Sakura – Sakura

Es ist noch nicht lange her, dass wir aus Japan zurückgekehrt sind, voll von Erinnerungen, Erlebnissen und Gedanken. Einer der mächtigsten Eindrücke war die Kirschblüte, die bei unserem Besuch in der alten Kaiserstadt Kyoto voll am Blühen war.

sakura sakura
noyama mo sato mo
miwatasu kagiri
kasumi ka kumo ka
asahi ni niou
sakura sakura
hana zakari
Sakura, Sakura
in den Feldern und Hügeln und den Dörfern
So weit das Auge reicht.
Wie Nebel, wie Wolken.
Duftend und glänzend in der aufgehenden Sonne,
Sakura, Sakura
Die Blütezeit

Wir haben hier in Deuschland auch die Kirschblüte und das  Myoshinan liegt mitten im Anbaugebiet der Süßkirschen, aber die Fülle der Kirschblüten mit ihrer Vielfalt an Farben und Formen ist in Japan ungleich gewaltiger.

Dort steht nicht mal ein einzelner Kirschbaum am Weg, auch nicht mal zwei oder drei, nein, ganze Straßenzüge bersten von Kirschblüten. Die Kirschblüte in Japan ist wirklich ein gewaltiges Erlebnis. Kein Wunder, dass die alte Kaiserstadt von Besucher förmlich überquillt.

Die Zentempel besuchen und die Stille genießen? Nicht in Kyoto zur Zeit der Kirschblüte.

Die Kirschblüte – die Sakura – bestimmt jetzt das gesamte Leben der Stadt.

Sogar die Süßigkeiten zum Tee werden aus Kischblätter hergestellt, die im vorigen Jahr in Salzlake eingelegt und haltbar gemacht worden sind. Die Kirschblätter erinnern ein wenig an die eingelegten Weinblätter in Griechenland. Im Inneren ist weicher Klebereis, der meistens in der Farbe der Kirschblüte gefärbt ist, ganz im Inneren verbirgt sich das süße An, Paste aus süß gekochten Adukibohnen.
Beißt man auf das Sakuramochi, so ist zunächst das Kirschblatt salzig, aber dann öffnet sich das weiche und süße Mochi – das für Japan typische Geschmackserlebnis von salzig-süß. Unnötig zu erwähnen, dass es das Sakuramochi nur zur Zeit der Kirschblüte gibt, in anderen Zeiten des Jahres sucht man sie vergeblich in den Läden.

Sehr viel eleganter ist die Süßigkeit Hanagaromo aus einer eleganten zart-weichen Schicht aus Konashi, einer Mischung von weißem Bohnenmuß und Klebereismehl, die gedämpft und in der Farbe der Kirschblüte gefärbt wird. Im Innerenvom Konashi eingewickelt ein An aus roten Adaukibohnen. Die Form dieser Süßigkeit erinnert an eine Überjacke, den Goromo eines Kimono, auf der eine Kirschblüte liegt.  So ist es, wenn man unter den Kirschbäumen geht: ein leichter Wind genügt, und es schneit Kirschblüten, die sich auch auf den Ärmel des Goromo legen.

Zu dieser Zeit begegnet man in Kyoto oft anderen „Kirschblüten“, den Maiko – San, den „Tanz-Kindern“, den Geishas in Ausbildung, oder wie man in Kyoto lieber sagt den Gei-ko, der Kunst-Person oder dem Kunst-kind.

Heute sind die Geiko in der alten Kaiserstadt in fünf Gruppen, den fünf Hanamachi, den Blüten-Städten organisiert, dem Gion Kobu im Giondistrikt, dem Miyagawacho am Kamo Fluß, dem Ponotcho, einer schmalen Straße am Kamo zwischen der dritten und der vierten Straße, dem Kamishichiken in der Nähe des Kitano-Schreines und demGion Higashi östlich vom Yasakaschrein.
Die Maiko sind selbst wie die Kirschblüten, einfach nur schön anzuschauen. Der einzige Lebenszweck der japanischen Kirschblüte ist die Pracht der vergänglichen Schönheit. Sie vergehen sehr schnell und tragen keine Früchte.  So ist es nicht verwunderlich, dass in der Zeit der Kirschblüte jeden Tag der Sakura-Mai, der Kirschblütentanz von den Maikos und Geishas aufgeführt wird.

Der alte Distrikt, in dem die Geisah früher ihrer Arbeit nachgingen liegt denn auch an der Hanami-koji Straße, dem „Kleinen Weg der Blütenschau“ im Gion.

Ihre Welt ist die „fließende Welt“, in der nur die vergängliche Schönheit des Augenblicks zählt.

Die Vergänglichkeit des Augenblicks wird noch verstärkt, wenn die Kirschblüten an einem Wasserlauf stehen. In den letzen Jahren wurde der alte Geisha-Distrikt am Shirakawa-Fluß wieder restauriert, der auch zum  Gion gehört. Besonders am Abend ist ein Gang durch diesen Bereich ein Ausflug in eine längst vergangene Zeit.

Man betritt diese Region über eine kleine Brücke über den Shiragawa. Es ist, als wurde diese Brücke hinüberführen in eine andere, eine verzauberte Welt.
Am Bachlauf stehen die Kirschbäume dicht an dicht und die Blütenblätter werden vom fließenden Wasser weggetragen. Die kleinen Restaurants mit ihren bunten Lichtern spiegeln sich im Wasser und die alten Geisha-Häuser, in denen die Geishas heute noch ihrer Arbeit nachgehen und tanzen und singen oder die Gäste mit kleinen Spielen unterhalten, stehen dunkel und verschlossen dicht an dicht am Bach. Die Gäste mögen nicht unbedingt erkannt und beobachtet werden.

Am Eingang zu dem Bereich hinter der kleinen BrÃüke über den Shiragawa steht ein Gedenkstein für den Dichter Yoshii Isamasu (1886 – 1960), der den Gion und die „Blüten“ des Gion besonders liebte:

Was auch immer die Leute sagen:
Ich liebe Gion.
Sogar in meinem Schlaf
höre ich das Geräusch des fließenden Wassers
unter meinem Kopfkissen.

Nicht jeder kann sich das Vergnügen leisten, von einer professionellen Unterhalterin die Zeit der Kirschblüte verschönern zu lassen. Aber man hat fast den Eindruck, das ganze Volk ist zur Blütenschau, dem Hanami unterwegs.  Am Philosophenweg ist wegen der Menschemassen kein Durchkommen mehr.
Aber im Maruyama – Park oberhalb des Yasakaschreins im Gion wird das Hanami zu einem Volksfest.

Richtig zünftig wird es dann am Abend. Die Menschen lagern auf Plastikplanen unter den Kirschbäumen, Musiker und Unterhaltungskünstler treten auf und der Geruch aus den Grillbuden überdeckt den Duft der Kirschblüten.

Dem Sake wird reichlich zugesprochen und manch Einer wird wohl am Abend nicht mehr unterscheiden können, ob er wirkliche Kirschblüten sieht oder ob die Welt nicht doch nur ein Traum ist.

sakura sakura
yayoi no sora wa
miwatasu kagiri
kasumi ka kumo ka
nioi zo izuru
izaya izaya
mi ni yukan
Sakura, sakura,
der Frühlingshimmel
So weit das Auge reicht.
Wie Nebel, wie Wolken.
Der Duft und die Farben,
gehen wir, gehen wir
Uns am Anblick erfreuen
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