Wer hat Angst vor dem Mori?

Hier ein kleiner Text aus dem Buch über japanische Legenden, das gerade hier entsteht:

Mukashi mukashi: – einmal vor langer langer Zeit waren ein alter Mann und eine alte Frau. Die waren bitterarm und lebten in den Bergwäldern in einer halb zerfallenen Hütte. Das Stroh auf dem Dach war schon fast ganz verwittert, aber sie hatten kein Geld, um neues Stroh zu kaufen.
Eines Nachts regnete es ganz furchtbar. Niemand in unserm Land kann sich vorstellen, wie heftig der Regen in Japan niederprasseln kann. Kein Wunder also, dass die beiden Alten bei einem derartigen Regen so recht große Angst um ihr Dach hatten. Besorgt schaute der alte Mann hoch zum Dach und sagt zu der alten Frau: »Es regnet so schrecklich in dieser Nacht, dass ich fürchte, unser Dach wird nicht länger halten. Nicht einmal vor dem Tiger habe ich so viel Angst wie vor dem Mori!« Mori bedeutet in der japanischen Sprache ein Loch oder eine undichte Stelle.

Zufällig schlich gerade ein Tiger um das Haus. Als der hörte, dass der alte Mann den Mori mehr fürchtete, als ihn den Tiger, dachte er, das muss ein gar fürchterlicher und starker Mori sein, dass der Alte vor dem mehr Angst hat, als vor mir! Mori kann nämlich in Japan auch ein Wald oder ein Familienname sein. Und so dachte der Tiger, der Herr Mori muss gar furchtbar stark sein.

Zur gleichen Zeit saß ein Räuber auf dem Dach, der noch ärmer war als die alten Leute und er versuchte, durch die Lücke im Dach auszuspähen, was er denn stehlen könnte, als er die Worte des alten Mannes hörte. Wie der Tiger dachte er, dass Mori vielleicht der Steuereintreiber oder der Polizist aus der Stadt sein könnte, und erschrocken drehte er sich zur Flucht. Da sah er unten am Haus den Schatten eines Pferdes und sprang ihm auf den Rücken. Aber er hatte den Tiger in der Dunkelheit für ein Pferd gehalten.

Als der Dieb mit einem Krach auf dem Rücken des Tigers landete, dachte der vor Schreck: »Jetzt hat mich der Mori am Nacken!« Er rannte, was er konnte, und schüttelte schließlich seinen Reiter ab. Der Räuber aber merkte, dass er einem Tiger auf den Rücken gesprungen war, und als der ihn abgeschüttelt hatte, versteckte er sich voller Furcht in einem tiefen Erdloch, damit ihn der Tiger nicht angreifen konnte.
Der Tiger aber rannte im Wald umher und berichtete allen Tieren, dass ihm der fürchterliche Mori in den Nacken gesprungen war. Der Affe, neugierig wie immer, rannte sofort los, weil er unbedingt den schrecklichen Mori sehen wollte. Aber der saß offenbar in dem tiefen Erdloch. Der Affe wäre kein Affe gewesen, wenn ihn nicht seine Neugier geplagt hätte. Also hängte er seinen langen Schwanz in das tiefe Erdloch.
Der Räuber in dem Loch dachte, dass nun sein letztes Stündlein geschlagen hätte, weil ihn der Tiger mit seinem Schwanz aus dem Loch ziehen und sicherlich auffressen würde. Voller Angst und mit letzter Kraft biss er dem vermeintlichen Tiger den Schwanz ab.
Der Affe aber rannte kreischend davon. Seit jener Zeit haben die japanischen Affen nur noch einen kurzen Stummelschwanz.
Und die alten Leute haben immer noch Angst vor einem Loch im Dach, obwohl es schon längst aufgehört hat zu regnen, der Tiger vor dem Mori,der stärker ist als er, der Räuber vor dem Tiger und der Affe vor dem Räuber. So geht es, wenn man sich in seiner Vorstellung fürchterliche Dinge einbildet, statt einmal in Ruhe zu überlegen, was denn nun wirklich sein kann.
Warum sollten der Tiger, der Räuber, der Affe und die alten Leute Angst vor einem Loch im Dache haben?

Oder haben wir etwa alle ein Loch im Dach?

