Herbstabend

Herbstabend

Herbstabend

Verklärter Herbst

Gewaltig endet so das Jahr
Mit goldnem Wein und Frucht der Gärten.
Rund schweigen Wälder wunderbar
Und sind des Einsamen Gefährten.

Da sagt der Landmann: Es ist gut.
Ihr Abendglocken lang und leise
Gebt noch zum Ende frohen Mut.
Ein Vogelzug grüßt auf der Reise.

Es ist der Liebe milde Zeit.
Im Kahn den blauen Fluß hinunter
Wie schön sich Bild an Bildchen reiht –
Das geht in Ruh und Schweigen unter.

Ginko

Goldener Ginko – vergehende Pracht

Novemberabend:
Golden leuchtet der Ginko –
vergehende Pracht!

Tsuki-mi: Mondschau des Septembermondes

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Der verregnete August verabschiedet sich noch einmal mit heftigen Regenschauern. Aber schon bald wird das Wetter besser werden und dann steht der volle Septembermond am Himmel. Was kann es schöneres geben, als unter dem Septembermond den Tee bereiten und den vollen Mond mit einem Konzert zu ehren?
Am Samstag den 6. September laden wir alle ein, gemeinsam das Monbetrachtungsfest zu begehen und unsere neue Halle einzuweihen.
Einlass ins Myoshinan ist ab 18.00 Uhr. Gegen 18.30 werden wir ein einen Tee in einer feierlichen Zeremonie opfern. Gemeinsam rezitieren wir dann das Hannya Shin gyou, das ‚Herzsutra1. Wer den Text nicht kennt, hört einfach zu. Das Herzsutra endet mit dem Ruf „Gya tei Gya tei, hara gya tei, hara so gya tei“ – „laßt uns hinüber gehen, gemeinsam hinübergehen“ – in die Große Stille und Gelassenheit des Herzens, in der wir mit uns selbst und der Welt im Frieden sind.

Dann beginnt ein wohl ungewöhnliches Konzert, in dem abwechselnd Trommeln, Klangschalen und die Shakuhachi zu hören sein wird. Aber zwischendrin wird es immer wieder Zeiten der Stille geben, die wir gemeinsam genießen. Es ist die Stille und die Klarheit des Herzens, die strahlt wie der volle Mond am Himmel.
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Hotei zeigt mit dem Finger auf den Mond (Zenmeister Zengai Shibayama)

Am Sonntag feiern wir dann ab 14.00 Uhr ein buntes Fest mit unterschiedlichen Vorführungen und japanischem Essen. So ist das Mondbetrachtungsfest, das Tsukimi schon seit der Narazeit in Japan gefeiert worden. Natürlich kommt es, wie das Meiste in Japan, ursprünglich aus China.

Die Eberesche

vogelbeereFeurig rot leuchten die Vogelbeeren im blauen Himmel.
Es ist die hohe Zeit des Sommers.
Aber das Erscheinen der Feuerbeeren macht mich immer ein wenig traurig, denn das gefiederte Laub wird schon herbstlich gelb. Nur noch ein paar Wochen und am frühen Morgen wird schon ein herbstlicher Geruch in der Luft liegen.

Die Vogelbeeren
feurigrot im gelben Laub.
Ach – bald kommt der Herbst!

Aber die Vogelbeeren sind auch ein Schutz gegen bösen Zauber und sie waren dem Donnergott Thor heilig.

Feurige Beeren.
Da – heiße Blitze fallen.
Sommergewitter!

Fränkischer Tag

Eingehüllt in einen blauen Zengoromo steht ein grauhaariger Mann bis zu den Knien im Gras unter einem Kirschblütentraum. Er spielt Shakuhachi. Mit geschlossenen Augen entlockt er der Bambusflöte eine Melodie so rein, tief und sehnsuchtsvoll, dass der Zuhörer sofort spürt, was Gerhardt Staufenbiel ist und was er beherrscht: die Ruhe selbst.

Er lebt mit fränkischer Natur und japanischer Kultur. Er ist Physiker, Teelehrer, Buchautor, Japankenner, Shakuhachi-Spieler. Vor allem aber ist er – studierter – Philosoph. Sein Gefühl für das Hier und Jetzt, für Entschleunigung und Stille, für Wahrheit und Erkenntnis überträgt sich auf den Besucher, sobald er durch die Gartentür mit dem Schild „Myoshinan Chadojo – Japanisches Teehaus“ tritt. Es liegt an einem von Kirschbäumen gesäumten Wanderweg in Oberrüsselbach (Kreis Forchheim).

