<\/p>\n<p> 1972 stiftete Hounsai, der Gro\u00dfmeister der Urasenke ein japanisches Teehaus im Englischen Garten in M\u00fcnchen. Bei einer Vorf\u00fchrung der Teezeremonie war ich sofort so gefangen, dass ich noch am n\u00e4chsten Tag mit dem Unterricht im Teeweg begann. Die Bewegungen des Teemeisters erinnerten mich an die Kunst von Koch Ding, der die Ochsen f\u00fcr den K\u00f6nig Hui von Wen zerlegte:<\/p>\n<blockquote><p>Wo immer seine Hand hingriff, wo immer seine Schulter sich anlehnte, wo immer sein Fu\u00df hintrat, gegen was auch immer er sein Knie stemmte, da fiel, ritschratsch, das Fleisch von den Knochen. All dies geschah so rhythmisch wie in einer Melodie, es wirkte wie der \u201eTanz des Maulbeerbaumhains\u201c oder wie der Takt der Melodie \u201eJingshou\u201c. \u201eWunderbar\u201c, sagte der K\u00f6nig, \u201ewie kommt es, dass deine Kunst des Zerlegens der Ochsen einen so hohen Grad erreicht hat?\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p> Anfangs machten mir die wundersch\u00f6nen Bewegungen im Teeweg gro\u00dfe Freude. Es war die Freude und das Gl\u00fcck des Anf\u00e4ngers, der Anf\u00e4ngergeist Sh\u014dshin oder shu xin \u521d\u5fc3. Aber allm\u00e4hlich wurden die Formen immer schwieriger und bald stand ich ratlos da wie der Koch Ding, als er das erste Mal vor einem Ochsen stand. Weit entfernt von der eleganten Sch\u00f6nheit, mit der er den Ochsen sp\u00e4ter zerlegte wie in einer Melodie oder in einem Tanz, sah ich nur noch ein gewaltiges System von Regeln und Vorschriften. Wie sollte das jemals bew\u00e4ltigt werden? Eines Tages sa\u00df ich vor der T\u00fcr des Teeraumes und gestand meinem Lehrer, dass ich keine Ahnung hatte, wie die ganze Zeremonie abl\u00e4uft und womit ich beginnen sollte.<br \/>\n \u00bbDas ist gut so! Wenn du ganz leer bist, dann kannst du einfach anfangen und von Schritt zu Schritt, von Augenblick zu Augenblick zu gehen!\u00ab <\/p>\n<p> Und so begann ich &#8211; wie der Koch Ding &#8211; nicht mehr den ganzen Ochsen zu sehen, sondern die Form Schritt f\u00fcr Schritt zu gehen:<\/p>\n<p> Als ich mit dem Zerlegen begann, sah ich nichts als den Ochsen. Nach drei Jahren sah ich nicht mehr den ganzen Ochsen, sondern nur noch seine Teile.<\/p>\n<p> So wie der Koch Ding bewege ich mich nun von einem Augenblick zum anderen, ohne die ganze Form im Blick zu haben. JETZT nehme ich den Teel\u00f6ffel, JETZT die Teedose, JETZT f\u00fclle ich den Tee in die Schale, JETZT gebe ich hei\u00dfes Wasser dazu. Die Form wird wie ein Fluss, der die Zeit vorgibt. Ich sa\u00df wie in einem Boot und lie\u00df mich treiben. Nur von Zeit zu Zeit musste das Steuer oder das Ruder bewegt werden. Zenmeister D\u014dgen vergleicht das Leben mit einer Bootsfahrt. Der Fluss tr\u00e4gt uns und er gibt vor, wohin wir treiben. Je mehr wir den Fluss vergessen, desto mehr sind wir bei uns selbst. Dann k\u00f6nnen wir ganz bei dem Boot sein. Aber wir k\u00f6nnen das Boot nur dann richtig steuern, wenn wir niemals den Fluss vergessen. So werden Fluss, Boot und wir selbst EINS.