Trink Tee – Geh!

Ich habe einen kleinen Text als Grußwort für ein neues Buch über Tee und Zen geschrieben. Den möchte ich hier vorstellen.


Zum Geleit:
Komm – trink Tee!

Der alte chinesische Zenmeister Zhàozhōu, den die Japaner Jōshū nennen, fragte die Besucher seines Tempels: „Warst du schon einmal hier?“
War die Antwort: ‚Nein‘, dann sprach Jōshū: „Trink Tee – Geh!“.
Bejahte der Besucher die Frage, so erwiderte Jōshū ebenfalls: „Trink Tee – Geh!“ Der Tempelverwalter war verwirrt.
Auf seine Frage bekam er die Antwort: „Trink Tee – Geh!“

Das Teetrinken nimmt bis heute in den Tempeln in China, Korea und Japan eine wichtige Rolle ein. Auf unserer Reise durch Zentempel in Südchina wurden wir stets zum Empfang mit Essen bewirtet. Danach forderte uns der Zenmeister auf: „Komm, trinken wir erst einmal Tee!“ Uns wurden die kostbarsten Tees serviert. Einhundert Jahre alter Pur-erh oder Tee aus eigenem ökologischen Anbau der Tempel. 

In Korea wurden wir vom alten Zenmeister zum Tee empfangen. Er saß an einem niedrigen Tischchen in der Mitte des Raumes, der bis zur Decke mit Büchern vollgestopft war. Zwischen all den Büchern fanden wir und ein paar Mönche gerade Platz zum Hocken auf dem Boden. Zenmeister sind eben oft große Gelehrte! Wir sprachen über den japanischen Zenmeister Dōgen, über die Teezeremonie und über unsere Eindrücke auf der Reise. Der Meister bereitete eigenhändig Tee aus Indien, der Heimat des Buddha, aus China, Korea und aus Japan zu. Er hatte speziell für uns kostbaren japanischen Matcha besorgt. Ich durfte ihn mit einem nagelneuen Teebesen schlagen. Über alle kulturellen Grenzen hinweg feierten wir den Frieden zwischen Japan, China und Korea bei einer Schale Tee. Oder waren es zehn oder zwanzig Schalen?

Gespannt schauten die Mönche in China zu, wenn wir eine japanische Teezeremonie mit pulverisiertem Matcha vorführten. Diese ritualisierte Teezubereitung stammt aus China. Aber nur in Japan hat sie die stürmischen Zeiten überlebt und sich zu einer eigenen Kunstform entwickelt. Jetzt kehrte sie heim an ihren Ursprung.

 
In China haben wir erlebt, wie buddistische Mönche, Universitätsstudenten und einfache Bauern ihren Tee bereiteten. Dabei suchten sie nach neuen – oder vielleicht doch uralten – meditativen Choreografien, denn die Tradition ist dort längst – spätestens seit der Kulturrevolution – verloren gegangen. Beeindruckend war die tiefe Konzentration, mit der sie den Tee bereiteten.

Das ist es: Mitten in der Hektik des Alltags innehalten, mit höchster Achtsamkeit Tee zubereiten und gemeinsam trinken. Vielleicht meinte das der alte Jōshū: „Lass uns zusammensetzen, die Hektik des Alltags fallen lassen und Tee trinken! Einfach nur Tee trinken.“ 


Tee klärt den Geist, macht wach und gelassen, und fördert die Meditation, vor allem in der Form des grünen Pulvertees. Der japanische Meister Myoe, der die erste Teeplantage in Japan angelegt hatte, fasste zehn positive Wirkungen des Tee zusammen. Tee schenkt einen wachen Geist und einen gesunden Körper. Er vertreibt Dämonen und böse Geister, vielleicht den bösen Dämon der rastlosen Hektik.  Kaffe dagegen putscht auf und macht nervös.

