Bücher Bücher Bücher

Es ist so eine Sache mit den Spuren, die wir in der Welt hinterlassen. Baisao hatte Gedichte geschrieben und mit seinen Siegeln versehen. Und wir sind dabei, Spuren mit unseren Büchern zu hinterlassen. Ob die so lange lebendig bleiben werden wie Baisaos Gedichte? Wohl kaum, auch wenn sie mit in Stein geschnittenen Siegeln versehen werden sollten.

Hier entstehen derzeit einige Bücher gleichzeitig. Immer, wenn ein Thema zu sehr den Kopf ergreift, muss man loslassen und wieder an einem anderen Thema arbeiten. Im Augenblick schreibe ich an einem Buch mit Legenden und Geschichten aus dem alten Japan, von einfachen Volkslegenden bis zu literarischen Überlieferungen aus dem Noh Theater oder dem Kabuki.

Ein zweites Buch, auch schon fast fertig, wird ein ‚Dialog‘ zwischen Hölderlin und dem Zenmeister Dōgen über die reißende Zeit. Und weil wir schon bei Hölderlin sind, gibt es noch ein Buch über Hölderlins Gedicht ‚Hälfte des Lebens‘. Es handelt nicht von den zwei Lebenshälften Jugend und Alter, sondern vielmehr von der Suche nach der anderen Hälfte, die wir verloren haben. Und last, not least ist ein Buch mit Gedanken über Laotses Daodejing in Vorbereitung. Eine kleine Leseprobe gibt es im Blog mit der Geschichte vom fürchterlichen Mori

Aber viel wichtiger als meine eigenen Bücher ist mir derzeit ein Buch von Volker Heubel über die Philosophie des Teeweges. Volker ist derzeit in China, wo er in Hangzhou an einer Universität forscht. Sein Buch ist eine absolute Ausnahme. Teeleute, die wirkliche Kenntnisse des Teeweges haben, schreiben in der Regel nicht. Und die Menschen, die über den Tee schreiben und philosophieren, haben meistens keine Kenntnisse von der Praxis des Teeweges.

Volker Heubel hat Sinologie, Philosophie und vergleichender Religionswissenschaft an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen studiert. Danach studierte er in einem Aufbaustudium »Interkulturelle Japan-Kompetenz« an den Universitäten Tübingen und Dôshisha (Kyôto, Japan). Er spricht und schreibt sowohl Chinesisch als auch Japanisch. Gleichzeitig aber übte er sich im Teeweg. Wie oft haben wir hier im Myoshinan gesessen und gemeinsam Tee geübt. Volker hat sehr oft als Gastgeber im Myoshinan zu einem komplette Chaji von etwa 5 Stunden eingeladen. Ich werde nie vergessen, wie wir einmal ein Chaji mit dem Thema »Zenmeister Ikkyu« hatten. Immerhin sagt man ja, dass Ikkyu mitgewirkt hat, dass der Teeweg in Japan als ein Übungsweg des Zen verstanden wurde. Vom ersten bis zum letzten Augenblick war Ikkyu in Zitaten und Anspielung präsent. Sogar Kalligrafien von Volker mit Gedichten Ikkyus waren im Teeraum aufgehängt.

Sein Buch heißt »Wegmomente – Aspekte der Philosophie des Teeweges in der Konstellation von Rombach, Hisamatsu und Laozi«

Schon der Titel zeigt die Weite seines Ansatzes. Es gibt zwar in der deutschen Philosophie Ansätze einer Idee des Weges, so schon bei Heidegger und bei dem Philosophen Rombach. Was aber im Westen fehlt, ist die Verknüpfung des Denkens mit der Praxis. In Japan dagegen findet man oft in den Schulen, die Wege unterrichten, also in den Teeschulen oder den Dojos der Kampfkünste eine gute Übung der Praxis, aber dort wird die Praxis nicht oder nur ganz selten hinterfragt.: »Frag nicht, tu einfach!«

Erstmals in deutscher Sprache liegen nun philosophische Ansätze aus Japan über den Teeweg vor. Volker beschäftigt sich in seinem Buch intensiv mit Hisamatsus Theorie des Teeweges. Hisamatsu war Philosoph in Kyoto, aber er war zugleich auch ein Teemeister, der mit seinen Philosophie Studenten Teezeremonie geübt hat.