<\/p>\n<p>Je mehr ich mich in die Form fallen lasse und je weniger ich tue, desto intensiver und wacher erlebe ich mich selbst. Ich erlebte mich, indem ich mich v\u00f6llig selbst vergesse und in der Form verliere. Nehme ich den Teel\u00f6ffel, so werde ich ganz zum Teel\u00f6ffel. Alles Andere um mich herum wird unwichtig und verschwindet f\u00f6rmlich. Ich vergesse mich vollkommen, weil ich ganz beim Teel\u00f6ffel bin. Dann nehme ich die Teedose und bin ganz und gar bei der Teedose. Schritt f\u00fcr Schritt lasse ich mich von der Form tragen, vergesse mich selbst und bin gerade dadurch ganz bei mir.<\/p>\n<p>Zenmeister D\u014dgen sagt: <\/p>\n<blockquote><p>Den Buddha-Weg erlernen hei\u00dft, sich selbst erlernen. Sich selbst erlernen hei\u00dft, sich selbst vergessen (Sh\u014db\u014dgenz\u014d, Genjok\u014dan).<br \/>\n \u4ecf\u9053\u3092\u306a\u3089\u3075\u3068\u3044\u308f\u306f\u3001\u81ea\u5df1\u3092\u306a\u3089\u3075\u4e5f\u3002\u81ea\u5df1\u3092 \u306a\u3089\u3075\u3068\u3044\u3075\u306f\u3001\u81ea\u5df1\u3092\u308f\u3059\u308b\u308b\u306a\u308a\u3002<\/p><\/blockquote>\n<p> Aber ich vergesse mich nicht so, wie ich mich im Tiefschlaf vergesse. Da ist kein Bewusstsein mehr von mir selbst. In meinem Geist (Shen) gibt es ein Bewusstsein, das WEISS, dass ich mich vergesse. Dieses Bewusstsein ist fast wie ein Beobachter, der mich st\u00e4ndig im Blick hat. Je mehr ich mich selbst vergesse und bei den Dingen bin, desto intensiver erlebe ich mich und den Augenblick.<\/p>\n<p> Zhuangzi schildert, wie Meister Nangua \u5357\u90ed\u5b50 ausatmet und sich selbst vergisst. Aber er wei\u00df, dass er sich vergisst. Es gibt offenbar eine formlose Instanz im Geist (Shen), die mich wissen l\u00e4sst, dass ich bin, obwohl ich mich verloren habe.<\/p>\n<blockquote><p> \u82e5\u6709\u771f\u5bb0\uff0c\u800c\u7279\u4e0d\u5f97\u5176\u7739\u3002\u53ef\u884c\u5df2\u4fe1\uff0c\u800c\u4e0d\u898b\u5176\u5f62\uff0c\u6709\u60c5\u800c\u7121\u5f62<br \/>\nEs scheint, als g\u00e4be es einen wahren Herrscher, doch f\u00fcr ihn gibt es keinen Beweis. Wir d\u00fcrfen vertrauen auf sein Wirken, aber k\u00f6nnen seine Form nicht erkennen. Zwar hat er Eigenschaften aber keine Form.<\/p><\/blockquote>\n<p> Wir vergessen uns selbst bei Tee, weil wir ganz bei den Dingen sind. In einem Lehrgedicht Riky\u016b\u2019s \u00fcber den Teeweg hei\u00dft es, dass man die Dinge so ablegen soll, als w\u00fcrde man eine geliebte Person verlassen.  <\/p>\n<blockquote><p>\u4f55\u306b\u3066\u3082\u7f6e\u304d\u4ed8\u3051\u304b\u3078\u308b\u624b\u96e2\u308c\u306f\u3000\u604b\u3057\u304d\u4eba\u306b\u308f\u304b\u308b\u309d\u3068\u77e5\u308c<br \/>\nNani nitemo oki tsuke kaeru tebanare wa koishiki hitoni wakaruru to shire.\n<\/p><\/blockquote>\n<p> Umgekehrt gilt auch, dass man jedes Ding so nimmt, als w\u00fcrde man sich zu einer geliebten Person hinbegeben. Freudig n\u00e4hert man sich dem Ding, wird allm\u00e4hlich immer langsamer und z\u00e4rtlicher, bis endlich der Gegenstand achtsam ber\u00fchrt wird. Legt man ihn ab, so ist es ein langsamer Abschied. Nur allm\u00e4hlich entfernt man sich, bis sich die Bewegung auf den n\u00e4chsten Gegenstand richtet. Dadurch wird der Geist vollkommen wachsam und konzentriert. Man verliert jeden st\u00f6renden Gedanken und ist nur noch bei dem jeweiligen Gegenstand. <\/p>\n<p> Das ist die \u00dcbung der Achtsamkeit, die Buddha im <em>SATIPATTH\u1fb9NA Sutra<\/em> lehrt. Die erste und wichtigste Achtsamkeit im Sutra ist die Achtsamkeit auf den Atem: \u00bbWenn der M\u00f6nch langsam ausatmet, wei\u00df er: \u201aIch atme langsam aus!