Wenn wir beobachten, wie Menschen mitten im hektischen Alltag hastig ihren Kaffee zu sich nehmen, möglichst noch als ‚Coffee to go‘ aus Plastikbechern auf der Hetze zum nächsten Termin, ohne überhaupt zu bemerken, dass sie Kaffe trinken, versteht man, welche Stille und Ruhe vom Teetrinken ausgeht. In China gibt es das Sprichwort: Wenn du es eilig hast, mach einen Umweg! Zenmeister Jōshū würde vielleicht sagen: Komm, trink erst einmal Tee!

In China hatten wir an einer Tagung teilgenommen mit dem Thema „Tee und Zen – Ein Geschmack“. Es war allen Teilnehmern völlig klar, dass Tee und Zen untrennbar zusammen gehören. Die Frage war lediglich, welcher der frühen Zenmeister diesen Spruch geprägt hatte. Vielleicht aber sind Tee und Zen in China von Beginn an eng verwoben. So waren es Zenmönche, die den Tee von ihren Studien aus China mit nach Japan brachten. Die ersten japanischen Teemeister waren Mönche oder übten sich intensiv im Zen. Viele waren Laienpriester des Zen.

Im heutigen Japan dagegen, wo die Teebereitung als eigene Kunst im Teeweg gepflegt wird, hört man immer wieder: „Tee ist Tee und Zen ist Zen!“ Zen ist für die Japaner weitgehend zu einer exotische Weise geworden, mit gekreuzten Beinen auf dem Boden zu hocken, während ein Aufseher mit dem Schlagstock durch die Meditationshalle schreitet.
Tee dagegen gilt als ein Kunstweg mit strikten Regeln, die genaustens befolgt werden müssen. Er ist im Laufe der Geschichte zum Zeitvertreib älterer Damen geworden, die prächtige Kimono tragen, kostbare Teegeräte zur Schau stellen und schwatzend den Tee zubereiten. Die Teezeremonie hat in Japan heute nahezu den gleichen Stellenwert wie das Schuhplatteln in bayrischen Traditionsvereinen. 

Aber im Ursprung ist die Kunst der Teebereitung reiner Zen. Zen muss nicht in der Form des Za-Zen, des Sitz-Zen geübt werden. Das achtsame Handeln im Alltag kann Zen sein. Als junger Mönch fragte Jōshū seinen Meister Nanzen nach dem wahren Weg. Nanzen antwortete: „Es ist der alltägliche Geist!“ 

Als alter Meister wurde Jōshū nach dem Wesen des Buddha gefragt. Er antwortete mit einer Gegenfrage: „Hast du deine Reisschale schon gewaschen?“ 

Zen ist nichts Spekulatives oder Kompliziertes. Es ist der gewöhnliche Alltag in voller Achtsamkeit und Bewusstheit gelebt. Der Teemeister Rikyu wurde einmal gefragt, was denn das Geheimnis des Teeweges sei. Er antwortete mit alltäglichen Dingen: „Wasser holen, Brennholz sammeln, Wasser erhitzen, Tee schlagen und trinken. Das ist alles“ „Das kann ich schon alles!“ „Dann möchte ich dein Schüler werden!“ 

Was so einfach klingt, ist schwer zu verwirklichen. Unser Alltag ist hektisch und kompliziert geworden. Wir haben unser eigenes Selbst in dieser Hektik verloren. Im Teeweg dagegen ist alles einfach und natürlich. Die Bewegungen und die Atmung werden eine Einheit. Wir hören auf, etwas zu tun, alles geschieht wie von selbst und wir beginnen, den Tee zu tanzen. 

Schöpfen wir das Wasser mit der Bambuskelle, so werden Hand und Schöpfkelle Eins. Es ist, als würden wir das Wasser mit der bloßen Hand aus der Quelle schöpfen. Ich hatte einmal eine Teeschülerin, die an einem Gehirntumor erkrankte. Völlig versunken und selbstvergessen saß sie im Teeraum, schöpfte immer wieder Wasser und goss es langsam und achtsam in die Teeschale. Verzückt lauschte sie dem Geräusch, das wie ein klarer Wasserfall im Gebirge klang: „Das ist so schön!“ Alles andere hatte sie vergessen. Aber der Klang des Wassers in der Teeschale berührte sie im tiefsten Inneren. 