Volker hat aber auch die gesamte gegenwärtige Diskussion in Japan über die Zukunft des Teeweges diskutiert. Die meisten Texte, die er bespricht, sind von ihm erstmalig in eine andere Sprache übersetzt worden.

Wer sich für die japanischen Übungswege und deren Verankerung in der traditionellen Philosophie interessiert, sollte das Buch unbedingt kennen. Aber auch, wer sich einfach nur für japanische Kultur interessiert, kommt an diesem Buch nicht vorbei.

Das Buch kann direkt über Bücher / Shoten den Shop im Teeweg.de erworben werden.
Keine Sorge wegen der Sicherheit der Daten: Alle Daten werden über eine sichere Verbindung und verschlüsselt übertragen.

Fushimi Inari und der Teeweg

Gerade arbeite ich an Geschichten über den Inari, den Kami, der in der Gestalt eines weißen Fuchses erscheinen kann, der aber auch als eine schöne junge Frau auftaucht.

inari

Inari mit dem Schlüssel

Der Fuchs ist in Japan ein heiliges Tier, der eng mit der Natur verbunden ist und der zauberische Kräfte hat. So war das früher auch einmal bei uns. Der Fuch als listiges Tier, das in Höhlen wohnt, hatte Verbindung zur Unterwelt und zur Fruchtbarkeit. Weil er den Zugang zu der anderen Welt bewacht, hat er oft einen Schlüssel. Die Japaner deuten den Schlüssel als Zugang zu den Reisspeichern, denn Inari schenkt reiche Ernten.
Der größte Schrein des Inari ist der Schrein in Fushimi, südlich von Kyoto. Dort sind die berühmten 10.000 Torii, die sich den Berg hoch ziehen und die ganze Bergspitze umrunden.

fushimi-torii_bearbeitet-1

Der gesamte Inariberg ist heilig, sogar der Ton, der dort abgebaut wird. Aus ihm machte man Opfergefäße und die Teeleute kleiden mit eben diesem Ton die versenkte Winterfeuerstelle, den Ro aus.

Im neuen Buch über die japanischen Legenden wird es viele Geschichten über den Inari geben. Viele erzählen davon, wie sich der Fuchs in eine schöne Frau verwandelte, einen vornehmen, aber armen Mann heiratete und mit ihm einen Sohn bekam. Dieser Sohn wird in der Regel zu einem berühmten Mann, weil er von der Mutter viele ganz besondere Fähigkeiten geerbt hat. So waren die Vorsitzenden des kaiserlichen Amtes für Yin und Yang, die sich mit Divination befassten, viele Generationen Nachkommen einer Fuchsfrau aus der Sippe der Abe.

Wer hat Angst vor dem Mori?

Hier ein kleiner Text aus dem Buch über japanische Legenden, das gerade hier entsteht:

Mukashi mukashi: – einmal vor langer langer Zeit waren ein alter Mann und eine alte Frau. Die waren bitterarm und lebten in den Bergwäldern in einer halb zerfallenen Hütte. Das Stroh auf dem Dach war schon fast ganz verwittert, aber sie hatten kein Geld, um neues Stroh zu kaufen.
Eines Nachts regnete es ganz furchtbar. Niemand in unserm Land kann sich vorstellen, wie heftig der Regen in Japan niederprasseln kann. Kein Wunder also, dass die beiden Alten bei einem derartigen Regen so recht große Angst um ihr Dach hatten. Besorgt schaute der alte Mann hoch zum Dach und sagt zu der alten Frau: »Es regnet so schrecklich in dieser Nacht, dass ich fürchte, unser Dach wird nicht länger halten. Nicht einmal vor dem Tiger habe ich so viel Angst wie vor dem Mori!« Mori bedeutet in der japanischen Sprache ein Loch oder eine undichte Stelle.

Zufällig schlich gerade ein Tiger um das Haus. Als der hörte, dass der alte Mann den Mori mehr fürchtete, als ihn den Tiger, dachte er, das muss ein gar fürchterlicher und starker Mori sein, dass der Alte vor dem mehr Angst hat, als vor mir! Mori kann nämlich in Japan auch ein Wald oder ein Familienname sein. Und so dachte der Tiger, der Herr Mori muss gar furchtbar stark sein.