Spätestens zum Japanfest im Mai in Eschenau soll das Buch fertig werden. So wie es jetzt aussieht, wird es viele Volkslegenden und literarische Überlieferungen, z.B. Nacherzählungen von im Westen weitgehend unbekannte Noh – Theaterstücken enthalten. Das Buch wird etwa 200 Seiten habe und ist reich illustriert.
Voraussichtlich gibt es eine Luxusausgabe mit farbigen Bildern und eine kostengünstige Paperback-Ausgabe mit schwarz weiß Abbildungen.

Nachtgesänge

So geht es, wenn man anfängt, sich sehr intensiv mit einer Sache zu beschäftigen: man steigt immer tiefer in die Materie ein. Das gilt ganz besonders, man wen sich mit bildhaften Denken befasst. Die Bilder haben die Eigenheit, immer mehr sich miteinander zu verbinden und neue Muster im Gehirn zu bilden.
Bisher habe ich mich ’nur‘ mit Hölderlins Gedicht ‚Hälfte des Lebens‘ befasst. Aber nun untersuche ich die Veröffentlichungsgeschichte. 1803 bittet der Frankfurter Verleger Wilmans um einige Gedichte zu Liebe und Freundschaft, wohl auch um ‚Nachtgesänge‘.
Nachtgesänge waren damals die ganz große Mode. Der englische Pastor Edward Young’s ‚Klagen oder Nachtgedanken über Leben, Tod und Unsterblichkeit in neun Nächten‘. Sein Buch war in ganz Europa ein Bestseller. Jeder, der auf sich hielt, hatte es gelesen. Aber heute liest niemand mehr diese Nachtgedanken. Das Werk ist heute nur noch digitalisiert zu finden unter Goethe schrieb einen Nachtgesang und 1800 erschien von Novalis die Hymne auf die Nacht. Hölderlin selbst hat eine große Hymne auf die Nacht im Gesang ‚Brot und Wein‘ geschrieben. Sogar Hegel versucht sich als ‚Lyriker‘ mit einem Text über die Nacht:

»Der Mensch ist diese Nacht, diß leere Nichts, das alles in ihrer Einfachheit enthält – ein Reichtum unendlich vieler Vorstellungen, Bilder, deren keines ihm gerade einfällt -, oder die nicht als gegenwärtige sind. Diß die Nacht, das Innre der Natur, das hier existirt – reines Selbst, – in phantasmagorischen Vorstellungen ist es rings um Nacht, hier schießt dann ein blutiger Kopf, – dort eine andere weiße Gestalt plötzlich hervor, und verschwindet ebenso. Diese Nacht erblickt man wenn man dem Menschen ins Auge blickt – in eine Nacht hinein, die furchtbar wird, – es hängt die Nacht der Welt hier einem entgegen.« Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Naturphilosophie und Philosophie des Geistes.

Auch in der Musik wurden Nocturnes modern. Einer der ersten Komponisten, der Nocturnes schrieb, war der Ire John Field, der wunderschöne Musik für das Klavier geschrieben hat.

Die Nachtgedanken von Edward Young waren auf neun Nächte verteilt. Hölderlin hat neun Gedichte geschrieben, die er Nachtgesänge nannte. Die ersten sechs sind Oden im klassischen griechischen Stil. Das erste Gedicht in scheinbar völlig freiem Rhythmus ist:’Hälfte des Lebens‘.

Hölderlin beginnt sich hier, von der Diktatur des antiken Vorbildes zu lösen. Und ‚Hälfte des Leben‘ ist KEIN Liebensgedicht, wie immer behauptet wird.

Übrigens sind Liebeslieder immer müder Flug, denn so weit sind wir noch immer, trotz der Verschiedenheit der Stoffe; ein anderes ist das hohe und reine Frohlocken vaterländischer Gesänge.
Hölderlin an den Verleger Wilmans

Es ist der Übergang in eine vollkommene und scheinbar leichte kleine Form. Vermutlich wären nun von Hölderlin Gedichte gekommen, die wie im Zen rückwärts auf dem Ochsen reitend zu singen wären. Aber was kam dann?