Das kalte Wasser klingt in der Teeschale wie das frische Wasser eines Bergbaches, das auf Felsen trifft. Warmes Wasser klingt weich und mild. Tauchen wir die Schöpfkelle in das heiße Wasser des Teekessels, bemerken wir, wie die Hitze die Schöpfkelle zurückdrängt. Wir spüren am Gewicht des Wassers in der Kelle, ob wir warmes oder kaltes Wasser geschöpft haben. Durch das achtsame Schöpfen überspringen die Sinne ihre Begrenzung: Wir hören die Temperatur des Wassers und spüren sie am Gewicht. Darin liegt nichts Übernatürliches oder Magisches. Beim ganz gewöhnlichen Schöpfen von Wasser werden wir eins mit der Natur und wir vergessen uns selbst vollkommen. Zenmeister Dōgen schrieb einst: „Den Buddhaweg erlernen heißt, sich selbst erlernen. Sich selbst erlernen heißt, sich selbst vergessen.“ 

Meinte der alte Fuchs Jōshū mit seiner Frage: „Warst du schon einmal hier?“ Überhaupt nicht, ob wir früher einmal an diesem oder jenem Ort waren? Vielleicht fragt er, ob wir jemals HIER, im JETZT, bei uns selbst waren, indem wir uns ganz und gar selbst vergessen haben? Wenn wir noch nie bei uns im HIER angekommen sind, wird es höchste Zeit, Tee zu trinken. 

Was gibt es Schöneres, als an einem kalten Winterabend dem Teekessel im Teeraum zu lauschen, der wie der Wind in den Kiefern singt. Die Dufthölzer im Feuer verbreiten den Duft des reinen Landes, und der Tee erfrischt den Geist. Wir werden immer stiller und spüren, wie wir Eins mit der Natur werden. Wenn wir dann wieder zurückkehren in den Alltag, scheint es, als wäre die Hast und Hektik verschwunden. Die gelassene Stille des Teeraumes wirkt im Alltag nach. Vielleicht meinte der alte Jōshū diese Rückkehr in den Alltag: „Trink Tee – dann geh!“ Geh zurück in den Alltag und bring deine Stille hinaus in die Welt auf dass sie sich wandele. Wenn wir so zu uns selbst gefunden haben, verwirklichen wir unsere Buddhanatur.

Zenmeister Dōgen meint, dass alle Wesen vom Ursprung her die Buddhanatur haben. Wenn das so ist, warum soll man dann noch üben? Wir verwirklichen durch Üben unsere Buddhanatur. Jeder Mensch hat die Fähigkeit, zur Quelle zu gehen und Wasser zu schöpfen. Aber wir müssen es TUN! Andernfalls gibt es kein Wasser aus der Quelle! Wir müssen immer und immer wieder zur Quelle gehen und Wasser schöpfen. So geht es im Teeweg nicht darum, eine Fertigkeit zu erlernen, um sie fortan für immer zu besitzen. Wir müssen immer wieder und wieder Tee üben und zur Stille zurückfinden. Tee ist Zen – Meditation.

Darum ist die Praxis im Zen wie im Tee so wichtig. Aber wir müssen auch verstehen, was wir tun. In Japan neigt man dazu, das alleinige Gewicht auf die Praxis zu legen. Frag nicht – Mach! Man sagt, dass der Fisch das Wasser, in dem er schwimmt, nicht verstehen muss. Aber was, wenn das Wasser auszutrocknen droht?