\u2018 Wenn der M\u00f6nch langsam einatmet, wei\u00df er: \u201aIch atme langsam ein!\u2018 So atme ich auch beim Tee. Langsam und achtsam atme ich aus, beuge mich gleichzeitig vor und die Hand geht zum Teel\u00f6ffel. Behutsam liegt der L\u00f6ffel in der Hand. Nun atme ich langsam ein und richte den K\u00f6rper wieder auf. Dadurch wird der Geist vollkommen auf den Ablauf gerichtet. Alles St\u00f6rende verschwindet. Das ist \u609f &#8211; Satori im Tee.<\/p>\n<p> D\u014dgen sprach davon, dass den Buddhaweg erlernen das Sich-Selbst-erlenen ist. Das Sich selbst erlernen ist sich selbst vergessen. Und er f\u00e4hrt fort: <\/p>\n<blockquote><p> Sich selbst vergessen hei\u00dft, durch die zehntausend Dharma von selbst erweisen werden. Durch die zehntausend Dharma von selbst erwiesen werden hei\u00dft, Leib und Geist (Shinjin) meiner selbst (jiko) sowie Leib und Geist der Anderen fallen zu lassen. <\/p>\n<p>\u81ea\u5df1\u3092\u308f\u3059\u308b\u308b\u3068\u3044\u3075\u306f\u3001\u842c\u6cd5\u306b\u8b39\u305b\u3089\u308b\u308b\u306a\u308a\u3002\u6e80\u6cd5\u306b\u8b39\u305b\u3089\u308b\u308b\u3068\u3044\u3075\u306f\u3001\u81ea\u5df1\u306e\u8eab\u5fc3\u304a\u3088\u3073\u4ed6\u5df1\u306e\u8eab\u5fc3\u3092\u3057 \u3068\u3064\u3089\u3008\u3054\u3057\u305e\u3008 \u3066\u8131\u843d\u305b\u3057\u3080\u308b\u306a\u308a\u3002\n<\/p><\/blockquote>\n<p> Die zehntausend Dharma \u842c\u6cd5 sind hier einfach die zehnthausend Dinge, die ganze Wirklichkeit. Der deutsche Philosoph Martin Heidegger sagt, dass es zwei Weisen gibt, wie wir mit den Dingen umgehen oder wie die Dinge auf uns wirken. Einmal dr\u00e4ngen die Dinge auf mich ein und wollen erledigt werden. Sie rei\u00dfen mich aus meiner Mitte heraus, weil ich in der allt\u00e4glichen Hast eile und die Dinge \u201abesorge\u2018. So werde ich von Ding zu Ding gerissen und gerate in den Strudel des Machen-m\u00fcssens. Dieses Machen-m\u00fcssen ist die Not unserer heutigen Zeit. Erst ein Schritt zur\u00fcck in die Gelassenheit befreit von diesem rasenden Getriebe. <\/p>\n<p> In der anderen Art des Umganges mit den Dingen versammeln mich die Dinge im and\u00e4chtigen Tun. Das Ding ereignet ein Spiegel-Spiel, in dem sich alles in allem spiegelt und jedes sein eigenes Wesen gewinnt. Das Ding ist das \u201aGering\u2018. Es ist wie ein Ring, der alles versammelt und es ist unscheinbar, klein, allt\u00e4glich. Es ist einfach nur eine Sch\u00f6pfkelle, mit der ich hei\u00dfes Wasser f\u00fcr den Tee fasse. <\/p>\n<p> Ich sp\u00fcrte den Unterschied, wenn ich mit der Sch\u00f6pfkelle kaltes Wasser oder hei\u00dfes Wasser sch\u00f6pfe. Ich h\u00f6re den Unterschied des Klanges, den kaltes oder hei\u00dfes Wasser in der Teeschale macht. Das