Über diesen Blog

Eigentlich will ich mich nicht der allgemeinen Mode anschließen und einen blog schreiben.
Es ist zwar modern, jedermann seine Gedanken mitzuteilen, aber interessiert das überhaupt jemanden?

Schon von meinem Sternzeichen und auch dem chinesischen Horoskop bin ich als unverbesserlicher Lehrer geboren und habe fast mein ganzes Leben lehrend verbracht.

Aber was ist ein Lehrer? Einer, der alles besser weiß, als alle anderen? Oder einer, der auf dem Weg des Lernens einen kleinen Schritt voraus ist? Ein Sen-Sei eben, einer der voraus gelebt hat und ein wenig mehr Erfahrung hat als die anderen?

Ich muss jedenfalls bekennen, dass fast alles, was ich auf meinem Weg des Philosophierens gelernt und gedacht habe im Gespräch mit Schülern und Studenten entstanden ist. Also möchte ich am Ende meines Lebens allen danken, die mich immer durch ihr Fragen und Mit-Denken gelehrt haben.

Auch in den Japanischen Künsten wie der Teezeremonie habe ich am meisten gelernt, indem ich versucht habe, meine Erfahrungen auf dem Weg an Andere weiter zu geben.

Kürzlich wurde ich gefragt, was es mir bedeutet und wie sich mein Leben dadurch ändert, dass ich in meinem Teeraum Gäste empfange und Schüler unterrichte. Ich habe geantwortet, man könnte mich genauso fragen, wie sich mein Leben dadurch verändert, dass ich atme. Das Teilen von Wissen oder von Fragen im gemeinsamen Gespräch oder im gemeinsamen praktizieren von Übungswegen ist die Luft, die ich atme.

Hölderlin hat in seinem wunderbaren Brief an den Freund Böhlendorff geschrieben:

Schreibe doch nur mir bald. Ich brauche Deine reinen Töne.
Die Psyche unter Freunden, das Entstehen des Gedankens im Gespräch und Brief ist Künstlern nötig.
Sonst haben wir keinen für uns selbst; sondern er gehöret dem heiligen Bilde, das wir bilden.
Lebe recht wohl.
Dein H.

Vielleicht hat ja der Eine oder Andere Lust und Zeit, in eine Diskussion über unfertige Gedanken einzusteigen und es entsteht etwas Neues. Schon jetzt vielen Dank für jede Anregung oder Kritik, die aus einem freundlichen Herzen kommt.

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3 Kommentare zu Über diesen Blog

  1. Utsch sagt:

    Bedanke mich für den Dank 🙂

    Aber meinst Du nicht, daß es für Dich noch ein wenig verfrüht ist, den Ausdruck „am Ende meines Lebens“ unrelativiert zu verwenden??? Selbst in einem eventuell prophylaktischen Zusammenhang wären ja wohl zumindest ein paar Anführungszeichen angebracht. Die allgemeine Lebenserwartung hat gegenüber den Zeiten von Kamo no Chômei zugenommen, sogar für Männer. Heute beginnt erstmal mit 75 die dritte Lebenshälfte!

    Oder wie wäre es gleich mit einer ganz anderen Formulierung? Du könntest z. B. einfach „zurückblickend“ sagen und vielleicht noch einen Satz hinzufügen, mit dem Du Deine Hoffnung ausdrückst, daß das Fragen und Mit-Denken sich fortsetzt, jetzt, wo der direkte Kontakt möglicherweise abnimmt, aber erfreulicherweise durch den elektronischen ergänzt werden kann (oder etwas ähnliches in eigenen Worten). Etwas weniger feierlich, aber auch weniger einschüchternd; mehr einladend und mehr den nächsten Absätzen entprechend: „Vielleicht hat ja der Eine oder Andere Lust und Zeit, in eine Diskussion über unfertige Gedanken einzusteigen“

    „Unfertig“, eben. Nichts von Ende.

  2. gs sagt:

    Gut, ich nehme den Satz vom Ende des Lebens zurück!
    Aber „zurückblicken“ mag ich nicht.
    Das tun nur diejenigen, die keine Zukunft mehr für sich sehen.
    Dann stimmt das schon, dass ich die Hoffnung ausdrücken möchte, das sich das Gespräch fortsetzen möge, wenn auch mit neuen Mitteln. Das heißt ja noch nicht, dass es in Zukunft keine Seminare oder Kurse mehr hier geben wird. Im Gegenteil, wir planen eine Fälle neuer Aktivitäten hier im Myôshinan.

    So gesehen handelt es sich bei diesem Blog nicht um eine reine Rückschau, nein, es ist ein Anfang.

    Eigentlich war ich mein ganzes Leben lang ein „Anfänger“ und ich hoffe, dass ich das bleiben werde, bis zum Ende. Und ich hoffe, dass ich eine ganze Menge von Begleitern haben werde auf diesem WEG des Anfängers.

    Solange wir Anfänger bleiben, solange sind wir auf dem Weg. Erst, wenn wir das Anfangen aufhören, sind wir tot, lange noch vor dem physischen Ende.

  3. Utsch sagt:

    Naja, sich mal umdrehen und rundum gucken, dabei auch zurückblicken und dann weitergehen sehe ich eigentlich nicht als Gegensatz. Aber dann sind wir uns ja einig 🙂

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