Wir Abendländer sind nicht im Wasser des Zen und des Tee zu Hause. Darum müssen wir versuchen, es zu verstehen um uns angemessen darin bewegen zu können. Unsere Not ist es, dass der Zen und der Tee fremd für uns sind. Aber diese Not ist zugleich eine große Chance. Wir sehen und Staunen. Das Staunen aber ist der Anfang des Verstehens. Japaner fragen nicht mehr nach der Philosophie des Teeweges oder des Zen. Teeweg ist das, was die alte Tante oder die Oma schon immer praktiziert haben, das aber völlig aus der Mode gekommen ist. Hoūnsai, der Großmeister der Urasenke fragte einmal: „Können Ausländer den Teeweg verstehen?“ Ich frage dagegen: „Können Japaner dern Teeweg verstehen?“ Nur wenn sie wieder das Staunen lernen!

Im Gegensatz zu Japan liegt bei uns im Abendland das Schwergewicht auf dem Denken und dem Intellekt. Einmal kam ein Japanologe regelmäßig zu mir ins Teehaus und schaute bei den Übungen zu. „Es wird Zeit, dass du auch mit den Übungen beginnst!“ „Das geht nicht! Ich bin Wissenschaftler. Wenn ich selbst übe, verliere ich meine Objektivität!“ 

Dazu kann ich nur sagen, es genügt nicht, zu wissen, wie das Essen schmeckt. Man muss selber essen. Immer wieder neu. Sonst wird man nicht satt.

Hoffentlich kann dieses Buch eine Brücke schlagen zwischen Ost und West. Hier wird gefragt und gedacht. Aber das Fragen entstammt einer langjährigen Praxis. Vielleicht kehrt der Teeweg eines Tages verwandelt wieder nach Japan zurück als ‚Tee und Zen‘. 

Inzwischen gibt es deutsche Professoren an japanischen Universitäten, die über den Teeweg lehren. Einer meiner Schüler, der in Deutschland in Philosophie promoviert hat, unterrichtet an einer Universität in Shanghai. Sein Forschungsgebiet ist der frühe Teeweg und seine Wiederkehr in der Gegenwart. 

Man könnte meinen, dass unsere heutige Epoche viel zu hektisch und gehetzt ist, um sich die Zeit zu nehmen, die Stille des Teeweges zu suchen. Wir haben keine Zeit für solche unnützen Rituale. Wir haben Wichtigeres zu erledigen. 

In Japan erlebte der Teeweg seinen Höhepunkt mitten in kriegerischen Zeiten. Der große Teemeister Zen no Rikyu war Zen – Laienpriester und der Teemeister von Hideyoshi. Zuvor hatte er in den langen Kriegen dem Fürsten Oda Nobunaga als Teemeister gedient. Rikyu war kein weltabgeschiedener Eremit. Wenn Hideyoshi abwesend war, übertrug er ihm das Kommando über die Festung Osaka, einem der wichtigsten strategischen Punkte im Land. Wie gut wäre es, wenn wir Menschen in wichtigen Positionen hätten, die immer wieder die Stille und den Frieden suchen, den der Teeweg schenken kann. 

Der Zen kam aus dem Osten in den Westen. Aber die Erde ist rund. Wenn man immer weiter nach Westen geht, kehrt man eines Tages wieder an den Ursprung zurück.

Trinken wir gemeinsam eine Schale Tee! Dann lass uns zurückkehren in den Alltag!

Loslassen! – Aber wie?