Sinclair stürzt in eine unglückselige homoerotische Affaire, gerät in einen Finanzskandal und wird wegen republikanischer Umtriebe angezeigt. Und Hölderlin gleich mit. Um Hölderlin zu schützen, schreibt er an das Tribunal, dass sein Freund verrückt ist. Immerhin stand damals auf das ‚Verbrechen der republikanischen Gesinnung‘ für Bürgerliche der Tod auf dem Schafott. Dann doch besser in die Autenriethsche Klinik.
Nach der ‚Behandlung‘ durch den Herrn Dr. Autenrieth mit der autenriethschen Maske.
Es gab aber im Klinikum die Autenriethsche Maske, vom Leiter des Instituts gegen das Schreien seiner Patienten erfunden. Sie bestand aus Schuhsohlenleder und umfaßte unten mit einer Art Boden das Kinn. Dem Mund gegenüber befand sich auf der inneren Seite ein weich ausgepolsterter Wulst von feinem Leder. Je eine Öffnung war für Nase und beide Augen bestimmt. Mit zwei Riemen, die über und unter den Ohren von vorn nach hinten liefen, wurde die Maske am Hinterkopf befestigt, während ein dritter breiter Riemen, durch lederne Bügel an den Seiten der Maske gehalten, unten den Boden der Mundhöhle quer faßte und oben auf dem Scheitel zusammengeschnallt wurde. Dadurch war das zu weite Öffnen des Mundes verhindert. Die Lippen drückte der Lederwulst von vorn gegeneinander. Damit der Kranke die Maske nicht herunterreißen konnte, wurden ihm die Hände auf dem Rücken zusammengebunden. In dieser Zwangslage ließ man die Patienten manchmal für Stunden, und nach den Versicherungen Autenrieths, schrien sie später nicht mehr, selbst wenn man ihnen die Maske abgenommen hatte.
(Gerhard Wolf: Der arme Hölderlin. In: Christa Wolf, Gerhard Wolf: Ins Ungebundene gehet eine Sehnsucht: Projektionsraum Romantik. Berlin: Insel 2008, S. 17.)

Wer nach einer solchen Behandlung noch schreit, möge sich bitte melden!
Hölderlin hat jedenfalls nicht mehr geschrien.

Aber gedichtet.
Der Schreinermeister Zimmern nahm ihm waschkörbeweise beschriebene Papiere weg und sorgte dafür, das der ‚Wahnsinnige‘ weder Papier noch Tinte in die Finger bekam. Danach dann war Hölderlin still.

Mein lieber Schwan!

Eigentlich wollte ich ja nur einen Text über Hölderlins ‚Hälfte des Lebens‘ (Hälfte des Lebens) überarbeiten und zum Druck vorbereiten. Aber das ist ja dann immer so eine Sache, wenn man alte Texte überarbeiten will. Es kommen so viele neue Ideen, dass es dann doch ein neues Buch wird.

schwaene
Das kleine Gedicht von gerade einmal 14 Zeilen – oder wenn man den Titel mitzählt 15 – scheint ganz naiv und sinnlich zu sein. Darüber ein ganzes Buch schreiben? Aber wenn man anfängt, den Text genauer zu untersuchen, dann tauchen ganz viele Fragen auf.

Hälfte des Lebens
Mit gelben Birnen hänget
Und voll mit wilden Rosen
das Land in den See,
Ihr holden Schwäne,
Und trunken von Küssen
tunkt ihr das Haupt
Ins heilignüchterne Wasser.

Weh mir, wo nehm ich, wenn
Es Winter ist, die Blumen, und wo
Den Sonnenschein,
und Schatten der Erde?
Die Mauern stehn
Sprachlos und kalt, im Winde
klirren die Fahnen.

Warum zum Beispiel hängt das Land mit gelben Birnen und nicht mit goldenen Äpfeln oder roten Kirschen in den See? Die erste Strophe ist ja ganz auf die Liebe gestimmt. Die Schwäne sind trunken von Küssen. Also müssten doch die Früchte eher Äpfel sein, denn das sind die Früchte der Liebesgöttin Aphrodite. Aber nein, Hölderlin will unbedingt gelbe Birnen haben!
Gut, goldene Äpfel passen vom Rhythmus nicht, aber wie wäre es mit der Zeile:

Mit roten Äpfeln hänget…

Und dann die Schwäne! Sie sind trunken von Küssen, aber in der griechischen Mythologie sind es doch die heiligen Vögel von Apollon, dem genauen Gegenteil der Trunkenheit!
Ja, ich weiß schon, die Dichter galten in der Antike als Schwäne, jedenfalls waren beide sehr eng miteinander verwandt. Schließlich singen die Schwäne ganz wunderschön. Sagen jedenfalls die Griechen. Hat jemand schon einmal einen Schwan singen hören? Ich jedenfalls nicht, es ist eher ein wildes Kreischen, was sie hervorbringen.
Aber da gibt es ja doch den Singschwan, vielleicht ist der das Vorbild für die Dichter? Fehlanzeige! Singschwäne kommen im Süden nicht vor, sie sind ausgesprochen nordische Tiere. Die Griechen können also keine Singschwäne gekannt haben.
Man sagt, dass der Sänger Orpheus, nachdem er gestorben war, zu einem Schwan wurde. Schon, aber erst in der Unterwelt. Und dann auch noch, wie es in Platons Staat steht, weil er die Frauen hasste und nicht von einer Frau geboren werden wollte. Also wählte er einen Schwan als Mutter.
Sokrates erzählt kurz vor seinem Tod die Geschichte vom Schwanengesang. Die Schwäne sollen so schön singen, wenn sie ihren Tod heran nahen fühlen. Aber dann gehen sie weit weg, wo sie niemand hören kann.
Immer wieder der Zusammenhang von singenden Schwänen und dem Tod!