Zur gleichen Zeit saß ein Räuber auf dem Dach, der noch ärmer war als die alten Leute und er versuchte, durch die Lücke im Dach auszuspähen, was er denn stehlen könnte, als er die Worte des alten Mannes hörte. Wie der Tiger dachte er, dass Mori vielleicht der Steuereintreiber oder der Polizist aus der Stadt sein könnte, und erschrocken drehte er sich zur Flucht. Da sah er unten am Haus den Schatten eines Pferdes und sprang ihm auf den Rücken. Aber er hatte den Tiger in der Dunkelheit für ein Pferd gehalten.

Als der Dieb mit einem Krach auf dem Rücken des Tigers landete, dachte der vor Schreck: »Jetzt hat mich der Mori am Nacken!« Er rannte, was er konnte, und schüttelte schließlich seinen Reiter ab. Der Räuber aber merkte, dass er einem Tiger auf den Rücken gesprungen war, und als der ihn abgeschüttelt hatte, versteckte er sich voller Furcht in einem tiefen Erdloch, damit ihn der Tiger nicht angreifen konnte.
Der Tiger aber rannte im Wald umher und berichtete allen Tieren, dass ihm der fürchterliche Mori in den Nacken gesprungen war. Der Affe, neugierig wie immer, rannte sofort los, weil er unbedingt den schrecklichen Mori sehen wollte. Aber der saß offenbar in dem tiefen Erdloch. Der Affe wäre kein Affe gewesen, wenn ihn nicht seine Neugier geplagt hätte. Also hängte er seinen langen Schwanz in das tiefe Erdloch.
Der Räuber in dem Loch dachte, dass nun sein letztes Stündlein geschlagen hätte, weil ihn der Tiger mit seinem Schwanz aus dem Loch ziehen und sicherlich auffressen würde. Voller Angst und mit letzter Kraft biss er dem vermeintlichen Tiger den Schwanz ab.
Der Affe aber rannte kreischend davon. Seit jener Zeit haben die japanischen Affen nur noch einen kurzen Stummelschwanz.
Und die alten Leute haben immer noch Angst vor einem Loch im Dach, obwohl es schon längst aufgehört hat zu regnen, der Tiger vor dem Mori,der stärker ist als er, der Räuber vor dem Tiger und der Affe vor dem Räuber. So geht es, wenn man sich in seiner Vorstellung fürchterliche Dinge einbildet, statt einmal in Ruhe zu überlegen, was denn nun wirklich sein kann.
Warum sollten der Tiger, der Räuber, der Affe und die alten Leute Angst vor einem Loch im Dache haben?

Oder haben wir etwa alle ein Loch im Dach?

Spätestens zum Japanfest im Mai in Eschenau soll das Buch fertig werden. So wie es jetzt aussieht, wird es viele Volkslegenden und literarische Überlieferungen, z.B. Nacherzählungen von im Westen weitgehend unbekannte Noh – Theaterstücken enthalten. Das Buch wird etwa 200 Seiten habe und ist reich illustriert.
Voraussichtlich gibt es eine Luxusausgabe mit farbigen Bildern und eine kostengünstige Paperback-Ausgabe mit schwarz weiß Abbildungen.

Nachtgesänge

So geht es, wenn man anfängt, sich sehr intensiv mit einer Sache zu beschäftigen: man steigt immer tiefer in die Materie ein. Das gilt ganz besonders, man wen sich mit bildhaften Denken befasst. Die Bilder haben die Eigenheit, immer mehr sich miteinander zu verbinden und neue Muster im Gehirn zu bilden.
Bisher habe ich mich ’nur‘ mit Hölderlins Gedicht ‚Hälfte des Lebens‘ befasst. Aber nun untersuche ich die Veröffentlichungsgeschichte. 1803 bittet der Frankfurter Verleger Wilmans um einige Gedichte zu Liebe und Freundschaft, wohl auch um ‚Nachtgesänge‘.
Nachtgesänge waren damals die ganz große Mode. Der englische Pastor Edward Young’s ‚Klagen oder Nachtgedanken über Leben, Tod und Unsterblichkeit in neun Nächten‘. Sein Buch war in ganz Europa ein Bestseller. Jeder, der auf sich hielt, hatte es gelesen. Aber heute liest niemand mehr diese Nachtgedanken. Das Werk ist heute nur noch digitalisiert zu finden unter Goethe schrieb einen Nachtgesang und 1800 erschien von Novalis die Hymne auf die Nacht. Hölderlin selbst hat eine große Hymne auf die Nacht im Gesang ‚Brot und Wein‘ geschrieben. Sogar Hegel versucht sich als ‚Lyriker‘ mit einem Text über die Nacht:

»Der Mensch ist diese Nacht, diß leere Nichts, das alles in ihrer Einfachheit enthält – ein Reichtum unendlich vieler Vorstellungen, Bilder, deren keines ihm gerade einfällt -, oder die nicht als gegenwärtige sind. Diß die Nacht, das Innre der Natur, das hier existirt – reines Selbst, – in phantasmagorischen Vorstellungen ist es rings um Nacht, hier schießt dann ein blutiger Kopf, – dort eine andere weiße Gestalt plötzlich hervor, und verschwindet ebenso. Diese Nacht erblickt man wenn man dem Menschen ins Auge blickt – in eine Nacht hinein, die furchtbar wird, – es hängt die Nacht der Welt hier einem entgegen.« Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Naturphilosophie und Philosophie des Geistes.

Auch in der Musik wurden Nocturnes modern. Einer der ersten Komponisten, der Nocturnes schrieb, war der Ire John Field, der wunderschöne Musik für das Klavier geschrieben hat.

Die Nachtgedanken von Edward Young waren auf neun Nächte verteilt. Hölderlin hat neun Gedichte geschrieben, die er Nachtgesänge nannte. Die ersten sechs sind Oden im klassischen griechischen Stil. Das erste Gedicht in scheinbar völlig freiem Rhythmus ist:’Hälfte des Lebens‘.

Hölderlin beginnt sich hier, von der Diktatur des antiken Vorbildes zu lösen. Und ‚Hälfte des Leben‘ ist KEIN Liebensgedicht, wie immer behauptet wird.

Übrigens sind Liebeslieder immer müder Flug, denn so weit sind wir noch immer, trotz der Verschiedenheit der Stoffe; ein anderes ist das hohe und reine Frohlocken vaterländischer Gesänge.
Hölderlin an den Verleger Wilmans

Es ist der Übergang in eine vollkommene und scheinbar leichte kleine Form. Vermutlich wären nun von Hölderlin Gedichte gekommen, die wie im Zen rückwärts auf dem Ochsen reitend zu singen wären. Aber was kam dann?

Sinclair stürzt in eine unglückselige homoerotische Affaire, gerät in einen Finanzskandal und wird wegen republikanischer Umtriebe angezeigt. Und Hölderlin gleich mit. Um Hölderlin zu schützen, schreibt er an das Tribunal, dass sein Freund verrückt ist. Immerhin stand damals auf das ‚Verbrechen der republikanischen Gesinnung‘ für Bürgerliche der Tod auf dem Schafott. Dann doch besser in die Autenriethsche Klinik.
Nach der ‚Behandlung‘ durch den Herrn Dr. Autenrieth mit der autenriethschen Maske.
Es gab aber im Klinikum die Autenriethsche Maske, vom Leiter des Instituts gegen das Schreien seiner Patienten erfunden. Sie bestand aus Schuhsohlenleder und umfaßte unten mit einer Art Boden das Kinn. Dem Mund gegenüber befand sich auf der inneren Seite ein weich ausgepolsterter Wulst von feinem Leder. Je eine Öffnung war für Nase und beide Augen bestimmt. Mit zwei Riemen, die über und unter den Ohren von vorn nach hinten liefen, wurde die Maske am Hinterkopf befestigt, während ein dritter breiter Riemen, durch lederne Bügel an den Seiten der Maske gehalten, unten den Boden der Mundhöhle quer faßte und oben auf dem Scheitel zusammengeschnallt wurde. Dadurch war das zu weite Öffnen des Mundes verhindert. Die Lippen drückte der Lederwulst von vorn gegeneinander. Damit der Kranke die Maske nicht herunterreißen konnte, wurden ihm die Hände auf dem Rücken zusammengebunden. In dieser Zwangslage ließ man die Patienten manchmal für Stunden, und nach den Versicherungen Autenrieths, schrien sie später nicht mehr, selbst wenn man ihnen die Maske abgenommen hatte.
(Gerhard Wolf: Der arme Hölderlin. In: Christa Wolf, Gerhard Wolf: Ins Ungebundene gehet eine Sehnsucht: Projektionsraum Romantik. Berlin: Insel 2008, S. 17.)