kalte Wasser klingt wie ein klarer frischer Wasserfall in den Bergen. Erfrischend und rein ist sein Ton, klar wie eine Glocke. Die Sinne \u00fcbersteigen ihre Grenzen: Ich h\u00f6re die Temperatur des Wassers! Ich sp\u00fcre die Weichheit des hei\u00dfen Wassers beim Einschenken und ich f\u00fchle die klare Frische des kalten Wassers, wenn ich seinen Klang h\u00f6re. So wie Koch Ding nicht mehr seine Sinne benutzt, sondern den Geist (shen) wenn er den Ochsen zerlegt, so nehmen wir die Wirklichkeit im Teerau mit dem Geist wahr. Die Sinne werden so wach, dass sie ihre Beschr\u00e4nkungen verlieren.<\/p>\n<p> Das hei\u00dfe Wasser im Teekessel singt wie der Wind in den Kiefern. Vom Teemeister Murata Juk\u014d (\u6751\u7530\u73e0\u5149, 1423\u20131502) wurde gesagt, dass \u201ader Wind in den Kiefern sogar das Singen seines Teekessels beneidete\u2018. Der Wind in den Kiefern beneidet das Singen des Teekessels, weil dieser Gesang von den Menschen bewusst erlebt wird und die Herzen bei einer Schale Tee zueinanderf\u00fchrt. Der Wind in den Kiefern wird meistens von niemandem geh\u00f6rt, er ist einfach so, ganz von selbst und f\u00fcr sich selbst.<\/p>\n<p> Versucht man, das hei\u00dfe Wasser mit der Sch\u00f6pfkelle aus dem Kessel zu sch\u00f6pfen, so sp\u00fcrt man, wie die Hitze des Wassers sich gegen die Sch\u00f6pfkelle stemmt. Habe ich eine Kelle voll mit hei\u00dfem Wasser gesch\u00f6pft, so sp\u00fcre ich genau, dass es viel leichter ist als das kalte Wasser.<\/p>\n<p> Der Wasserdampf steigt auf und in den Wolken scheinen die Drachen zum Himmel emporzusteigen und von dort ihre Gabe niederzusenden. Das Wasser klingt weich und samtig in der Teeschale wie die Gabe der Drachen. Pl\u00f6tzlich erf\u00fcllt der Teeduft den ganzen Raum &#8211; ja, er scheint das ganze Erdenrund zu f\u00fcllen. <\/p>\n<p> Allm\u00e4hlich sp\u00fcre ich, wie die Sch\u00f6pfkelle scheinbar v\u00f6llig verschwindet. Sie passt sich vollkommen an die entspannte Hand an und man braucht \u00fcberhaupt keine Kraft mehr, um das Wasser zu sch\u00f6pfen. Alles geht ganz von allein, so als w\u00fcrde man das Wasser mit der hohlen Hand direkt aus der reinen Quelle sch\u00f6pfen. Das Werkzeug ist verschwunden: Sch\u00f6pfkelle und Hand werden EINS. Das ist der Ring, des Dinges, den Heidegger meint.<\/p>\n<p> Ich hatte eine Sch\u00fclerin, die an einem Gehirntumor erkrankte. Kurz vor ihrem Tod lud sie mich zu einer Schale Tee ein. Sie hatte die Form v\u00f6llig vergessen. Aber der Klang des Wassers, das sie in die Teeschale goss, verzauberte sie. Immer und immer wieder sch\u00f6pfte sie Wasser und goss es in die Teeschale. Ganz verz\u00fcckt und versunken sagte sie still vor sich hin: \u00bbDas ist so sch\u00f6n!\u00ab Sie erlebte eine Art Satori im Sch\u00f6pfen von Wasser.<\/p>\n<p> Auf meinem Weg der Tee\u00fcbungen verschwanden die strengen Formen der Teebereitung und ich verstand allm\u00e4hlich, dass die scheinbaren Regeln \u00fcberhaupt keine Regeln waren. Sie folgen der Natur der Teeger\u00e4te, der Natur des Wassers und der Natur des Tees. Die \u201aRegeln\u2018 sind lediglich eine Hilfe f\u00fcr den Anf\u00e4nger auf dem Weg. Hat man den Weg erfasst, verschwinden die Regeln von ganz allein. Sie werden zu einer himmlischen Ordnung (tianli), wie sie auch Koch Ding erf\u00e4hrt.