Mein lieber Schwan, man kommt ganz schön ins Schwitzen, wenn man dem Hölder zu dicht auf die Feder schaut! Wie lautet das schöne Sprichwort?
Wenn’s dem Esel zu wohl ist, schreibt er ein Buch über den Hölder!

Begeisterung

Gerade schreibe ich wieder mal an einem Buch über Hölderlin. Dabei bin ich auf einen Text gestoßen, in dem Hölderlin über die Begeisterung schreibt:

Es giebt Grade der Begeisterung. Von der Lustigkeit an, die wohl der unterste ist, bis zur Begeisterung des Feldherrn der mitten in der Schlacht unter Besonnenheit den Genius mächtig erhält, giebt es eine unendliche Stufenleiter.
Auf dieser auf-und abzusteigen ist Beruf und Wonne des Dichters.

Nun, Hölderlin war ein Dichter und wie man gewöhnlich denkt noch dazu ein romantischer. Wir ’normalen‘ Menschen brauchen keine Begeisterung um unseren Pflichten nachzukommen. Täglich läuft der gewohnte Trott des Alltags.

Kann man den Alltag und die täglichen Aufgaben bewältigen ohne Begeisterung? Man sagt, dass man einen Hund nicht zum Jagen tragen kann. Doch, kann man, nur wird er nicht Jagen, wenn er keine Lust dazu hat. Es sei denn, wir haben ihn zu einer dressierten Jagdmaschine erzogen. Irgendwie sind wir alle mehr oder weniger solche dressierten Maschinen, die ihren Job erledigen. Nicht aus Begeisterung, sondern weil wir gelernt haben, dass man das so macht.
Nur manchmal müssen wir irgend etwas ungewöhnliches tun, damit das Leben ein wenig Farbe bekommt. Und wenn wir auf einer Party ‚abhängen‘! Und je trister und fader der Alltag abläuft, desto intensiver muss die ‚Freizeit‘ gestaltet werden, damit wir das Leben überhaupt noch spüren.
Im Internet habe ich dazu einen Text von dem Hirnforscher Gerald Hüther gefunden.

Für ein kleines Kind ist noch fast alles bedeutsam, was es erlebt, erfährt und unternimmt. Aber je besser es sich später in seiner Lebenswelt einzurichten und zurechtzufinden gelernt hat, desto unbedeutender wird alles andere, was es in dieser Welt sonst noch zu entdecken und zu gestalten gibt. Wir sind gefangen in Routine. Indem wir älter werden, Erfahrungen sammeln und unsere Lebenswelt nach unseren Vorstellungen gestalten, laufen wir zunehmend Gefahr, im Hirn einzurosten. Wir kennen „unsere Pappenheimer“ und wissen „wie der Hase läuft“. Wir erledigen unseren Job. Wir machen, was getan werden muss. Wir funktionieren. Der Preis dafür ist hoch: für uns verliert das Leben seinen eigentlichen Reiz. Alles ist gleichermaßen bedeutsam oder unbedeutsam. Wir haben zwar unser Leben optimal in den Griff bekommen; unsere kindliche Begeisterungsfähigkeit mit seinen ganzen Reizen für unseren Geist haben wir aber bis zur Leblosigkeit abgewürgt.

Leider ist vielen Erwachsenen genau das, weitgehend verloren gegangen was einem Kind die pure Lebensfreude vermittelt: die Begeisterung. Zwanzig bis fünfzig mal am Tag erlebt ein Kleinkind einen Zustand größter Begeisterung. Und jedes Mal kommt es dabei im Gehirn zur Aktivierung der emotionalen Zentren. Die dort liegenden Nervenzellen haben lange Fortsätze, die in alle anderen Bereiche des Gehirns ziehen. An den Enden dieser Fortsätze wird ein Cocktail von neuroplastischen Botenstoffen ausgeschüttet. Diese Botenstoffe bringen nachgeschaltete Nervenzellverbände dazu, verstärkt bestimmte Eiweiße herzustellen. Diese werden für das Auswachsen neuer Fortsätze, für die Bildung neuer Kontakte und für die Festigung und Stabilisierung all jener Verknüpfungen gebraucht, die im Hirn zur Lösung eines Problems oder zur Bewältigung einer neuen Herausforderung aktiviert worden sind.