Wer nach einer solchen Behandlung noch schreit, möge sich bitte melden!
Hölderlin hat jedenfalls nicht mehr geschrien.

Aber gedichtet.
Der Schreinermeister Zimmern nahm ihm waschkörbeweise beschriebene Papiere weg und sorgte dafür, das der ‚Wahnsinnige‘ weder Papier noch Tinte in die Finger bekam. Danach dann war Hölderlin still.

Mein lieber Schwan!

Eigentlich wollte ich ja nur einen Text über Hölderlins ‚Hälfte des Lebens‘ (Hälfte des Lebens) überarbeiten und zum Druck vorbereiten. Aber das ist ja dann immer so eine Sache, wenn man alte Texte überarbeiten will. Es kommen so viele neue Ideen, dass es dann doch ein neues Buch wird.

schwaene
Das kleine Gedicht von gerade einmal 14 Zeilen – oder wenn man den Titel mitzählt 15 – scheint ganz naiv und sinnlich zu sein. Darüber ein ganzes Buch schreiben? Aber wenn man anfängt, den Text genauer zu untersuchen, dann tauchen ganz viele Fragen auf.

Hälfte des Lebens
Mit gelben Birnen hänget
Und voll mit wilden Rosen
das Land in den See,
Ihr holden Schwäne,
Und trunken von Küssen
tunkt ihr das Haupt
Ins heilignüchterne Wasser.

Weh mir, wo nehm ich, wenn
Es Winter ist, die Blumen, und wo
Den Sonnenschein,
und Schatten der Erde?
Die Mauern stehn
Sprachlos und kalt, im Winde
klirren die Fahnen.

Warum zum Beispiel hängt das Land mit gelben Birnen und nicht mit goldenen Äpfeln oder roten Kirschen in den See? Die erste Strophe ist ja ganz auf die Liebe gestimmt. Die Schwäne sind trunken von Küssen. Also müssten doch die Früchte eher Äpfel sein, denn das sind die Früchte der Liebesgöttin Aphrodite. Aber nein, Hölderlin will unbedingt gelbe Birnen haben!
Gut, goldene Äpfel passen vom Rhythmus nicht, aber wie wäre es mit der Zeile:

Mit roten Äpfeln hänget…

Und dann die Schwäne! Sie sind trunken von Küssen, aber in der griechischen Mythologie sind es doch die heiligen Vögel von Apollon, dem genauen Gegenteil der Trunkenheit!
Ja, ich weiß schon, die Dichter galten in der Antike als Schwäne, jedenfalls waren beide sehr eng miteinander verwandt. Schließlich singen die Schwäne ganz wunderschön. Sagen jedenfalls die Griechen. Hat jemand schon einmal einen Schwan singen hören? Ich jedenfalls nicht, es ist eher ein wildes Kreischen, was sie hervorbringen.
Aber da gibt es ja doch den Singschwan, vielleicht ist der das Vorbild für die Dichter? Fehlanzeige! Singschwäne kommen im Süden nicht vor, sie sind ausgesprochen nordische Tiere. Die Griechen können also keine Singschwäne gekannt haben.
Man sagt, dass der Sänger Orpheus, nachdem er gestorben war, zu einem Schwan wurde. Schon, aber erst in der Unterwelt. Und dann auch noch, wie es in Platons Staat steht, weil er die Frauen hasste und nicht von einer Frau geboren werden wollte. Also wählte er einen Schwan als Mutter.
Sokrates erzählt kurz vor seinem Tod die Geschichte vom Schwanengesang. Die Schwäne sollen so schön singen, wenn sie ihren Tod heran nahen fühlen. Aber dann gehen sie weit weg, wo sie niemand hören kann.
Immer wieder der Zusammenhang von singenden Schwänen und dem Tod!

Mein lieber Schwan, man kommt ganz schön ins Schwitzen, wenn man dem Hölder zu dicht auf die Feder schaut! Wie lautet das schöne Sprichwort?
Wenn’s dem Esel zu wohl ist, schreibt er ein Buch über den Hölder!