Gesang der Drachen

Drachen singen?

Ja, sehr schön sogar, aber nur wenigen Menschen ist es vergönnt, den Drachengesang zu hören. So schreibt jedenfalls Michael Ende in seiner Unendlichen Geschichte:

Glücksdrachen  sind Geschöpfe der Luft und Wärme, Geschöpfe unbändiger Freude, und trotz ihrer gewaltigen Körpergröße so leicht wie eine Sommerwolke. Darum brauchen sie keine Flügel zum Fliegen. Sie schwimmen in den Lüften des Himmels wie Fische im Wasser. Von der Erde aus gesehen gleichen sie langsamen Blitzen.

Das Wunderbarste an ihnen ist ihr Gesang. Ihre Stimme klingt wie das goldene Dröhnen einer großen Glocke, und wenn sie leise sprechen, so ist es, als ob man diesen Glockenklang von fern hört. Wer je solchen Gesang vernehmen durfte, vergisst es sein Lebtag nicht mehr und erzählt noch seinen Enkelkindern davon.

Man kann Drachen sehr selten singen hören, aber am Sonntag, den 7. Oktober 2012 kann man sie in der Nürnberger Norishalle hören. Dann wird am Nachmittag um 15.00 Uhr ein kleines Konzert mit Drachengesängen sein.Ich weiß nicht, ob die Drachen dieses Mal so schön singen werden, denn ich spiele selbst die japanische Shakuhachi, also wird es wohl doch eher ein wenig irdischer klingen als die echten Drachen.

Aber Huanhuan Wang wird ein altes chinesisches Instrument spielen und das wird dann doch wohl etwas himmlischer. Huanhuan ist professionelle Musikerin. Sie spielt die alte chinesische Gu Zheng, die ‚Alte Zither‘ und die europäische Konzertharfe.

Beim Konzert wird nur die Gu Zheng mit klassischen chinesischen Stücken zu hören sein.
Die Gu Zheng ist eine große, liegende Zitter oder Harfe. Ihr Name bedeutet Gu – alt, Zheng – Zitter. Sie ist das Vorbild für die japanische Koto, aber die Gu Zheng ist noch viel reicher im Klang als die Koto. Und Huanhuan beherrscht ihr Instrument wirklich meisterhaft.

Zwischen den Stücken werden kleine Geschichten aus dem Drachenbuch gelesen.

Veranstaltungsort:

Museum der Naturhistorischen Gesellschaft, Norishalle in Nürnberg.

Das Konzert beginnt um 15.00 Uhr.

Platzreservierung bei der NHG kann nicht schaden, denn das KOnzert findet in der aktuellen Drachenausstellung statt. Deshalb gibt es nur eine beschränkte Anzahl von Plätzen.

Anmeldung unter Tel.: (0911) 22 79 70
oder per mail: kontakta@nhg-nuernberg.de

Drachenpapier

Dieser Tage habe ich eine mail von Peter Treu aus Japan bekommen, der meine Namensstempel macht.
Darin war ein Beispiel seiner Arbeiten, die er auf selbst geschöpften Papier anfertigt.

Ich denke, an der Farbigkeit sieht man, dass er lange in Japan gelebt hat.
Und sein Papier hat eine typisch japanische Anmutung, es ist shibui – rauh.
Shibui ist der Geschmack einer unreifen Kaki. Wenn man in die Frucht beißt, zieht es alles zusammen. Der Geschmack ist nicht süß und geschmeidig, eher herb und streng.
Das ist genau der Geschmack von wabi, der schlichten Unscheinbarkeit,  das in der japanischen Kunst eine so große Rolle spielt, auch im Teeweg.
Auf mich  übt das Werk eine starke Anziehung aus.

Ich würde gern mehr davon sehen.

Danke Peter für das schöne Bild!

 

Heilige Drachen: Wie schreibt man seinen Namen auf Japanisch?


Drachensiegel

Langsam neigt sich die Arbeit am Drachenbuch zu Ende. Nur noch ein kurzes Kapitel und dann ist die Arbeit von einem Jahr abgeschlossen. Eigentlich war es nicht die Arbeit eines Jahres: mein ganzes Leben spiegelt sich in dem Buch. Alles, was mir auf meinen Wegen begegnet ist, hat zu den Drachen beigetragen: die Bibel, die griechische Mythologie, Indien mit den Upanishads und dem Yoga, China, Japan und Korea.
Inzwischen hat sich so viel Material angesammelt, dass es nicht ein Buch wird sondern zwei.
Drachensiegel
Jetzt kommen die Gedanken, dass ich gerne das Buch mit einem japanischen Siegel meines Namensstempels versehen würde. Aber wie schreibt man seinen – für Japaner ohnehin fast unaussprechlichen – Namen so in Siegelschrift, dass es nett ausschaut und Japaner beim Lesen nicht in Gelächter ausbrechen?

