Bashō’s Jisei

der letzte Apfel am Baum
Tabi ni yan-de
yume wa kare no o
kake-meguru.
Krank auf der Reise
wandern die Träume dennoch
über dürres Feld.

Basho war auf seiner letzten Reise erkrankt und er fühlte sein Ende nahen.
Noch auf dem Krankenbett schrieb er dieses Haiku. Reisen und Dichten waren für ihn nicht irgend eine Beschäftigung unter anderen, sie waren sein Leben. Seine Schüler baten ihn, sein letztes Gedicht vor dem Tod, sein Jisei zu schreiben, wie es in Japan üblich war.
Aber Basho antwortete:

Wenn irgend jemand nach meinem Jisei – meinem Todesgedicht fragt, so sagt ihm, dass jedes meiner Gedichte mein Jisei war.

Für den Dichter gab es keinen Augenblick in seinem Leben, der ihm nicht sein letzter hätte sein können. Er hatte jedes Gedicht mit dem solchem Ernst geschrieben, dass es sein letztes sein könnte.
Im Teeweg gibt es das Wort

Ichi Go – ichi E
Eine Zusammenkunft – eine Situation

Leben wir so, dass jeder Augenblick unseres Lebens der letzte sein könnte! Verschieben wir unser Leben nicht auf später, leben wir jetzt! Sonst könnte die Situation eintreten, dass wir fragen müssen: „Gibt es ein Leben vor dem Tode?“

Auf Wunsch seiner Schüler schrieb Basho dennoch, weil es die Sitte so verlangt, sein Jisei, sein Todesgedicht:

Heizei sunawachi jisei-nari.
Nanigoto zo kono setsu ni aran ya
Das Alltägliche Gedicht ist das Jisei!
Was könnte in diesem Augenblick Anderes sein?
Basho schieb dieses Gedicht zwei Tage vor seinem Tod.
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Ein Kommentar zu Bashō’s Jisei

  1. Thorsten S. sagt:

    Dieser Mensch hat gelebt. Ich beneide ihn!

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