Eisai zum Tee

Kissa Yōjōki – Das Buch vom Teetrinken

Tee ist ein Wundermittel ( senyaku) zur Erhaltung des Lebens und eine Kunstfertigkeit (myōjutsu) zu seiner Verlängerung.
Berge und Täler, in denen der Tee gedeiht, sind heilig, und Menschen, die den Tee ernten, leben bis ins hohe Alter.
Tee wird in Indien und China hochgeschätzt und war einst auch in Japan beliebt. Wie ist es möglich, den seit alters im In- und Ausland geschätzten Tee nicht mehr zu verwenden, und wie viel mehr noch, wenn man bedenkt, dass es sich um ein vorzügliches Gesundheitsmittel (ryōyaku) unserer Zeit handelt?

Anfangs waren die Menschen in den ,vier Großen‘ (shidai) (Erde für die Knochen und Muskeln, Wasser für das Blut, Feuer für die Körperwärme und Wind für die Energie) ebenso kräftig wie die Götter. Die heutigen Menschen aber sind gebrechlich wie altes Holz, peinigen sich mit Akupunktur (hari) und Moxa (kyū), und Heilbäder (tōji) bleiben wirkungslos, so dass man darüber erschrickt, wie Menschen, die sich solchen Heilpraktiken hingeben, immer schwächer werden.
Man bedenke, dass das Edelste der Schöpfung des Himmels der Mensch ist. Höchste Klugheit bedeutet deshalb, sein Leben in Gesundheit zu verbringen und es zu schätzen.
Die Grundlage eines gesunden Lebens aber ist die Ernährung. Sie dient der Ausgewogenheit der fünf Organe (Leber, Herz, Milz, Lunge und Nieren). Unter diesen fünf Organen ist das Herz das wichtigste. Zur Gesunderhaltung des Herzens ist der Teegenuss das beste Mittel. Kümmert man sich aber nicht um das Herz, dann werden alle fünf Organe schwach, und sorgt man sich nicht um seine fünf Organe, so ist das eigene Leben in Gefahr.

Seit dem großen indischen Heilkundigen JIVAKA (jap.: KIBA) sind bereits zweitausend Jahre vergangen, und wen sollte man heute nach seiner Methode fragen? Und seit dem Begründer chinesischer Heilkunde, SHEN-NUNG (jap.: SHINNŌ) vergingen schon über dreitausend Jahre. Wie sollte man da seine Pharmazie kennen! Und da niemand die Krankheiten behandeln kann, müssen die Kranken leiden und sterben.

Diese Worte über den Tee schrieb der Mönch Eisai (sprich: Eesai), der den grünen pulverisierten Tee in China kennengelernt hatte, wo er sich zum Studium des Zen aufgehalten hatte.

Er brachte den Tee mit nach Japan und machte ihn dort als „Wundermittel“ zur Erhaltung der Gesundheit und zur Verlängerung des Lebens bekannt.

Ohne ihn hätte sich in Japan niemals so etwas wie der Teeweg entwickelt.

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