Kein Waldbaden!


Eigentlich hatten wir auf dem Haikuseminar am Benediktushof mit Susanne das japanische Waldbaden Shinrin üben wollen.
Einmal wurde Susanne von einer Teilnehmerin gefragt, ob man zum Waldbaden ein Handtuch braucht.
Man geht einfach nur in den Wald und genießt die Luft, die Bäume und die Pflanzen, die eine heilsame Wirkung auf uns ausüben.

Plötzlich fing es an heftig zu regnen und der Waldboden war viel zu nass, um dort zu sitzen und über Haiku nachzudenken.
Oder aber, wir hätten jede Menge Handtücher gebraucht. So hatte ich mir Waldbaden nicht vorgestellt!

Also fiel das Waldbaden aus und wir haben über Hölderlins Gedicht „Die Eichbäume“ gesprochen.
Dann gab es die Aufgabe, über das Waldbaden, das nicht statt gefunden hatte, ein Haiku zu schreiben.

Eichbäume im Wald
Bleiben allein ohne mich –
Tropfnass vom Regen.

Eichbäume im Wald –
Gesellt untereinander
Genügen sich selbst!

Oh die Eichbäume –
Warten auf meinen Besuch
Tropfnass vom Regen.

Deutsche Eichbäume!
Sie stehen still im Regen –
Warten auf Besuch.

Das Baden im Wald
Ohne Wasser und Regen!
Es braucht kein Handtuch!

Trockenes Steinmeer:
Waldbaden im Zengarten!
Der Wald muss warten!

Der Sommerregen
An diesem Julimorgen!
Ach! Kein Waldbaden!

Mehr zum Waldbaden – oder besser Shinrin, das passt besser zu den japanischen Haiku – auf der Seite von Susanne.

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Meditation am Sommerabend

Ein Sommerabend.
Längst schon sind die Menschen heimgekehrt und ruhen vom Tagwerk.
Die arbeitsame Woche liegt hinter ihnen.
Morgen ist der Tag des Herrn.

Stille liegt über dem Land.
Langsam schwindet das Licht.
In der Ferne leuchtet ein Feuer.

Lau und weich ist die Luft wie warmer Samt.
Das Abendrot färbt sanft den Himmel und der Bach singt sein stetiges Lied der Stille.
Die Vögel regen sich in der Abendkühle und singen ihr letztes Lied.
Dann werden auch sie still.

Ich sitze in Meditation, geschützt vom Bambus auf der Terrasse.
Unten im Tal schwindet die Dorfkirche im letzten Licht.

Über mir im Geäst turnt die Katze.
Neugierig kommt sie näher und näher.
Dann sitzt sie, dicht an mich gelehnt und putzt sich ausgiebig.
Sie schleckt die Pfoten und putzt das Köpfchen.
Sie genießt die Stille auf ihre Weise.
Der Hund kommt und legt sich lautlos ins Gras.

Es wird dunkel und die Sterne funkeln.
Jetzt werden auch die Vögel still.
Nur noch der Bach singt sein Lied.

Frieden senkt sich über das ganze Land.
Geheimnisvoll steigt die Nacht herauf –
und niemand versteht, was sie bereitet.

Still: Höre den Frieden!

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Haiku am Benediktushof

Am letzten Wochenende haben wir wieder ein Seminar über Haiku und Zen am Benediktushof gehabt. Dabei sind viele neue Haiku entstanden.

Am Benediktushof führt eine alte Steinbrücke über den Bach zum Klosterhof. In der Mitte der Brücke, über dem eilig murmelnden Bach wacht still die steinerne Figur des Heiligen Nepomuk, der schon seit Jahrhunderten die Wege der Mönche zum Gebet geleitet hat.
Ich gehe den Bach entlang und steige die Stiege zum uralten Fachwerkbau empor.
Drinnen führt eine moderne Treppe bis zum Seminarraum unterm Dach, direkt unterhalb des Glockenturms. Die Glocke wird nur noch selten geläutet, etwa zu Hochzeiten oder Taufen in dem barocken Kirchenbau von Balthasar Neumann, der auch die Würzburger Residenz erbaut hat.
Schon als ich das Treppenhaus betrete, duftet es nach japanischen Räucherstäbchen, die eine ganz fremde Welt in diesem christlichen Klosterbau wachrufen. Gespannt steige ich die moderne Stiege empor, die den Wandel der Zeiten anzeigt.
Da, in der Mitte des Treppenhauses auf einem Tischen steht ein Blumengesteck, davor ein einziges Räucherstäbchen. Die duftenden Wolken steigen empor und begrüßen die wuchtigen Pinselstriche eines chinesischen Meisters auf der Hängerolle an der Wand darüber:
Buddha!
Ich folge dem Duft nach oben bis in den Seminarraum: Haiku und Zen!

Buddha

Buddha


Duftende Wolken
Unter der Hängerolle
Künden von Budda.
Steile Treppenstufen
Bis hinauf zum Glockenturm.

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Teezeremonie funktioniert auch unter Kirschen

Bericht über unser Tanabata – Fest 2018 aus dem Nordbayerischen Kurier vom 12. Juli 2018

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Haiku und Zen

Basho auf Wanderschaft


In der nächsten Woche gibt es wieder ein Seminar über japanische Haiku.
Wir werden einiges über die historischen Haiku des großen Dichters Basho erfahren. Für Basho waren die Haiku eine Zen-Übung, die ihn auf seiner Lebensreise begleitet haben bis zu seinem Tode. Noch auf dem Sterbebett verfasste er ein letztes Haiku.
Wir werden aber auch in der Landschaft wandern und selbst Haiku verfassen. Dazu treffen wir uns zu „Haik-kai“, Treffen, um gemeinsam Haiku zu verfassen. Es ist immer wieder erstaunlich, wie anregend die Gemeinschaft wirkt, um eigene Gedichte zu schreiben.
Mit dabei ist diesmal Susanne Enners, die uns zum japanischen Shinrin, dem „Waldbaden“ einladen wird.
Noch sind Plätze am Benediktushof frei.
Anmeldung am Benediktushof

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