Die Kirsche wird vielleicht verblüht sein, wenn dieser Text gedruckt ist. Aber die Aussicht bleibt. Sie lässt einen wie angewurzelt vor dem Haus am Hang stehen bleiben. Staufenbiel lächelt wissend und zeigt in die Natur, übers Tal. „Sowas dürfte es gar nicht geben.“ Bis Erlangen kann man schauen. Den Ausblick nutzt er für den Einblick, den Menschen in sich gewinnen wollen: Im Garten hat er Meditationsplätze gebaut. Bauen ist seine Leidenschaft. Shakuhachi zum Beispiel. Die Bambusflöten entstehen an der Werkbank auf der Terrasse. Zurzeit hat Staufenbiehl eine aus 50 Jahre altem Holz in Arbeit.

Er bläst hinein, lauscht den Tönen nach: „Die wird ganz gut.“ Er nickt zufrieden. Eine Shakuhachi herzustellen ist ein langsamer Prozess, genau das Richtige für Staufenbiehl. Holz vorbereiten, vorsichtig Löcher hineinbohren und mit einem elektronischen Messgerät abstimmen. Liegen lassen, von Zeit zu Zeit hineinblasen. „Das ist wie Meditation. Und eine gute Atemtherapie.“

Atmen spielt auch eine wichtige Rolle bei einer weiteren Profession des gebürtigen Thüringers: der Teezeremonie. 1972 kam Staufenbiel in München mit Chado, dem japanischen Teeweg, und der damit verknüpften Zen-Philosophie in Berührung. Er lernte viel, im Teehaus im Englischen Garten, aber auch bei Studienaufenthalten in Japan. Längst darf er sich selbst Teemeister nennen. Auch weiß er, wie ein Teehaus aussehen muss. Knapp ein Dutzend hat er gebaut. Eines davon nimmt die Hälfte seiner Wohnung ein. Besucher müssen die Schuhe ausziehen, dann heißt es durch einen schmalen Eingang einzutreten in eine andere Welt. Bambusböden, viel Holz, mit Papier verkleidete Schiebetüren. Eine davon führt vom größeren, dem Meditationsraum, in den kleineren Raum für die Teezeremonie.

Dort setzt sich Staufenbiel auf seine Fersen und erklärt, dass trotz 800 unterschiedlicher Abläufe alles eigentlich ganz einfach ist: Wasser holen, Holzkohle legen, Feuer bereiten, Teegeräte hereintragen, reinigen, Tee schlagen und trinken. Es sieht aus, als bewege er die Geräte ohne Kraft, nur mit dem Atem. Tee ist sein Grundnahrungsmittel und Beutel kämen ihm nie ins Haus. Das, was er in die Porzellanschale gießt, schmeckt überraschend, grün, wie pures Chlorophyll. Der Effekt ist der gleiche wie beim Kirschblütenschauen: Für eine Weile schweigt der Lärm im Kopf.

Wandern und Tee trinken

Sie stammt aus Kleinasien, wurde durch römische Krieger verbreitet und wächst in Franken seit dem 11. Jahrhundert: die Kirsche. Wenn sie ihre Blüten öffnet und die Fränkische Schweiz in einen weiß-rosa getupften Traum verwandelt, öffnet das den Betrachtern das Herz. Außer auf bekannten Wegen z.B. rund um Pretzfeld lässt sich die Kirschblüte auch auf dem ruhigeren Wanderweg (Start: Wasserspielplatz Kirchrüsselbach) entdecken, der oberhalb von Oberrüsselbach am Teehaus des Teemeisters Gerhardt Staufenbiel vorbeiführt. Dort kann man nach Anmeldung unter Telefon 09192/993805 eine Teezeremonie erleben, sich im Teeweg und Shakuhachi unterrichten lassen, Meditationskurse und philosophische Seminare belegen.

(Artikel im Fränkischen Tag von Irmtraut Fenn – Nebel; mehr unter:
Artikel im Fränkischen Tag
Dort auch ein Video und eine Fotostrecke mit 20 Bildern)

Frühling in China


Frühlingserwachen

Frühlingserwachen 春覺

Heute habe ich eine mail bekommen aus China. Volker Heubel schreibt, dass dort nun der Frühling ausgebrochen ist und die ersten Kirschblüten erschienen sind.
Aber er schreibt es nicht einfach prosaisch auf, nein, er hat eine Kalligrafie und ein Gedicht gemacht, das ich hier einstellen möchte.

Frühling Erwachen 春覺
Aus dem Pavillon
Blick auf die nun
kahle Pflaume,
leichter Duft des Tee
bei mildem Licht
zwischen Vogelstimmen.
Plätschern des Wassers,
still.
Zwei Kirschen in Blüte –

Der chinesische Text heißt Frühling – 春
und
Erwachen – 覺.
Das Gedicht ist mit dünner Tusche in deutscher Sprache im Hintergrund geschrieben.
So feiern Teemenschen den Frühling! Eine Gedicht schreiben, eine Kalligrafie machen und in der Tokonoma aufhängen.

Wer mehr von Volker lesen möchte, dem sein sein Buch über den Teeweg empfohlen:

Wegmomente