Das ist der Grund, warum wir bei all dem, was wir mit Begeisterung machen, auch so schnell immer besser werden. Jeder kleine Sturm der Begeisterung führt gewissermaßen dazu, dass im Hirn ein selbsterzeugtes Doping abläuft. So werden all jene Stoffe produziert, die für alle Wachstums- und Umbauprozesse von neuronalen Netzwerken gebraucht werden. So einfach ist das: Das Gehirn entwickelt sich so, wie und wofür es mit Begeisterung benutzt wird.

Deshalb ist es entscheidend, sich als Heranwachsender oder Erwachsener diese Begeisterung zu bewahren. Leider erleben wir im Laufe unseres Lebens alle zu oft das Gegenteil. Wir stellen fest, dass uns die anfängliche Begeisterung, mit der wir uns als kleine Entdecker und Gestalter unserer Lebenswelt auf den Weg gemacht haben, beim Älterwerden zunehmend abhanden kommt. Denn wie oft überwältigt uns heute noch ein Sturm der Begeisterung? Einmal pro Tag, einmal pro Woche? Einmal im Monat?


Wenn ich mich frage, wie oft mich der Sturm der Begeisterung ergreift, dann muss ich zugeben, das es ziemlich oft geschieht. Obwohl ich mich jetzt seit vielen Jahrzehnten mit Hölderlin befasse und obwohl ich den Text, den ich jetzt überarbeite schon vor einigen Jahren geschrieben hatte, entdecke ich täglich, ja fast stündlich Neues, was regelmäßig Begeisterungsstürme hervorruft.

Es ist ein Text über das Gedicht „Hälfte des Lebens“. Der erste Teil schildert die Fülle einer innigen Beziehung in Liebe, der zweite Teil die Kälte der Trennung.
Es ist fast so wie Hüther in seinem Text schreibt: Dem Kind ist fast noch alles bedeutsam, im Alter (wann beginnt das Alter? mit 20, 40, 50 oder auch erst mit 90 Jahren?) haben wir „unsere kindliche Begeisterungsfähigkeit mit seinen ganzen Reizen für unseren Geist  bis zur Leblosigkeit abgewürgt“.
Muss das so sein?
Hölderlin meinte vermutlich mit dem Titel „Hälfte des Lebens“ nicht zwei Lebensabschnitte der Jugend und des (trostlosen – ?) Alters. Im ersten Teil wird die Ganzheit in einer Verbindung der Gegensätze erlebt, im zweiten der Fehl der „anderen Hälfte“, die uns fehlt um wieder ganz zu sein. Die Betonung liegt eindeutig auf „wieder“. Denn wir können immer wieder unsere Ganzheit zurück gewinnen.

Werden wir im Alter wieder wie die Kinder: entdecken wir voller Begeisterung stets das Neue und Aufregende in unserem Leben.

Hüther fragt in einem seiner Vorträge, ob ein 85 jähriger Mann noch Chinesisch lernen kann. Vermutlich nicht in der Volkshochschule. Aber wenn er eine hübsche junge Chinesin von 65 Jahren kennen lernt und sich in sie verliebt und sie ihn auffordert nach China in das Dorf Cheng Ching zu ziehen, dann wird er in einem halben Jahr Chinesisch gelernt haben!

Aus Begeisterung!

P.S.: Als ich diesen und andere Texte von Hüther gefunden habe, bin ich aufgeregt vor Begeisterung durch die Wohnung und den Garten gerannt! Da ist noch einer, der so denkt, wie ich! Es braucht keine Rennwagen und keine Party, um Begeisterung im Leben zu spüren!

 

 

Heilige Drachen sind gelandet!


Neues aus dem Myoshinan

Heilige Drachen

Nun ist es soweit.
Das Buch über die Drachen ist nach über einem Jahr Arbeit endlich fertig. Druckfrisch liegt eas auf meinem Schreibtisch und wartet darauf, dass die Drachen auch in andere Häuser fliegen und dort Glück bringen können.