Gestern waren wir zu Besuch auf einer Palliativ Station im Krankenhaus bei einer Krebspatientin. In wenigen Tagen wird sie entlassen – entweder in ein Hospiz oder nach Hause. Die Ärzte meinen, dass sie nichts mehr für sie tun können. Zu Hause ist niemand, der sie fachgerecht pflegen kann und ein Hospiz ist für sie eine Sterbestation. Aber sie will nicht sterben.
Martin Buber, der jüdische Philosoph, der die wunderbare Bibelübersetzung vorgelegt hat, meinte einmal: „Ich habe keine Angst vor dem Tod, aber Angst vor dem Sterben!“ Snoopy meint dazu: „Eines Tages müssen wir alle sterben!“ – „Ja, aber an allen anderen Tagen nicht!“ Weisheit auf Snoopy Art!
Der legendäre chinesische Zenmeister Fukke, auf den die Fukke – Shu, die Zenschule der Komuso Mönche, die mit ihrer Shakuhachi meditieren zurückgeht – ging jeden Tag auf den Markt und schlug seine Glocke: „Lebt heute und diesen Augenblick – vielleicht seid ihr morgen schon tod!“ Der japanische Zenmeister Ikkyu ging da schon etwas drastischer vor. Er lief durch die Straßen von Kyoto. Oben auf seinem Wanderstab hatte er einen Totenschädel befestigt. Wenn er einen gehetzten Menschen auf der Straße traf, stieß er seinen Stab so heftig auf den Boden, dass der Totenschädel klapperte. Dann rief Ikkyu den Menschen zu: „Denk daran, dass du sterblich bist. Lebe JETZT!“
Der Tod kann uns immer und jeden Augenblick ereilen, nicht nur, wenn wir schwer krank sind. Darum ist es so wichtig, die Angst loszulassen und den Augenblick zu leben. Einfach nur tief atmen und ganz den Augenblick spüren! Aber wie soll man tief atmen, wenn die Angst die Kehle zuschnürt?
Unsere Patientin erzählte von ihrer nahezu ausweglosen Situation und die Angst würgte sie. Da nahm ich einfach die Shakuhachi und spielte die meditative Musik der Komuso. Sofort wurde ihr Atem tiefer und die Falten im Gesicht glätteten sich. Schließlich lag sie friedlich und strahlend in ihrem Bett und lauschte den heilsamen Klängen der Shakuhachi.
Ich erzählte ihr mit der Shakuhachi vom „verschleierten Mond“, der hinter den Wolken hervorkommt. Unser Herz ist wie der klare, volle Mond. Aber Sorgen und Ängste verschleiern ihn, sodaß sein kühles, menschenfreundliches Licht nicht mehr leuchten kann. Aber der Mond ist immer hell und klar. Oder von den Rufen in den Frühling im alten Yamato, dem Stammland des alten Japan. Da liefen ihr die Tränen weil sie sich im nächsten Frühjahr auf ihrem Balkon mitten in den Blumen sah.
Sie wurde immer ruhiger und der Atem ging tief. So funktioniert unser Gehirn mit seinen Spiegelneuronen. Wenn da jemand ist, der tief und ruhig atmet und die Stille hörbar macht, reagieren wir ebenfalls mit einer tiefen Entspannung.
Carola ist noch viele Stunden auf der Station gewesen bei guten Gesprächen. Wie gut, dass es heute solche Einrichtungen in den Krankenhäusern gibt!


Waldspaziergang

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Waldbaden in der Rhön

Stille Schritte auf sandigem Pfad
Grenzenlos weit ist der Himmel
Die Bäume stehen still und gelassen
Auf den Blättern tropfende Perlen
Im funkelnden Licht
Die Blumen blühen in reiner Wirre.


Schatten der Wälder

Wie aber Liebes? Sonnenschein
Am Boden sehen wir und trockenen Staub
Und heimatlich die Schatten der Wälder und es blühet
An Dächern der Rauch, bei alter Krone
Der Türme, friedsam …

Friedrich Hölderlin
Mnemosyne

Der Wald steht schwarz und schweiget,
Und aus den Wiesen steiget
Der weiße Nebel wunderbar.

Wie ist die Welt so stille,
Und in der Dämmrung Hülle,
So traulich und so hold!

Matthias Claudius

Waldbaden in der Rhön


Zärtlich, wie vormals, wehn Lüfte der Jugend mich an;
Und das strebende Herz besänftigen mir die vertrauten
Offnen Bäume, die einst mich in den Armen gewiegt,
Und das heilige Grün, der Zeuge des seligen, tiefen
Lebens der Welt, es erfrischt, wandelt zum Jüngling mich um.

Friedrich Hölderlin – Der Wanderer