<\/p>\n<p>Der Koch Ding begann nach einiger \u00dcbung, den Ochsen nicht mehr mit den Augen zu sehen:<\/p>\n<blockquote><p>Nach drei Jahren sah ich nicht mehr den ganzen Ochsen, sondern nur noch seine Teile. Heute sehe ich ihn nicht mehr mit den Augen, sondern nur noch mit dem Geist (shen). Ich arbeite nicht mehr mit den Sinnesorganen, sondern mit der Intuition (shen). Mein Messer verl\u00e4sst sich auf die himmlische Ordnung (tianli), es schl\u00fcpft in die Spalten und l\u00e4sst sich von den \u00d7ffnungen f\u00fchren. Da ich mich also in das Gef\u00fcge des Ochsens einf\u00fcge, bin ich so weit gekommen, dass mein Messer niemals ein Band oder eine Sehne ber\u00fchrt, geschweige denn einen Knochen.\n<\/p><\/blockquote>\n<p> Dadurch, dass Koch Ding sein Messer behutsam den Linien des Ochsen folgen l\u00e4sst, nutzt es sich nicht ab. Sogar nach 19 Jahren ist es scharf wie am ersten Tag. \u00bbIch benutze dieses Messer seit 19 Jahren, und ich habe damit mehrere tausend Ochsen zerlegt. Die Klinge ist aber so scharf, als ob sie gerade vom Schleifstein k\u00e4me &#8230;\u00ab<\/p>\n<p> Bewegung und Atmung werden bei der Teezubereitung Eins. Wir h\u00f6ren auf, die H\u00e4nde zu benutzen. Jede Bewegung kommt wie ein Tanz und v\u00f6llig ohne jede Anstrengung oder Kraft ganz aus der K\u00f6rpermitte. Sie werden wie der Tanz, den auch Koch Ding tanzt, wenn er den Ochsen zerlegt. Eines Tages hatte ich einen japanischen Musiker und Shamisen Spieler zu Gast beim Tee. Verlegen gestand er, dass er \u201adie Regeln nicht kannte\u2018. Er beobachtete einfach nur, wie ich ihm eine Schale Tee bereitete. Pl\u00f6tzlich sagte er: \u00bbJetzt verstehe ich den Tee! Es ist Musik!\u00ab Es ist die tonlose Musik des Tanzes, den auch Koch Ding tanzt. Tee ist wie Tai-Chi oder Qigong. Aber jede Musik folgt strengen Regeln! Die Ordnung der f\u00fcnf T\u00f6ne ist genau festgelegt. Aber sie folgt der Ordnung des K\u00f6rpers mit seinen f\u00fcnf Organen. So bringen die f\u00fcnf T\u00f6ne die f\u00fcnf Organe des K\u00f6rpers in Harmonie. Eine Melodie braucht Strukturen, damit sie sch\u00f6n ist. Die Spannung zwischen hohen und tiefen T\u00f6nen, zwischen laut und leise, zwischenlangsam und schnell macht die Sch\u00f6nheit der Melodie. Auch der Tanz folgt festen Regeln. Aber solange ich angestrengt auf die F\u00fc\u00dfe schaue, kann ich mich nicht in den Tanz einf\u00fcgen. Erst wenn ich die Regeln vergesse, und ganz in der Melodie und in Rhythmus aufgehe, werde ich zum Tanz. Ich tanze selbstvergessen, einfach nur so, ganz von selbst.<\/p>\n<p> Auch die Zubereitung des Tees ist ein solcher Tanz. Geschmeidig und sanft gleiten die Bewegungen ohne jede Kraft. Aber pl\u00f6tzlich sp\u00fcrt man, wie die Lebenskraft Chi erwacht. Sie steigt vom hinteren Dantien im Becken und den Nieren empor wie ein Drache, f\u00fcllt den ganzen K\u00f6rper, str\u00f6mt durch die H\u00e4nde und erf\u00fcllt das Herz mit einer stillen Freude.