Wie man den Drachen in Siegelschrift oder im Kalligrafiestil schreiben kann, ist relativ klar. Das zeigen die Beispiele in diesem Beitrag. Für die Siegelschrift gibt es spezielle Lexika, in denen die unterschiedlichsten Stile für Siegelschrift zu finden sind.

Aber wie macht man das bei ausländischen Namen? Man kann das in die Katakana Schrift umsetzen, ist aber nicht so elegant. Namen wir Karin sind leicht zu schreiben. Man sucht japanische Worte mit der Lesung KA – und RIN. Da fällt einem sofort die Blume KA und der Wald RIN ein: Blumenwald.

Aber Staufenbiel?
Zum Glück gibt es da einen Deutschen Künstler, der in Japan als Wahlheimat lebt. Von ihm sind auch die drei Siegel mit dem Schriftzeichen für Drache. Er ist Druckgrafiker und macht unter anderem japanische Stempel. Er hatte sofort eine Idee für die Umsetzung:

Wörtlich steht da auf dem Siegel:

朱他羽辺美意流

朱= Zinnober
他= des weiteren
羽= Flügel/Schwinge/Feder
辺= Nähe von
美= schön (-heit)
意= Gedanke
流= Fluss/Richtung( im Sinn von Schule/Tradition)

Liest man das hintereinander, so ergibt sich eine Aussprache, die so ähnlich klingt wie Schu-ta-u-hen-bi-i-ru. Das sind sieben Kanji, sieht nicht so schön aus auf einem Siegel. Also kommt noch das Zeichen für Siegel hinzu.

Weil ich in der letzten zeit sehr viel über das Zinnoberfeld geschrieben habe, das in einer etwas anderen Schreibung 丹田 Tan-den geschrieben wird. Das ist der Bereich im Unterbauch, im Herzen und im Kopf, den man bei der Meditation wie ein pulsierend warmes Feld spüren kann. Tan 丹 ist der Zinnober, der eine zinnober rote Farbe 朱 -shu hat. Also werden wir den Namen wohl mit Zinnoberfeld 朱田 schuta schreiben.
Die Feder oder Schwinge U – 羽 verleiht die Leichtigkeit des Fluges, auch des Gedankenfluges, die in die Nähe 辺 – HEN der Schönheit 美 – BI führt. Das letzte Zeichen 流 – RU heißt fließen, Kunstrichtung, Schule. Weil wir ja hier im Myoshinan die Schule haben, die in die Nähe der Schönheit führen soll, passt das ganz gut.
Und hier noch mit der Version des Zinnoberfeldes:

Und schon ist der Name fertig. Jetzt muss er nur noch in Stein geschnitten werden. Aber das macht der deutsch Künstler in Japan, der Peter Treu.

Wer auch gern einen Namensstempel haben möchte, kann sich vertrauensvoll an ihn wenden. Seine homepage:
Gan-in-japanstempel

Teezeremonie ohne Teegeräte

Am Wochenende war ich bei Freunden in der Nähe von München zu Besuch. Dort soll in einem alten Beuernhaus ein Seminarhaus entstehen, in dem später auch der Teeweg geübt werden kann.
Das Haus steht noch leer, nur ein paar Möbel aus Bambus und ein Buddha sind vorhanden. Plötzlich war da der Wunsch, ich möchte doch eine Teezeremonie machen, um das Haus einzuweihen. Aber was tun ohne Teegeräte?

Teezeremonie

Teezeremonie ohne Teegeräte

Ein Kühler für Eiswürfel wurde gelehrt, mit heißem Wasser gefüllt und schon war da ein Teekessel. Feuer brauchten wir nicht, weil das Thermosgefäß die Hitze sehr gut hält. Eine große Blumenvase wurde zum Kaltwassergefäß. Ein großes Blatt aus dem riesigen Garten ersetzte den Deckel. Eine kleine Salatschale aus der Küche passte von der Größe und Form sehr gut als Brauchwassergefäss Kensui. Eine kleine Blumenvase von passender Form tat es als Deckelträger Futaoki. Teedose, Teelöffel, Schöpfkelle und Teeschale waren immerhin vorhanden. Ein australischer ‚Regenmacher‘ bildete den Abschluss des Arbeitsplatzes und markierte die Breite der nicht vorhandenen Tatami. Ein paar Blumen aus dem Garten, ein Räucherstäbchen und schon war alles bereit für eine Einweihungszeremonie.
Ich denke, allen anwesenden Gästen hat es gefallen, auch ohne Teehaus, Teegeräte oder formelle Kleidung.
DAS ist der Teeweg: es kommt nicht darauf an, dass man alle Geräte in Perfektion zur Verfügung hat. Das Wichtigste ist, dass die Herzen bei einer Schale Tee zueinander finden.