Inhalt:

Drachen sind in Ostasien ein Urbild des Lebens und der Geistigkeit.
In China nennt man sie Shen long – heilige oder auch göttliche Drachen.

Sie leben im Wasser, sammeln Wolken und schenken Fruchtbarkeit und Reichtum.
Drachen sind heilig. Sie sind der Geist, der alles Lebendige durchdringt.
Nach der traditionellen chinesischen Medizin sind die Drachen der Geist, der den Menschen lebendig macht und ihm Lebenskraft und Freude schenkt.

Alle Weisen gelten als Drachen, die sich selbst verwirklicht haben.

Drachen sind in Indien, China und Japan die ältesten, mächtigsten und beliebtesten Fabelwesen. Sie leben in Flüssen, Seen oder im Meer. Als Wasserwesen versammeln sie die Wolken und spenden Regen und reiche Ernten. Feuer erscheint nur im Blitz der Gewitter, wenn die Drachen die Wolken versammeln.
Drachen hüten die Perle der Weisheit. Sie repräsentieren Stärke, geistige Kraft und Gelehrsamkeit. Sie schenken Glück und Wohlergehen.

Der Drache ist unter den chinesischen Tierkreiszeichen das mächtigste und Glücklichste. Im Zeichen des Drachen Geborene gelten als intelligent, glücklich und erfolgreich. Alle 12 Jahre ist ein Drachenjahr. Das Jahr 2012 ist das Jahr des Wasser – Drachen, das sich alle 60 Jahre wiederholt.

Der Chinesische Kaiser verstand sich selbst als Drache. Der Japanische Kaiser, der nach der Legende von der Sonne abstammt, hat in seiner langen Ahnenreihe einen Drachen, und wird selbst als Drache gesehen. Viele buddhistische Tempel führen den Drachen im Namen und die jungen Mönche verstehen sich als werdende Drachen. Chinesische Weisen flogen nach der Legende auf Drachen in das Land der Unsterblichen oder wurden selbst zu mächtigen und unsterblichen Drachen.
Das Ideal in Ostasien ist es, die Drachenkraft in sich selbst zu verwirklichen und im Prozess der Selbstverwirklichung zum Drachen zu werden. Weise Männer wie Laotse galten als Drachen und als Vorbild.

So ist es kein Wunder, dass Drachen zu den beliebtesten Motiven in der japanischen und chinesischen Kunst und im Kunsthandwerk gehören. Drachen zieren Gebäude und Bauteile, Säulen, Lampen, die Kimono der Damen und die dazu gehörigen prachtvollen Obi – Gürteln. Drachen werden sehr oft in der Malerei in Deckengemälden der Klöster, auf Hängerollen und als Kalligrafie dargestellt.

Im Buch wird den Spuren der Drachen nachgegangen. Die ältesten Zeugnisse reichen über 5000 Jahre zurück. Die älteste Schrift der Menschheit – das I Ging – ist geprägt von den Drachen.

Im Buch wird der Kulturgeschichte der Drachen nachgegangen und aus der Tradition des Yoga, des Daoismus und der buddistisch geprägten Meditation gezeigt, wie man die Drachenkraft in sich selbst verwirklichen kann.

Oft sind bisher fast unbekannte Texte im Auszug aus dem Original übersetzt und erläutert.

Der zweite Teil, der voraussichtlich im Frühjahr 2013 erscheint, behandelt die Drachen im Buddhismus, in Korea und in Japan.

Über einhundert Abbildungen in der Hardcoverversion teilweise farbig, verdeutlichen den Text. Viele Abbildungen stammen aus Privatsammlungen.

Das Buch ist zum Jahr des Wasserdrachens 2012 entstanden. Die behandelten Themen haben den Autor ein Leben lang begleitet. So ist das Buch keine Verlegenheitsarbeit, sondern die Summe eines Lebens.

Buch bei Paypal bezahlen, auch ohne Paypal Konto

Buch: 33,50 € zuzügl. Versand






Das Buch kann auch auf Wunsch handsigniert vom Autor geliefert werden.
Zusätzlich zur Signatur kann das Buch mit japanischen Kalligrafiestempeln gestempelt werden.
In diesem Fall ist die Originalverschweißung geöffnet.
Preis: 34,50 € zuzügl. Versand


Signatur auswählen:



Buch bei Amazon bestellen:

Anmerkung:

Bei Amazon ist vermerkt, dass das Buch in ein bis zwei Monaten lieferbar ist.
Im Myoshinan ist das Buch auf Lager und sofort lieferbar.