<\/p>\n<p> Die Teeger\u00e4te werden nicht mehr mit den H\u00e4nden bewegt, sie folgen nur noch dem Chi oder japanisch KI \u6c17, das durch die H\u00e4nde str\u00f6mt. Und pl\u00f6tzlich ergreift der Tanz der Bewegungen auch die Zuschauer und G\u00e4ste beim Tee. Sie sp\u00fcren dieselbe Energie und denselben Rhythmus in sich. Gemeinsam tanzen Gast und Gastgeber den Tee und werden EINS. <\/p>\n<p> Das ist offene Weite, Nichts Heiliges. \u5ed3\u7136\u7121\u8056 (Biy\u00e4nlu oder jap. Hekigan Roku)<\/p>\n<blockquote><p> Es ist nichts Heiliges, einfach nur Wasser erhitzen, Tee bereiten und trinken.<br \/>\nDas ist alles!<br \/>\n\u8336\u306e\u6e6f\u3068\u306f \u53ea\u6e6f\u3092\u6cb8\u3057 \u8336\u3092\u7acb\u3066  \u5451\u3080\u3070\u304b\u308a\u6210\u308b \u4e8b\u3068\u77e5\u308b\u3079\u3057 <\/p>\n<p> Chanoyu to wa tada Yu o wakashii cha o tate nomu bagari naru koto o shiru beshi\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Chanoyu ist nicht anderes als Wasser erhitzen, Tee bereiten und trinke. Das ist alles!<br \/>\n(Rikyu Hyakushu)<\/p>\n<div class=\"thanks_button_div\" \n                  style=\"float: left; margin-left: 0px;\"><div id=\"thanksButtonDiv_3451_1\" style=\"background-image:url(http:\/\/www.teeweg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/thanks-you-counter-button\/images\/thanks_large_blue.png); background-repeat:no-repeat; float: left; display: inline;\"\n                onmouseover=\"javascript:thankYouChangeButtonImage('thanksButtonDiv_3451_1', true);\" \n                onmouseout=\"javascript:thankYouChangeButtonImage('thanksButtonDiv_3451_1', false);\"\n                onclick=\"javascript:thankYouChangeButtonImage('thanksButtonDiv_3451_1', false);\" >\n                <input type=\"button\" onclick=\"thankYouButtonClick(3451, 'You left &ldquo;Thanks&rdquo; already for this post')\" value=\"Danke 5\"\n                  class=\"thanks_button thanks_large thanks_blue\"\n                  style=\"  font-family: Verdana, Arial, Sans-Serif; font-size: 14px; font-weight: normal;; color:#39b778;\"\n                  id=\"thanksButton_3451_1\" title=\"Click to leave &ldquo;Thanks&rdquo; for this post\"\/>\n             <\/div><div id=\"ajax_loader_3451_1\" style=\"display:inline;visibility: hidden;\"><img decoding=\"async\" alt=\"ajax loader\" src=\"http:\/\/www.teeweg.de\/blog\/wp-content\/plugins\/thanks-you-counter-button\/images\/ajax-loader.gif\" \/><\/div><\/div><div id=\"wp_fb_like_button\" style=\"margin:5px 5px 5px 0;float:left;height:100px;\"><script src=\"http:\/\/connect.facebook.net\/en_US\/all.js#xfbml=1\"><\/script><fb:like href=\"http:\/\/www.teeweg.de\/blog\/cha-chan-yi-wei-tee-und-zen\/\" send=\"false\" layout=\"standard\" width=\"450\" show_faces=\"false\" font=\"arial\" action=\"like\" colorscheme=\"light\"><\/fb:like><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u8336\u7985\u4e00\u5473 Cha Chan yi wei Tee und Zen &#8211; ein Geschmack Hier im Myoshinan laufen die Vorbereitungen f\u00fcr eine Reise nach China auf vollen Touren. 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